Klangverstärker

Jamo S 604/Kef IQ30

22.8.2010 von Michael Jansen

ca. 2:45 Min
Vergleich
  1. 2.0-Kompaktlautsprecher im Test
  2. Jamo S 604/Kef IQ30
  3. Dynaudio Dm 2/7/Elac BS 184

Zielgerichtet

Jamo S 604 Boxen
Das Jamo S 604
© Video Homevision

Studio Line 604 ist kein Haarpflegeprodukt, iQ30 keine Kenngröße des mentalen Leistungsvermögens. Beide Begriffe bezeichnen sehr unterschiedliche Lautsprecher, die das gleiche Ziel verfolgen.

Die S-Line von Jamo zeichnet sich unter anderem durch ihre elegante Optik aus. Besonders in der Bi-Color-Ausführung, also mit Apfeldekor-Korpus und mit schwarz glän-zender Kunststofffront kann sich die S 604 sehen lassen. Selbst die Tief-/Mitteltonmembran scheint nach optischen Gesichtspunkten ausgesucht worden zu sein: Auch sie glänzt tief schwarz - das liegt vor allem an der dämpfenden Beschichtung.

Testurteil:

Jamo S 604

€ 400, www.osirisaudio.de

+ tonal recht ausgewogen + konturierter Bass- und Grundtonbereich + guter Tiefbass - etwas analytisch

Gesamtwertung: gut 60 %

Preis/Leistunng: überragend

Ein interessantes Feature, das erst auf den zweiten Blick auffällt, ist die Ausformung der Kunststofffront um die Hochtonkalotte herum. Die leicht konkave Form fungiert als eine Art Schallführung. Sie soll das Abstrahlverhalten des Hochtöners an seinem unteren Übertragungsende dem des Tief-/Mitteltöners anpassen.

Als positiver Nebeneffekt erhöht sich der Wirkungsgrad und mithin die Belastbarkeit in diesem Frequenzbereich. Ein von den tiefen zu den hohen Frequenzen konstantes Abstrahlverhalten oder eine zumindest konstant zunehmende Bündelung wirkt sich förderlich auf den Klang aus, so weiß man heute.

Gleiches Ziel, anderer Ansatz

Kef IQ30
Das Kef IQ30
© Video Homevision

Die britische Firma KEF verfolgt das gleiche Ziel, jedoch offensichtlich mit einem ganz anderen Ansatz. Die in Südengland ansässigen Tüftler haben sich seit vielen Jahren dem idealen Schallwandler, der Punktschallquelle, verschrieben.

Musik mit Hoch- und Tieftöner wiederzugeben ist - man muss es offen sagen - nur eine Krücke. Ideal wäre die Schallentstehung in einem Punkt von einem Chassis. Letzteres ist jedoch kaum zu bewerkstel-ligen, so dass man zumindest den Schall nahezu in einem Punkt entstehen lassen kann.

"Uni-Q" nennen die Briten ihre einzigartige Chassis-Entwicklung - landläufig auch als Koaxial-Chassis bekannt. Die Besonderheit liegt im Detail: Der Hochtöner steckt nicht nur im Zentrum des Tief-/Mitteltöners, sondern weist auch ein ähnliches Abstrahlverhalten auf. Das ist ein wichtiges Kriterium für den guten Ton im Wohnraum.

Das Uni-Q-Chassis wur-de jüngst noch einmal überarbeitet und ist nun vor der 19 Millimeter großen Hochtonkalotte mit einer op-timierten Schallführung versehen, die zudem die empfindliche Membran vor "Kalottendrückern" schützt - dazu zählen nicht nur Kinder bis zwei Jahren, sondern auch so manche erwachsene technisch interessierte Laien.

Testurteil:

Kef IQ30

€ 500; www.gpaeu.com

+ tonal sehr ausgeglichen+ sehr deutliche Ortbarkeit+ plastische Darstellung- im Bass leicht erhöhter Klirr

Gesamtwertung: gut 60 %

Preis/Leistung: überragend

Die sich nach hinten verjüngende Gehäuseform verleiht den KEF-Boxen nicht nur eine ordentliche Portion Stabilität, sondern auch eine sehr eigenständige Optik.

Die unterschiedlichen Konstruk-tionen ließen einen interessanten Hörtest erwarten. Zuerst fiel der gegenüber dem Jamo-Set höhere Wir- kungsgrad auf. Den KEF-Lautsprechern gelang es, den geringeren Leistungshunger in Agilität und Spielfreude umzumünzen.

Zwar ließ auch Jamos Boxenpaar keinen Zweifel daran, dass es Temperament besitzt und sich auch den Details widmet, doch letztlich vermittelt es nicht ganz die Deutlichkeit in der Abbildung. Im Oberbass und im Grundtonbereich spielt es schön konturiert und nie überzogen, KEF dagegen mischt ger-ne mal etwas wärmere Klangfarben unter die Musik.

Christian Willisohns Gesang (zu hören auf seiner CD "Hold on") ver-tönt über die britischen Boxen mit einem mächtigen Brustton, über die dänischen dagegen mit schlankerem Brustumfang. KEFs Boxen überzeu-gen mit enorm klarer, geradezu plas-tischer Spielweise, Jamos hingegen eher mit einer nordisch nüchternen tonalen Abstimmung.

Bildergalerie

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Die Testkandidaten

Das Jamo S 604

Aus dem Messlabor

Messergebnisse
Beide Lautsprecherpaare im Vergleich
© Video Homevision

KEFs Frequenzgang sieht bis immerhin 10 Kilohertz sehr linear aus. Und selbst darüber über die Winkel gemittelt, wäre eine gute Schallleistungskurve zu erwarten. Jamos Übertragungsfunktion zeigt tendenziell eine leichte Mitten- und Präsenzbetonung und einen kräftigen Oberbass. Beide spielen etwa gleich tief in den Frequenzkeller. Durch die höhere Empfindlichkeit geht KEFs iQ30 genügsamer mit der gebotenen Verstärkerleistung um.

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