Laptops für alle Fälle

Großer-Notebook-Vergleich: Workstation-Notebooks

2.11.2021 von Stefan Schasche

ca. 6:30 Min
Vergleich
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Den Workstations räumen wir in diesem Vergleichstest wegen ihrer Besonderheiten und dem höheren Preispunkt deutlich mehr Platz ein als den anderen Kategorien. Die fünf Kandidaten unterschieden sich beträchtlich voneinander; und einer davon, das Schenker XMG Core 15, ist ein klassisches Gaming-Notebook, das wir nach Workstation-Kriterien getestet haben.

Wir wollten wissen, worin genau sich die Geräte aus diesen sehr unterschiedlichen Kategorien unterscheiden und wie sich ein potentes Gaming-Notebook zum Beispiel bei CAD-Anwendungen im Vergleich zu den Spezialisten schlägt. Letztendlich soll damit die Frage beantwortet werden, ob es sich für den einen oder anderen professionellen Anwender nicht lohnen könnte, statt in eine Workstation in ein meist deutlich preiswerteres Gaming-Notebook zu investieren. Im Gaming-Umfeld ist das Schenker übrigens ein echter Gewinner, das mit 94 Punkten einen Spitzenwert einfahren konnte.

Nun zum wichtigsten Punkt: die eingesetzten Grafikkarten. Während Gaming-Notebooks normale Spiele-Grafikkarten mit meist sechs oder weniger GByte VRAM an Bord haben, die für das Gaming-Umfeld vollkommen ausreichen, ist bei Profikarten wie etwa der neuen RTX A5000 und vielen Quadro-Karten je nach Modell deutlich mehr verbaut. Zusätzlich handelt es sich dabei um ECC-Module mit Fehlerkorrektur, die zuverlässiger arbeiten.

Diese sind im Fall der RTX A5000 im MSI mit einem 256-Bit-Grafikbus verbunden, während die sechs GByte in der Geforce RTX 3060 des Schenker-Notebooks „nur“ über einen 192-Bit-Grafikbus verfügen. Ein weiterer Unterschied besteht in den Treibern einer Quadro- oder Nvidia Axxxx-Karte: Diese sind zertifiziert und auf Stabilität, Kompatibilität und Leistung bei professionellen Anwendungen optimiert. Wer derartige Software einsetzt, greift also zwingend zu Geräten mit entsprechender Grafikkarte.

Asus ProArt StudioBook 16 im Test

Asus-ProArt-Studiobook-16
Das neue Asus StudioBook besitzt ein glasklares OLED-Display und bärenstarke Komponenten. Im SPECviewperf bleibt die 3070 allerdings klar hinter der A5000 zurück.
© ASUSTeK Computer Inc. / Josef Bleier

Mit seinem 16,9-Zoll-Display und einem Gewicht von knapp 2300 Gramm ist das ProArt eine stattliche Erscheinung. Das OLED-Display liefert eine Auflösung von 3840 x 2400 Bildpunkten und besticht durch tolle Farben und eine gestochen scharfe Darstellung. Die Akkulaufzeit kann sich trotz des stromhungrigen Bildschirms sehen lassen: 370 Minuten im PC Mark 10 Battery Life sind ordentlich, wenn auch nicht überragend. Die dreistufig beleuchtete Tastatur ist sehr gut, die Enter-Taste hätten wir uns größer gewünscht. Links neben dem präzisen Touchpad befindet sich das praktische Asus Dial, mit dem sich, je nach Anwendung, bestimmte Befehle nach etwas Übung sehr viel schneller ausführen lassen als per Tastatur und Touchpad.

Im Testlabor holt sich das Asus StudioBook 16 nach dem Testsieger von MSI die zweitmeisten Punkte und belegt damit den zweiten Platz. Der schnelle AMD-Prozessor und die RTX 3070 aus dem Gaming-Bereich leisten mit den beiden TByte-SSDs im RAID-Verbund gute Arbeit, doch gibt es Einschränkungen bei der CAD-Software NX von Siemens. Diese ist Teil des SPECviewperf-Benchmarks, den wir für unseren Vergleichstest verwendet haben. Bei NX schnitten die Geräte mit Profikarten gravierend besser ab als die mit Gaming-Karten, in allen anderen Teilen des Benchmarks war das dagegen nicht zu beobachten.

Der Grund dafür dürfte in der Eigenart von NX liegen, dass die Bearbeitung der Viewsets explizit auf Profikarten ausgerichtet ist. In den PC-Mark-10-Benchmarks, die beispielsweise Fotobearbeitung, Rendering und Visualisierung sowie Videoschnitt beinhalten, lag das StudioBook zumeist vorn oder zumindest im vorderen Feld. Das ist auf den schnellen AMD-Prozessor und die für diese Arbeiten im 2D-Bereich bestens geeignete Grafikkarte zurückzuführen.

PC Magazin Sieger Preis Leistung
Den Sieger in Preis/Leistung erhält das Asus ProArt StudioBook 16 im Workstation-Notebook-Vergleich.
© WEKA

Asus ProArt StudioBook 16 - Testergebnisse:

  • PC-Magazin-Testurteil: gut (84 Punkte)
  • Preis/Leistung: sehr gut

Fujitsu Celsius H7510 im Test

Fujitsu-Celsius-H7510
Das Celsius ist ein mächtiges Arbeitstier mit Docking-Station, die sich im Lieferumfang befindet. Im Bereich der Leistung verliert das Notebook entscheidende Punkte.
© Fujitsu / Josef Bleier

Dem Celsius von Fujitsu ist in jeder Faser anzumerken, dass der Hersteller bei den Profinotebooks zuhause ist. Das beginnt bei den zahlreichen Schnittstellen, geht bei der mitgelieferten Docking-Station weiter und endet bei den beiden Netzteilen, die der Käufer im Paket findet. Das Größere lädt schneller und bleibt am Schreibtisch, das Kleine ist für unterwegs gedacht. Mit seinem 15,6-Zoll-Display und dessen breitem Rand sowie einem Gewicht von 2,7 Kilogramm dürfte das Celsius trotz LTE-Modul aber nur in Ausnahmefällen mit auf Reisen gehen.

Das matte Display ist das hellste im Testfeld, die Full-HD-Auflösung passt zur Mittelklasse-Karte, eine ältere Quadro T2000 mit lediglich vier GByte VRAM. Nicht aus der aktuellen elften sondern aus der Vorgängergeneration stammt der Intel-Prozessor, der mit 16 GByte RAM und einer SSD mit 512 GByte Kapazität das Grundgerüst bildet. Bei den Leistungstests ist das Celsius nicht vorn dabei und holt lediglich 35 von 50 möglichen Punkten.

Bis auf wenige Ausnahmen lag es in allen Benchmark-Tests hinten. Diese Ausnahmen bilden einige der Einzeltests des SPECviewperf, in denen das Fujitsu-Notebook die Geräte mit Gamer-Karten von Asus und Schenker hinter sich lassen konnte. Alles in allem ist das Celsius ein gut verarbeitetes Arbeitstier, das auf einem schnellen, aber leider nicht auf dem schnellsten Level unterwegs ist.

Fujitsu Celsius H7510 - Testergebnisse:

  • PC-Magazin-Testurteil: gut (78 Punkte)
  • Preis/Leistung: sehr gut

HP ZBook 15-Studio-G8 im Test

HP-Zbook-15-Studio-G8
Das wunderbar verarbeitete ZBook überzeugt vor allem mit seinem guten FHD-Display und bei der Mobilität. Die SSD ist nicht vorn dabei, die GPU ist Mittelklasse.
© HP Development Company / Josef Bleier

Das ZBook mit seinem Full-HD-Bildschirm in 15,6-Zoll wiegt lediglich 1805 Gramm und ist damit der bei weitem leichteste Testkandidat. Das geht nicht auf Kosten der Stabilität, denn das Notebook entspricht, wie im Übrigen auch die gesamte Workstation-Konkurrenz des Testfeldes, dem US-Militärstandard. Die Verarbeitung des Notebooks ist, ebenso wie die erstklassige Tastatur, über jeden Zweifel erhaben. Es macht Spaß, mit diesem Notebook zu arbeiten.

Das matte Display ist in der Bildmitte mit 395 cd/m2 zwar hell, das ändert sich jedoch vor allem nach oben hin um bis zu 20 Prozent. Neben einem aktuellen 8-Kern Core i7 kommen satte 32 GByte RAM sowie eine SSD mit einem TByte Kapazität zum Einsatz. Die Grafikkarte ist eine RTX A2000 und gehört zur neuesten Nvidia-Generation aus der mittleren Profischiene, die von der Leistung her einer Geforce RTX 3050 Ti entspricht. Im Vergleich mit dem Fujitsu Celsius war das ZBook in den Profi-Benchmark-Tests durchgehend zwischen zehn und 20 Prozent schneller, blieb allerdings mit Ausnahme des Siemens NX in allen anderen CAD-Benchmarks hinter dem Asus StudioBook und dem Schenker-Gaming-Notebook zurück.

Großes Plus: Einen so guten Klang wie der, der aus den B&O-Lautsprechern kommt, hört man aus Notebookspeakern nur sehr selten. Da macht sogar das Musikhören Spaß. Ein weiteres Plus ist die grandiose Akkulaufzeit von 707 Minuten, die wir mit dem PC Mark 10 Battery Life gemessen haben. Da steht dem mobilen Einsatz nichts mehr im Wege.

HP ZBook 15-Studio-G8 - Testergebnisse:

  • PC-Magazin-Testurteil: gut (84 Punkte)
  • Preis/Leistung: sehr gut

MSI WE76 11UM-456 im Test

MSI-WE76-11UM-456
Die Grafikleistung der neuen RTX A5000 sichert dem MSI-Boliden gemeinsam mit der schnellen Core-i9-CPU den Gesamtsieg. Der Preis ist stattlich, aber angemessen.
© MSI / Josef Bleier

Das Leben ist manchmal etwas unfair. So auch im Fall der Konkurrenten des MSI-Boliden, denn der kostet mit schlanken 4799 Euro einen ganzen Batzen mehr Geld als die anderen. Doch man muss mit dem Budget auch etwas anfangen können, und das hat MSI zweifelsfrei getan. Der 17,3-Zoll-Bildschirm bietet eine Auflösung von 3840 x 2160 Pixel und gehört zu den helleren im Testfeld. Erfreulich ist, dass das Notebook über eine Full-HD-Webcam verfügt, denn die meisten Notebooks bieten hier nur 720p.

Absolutes Highlight des 2,9 Kilogramm schweren Notebooks ist die Grafikkarte: Die RTX A5000 basiert auf der aktuellen Ampere-Architektur und ist mit seinen 16 GByte VRAM ein absolutes Topmodell aus dem Hause Nvidia. Und das zahlt sich aus: In allen Profibenchmarks aus dem SPECviewperf fährt das WE76 mit der Konkurrenz Schlitten, für den CAD-Bereich ist das MSI-Notebook also die mit Abstand beste Wahl. Etwas anders sieht es aus, wenn es um 2D-Anwendungen wie etwa die Bildbearbeitung, das Rendering, die Visualisierung oder den Videoschnitt geht. Auch da ist das WE76 zwar vorn dabei und manchmal auch der schnellste Kandidat, doch ist der Vorspung dann nur noch klein und rechtfertigt den Aufpreis nicht.

In einigen Tests lag sogar das wesentlich preiswertere Schenker XMG vorne, wenngleich nur um ein paar Pünktchen. Gerade diese Ergebnisse verdeutlichen, dass sich sehr teure Workstations mit Spitzengrafikkarten nur dann auszahlen, wenn die Anwendungen diese Vorteile auch wirklich nutzen können. Dennoch: Am Ende bleibt ein klarer Sieg für MSI und die Erfahrung, dass absolute Spitzenleistung immer eine Stange Geld kostet.

MSI WE76 11UM-456 - Testergebnisse:

  • PC-Magazin-Testurteil: sehr gut (87 Punkte)
  • Preis/Leistung: gut

Schenker XMG Core 15 M21 - Gaming Notebook im Test

Schenker-XMG-Core-15-M21
Im Spielebereich setzt das Schenker-Notebook Maßstäbe. Unterschiede zu den Workstations zeigen sich in speziellen Anwendungen wie dem CAD-Tool NX 8.0 von Siemens.
© Schenker Technologies / Josef Bleier

Im Gaming-Bereich ist das XMG Core 15 ein absolutes Spitzengerät, das im Test fantastische 94 Punkte einfahren konnte. Testet man das Notebooks allerdings nach Workstation-Kriterien, sieht die Sache ein wenig anders aus, wobei die 82 Punkte immerhin für das Testurteil „gut“ und Platz vier reichen.

Der Hauptgrund der Diskrepanz ist banal: Es fehlt an einigen Profi-Features wie etwa an ISV- oder Militärstandard-Zertifizierungen oder einem Fingerprint-Sensor, die ein Gaming-Notebook nicht braucht. Woran es aber nicht mangelt ist die Leistung: Vom teuren MSI mal abgesehen konnte das XMG die gesamte Konkurrenz hinter sich lassen.

Bei Anwendungen wie Bildbearbeitung, Rendering oder Videoschnitt ist das Notebook ebenso vorn dabei wie, ganz klar, beim Gaming. Und so bleiben am Ende nur einige CAD-Anwendungen übrig, bei denen die Spezialisten nicht zuletzt wegen der Zertifizierung die bessere Wahl sind.

Schenker XMG Core 15 M21 - Testergebnisse:

  • PC-Magazin-Testurteil: gut (82 Punkte)
  • Preis/Leistung: sehr gut
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