Digitale Fotografie - Test & Praxis
Systemkameras im Vergleich

Sony A6600 und Fujifilm X-T4 im Test-Duell

Sony A6600 vs. Fujifilm X-T4: Wo steht das APS-C-Format heute? Wir vergleichen die beiden APS-C-Topmodelle von Sony und Fujifilm.

Inhalt
  1. Sony A6600 und Fujifilm X-T4 im Test-Duell
  2. Sony A6600 vs. Fujifilm X-T4: Bildqualität und Test-Fazit

© Hersteller / Montage: Weka Media Publishing

Sony A6600 vs. Fujifilm: Wir vergleichen im Test die beiden spiegellosen APS-C-Systemkameras.

Auch wenn KB-Systeme zunehmend Marktanteile gewinnen, bleibt APS-C ein spannendes und relevantes Format. Denn es ermöglicht nicht nur eine kompaktere Kamerabauweise, sondern auch leichtere und kleinere Objektive. Zudem sind die Preise niedriger, sodass sich der Fotograf bei festem Budget mehr lichtstarke Objektive leisten kann.

Momentan bieten Canon, Fujifilm, Nikon und Sony spiegellose APS-C-Systeme an. Die klassischen SLR-Systeme lassen wir außen vor: Hier dürfte es in den kommenden Jahren zwar so manches Schnäppchen geben, aber es sind weniger spannende Neuvorstellungen zu erwarten, allein Pentax bleibt konsequent bei der SLR.

APS-C: Wie sieht es bei Nikon und Canon aus?

Nikons spiegelloses APS-C-Portfolio enthält die Kamera Z50 und zwei für APS-C gerechnete lichtschwächere Universalzooms. Die Z-Objektive mit KB-Bildkreis passen zwar ohne Adapter, da das Bajonett dasselbe ist – doch mit KB-Rechnungen verliert das APS-C-System seinen Preis- und Gewichtsvorteil.

Fürs laufende Jahr erwarten wir weitere Produkte, doch es braucht Zeit, bis Nikon sein System ausgebaut hat. Zudem liegt der Fokus beim Z-System offensichtlich auf den KB-Produkten.

Canon hat sein APS-C-System mit einem EF-M-Bajonett ausgerüstet, das weder mit EF- noch mit RF-Bajonetten kompatibel ist. Man braucht also passende Adapter. Zudem ist das Angebot an EF-M-Optiken zwar größer als bei Nikon, aber am Ende sind es zumeist eher lichtschwache Zooms. Das reicht leider nicht, um die 30 MP der aktuellen Sensorgeneration adäquat zu unterstützen. Viel Ehrgeiz, das M-System auszubauen, zeigt Canon im Moment nicht.

Fujifilm und Sony weiter als Vorreiter

Ganz anders sieht es bei Fujifilm und Sony aus: Beide Hersteller bieten nicht nur zahlreiche Kameras an, sondern auch ein großes Objektivportfolio. Die Kameraauswahl ist bei Fujifilm grundsätzlich größer, da es Modellreihen mit X-Trans- und Bayer-Sensoren gibt und zudem Kameras mit fest eingebauten Objektiven. Beide Hersteller kombinieren die aktuelle Sensor- und Prozessorgeneration mit unterschiedlichsten Ausstattungspaketen, was differenzierte Preise ohne gravierende Abstriche bei der Bildqualität ermöglicht.

Fujifilm offeriert auch mehr Optionen bei der Auswahl der passenden Objektive. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Fujifilm lange Zeit eben nur das eine Kamerasystem pflegen musste.

Sensor und Bildstabilisator

Wie in den Modellen X-T3, X-Pro3 und X100V setzt Fujifilm auch in der X-T4 auf die Kombination aus einem X-Trans-CMOS-4-Sensor mit 26 MP und einem X-4-Bildprozessor. Anders als ein klassischer CMOS mit Bayer-Farbfilter, den Sony verwendet, sind die Farbfilter bei Fujifilm nicht schachbrettartig, sondern in Clustern zu je 3 x 3 Pixeln angeordnet: fünf davon sind für Grün, je zwei für Blau und Rot zuständig.

Sonys Sensor arbeitet mit 24 MP, diese Auflösung ist bei Sony seit Jahren Standard im APS- C-Bereich. Der Bionz-X-Prozessor wurde aus der vollformatigen A9 übernommen.

Beide Modelle sind mit kameraseitigem Bildstabilisator ausgestattet. Für die X-T-Baureihe ist das eine Premiere, die X-T4 ist nach der X-H1 Fujifilms zweites Modell mit Stabilisator. Bei Sony ist diese Funktion stets dem APS-C-Topmodell vorbehalten. Multishot-Funktionen fürs Erstellen hochauflösender Aufnahmen bringen beide nicht mit.

© Fujifilm

Die Fujifilm X-T4 ist in zwei Farbvarianten erhältlich: Schwarz und Silber.

Tempo und Verschluss

Die Seriengeschwindigkeit beträgt bei Sony 11 B/s inklusive Schärfenachführung und mechanischem Verschluss. Die Fujifilm schafft mehr. Sie ist mit einem optimierten mechanischen Verschluss ausgestattet, der gegenüber den früheren Modellen ein höheres Serientempo ermöglicht und zudem leiser arbeitet.

„Mechanisch“ belichtet die X-T4 mit Verschlusszeiten zwischen 1/8000 und 4 s, elektronisch sind bis zu 1/32 000 s möglich. Mit dem neuen Verschluss schießt die X-T4 bis zu 15 Bilder pro Sekunde. Mit dem elektronischen Verschluss sind bei voller Auflösung maximal 20 B/s möglich. Sonys A660 belichtet mit beiden Verschlussarten zwischen 1/4000 und 30 s lang.

In 4K-Auflösung kann die X-T4 mit 60 B/s filmen, in Full-HD mit 240 B/s. Sony schafft beides mit jeweils halber Frequenz. Die X-T4 verfügt über die F-Log-Funktion mit passender Monitordarstellung und kann die Videos parallel auf zwei verschiedenen Karten speichern. Sony beherrscht Augen-AF auch im Videomodus und unterstützt den Filmer zudem mit einer Hybrid- Log-Gamma-Funktion (HLG) und einer Zebramuster-Funktion.

Schneller Autofokus

Beide Hersteller betonen die Wichtigkeit der AF-Funktionalität und haben sie gegenüber den Vorgängermodellen deutlich verbessert. Der Schwerpunkt liegt jeweils auf der verlässlichen Verfolgung von Motiven und auf Features wie Gesichts- und Augenerkennung.

Beide Testkandidaten haben insgesamt 425 Messfelder, die allesamt Phasen- und Kontrastmessung beherrschen. Die Messfelder decken den Sensor großflächig ab.

Fujifilm bietet neben einer Messfeldautomatik auch einen Einzelpunkt-AF und Messfeldgruppierung (Zone) mit 9, 25 oder 49 Messfeldern. Die Anzahl der Messpunkte kann man von 425 auf 117 reduzieren, beim Zonen-AF passiert dies automatisch. Die Gesichts-/Augenerkennung lässt sich in jedem Modus aktivieren oder deaktivieren.

Der Fotograf hat die Wahl, die Priorität auf das linke oder das rechte Auge zu legen oder die Augenerkennung komplett abzuschalten. Für den kontinuierlichen Autofokus (AF-C) stehen wie bisher fünf Presets zur Wahl, für ein sechstes Set kann der Anwender drei Parameter selbst justieren. Sämtliche AF-Einstellung bündelt Fujifilm in einem Untermenü – sodass sie schnell aufzufinden und anzupassen sind.

Test-Übersicht

Von der X-E3 bis zur X-H1: Wir prüfen alle Systemkameras der Fujifilm X-Serie im Testlabor. Die Tests in der Übersicht.

Sony bietet eine stattliche Auswahl an Messoptionen. Der Fotograf hat die Wahl zwischen „Breit“ (Messfeldauto-matik), „Feld“ (Messzone), „Mitte“ (zentrales AF-Feld), „Flexible Spot“ (frei wählbares AF-Feld in drei Größen), „Erweit. Flexible Spot“ sowie „AF-Tracking“ bei kontinuierlichem Autofokus (AF-C). Beim AF-Tracking hat man wiederum die Wahl zwischen allen zuvor genannten Messmethoden. Zusätzlich lässt sich die Priorität für eine schnellere Auslösung oder für eine höhere AF-Genauigkeit separat für AF-S und AF-C festlegen.

Die Gesichts bzw. Augenerkennung (mit Auswahl zwischen linkem und rechtem Auge) ist in allen Modi verfügbar und priorisierbar. Der Autofokus der Sony-AF kann zudem zwischen Menschen und Tieren unterscheiden. Sind sowohl Menschen als auch Tiere im Sucher, kann der Fotograf per Funktionstaste entscheiden, ob Menschen oder Tieren verfolgt werden sollen.

© Fujifilm

AF-, AEL- und Q-Taste haben im Vergleich zur X-T3 die Plätze getauscht. Der untere Teil des Verschlusszeitenrads dient jetzt zum Umschalten zwischen Standbild und Video. Bei der X-T3 wählte man damit die Belichtungsmessmethode. Der TFT-Monitor befindet sich hier in Transportposition.

Unterm Strich bietet die A6600 zwar mehr Einstellmöglichkeiten, aber dafür weniger Übersicht, da sie kein separates AF-Untermenü hat. In der Praxis reagierten beide Kameras flott auf die Personen im Bild und verfolgten sie zuverlässig. Abrisse oder Fehlfokussierungen beim Tracking von Menschen oder anderen bewegten Objekten waren bei beiden Kameras festzustellen: Je nach Situation, Entfernung, Bewegungsmuster und Optik lag mal die eine, mal die andere Kamera vorne. Sowohl in der Anzeige (Rahmenmarkierung und Verfolgung) als auch bei der Schärfe im Bild hatte Sony tendenziell einen kleinen Vorsprung.

Sucher und Display

Die Platzierung des OLED-Suchers ist bei der A6600 praktischer, denn die eigene Nase ist nicht im Weg. Ansonsten kassiert X-T4 die Pluspunkte. Deren OLED-Sucher löst feiner auf: 1.230.000 RGB-Pixel sorgen für eine detailreichere Darstellung als die nur 786.432 RGB-Pixel des Sony-Suchers.

Aber auch die Abstimmung des Sucherbilds ist Fujifilm besser gelungen. Sony hebt den Kontrast zu stark an, sodass das Bild zu künstlich und zu hart wirkt. Zudem sind immer ein leichtes Flimmern und Farbinterferenzen sichtbar, die es teilweise erschweren, Details zu erkennen.

Die Darstellung der Fujifilm ist ausgewogener und ruhiger. In der Regel kommt der OLED-Sucher von Fujifilm mit schwierigen Belichtungssituationen besser klar und liefert eine höhere Dynamik.

© Sony

Die Sony A6600 von hinten: Der Sucher ist praktischer platziert als bei der X-T4.

Die Farben wirken bei Sony etwas entsättigt, bei Fujifilm etwas zu bunt. Bei schnellen Schwenks reagiert der Fujifilm-Sucher gefühlt schneller und flüssiger. Beide Sucher haben einen Boost-Modus, in dem die Wiederholfrequenz erhöht werden kann. Dann reagiert der Sucher schneller, verbraucht aber auch mehr Strom.

Auch beim Display geht der Punkt an Fujifilm. Der 3-Zoll-Monitor der X-T4 hat 540.000 RGB-Pixel und ist touchfähig. Sonys Display ist genauso groß und touchfähig, hat aber nur 307.000 RGB-Pixel. Der Monitor der Fujifilm hat zudem mehr Freiheitsgrade, denn er lässt sich auch seitlich ausklappen, während Sonys Monitor nur nach oben und unten klappbar ist.

Lesetipp: Spiegellose Systemkamera - darauf sollten Sie beim Kauf achten

Die Bildabstimmung und die Detailwiedergabe ähneln der des Suchers – mit den gleichen Vorteilen für Fujifilm. Die Touchfunktion bietet bei beiden Kameras im wesentlichen Touch-AF- und Vorschaufunktionen.

Gehäuse und Ausstattung

Optisch sprechen die Kameras unterschiedliche Sprachen. Fujifilm setzt auf ein klassisches Retrodesign mit klaren Kanten, prominent positionierten mechanischen Einstellrädern und einem mittig sitzenden Sucher. Sony dagegen gestaltet die Kamera moderner: Der Sucher sitzt seitlich, Räder und Tasten ragen kaum hervor.

Das Sony-Modell wirkt schlank und schnittig. Ihr Body ist leichter und kleiner, hat aber einen stärker ausgeprägten Handgriff als das Gehäuse der Fujifilm. Dennoch liegt die X-T4 besser in der Hand, weil die Finger an ihrem höheren Gehäuse mehr Platz zum Greifen finden.

Die Verarbeitungsqualität liegt bei beiden Herstellern auf einem hohen Niveau. Die X-T4 wirkt robuster – vielleicht auch dank des höheren Gewichts und griffigeren Finishs. Beide Kameras sind gegen Spritzwasser und Staub abgedichtet.

© Sony

Von oben wirkt die Sony A6600 modern, spartanisch und aufgeräumt.

Beide Kameras werden per USB geladen – die X-T4 hat jedoch eine schnelleren USB-3.1-Schnittstelle und eine Typ-C-Buchse. Als weiteren Vorteil hat die X-T4 einen doppelten Speicherkartenslot zu bieten, und beide unterstützen die schnelleren UHS-II-Speicherkarten. Mit WLAN, Bluetooth und Zubehörschuh sind beide Modelle ausgestattet, allerdings fehlt ihnen ein integrierter Blitz.

Bedienkonzept

Viele Direktzugriffe auf wichtige Funktionen mithilfe von Einstellrädern und Tasten: An diesem seit vielen Jahren bewährten Konzept ändert Fujifilm zum Glück nichts.

Sehr praktisch ist der mechanische Joystick. Er dürfte zwar ruhig einen etwas größeren Durchmesser haben, damit man ihn bequemer bedienen kann: Aber er hilft dabei, sowohl die AF-Felder als auch die Einstellungen im Menü sowie im Q-Menü schnell und präzise zu steuern.

Hinzu kommen noch eine 4-Wege-Wippe und zahlreiche Funktionstasten. Die meisten dieser Funktionstasten und auch die Wippe lassen sich individualisieren. Zudem kann der Fotograf das Angebot an Funktionstasten durch Wischbewegungen am Monitor erweitern. Das Schnelleinstellmenü (Q-Taste) ist ebenfalls individualisierbar.

Hier kann Sony nicht mithalten. Das größte Manko ist der fehlende Joystick. Zur AF-Feld-Wahl dient entweder die Touchfunktion oder der Multifunktionsschalter (4-Wege-Schalter). Per Touch geht es noch schneller, doch beide Methoden können den Joystick nicht ersetzen.

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Um die Wippe herum liegt ein Einstellrad, ein zweites ist fest mit Belichtungsprogrammen belegt. Zu diesen Elementen kommen mehrere Funktionstasten, die sich – ebenso wie das Q-Menü – an die individuellen Bedürfnisse anpassen lassen, doch so flexibel und intuitiv wie Fujifilm lässt sich die Sony nicht steuern. Außerdem ist die Struktur des Sony-Menüs verbesserungsfähig – dieses ist bei der Fujifilm übersichtlicher strukturiert.

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