Digitale Fotografie - Test & Praxis
Bildqualität

RAW-Test 2018: Panasonic Lumix G9

© Josef Bleier

Die Panasonic Lumix G9.

Kleiner, leichter, mit verbessertem Sucher und mit einem Info-Display ausgestattet – die G9 verwandelt die GH5 in eine High-End-Kamera für Fotografen. Das Touch-Display ist mit 7,5-cm-Bildschirmdiagonale etwas kleiner geworden und liefert mit 260 000 RGBW-Bildpunkten eine geringere Auflösung. Das OLED-Display im Sucher erlaubt dafür eine stärkere Vergrößerung von 0,83x für die Sucherlupe. Unverändert praktisch ist die 4K/6K-Fotofunktion: Aus verschiedenen Bildern setzt die Kamera ein von vorn bis hinten scharfes Bild zusammen.

Wer dabei perfekte Ergebnisse erwartet, sollte allerdings nicht aus der Hand fotografieren. Denn so viel Stabilisierung liefert auch der duale Bildstabilisator nicht, der ansonsten gute Dienste leistet. Dank der  Videofunktion gibt es eine manuelle Konfiguration, mit der man die Autofokusgeschwindigkeit und die Empfindlichkeit selbst festlegen kann. Die AF-Zeit von 0,13/0,20 s (bei 300/30 Lux) ist über jeden Zweifel erhaben.

Bildqualität RAW / JPEG

© ColorFOTO

Besonders bei ISO 200 zeigt die G9 eine saubere, artefaktarme Abbildung. Als Kritikpunkt bleibt die weiße Kante, die nicht völlig verschwindet. Das ist aber nicht nur bei Panasonic der Fall.

Die Panasonic G9 holt sehr viel aus ihrem MFT-Sensor mit 20 Megapixeln heraus. Die Signalverarbeitung bei JPEG ist bei Panasonic jedoch traditionell sehr aggressiv abgestimmt. Das trifft auch auf die G9 zu, wenn auch in kleinerem Maße. Mit RAW umgeht man dieses Problem und gewinnt noch etwas Bildqualität hinzu. Mit etwa 100 LP/BH (ISO 200) ist der Anstieg an Auflösung überschaubar. Viel mehr passiert bei der Dead-Leaves-Messung. Zwar sind die RAW-Werte für hohe Kontraste fast gleich, etwa 1370 LP/BH bei ISO 200. Bei niedrigem Kontrast ist der Gewinn von ca. 100 LP/BH auch noch moderat. Doch die Kurven verlaufen dramatisch anders.

Statt ausgeprägter Verstärkung bis 1,2 bei JPEG erhält man im RAW nur eine kleine Aufsteilung bei niedrigen Frequenzen. So wirken die Bilder natürlicher und zeigen auch mehr Dynamik. Feine Strukturen werden weit  besser wiedergegeben, die geringere Kantenaufsteilung sorgt für sanftere Übergänge. Wenn es um Rauschreduktion geht, sollte man bei Panasonic – wie bei den meisten Kameras – den Weg der moderaten Entrauschung gehen. Tut man nichts dagegen, steigt das Rauschen auf deutliche 3,2 VN (LR1 ISO 1600) und stört den Bildeindruck. Tut man zuviel, fällt der Messwert zwar fast auf das  Niveau von ISO 200, doch die Bilder verlieren schnell an Zeichnung und gewinnen an Artefakten. Generell rauschen die RAWs der G9 nur wenig mehr als bei den beiden APS-C-Kameras im Test.

Fazit

© ColorFOTO

Die niedriger verlaufenden Dead-Leaves-Kurven illustrieren den Hauptvorteil von RAW, nämlich die deutlich zurückhaltendere Kontrastbehandlung. Damit wirken die Aufnahmen ausgewogener, Details kommen besser heraus.

Die G9 ist sehr überzeugend auf die Bedürfnisse von Fotografen abgestimmt. Weniger umfangreich als bei der GH5 sind in  erster Linie Videofunktionen, hinzugekommen dagegen sind Features wie das zweite Display und eine deutlich bessere Bedienbarkeit. RAW-Bilder sind bei der Panasonic kontrastärmer – und das ist gut so, denn die JPEGs werden recht agressiv abgestimmt. Bei der Auflösung und beim Rauschen kommt die G9 trotz kleinerer Sensorfläche nah an das APS-C-Modell heran und erhält den Kauftipp Micro-Four-Thirds.

© colorfoto

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