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Radeon RX 5700 XT oder Geforce RTX 2060 Super: Nvidia vs. AMD im Vergleichstest

Was leisten die neuen Navi-Grafikkarten von AMD? Im Test tritt das Navi-Topmodell Radeon RX 5700 XT gegen die Nvidia RTX 2060 Super an.

Nvidia vs. AMD

© Nvidia/AMD

Navi-Topmodell Radeon RX 5700 XT tritt gegen die Nvidia RTX 2060 Super an.

Im Sommer - am 7 Juli - stellte der US-amerikanische Chipentwickler AMD nicht nur die Ryzen-3000-Prozessoren vor, sondern auch seine neue Grafikkarten-Serie Radeon RX 5700. Sie besteht aus zwei Modellen, der Radeon RX 5700 und dem Topmodell RX 5700 XT. Die Radeon RX 5700 positioniert sich als Gegenstück zur Nvidia GeForce RTX 2060, und die Radeon RX 5700 XT soll eine zur GeForce RTX 2070 vergleichbare Performance erreichen. 

Nvidia reagierte umgehend. Genauer gesagt bereits proaktiv am 2. Juli. Fünf Tage vor dem AMD-Launch präsentierte Nvidia mit der Geforce RTX 2060 Super und der RTX 2070 Super seinerseits neue Grafikkarten,was man als vorgezogene Antwort auf die Radeon RX 5700/XT verstehen darf. 

Im Gegensatz zu den AMD-Pixelbeschleunigern setzen beide Super-Nvidia-GPUs nicht auf Innovation, sondern auf altbekannte respektive altbewährte Technik, allerdings kombiniert mit einer Leistungsspritze, um den AMD-Neulingen Paroli bieten zu können.

Radeon RX 5700 XT: Die schnellste Desktop-GPU von AMD

AMDs Radeon RX 5700-Serie löst die inzwischen schon zwei Jahre alten Vega-Grafikkarten RX Vega 64 und RX Vega 56 ab und wird vom neuen hauseigenen Navi-10-Chip befeuert, der in 7 Nanometer Strukturbreitegefertigt wird. Durch seine RDNA-Architektur ist der Navi 10 als erste AMD-GPU in der Lage, GDDR6-Speicher anzusteuern. Außerdem unterstützen die Radeon RX 5700 und die Radeon RX 5700 XT als erste Grafikkarten den neuen Standard PCI Express 4.0 x16 und können so theoretisch bis zu 31,5 GB/s über den PCIe-Bus befördern. 

AMD Radeon RX 5700 XT

© AMD

Die Radeon RX 5700 und die Radeon RX 5700 XT unterstützen als erste Grafikkarten den neuen Standard PCI Express 4.0 x16.

Dafür muss dann aber eine Ryzen-3000-CPU samt passendem Mainboard im PC eingebaut sein. Was macht die Radeon RX 5700 XT besser als die Radeon RX 5700? Unser AMD-Duellant, das Topmodell Radeon RX 5700 XT, bringt eine jeweils etwas höhere Anzahl an Recheneinheiten, Shader-Multiprozessoren und Textureinheiten mit (2560/40/160 gegenüber 2304/36/144). 

Auch der Basis- und Boost-Takt liegt mit 1.605 beziehungsweise 1.905 MHz höher als bei der Radeon RX 5700(1465/1.705 MHz). Der grundlegende Aufbau ist aber der Gleiche. Beide GPUs verwenden den selben Navi-10-Chip, der sich aus 10,6 Milliarden Transistoren zusammensetzt. Identisch ist auch die Speicherkonfiguration mit 8 GByte GDDR6-RAM und die Speicherbandbreite von 256 Bit.

Nvidia GeForce RTX 2060 Super: Dicht dran an der RTX 2070

Die Geforce RTX 2060 Super ist eine verbesserte GeForce RTX 2060, sozusagen ein Facelift. Die Super-Version entspricht in etwa dem, was der Zusatz Ti etwa aus einer GeForce RTX 2080 macht – sie ist eine gegenüber dem Basismodell leicht aufgebohrte Variante, bei der das Rad aber nicht neu erfunden wurde. 

Bei der Geforce RTX 2060 Super sieht das so aus: Sie setzt auf die gleiche Turing-Grafikprozessorarchitektur wie die GeForce RTX 2060, rechnet aber mit dem TU106-410-A1- statt dem TU106-200-A1-Chip und greift auf einen von 6 auf nunmehr 8 GByte GDDR6-RAM vergrößerten Speicher zu. Weitere Verbesserungen sind unter anderem 2176 statt 1920 Recheneinheiten (ALUs, Arithmetic Logic Units), mehr Shader-Multiprozessoren (34 statt 30) sowie mehr Textureinheiten (136 gegenüber 120).

Nvidia GeForce RTX 2060 Super

© Nvidia

Die GeForce RTX 2060 rechnet mit TU106-410-A1 und greift auf einen 8 GByte GDDR6-RAM vergrößerten Speicher zu.

Ihre Optimierungen rücken die offiziell 429 Euro teure GeForce RTX 2060 Super ziemlich nahe an eine GeForce RTX 2070 heran, weshalb wir uns für das Duell auch für diese Super-Version entschieden haben und nicht für die Geforce RTX 2070 Super (539 Euro). Denn die geht nach dem gleichen Schema vor wie die GeForce RTX 2060 Super, bringt also bereits die GeForce RTX 2080 in Bedrängnis und ist damit streng genommen schon eine Nummer zu groß für den direkten Vergleich mit der AMD Radeon RX5700 XT. Inzwischen gibt es übrigens auch von der GeForce RTX 2080 eine Super-Variante (749 Euro). Je nach Grafikkarten-Anbieter kann der Ladenpreis natürlich variieren.

PowerColor Radeon RX 5700 XT gegen KFA² GeForce RTX 2060 Super EX

Stellvertretend für die AMD Radeon RX 5700XT schicken wir die 410 Euro teure PowerColor Radeon RX 5700 XT 8GBD6-M3DH ins Rennen. Die GeForce RTX 2060 Super steckt in der KFA² GeForce RTX 2060 Super EX (420Euro). Was im Betrieb sofort auffällt, ist das unterschiedliche Lüfterkonzept. Die PowerColor Radeon RX 5700 XT besitzt keinen Silent-Modus und nur einen 80 Millimeter kleinen, leider auch ziemlich hochtönenden Radial-Lüfter, was sie insgesamt nicht besonders leise macht. 

Radeon AMD back

© AMD

PowerColor nutzt die gesamte Breite der Radeon RX 5700 XT aus, um sie gleich mit vier digitalen Anschlüssen zu bestücken (1x HDMI, 3x DisplayPort).

Akustisch deutlich entspannter geht die KFA² GeForce RTX2060 Super EX zu Werke. Hier sorgen zwei 100 Millimeter große Axial-Lüfter für die Wärmeabfuhr – im Betrieb ist sie fast nicht zu hören. Den GPUs kann man die unterschiedlichen Lüfterlösungen natürlich nicht anlasten. Zudem bietet PowerColor die Radeon RX 5700 XT noch in drei weiteren Varianten an, die jeweils zwei bis drei 90- oder 100-mm-Lüfter mitbringen und deshalb auch deutlich leiser laufen dürften als unser Testkandidat. 

Nvidia back

© Nvidia

Die KFA² der GeForce RTX 2060 Super EX besitzt mit HDMI und 2x DisplayPort etwas weniger Schnittstellen als der Power-Color-Rivale, läuft aber viel leiser.

Die Benchmarks haben wir wie immer mit dem Asus-Mainboard ROG Maximus XI und der Intel-CPU Core i9-9900K durchgeführt, die von 2x 8 GB Corsair Vengeance LPX RAM sowie den SSDs Samsung 970 EVO M.2 (Windows) und Crucial P1 NVMe (Spiele) flankiert wird. Unsere Testplattform unterstützt noch nicht den neuen PCIe-4.0-Standard, doch ein Update ist in Planung. In der Zwischenzeit können wir aber nicht sagen, ob der AMD Radeon RX 5700 XT dadurch ein kleiner Leistungsnachteil entsteht.

Benchmarks: Überdimensioniert für Full-HD, 4K mit Einschränkungen

Bei unserer Spieleauswahl erzielen die AMD Radeon RX 5700 XT und die GeForce RTX 2060 Super auch bei sehr hoch eingestellten Grafikdetails durchwegs dreistellige Frameraten, die zwischen 109 und 163 Bildern pro Sekunde (fps) liegen. Die AMD-Grafikkarte holt hier einen leichten Vorteil gegenüber ihrem Nvidia-Rivalen heraus, denn ihre durchschnittlichen FPS-Werte sind, je nach Spiel, etwa zwischen 3 Prozent (Battlefield V) und 8 Prozent (Deus Ex: Mankind Divided) höher. 

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Geht es um Raytracing (DXR), gewinnt die Radeon RX 5700 XT jedoch kein Land, weil sie dieses Feature schlichtweg nicht beherrscht. Die GeForce RTX 2060 Super trumpft indes umso mehr auf: Auch bei aktiviertem DXR kommt sie bei Battlefield 5 immer noch auf sehr respektable 95 fps. Bei 4K ergibt sich das gleiche Bild, allerdings mit deutlich niedrigeren Frameraten zwischen 39 und 67 fps. 

Im Durchschnitt stellen sich aber noch rund 55 fps ein, womit alle Test-Games gut spielbar bleiben. Mit Battlefield 5 kommt die GeForce RTX 2060 Super in 4K ein wenig besser zurecht als die Radeon RX 5700 XT, was an einer Code-Optimierung zugunsten Nvidia liegen kann. Mit aktiviertem DXR schafft die GeForce RTX 2060 Super bei Battlefield 5 im Mittel noch gute 43 Bilder pro Sekunde, sinkt aber teilweise auch auf 36 fps – wirklich flüssig ist das Geschehen dann nicht mehr. Im Einzelfall müssen sich Spieler damit abfinden, den Detailgrad herunterzuregeln, um einem Absacken der Framerate vorzubeugen.

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Auswertung Grafikkarte: KFA² GeForce RTX 2060 Super EX

Preis: 420 Euro

  • PC Magazin-Testurteil: 78 Punkte
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Auswertung Grafikkarte: PowerColor Radeon RX 5700 XT

Preis: 410 Euro

  • PC Magazin-Testurteil: 76 Punkte
  • Preis/Leistung: sehr gut

Fazit: Unentschieden

Mit seiner Radeon RX 5700-Serie stellt AMD endlich wieder einen würdigen Konkurrenten für die Nvidia-Grafikbeschleuniger auf die Beine, auch wenn damit erst einmal nur die Mittel- und Oberklasse abgedeckt wird. Die jeweils knapp über 400 Euro teuren AMD Radeon RX 5700 XT und ihr Nvidia-Rivale GeForce RTX 2060 Super sind praktisch gleich schnell. 

Bei Full-HD-Auflösungen holt die AMD-GPU mit unserer Spieleauswahl zwar einen hauchdünnen Vorsprung heraus, büßt durch ihr fehlendes Ray-tracing aber wieder Sympathiepunkte ein. Laut AMD ist die Radeon RX 5700-Serie für Gaming in 1440p optimiert. Diese Aussage kann man getrost für die GeForce RTX 2060 Super übernehmen. 

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Für Full-HD-Auflösungen sind beide zu stark, für WQHD-Auflösung aber genau richtig dimensioniert. Bei 4K können sie wiederum nicht garantieren, dass das Geschehen auf dem Bildschirm stets flüssig bleibt. Nimmt man neben den GPUs auch die Grafikkarten in die Rechnung auf, gewinnt die KFA² GeForce RTX 2060 Super EX hauchdünn und nur deshalb, weil sie leisere und größere Lüfter einsetzt. 

Den High-End-Bereich kann AMD mit seinen neuen Grafikkarten nicht bedienen. Doch Nvidia ist gewarnt: AMD-Chefin Lisa Su ließ durchblicken, dass man mittlerweile schon an einer stärkeren Version der Navi-GPU arbeite, die genau auf diesen Bereich abzielen soll. Nach wie vor unklar bleibt dagegen, ob für die AMD-GPUs Hardware-Raytracing kommen wird.

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