Digitale Fotografie - Test & Praxis
Smarthone-Kameras

Google Pixel 2 XL vs. LG V30 im Kamera-Test

Google setzt beim Pixel 2 XL auf Top-Hardware plus clevere Software und viel künstliche Intelligenz. LG geht beim V30 seinen Superweitwinkel-Weg weiter und erweitert den Bildwinkel. Wir haben beide Kameras im Vergleichstest

Inhalt
  1. Google Pixel 2 XL vs. LG V30 im Kamera-Test
  2. LG V30 im Kamera-Test
  3. Messverfahren
LG V30 - Google Pixel 2XL

© Hersteller, Reinhard Merz, Christian Kube

Wer ein Google-Smartphone kauft, tut das oft aus einem Grund: Google-Phones erhalten als Erste die neueste Android-Version und monat- lich das aktuelle Sicherheitsupdate. Un- sere Testgeräte Google Pixel 2 XL und LG V30 haben Gemeinsamkeiten wie die exzellenten OLED-Displays mit großem Farbraum; beide werden von LG hergestellt. Aber aus fotografischer Sicht sind die Grundkonzepte sehr ver- schieden: Google setzt auf künstliche Intelligenz, und LG baut als Extra ein zusätzliches Superweitwinkel ein.

Google Pixel 2 XL 

Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern der Oberklasse hat das Pixel 2 XL keine Doppeloptik, sondern nur eine Kamera mit 12-MP-Auflösung – plus Frontkamera versteht sich. Google wählt als Sensor Sonys aktuellen Top-Exmor RS mit 1,4 µm großen Pixeln, im Vorgängermodul waren es 1,55 µm. Doch die Lichtstärke beträgt nun f1,8 statt f2,0.

Brennweitenspielereien erlaubt das Neue aber nach wie vor nicht. Dafür macht es Aufnahmen mit selektiver Schärfentiefe, Porträt-Modus genannt. Die Unschärfe wird hier im Gegensatz zur SLR nicht von Objektiv und Blendenöffnung bestimmt, sondern auf KI-Algorithmen basierend berechnet. Andere Smartphones brauchen für solche Effekte zwei Kameras und nutzen die leichte Parallaxe zwischen beiden, um daraus eine künstliche Unschärfe für den Hintergrund zu errechnen.

Testsiegel ColorFoto 3/18 Kauftipp Google Pixel 2XL

© WEKA Media Publishing GmbH

Das Google Pixel 2 XL bekommt von ColorFoto ein Kauftipp-Siegel für die Bildqualität.

Das KI-System des Pixel 2 XL nutzt ein Verfahren, das semantische Segmentierung genannt wird und auch zur Steuerung selbstfahrender Autos zum Einsatz kommt. Aus dem Pixelbild werden durch Strukturierung Objekte isoliert und klassifiziert; das Gerät errechnet also, welche Motive sich im Vordergrund befinden und was in den Hintergrund gehört. Der Hintergrund wird anschließend unscharf, indem der Mittelwert der Helligkeits- und Farbwerte benachbarter Pixel errechnet wird. 

Allerdings hat die Software keine Ahnung von Tiefe. Während man bei der SLR die Unschärfe mit Entfernung und Blende punktgenau steuern kann, schießt die Software mitunter über das Ziel hinaus. Objekte, die räumlich nur wenig gestaffelt sind, können trotzdem sehr unterschiedlich im Bild erscheinen. Und Objekte, die sich sehr nahe vor der Kamera befinden – und die eine SLR eher unscharf abbilden würde –, werden knackscharf abgebildet. 

Trotz einzelner Ausreißer funktioniert die Methode in der Praxis erstaunlich gut. Der Unterschied zwischen „echter“ (optischer) und synthetischer Unschärfe fällt nur bei kritischen Motiven auf. Und weil der Effekt keine zwei Kameras benötigt, funktioniert er auch mit der Frontkamera (8 MP, Blende 2,4). Überhaupt kann die Fotoqualität des Pixel 2 XL überzeugen. 

Google Pixel 2 XL

© Reinhard Merz, Christian Kube

Die Kamera-App im Google Pixel 2 XL beschränkt sich auf das Nötigste, dafür unterstützt sie den Fotografen mit KI-Algorithmen wie dem Porträt-Modus.

Bei guten Lichtverhältnissen und überschaubarem Kontrast liefern mittlerweile alle Smartphones der Oberklasse eine Bildqualität, die auch höhere Ansprüche zufriedenstellt. Das Pixel ist in diesem Punkt noch etwas besser, überzeugt mit guter Detailzeichnung und dient derzeit als Referenz in der Redaktion. 

Wird es duster, lässt die Bildqualität bei allen Smartphones nach – beim Pixel 2 XL allerdings weniger als bei anderen. Bei vergleichbarem Rauschen zeigen die Bilder mehr Details und wirken lebendiger. In der Bildmitte hält das Pixel die Auflösung bei nachlassendem Licht fast konstant, nicht jedoch in den Ecken. Dort steigt der Auflösungsverlust sichtbar an. 

Auch bei wenig Licht kommt KI ins Spiel, denn die Kamera nimmt immer mehrere Bilder auf und errechnet aus dieser Serie das bestmögliche Bild. Das verhilft auch zu guten Blitzaufnahmen. Wer öfter mal ein Video mit dem Smartphone drehen will, wird die Bildstabiliserung im Video zu schätzen wissen. Aufnahmen in Full-HD-Auflösung mit 60 B/s aus der Hand wirken selbst dann noch erstaunlich ruhig, wenn man sich bei der Aufnahme bewegt.

Lesetipp: Beste Smartphone-Kamera 2018 - unsere Bestenliste

Eine Besonderheit des Pixel-Phones ist „Active Edge“, ein drucksensitiver Rahmen, der als Schnelltaste fungiert aber derzeit nur für den Google Assistant freigeschaltet ist, als Auslöser konnten wir ihn nicht konfigurieren. Das Pixel 2 XL ist mit 940 Euro in der 64-GB-Variante schon kein Schnäppchen, und wer mehr Speicher braucht, muss zur über 1000 Euro teuren 128-GB-Variante greifen. Eine Erweiterung des Speichers per Micro-SD-Karte ist nicht möglich. 

Googles Kamera-App bietet kaum Einstellmöglichkeiten, aber eben die Unterstützung durch die „Pixel-Intelligenz“. Zudem fehlt der Zugriff auf das RAW-Format. Wer DNGs braucht, Belichtungszeit oder ISO-Wert selber einstellen will, muss eine Fremd-App installieren. Wir haben die DNGs deshalb mit der Lightroom-App gemacht.

Google Pixel 2 XL

© Hersteller, Reinhard Merz, Christian Kube

Bei wenig Licht und hohen Kontrasten liefert die Multishooting- Technologie gute Ergebnisse.

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