Digitale Fotografie - Test & Praxis
Smartphone-Kameras im Vergleich

Samsung Galaxy S9+ vs. Huawei P20 Pro: Kameras im Test-Duell

Huawei und Samsung legen bei ihren neuen Topmodellen besonderen Wert auf die Kameras. Das Samsung Galaxy S9+ setzt auf zwei 12-MP-Kameras mit Weitwinkel- und Normalbrennweite. Das Huawei P20 Pro hat gleich drei Kameras – mit bis zu 40 MP und 83-mm-Tele. In unserem Test-Duell treten beide Kameras im Labor an.

  1. Samsung Galaxy S9+ vs. Huawei P20 Pro: Kameras im Test-Duell
  2. Galaxy S9+ vs. P20 Pro: Bildqualität & Test-Fazit
Samsung Galaxy S9+ vs. Huawei P20 Pro - Kamera-Test

© Hersteller / Montage: ColorFoto

Samsung Galaxy S9+ oder Huawei P20 Pro: Welches Smartphone hat die bessere Kamera?

Waren die Kameras lange eher eine nette Beigabe von Smartphones, so rücken die Fotofunktionen jetzt zunehmend in den Fokus. Vor allem bei den Topmodellen werden die Fotoeigenschaften zum wichtigen Unterscheidungsmerkmal. Das gilt auch für unsere beiden Testkandidaten Samsung Galaxy S9+ und Huawei P20 Pro.

Huawei P20 Pro mit drei Kameras

Huawei stattet sein Topmodell P20 Pro gleich mit drei Fotoeinheiten aus, die an der Rückseite leicht überstehen. In allen stecken Leica-Optiken.

Hauptkamera

Huawei kombiniert den 40-Megapixel-Hauptsensor mit einer 1,8/3,95-mm-Weitwinkel-Optik (27 mm KB) ohne Bildstabilisator. Der Sensor ist 1/1,7 Zoll groß und hat 1 μm große Fotodioden. 1/1,7-Zoll-Sensoren gehörten auch in Hochzeiten der Kompaktkameras zur Oberklasse.

Eine Besonderheit ist das Layout des Farbfilters. Beim Bayer-Pattern, das außer Fujifilm und Sigma derzeit alle Kamerahersteller nutzen, wechseln sich in jeder Zeile zwei Farben ab: In den geraden Zeilen sind es Rot und Grün, in den ungeraden Grün und Blau. Auf dem 40-Megapixel-Sensor des P20 Pro belegt dagegen jede Farbe ein Cluster aus 2 x 2 Pixeln. Diese Cluster wiederum sind im Bayer-Pattern angeordnet. Das erlaubt Huawei, aus dem 40-Megapixel-Sensor durch Verrechnung der gleichfarbigen Pixel recht effektiv ein Foto mit 10 Megapixeln zu generieren. Das kostet zwar Auflösung, aber die Lichtempfindlichkeit steigt, und somit sinkt das Rauschen.

Huawei P20 Pro Kamera

© Huawei

Die Kamera des Huawei P20 Pro kombiniert eine Weitwinkel-, eine Tele- und eine Monochrom-Optik.

Tele-Einheit

Der 8-Megapixel-Sensor der Tele-Einheit soll ebenfalls 1 μm große Fotodioden haben. Die bildstabilisierte Optik mit f2,4/2,4 mm kommt auf einen KB- Wert von 83 mm. Somit hat das Huawei P20 Pro ein 3fach optisches Zoom zu bieten und geht tatsächlich bis ins Tele. Das 5x-Zoom dagegen ist nur eine Softwarelösung.

Monochrom-Modul

Das 20-MP-Monochrom-Modul bietet mit f1,6/3,95 mm (27 mm KB) die lichtstärkste Optik. 

Beim Fotografieren mit dem Huawei P20 Pro werden meist mehrere Kameramodule gleichzeitig zur Bildaufnahme genutzt – welches, hängt von der Situation, dem gewählten Fotomodus und den Einstellungen ab. Die drei wichtigsten Modi sind Foto, Monochrom und Pro. 

Wenn Sie im Standardmodus „Foto” eine Weitwinkelaufnahme machen, können Sie zwischen 10 und 40 MP wählen. Als Hauptkamera des Huawei P20 Pro dient das 40-MP-Modul. Hinzugerechnet werden wohl Daten des SW-Sensors. Bei wenig Licht wechselt das P20 Pro auch in der 40-MP-Einstellung automatisch in den 10-MP-Modus und interpoliert das Bild anschließend wieder auf 40 Megapixel. 

Zoomen können Sie nur in der 10-MP-Stellung. Dann übernimmt die 8-MP-Telekamera die „Führung”. Durch Hinzurechnen weiterer Bildinformationen aus den anderen Kameras entsteht eine 10-MP-Teleaufnahme. Bei wenig Licht wechselt das Huawei P20 Pro – leider ohne Warnung – zur Weitwinkelkamera und berechnet auf Basis ihrer Daten das Telebild. Auch hier dürften Informationen anderer Sensoren erneut zum Bild beitragen. 

Der Pro-Modus liefert beim Huawei P20 Pro außer JPEGs auch DNGs, in beiden Fällen stammen die Daten aus der Weitwinkelkamera. Es gibt also keine Schwarzweiß- oder Tele-DNGs. Die 80 MB großen DNGs haben grundsätzlich eine Auflösung von 40 MP. Parallel dazu im Pro-Modus gespeicherte JPEGs können 40 oder 10 MP groß sein. Wir vermuten, dass im „Pro”-Modus auch die JPEGs allein mit dem Hauptsensor aufgenommen werden.

Im Monochrom-Modus ist ausschließlich der SW-Sensor aktiv, Sie können die native Auflösung von 20 oder 10 Megapixeln wählen. Auch im Monochrom-Modus gibt es eine Pro-Funktion mit verschiedenen Einstellmöglichkeiten, aber eben ohne DNG-Option.

Samsung Galaxy S9+ mit Dual-Kamera

Samsung stattet sein Smartphone Galaxy S9+ mit zwei 12-Megapixel-Hauptkameras aus. Beide Sensoren arbeiten mit der Dual-Pixel-Technologie und bieten eine Bildstabilisierung. Beide Optiken schließen zudem bündig mit dem Gehäuse. Laut Tech Insights werden sowohl Sony- als auch Samsung-Sensoren in BSI-Bauweise mit 1,4 μm Pixelpitch verbaut. Demnach wären die Sensoren 1/2,6-Zoll groß.

Samsung Galaxy S9 Plus Kamera

© Samsung

Die Kamera des Samsung Galaxy S9+ kombiniert eine Weitwinkel- und eine Tele-Optik.

Weitwinkel-Modul

Das Weitwinkel-Modul mit 1,5-2,4/ 4,3 mm (26 mm KB) hat momentan als einzige Smartphone-Optik eine mechanische Blende. Blendenzugriff hat der Fotograf aber nur im Pro-Aufnahmemodus.

"Tele"-Optik

Die „Tele”-Optik mit 2,4/6 mm entspricht nur einer KB-Brennweite von 52 mm. Wir bezeichnen sie deshalb als Normalbrennweite. Wie Huawei schaltet auch Samsung bei wenig Licht von der Normal- auf die Weitwinkeloptik um. Der Fotograf erhält dann – ohne darüber informiert zu werden – ein beschnittenes und anschließend wieder auf 12 MP hochgerechnetes JPEG der Weitwinkeloptik – aber mit dem Bildwinkel der Normalbrennweite.

Im Auto-Modus kann der Fotograf beim Samsung Galaxy S9+ zwischen den beiden Brennweiten hin- und herschalten, erhält aber ausschließlich JPEGs. Im Pro-Modus sind auch DNGs möglich, aber es gibt keinen Zoom-Knopf. Zwar kann der Fotograf mit zwei Fingern ins Motiv zoomen; das DNG bleibt dabei jedoch unverändert. Lediglich das von der Weitwinkelkamera mitfotografierte JPEG wird auf den gewählten Ausschnitt zugeschnitten. Wie bei Huawei kann der Fotograf also ausschließlich im Pro-Modus JPEGs und DNGs gleichzeitig aufnehmen. Zudem ist auch bei Samsung der Pro-Modus auf die Weitwinkelkamera beschränkt.

Der Autofokus

Das Samsung Galaxy S9+ setzt beim Fokussieren auf die Dual-Pixel-Technologie – ähnlich wie Canon – und stellt per Phasen-AF auf dem Sensor scharf. Huawei nutzt dagegen einen unterstützenden Laser-AF. Die Laserbauteile „Sender” und „Empfänger” sind zwischen der Haupt- und der Teleoptik platziert. Im Pro-Modus bietet das Huawei P20 Pro AF-C, AF-S und MF als Optionen, das Samsung Galaxy S9+ nur AF-C und MF. 

Beide Kandidaten ermöglichen auf dem Display die Trennung von AF- und Belichtungsmessung. Dazu drücken Sie im Pro-Modus genügend lange auf das Display. Beim Huawei P20 Pro klappt das auch im Foto-Modus. Im Fall des Samsung Galaxy S9+ erhalten Sie damit die fehlende AF-S-Messung. Gesichter erkennen beide Geräte gut – auch mehrere gleichzeitig. Sie werden mit einem leuchtenden Rahmen (P20 Pro) bzw. Kreis (S9+) markiert und relativ zuverlässig verfolgt. 

Wenig Licht und schräg zur optischen Achse geneigte Gesichter verursachen erwartungsgemäß AF-Probleme. Bei der AF-Verfolgung punktet das Huawei P20 Pro. Ist diese Option aktiviert, genügt ein kurzes Tippen auf das Motiv, und der Fokus verfolgt es bis an den Rand. Dank der Markierung mit dem Leuchtrahmen weiß man auch immer, auf welchen Punkt er momentan scharf stellt. 

Wenn nicht gerade ein Gesicht verfolgt wird, entscheidet das Huawei P20 Pro im AF-C-Modus oft selbst, was zu fokussieren ist. Uns gelang es nicht, ein bestimmtes Motiv fest verfolgen zu lassen. Auch die 4D-AF-Funktion, die Fokuspunkte auf bewegten Objekten in Echtzeit anzeigt, hat uns nicht voll überzeugt. In der Praxis verschwanden sie oft.

Huaweis Foto-App 

Bei Huawei stellen Sie den gewünschten Aufnahmemodus per Tippen oder Wischen in der Scrollleiste unter dem Motiv-Fenster ein. Über diesem Fenster befindet sich eine weitere Leiste mit mehreren Symbolen. Wichtig sind hier der Zugriff auf den Blitz und die Einstellungen. Fotografen empfehlen wir den Pro-Modus mit mehr Einstellmöglichkeiten sowie der DNG-Funktion. 

Für Tele-Aufnahmen muss es jedoch der Foto-Modus sein. Wer mit dem SW-Sensor reine Schwarzweißaufnahmen machen will, muss den Monochrom-Modus wählen. Dieser bietet auch eine eigene Pro-Funktion mit den erweiterten Einstellmöglichkeiten – allerdings ohne DNG.

Huawei P20 Pro App

© Screenshot WEKA / ColorFoto

Huawei-P20-Pro-App ermöglicht im Pro-Modus die meisten Zugriffe auf die Aufnahmeeinstellungen. Nur im Pro-Modus kann der Fotograf auch im DNG-Format aufnehmen. Zudem arbeitet die Signalverarbetung am schonendsten in diesem Modus. Allerdings fehlt im Pro-Modus der Zugriff auf die Tele-Optik.

Im Foto-Modus kann die Master-AI hinzugeschaltet werden. Sie analysiert das Motiv und stellt automatisch ein passendes Szenenprogramm ein. Das Erkennen der Szenerie klappt in der Regel gut, führt aber zu meist aggressiver abgestimmten Bildern. Im Pro-Modus – und nur da – blendet das Huawei eine weitere, etwas dunkler unterlegte Leiste ein. Darin erscheinen die regulierbaren Parameter: Belichtungsmessmethode, ISO-Empfindlichkeit, Belichtungszeit, Belichtungskorrektur, AF-Modus (AF-S, AF-C, MF) und Weißabgleich. 

Zusätzlich werden im Pro-Modus Symbole für Unterbelichtung sowie RAW eingeblendet. Wer mag, kann die Belichtung also manuell steuern oder den ISO/Zeit-Shift wählen. Huawei führt dann entweder die Zeit bei vorgewählter Empfindlichkeit oder den ISO-Wert bei vorgewählter Zeit nach. Damit gehört die Huawei- App weiterhin zu besten des Marktes. Zwei Wünsche bleiben dennoch offen: Die Werte sollten nicht im Bild stehen, da ein helles Motiv die Lesbarkeit reduziert, und die Anzeige sollte sich bei Querformataufnahmen mit drehen.

Samsungs Foto-App

Bei Samsung blättert man mit einem horizontalen Wisch auf dem ganzen Bildschirm von einem zum nächsten Fotomodus. Eine vertikale Wischbewegung wechselt zwischen vorderer und hinterer Kamera. Beides passiert aber auch häufig unbeabsichtigt und nervt dann sehr. 

Großes Plus: Bei Samsung entscheidet der Nutzer in den Einstellungen der Foto-App, welche Aufnahmemodi er überhaupt sehen will. Im von uns empfohlenen Pro-Modus blendet das S9+ eine weitere Symbolleiste ein: Der Fotograf erhält darin Zugriff auf Blende, Zeit, ISO-Empfindlichkeit, Belichtungskorrektur, Belichtungsmessung, AF-Messung, Weißabgleich, Blitz.

Samsung Galaxy 9+ App

© Screenshot WEKA / ColorFoto

Der Pro-Modus ist auch bei Samsung S9+ die Wahl für erfahrene Fotografen, denn damit haben sie Zugriffe auf alle Einstellungen so- wie auf das DGN- Format und können mehr aus dem Smartphone herausholen. Schön gelöst hat Samsung die AF- Verfolgung (Bild rechts): Einfach per Touch ein Objekt auswählen – die App markiert es mit einem Rahmen und folgt ihm.

Alle diese Werte werden nicht nur angezeigt, sondern können auch direkt verändert werden. Bei manueller Belichtung zeigt das Gerät keine Über- oder Unterbelichtungswarnung. Im Gegensatz zum Huawei dreht das Samsung beim Wechsel vom Hoch- ins Querformat die Anzeige mit. Allerdings stehen die Werte viel zu klein und auch noch ohne Leiste direkt im Bild – und sind dann bei manchen Motiven nicht mehr lesbar.

Zudem bietet Samsung zwar eine voll manuelle Einstellung sowie eine Zeitautomatik bei vorgewählter Empfindlichkeit; aber eine ISO-Automatik bei vorgewählter Belichtungszeit fehlt. Einerseits erlaubt Samsung DNG-Aufnahmen nur im Pro-Modus. Andererseits fehlt – wie bei Huawei – im Pro-Modus der Zugriff auf die Normalbrennweite vollständig. Wer die 50-mm-Brennweite nutzen will, muss in den Auto-Modus wechseln und JPEGs machen. Im Auto-Modus regelt die App bis auf den Fokuspunkt alles allein.

Weiterlesen: Auf der nächsten Seite unserers Kamera-Vergleichs zwischen Samsung Galaxy S9+ und Huawei P20 Pro widmen wir uns der Bildqualität und ziehen unser Test-Fazit.

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