Digitale Fotografie - Test & Praxis
Bildbearbeitung

RAW-Konverter: RawTherapee 5.4 im Test

Wer kein Geld für ein Programm zur Fotobearbeitung ausgeben möchte und auf professionelle Funktionen dennoch nicht verzichten will, der landet früher oder später bei Open-Source-Programmen. Ein typischer Vertreter dafür ist RawTherapee. Das Programm kommt aus der Linux-Welt, ist aber schon lange auch für Mac und Windows erhältlich. Die aktuelle Version 5.4 ist nach wie vor in erster Linie ein RAW-Entwickler, bietet also keine Datenbankgestützte Bildverwaltung. Der Zugriff auf die Dateien erfolgt wie bei Optics Pro oder Silkypix Developer Studio direkt in den Ordnern auf der Festplatte. Dennoch können Anwender ihre Fotos mit Bewertungen und Farbmarkierungen versehen. Das geht allerdings nicht in der Vollbildansicht der Fotos, sondern entweder bei der Bearbeitung der Einzelbilder oder in der Thumbnail- übersicht zum Durchblättern. 

© RawTherapee / Florian Mihaljevic, Joachim Sauer

Gänzlich kostenlos kommt das Open-Source-Programm-RawTherapee daher. Funktional gibt es hier nichts zu meckern, auch die Bildverwaltung ist möglich – sie ist allerdings mangels Datenbank nicht die schnellste.

Der Wechsel zwischen den Bildern funktioniert leider nicht so schnell wie bei den datenbankgestützten Konkurrenten, und auch das Öffnen großer Ordner ist mit Wartezeiten verbunden – selbst mit SSD-Festplatten. Dafür lässt RawTherapee in Sachen Werkzeuge wenig missen. Am rechten Bildschirmrand zeigt das Programm nach einem Doppelklick aufs Bild automatisch sämtliche Werkzeuge in übersichtlichen Reitern an. Dazu gehörten „Belichtung“, „Details“, „Farbe“, „Erweitert“, „Transformieren“, „RAW“ und „Metadaten“. Während die Regler sowie die Gradiationskurve unter „Belichtung“ oder „Details“ noch klar verständlich sind, wird es unter „Farbe“ oder „Erweitert“ schon etwas komplizierter. "Wavelet“, „Gamma“ oder „Gamut“ sind nicht jedem ein Begriff. Allerdings: Wer die Einarbeitung nicht scheut, kann mit Raw- Therapee jedes fotografische Problem lösen – und die Begrifflichkeiten sind ja eigentlich schnell erlernt. Selbst zum Entfernen von Dunst oder zur HDR-Gestaltung sind Werkzeuge an Bord. 

© RawTherapee / Florian Mihaljevic, Joachim Sauer

Ob Lichterwiederherstellung oder Trapezkorrektur: RawTherapee hat fast alles an Bord. Vermisst haben wir vor allem Werkzeuge zur lokalen Korrektur.

Im Detail entfernt RawTherapee recht zuverlässig Rauschen. Selbst feine Strukturen und die Schärfe bei den ISO-6400-Fotos einer Nikon D7100 waren noch sehr gut erhalten. Farbrauschen korrigiert das Programm auf Wunsch automatisch, beim Helligkeitsrauschen muss der Anwender selbst Hand anlegen. Selbst stark verrauschte Handy-Fotos vermag das Programm fast artefaktfrei zu entrauschen – das gelingt den meisten kostenpflichtigen Programmen weniger gut. Das hat allerdings die Nebenwirkung, dass bei Fotos von der SLR manche Strukturen nur noch zu erahnen sind. Kanten sind hingegen glatt. 

Die Lichterwiederherstellung funktioniert an und für sich gut, extrem überbelichtete Wolken können aber durchaus auch einmal an Zeichnung verlieren, und weniger stark überbelichtete Fotos wirken manchmal kontrastarm. Mangels selektiver Korrekturen lässt sich daran auch nichts ändern. Dafür hat RawTherapee optische Korrekturen mit zahlreichen Kameraprofilen an Bord, die Trapezkorrektur erfolgt allerdings nur manuell mit Reglern. Zudem: Lokale Korrekturen hat Raw-Therapee weiterhin nicht zu bieten – die müssen Anwender stattdessen in einem verknüpften Bildbearbeitungsprogramm wie GIMP erledigen. 

© colorfoto

Colorfoto vergibt für dieses Programm einen Kauftipp.

Fazit: 

Wer kein Geld für einen RAW-Konverter ausgeben und dennoch auf das ganze Spektrum an Korrekturwerkzeugen zugreifen will, der liegt mit RawTherapee richtig. Die Nachteile: Etwas Zeit für die Einarbeitung ist gefragt, zudem müssen Verwaltung und Retusche zu anderen Anwendungen ausgelagert werden.

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