Digitale Fotografie - Test & Praxis
SLR- und Systemkameras

Kamera-Test 2018: Fujifilm X-Pro2 und X-Pro2

Fujifilm setzt – neben den üppigen und sündteuren Mittelformat-Boliden – beim Format voll und ganz auf APS-C. Das aber ausgesprochen erfolgreich, sind in den Top 10 der ColorFoto-Bestenliste doch gleich sechs Modelle von Fujifilm vertreten, da runter die X-Pro2 auf Platz 2 und die X-T2 als Spitzenreiter. In beiden Modellen steckt ein X-Trans-Sensor der jüngsten Generation (CMOS III) mit 24 MP ohne Tiefpassfilter. 

Auch bei der Bedienung marschieren sie im Gleichschritt: Viele Direktzugriffe auf wichtige Funktionen durch Einstellräder und Tasten, dazu ein Fokus-Joystick, der beim Positionieren des AF-Messfelds hilft. Das Hauptmenü verfügt über ein My-Register, das sich wie das Quick-Menü (Q-Taste) individuell mit bis zu 16 Optionen belegen lässt. AF- und Bildqualitäts-Einstellungen sind in separate Untermenüs ausgelagert, so bleibt das Menü insgesamt sehr übersichtlich.

Sonst geben die beiden aber ein ungleiches Paar ab, schon optisch: So präsentiert sich die X-T2 im SLR-Design, während die X-Pro2 an klassische Messsucherkameras erinnert und ihr Alleinstellungsmerkmal ein optischelektronischer Hybridsucher ist. Die X-T2 wiederum punktet mit weiterentwickeltem AF-System und 4K-Video. Beide kosten derzeit ohne Objektiv zwischen 1700 Euro und 1800 Euro.

Fujifilm X-Pro2

Starten wir mit der X-Pro 2: Mit 140 x 84 x 45 mm und knapp 500 g liegt sie gut in der Hand, das Magnesiumgehäuse ist mit Dichtungen gegen die Unbilden des Wetters geschützt und soll nach Herstellerangaben frostigen Temperaturen bis zu -10° C standhalten. Einen Blitz gibt es nicht, dafür neben dem üblichen Zubehörschuh eine Kabelbuchse für den externen Ersatz. 

Vorne am Gehäuse befindet sich ein exponierter Drehhebel für den Hybrid- Sucher. Mit ihm kann der Fotograf schnell zwischen optischem Sucherbild und elektronischer Live-View-Darstellung inklusive Belichtungs- und Weiß- abgleich-Vorschau wechseln. Bei langen Brennweiten wird der in den optischen Sucher eingeblendete Leuchtrahmen allerdings recht klein. Der hochauflösende 3-Zoll-Monitor mit 540 000 RGB-Bildpunkten ist fest im Gehäuse verbaut und nicht verstellbar.

© Fujifilm

Fujifilm X-Pro 2 – mit Hybridsucher

Die X-Pro2 verfügt über einen großzügig bestückten Hybrid-AF (Kontrast- AF 273 Felder, Phasen-AF 169 Felder) und kommt damit auf eine Auslöseverzögerung von 0,34/0,39 s. Die Serienbildgeschwindigkeit von 8 B/s hält die X-Pro2 bei JPEG-Aufnahmen so lange durch, bis die Speicherkarte voll ist; bei RAWs schafft sie 27 Bilder pro Serie. 

Die Videofunktion führt dagegen eher ein Schattendasein. Die Grenzauflösung der X-Pro2 liegt bei ISO 200 und 400 bei stolzen 2100 LP/BH. Zwischen ISO 400 und 800 zeigen die Auflösungskurven zwar einen Leistungsabfall, trotzdem bleiben die Werte über dem Durchschnitt. Das DL-cross-Diagramm weist auf eine knackige, aber noch akzeptable Kontrastanhebung und Bildabstimmung hin. Die Artefakte sind erfreulich moderat (DL-direct).

ColorFoto Testurteil: 63,5 Punkte (10 Punkte über Durchschnitt)

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Fujifilm X-T2

Die X-T2 besteht ebenfalls aus einer Magnesiumlegierung, abgedichtet gegen Staub und Spritzwasser. Sie bietet zwei Speicherkarten-Steckplätze nach dem UHS-II-Standard mit einem Lese-/Schreibtempo bis 280/250 MB/s, was schon wegen der 4K-Videos sehr sinnvoll ist. Ein Blitzgerät ist nicht eingebaut, ein kleiner Aufsteckblitz (EF-X8) im Lieferumfang enthalten. Der OLED-Sucher der X-T2 bietet eine hohe Auflösung von 786 666 RGB-Bildpunkten und eine effektive Vergrößerung von 0,77-fach, das Display arbeitet mit der Standard-Auflösung von 346 666 RGB-Bildpunkten. Es lässt sich in zwei Achsen verschwenken – nach oben und unten sowie nach Lösen der Entriegelung auch seitlich. Eine Touchfunktion besitzt es nicht.

Das AF-System der X-T2 stellt mit 325 noch ein paar mehr AF-Felder auf dem Bildsensor bereit (X-Pro 2: 273), von denen 169 Phasen-AF-tauglich sind. Der Kontrast-AF deckt 65 % der Sensorfläche ab, der Phasen-AF 40 %. Neben Messfeldautomatik und Einzelpunkt-AF bietet die Kamera die Möglichkeit der Messfeldgruppierung (Zone) mit 9, 25 oder 49 Feldern. Die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit wurde spürbar verkürzt; sie beträgt 0,31/0,37 s bei 300/30 Lux. 

© Fujifilm

Solides Werkzeug - Mit ihrem robusten und spritzwassergeschütz­ten Magnesiumgehäuse empfiehlt sich die X-T2 als Werkzeug mit aus­gezeichneter Haptik – eine Kamera, die man gerne in die Hand nimmt.

Eindeutig besser ist die X-T2 bei der Videofunktion: Sie filmt mit 4K-Auflösung und bis zu 30 Vollbildern/s. Über den HDMI-Ausgang lässt sich das unkomprimierte Videosignal abgreifen. Ein Stereomikrofon ist integriert, ein Stereoklinken-Anschluss für ein externes Mikrofon an Bord. Einen Kopfhöreranschluss aber gibt’s nur am optionalen Power-Handgriff VPB-XT2. 

Der gleiche Sensor der X-T2 schafft auch die gleiche Top-Auflösung um 2100 LP/ BH bei ISO 200/400; bis ISO 6400 sind es konstant über 1900 LP/BH. Das Rauschen bleibt bis ISO 3200 im Rahmen (VN 1,8); Artefakte treten nur in geringem Umfang auf. Hohe Dead-Leaves-Werte – bis zu 1204 LP/BH für hohe und 1107 LP/BH für niedrige Kontraste – stehen für eine gute Wiedergabe von Texturen und Feinzeichnung. Die Kantenprofile machen jedoch deutlich, dass die X-T2 die JPEGs ordentlich nachschärft – sogar noch einen Tick mehr als die X-Pro 2. Deshalb sollte man bei der X-T2 konsequent mit RAW bzw. RAW+JPEG arbeiten.

ColorFoto Testurteil: 64 Punkte (10,5 Punkte über Durchschnitt)

© WEKA Media Publishing GmbH

Kauftipp Colofoto 2018/4: Fujifilm X-T2

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