Digitale Fotografie - Test & Praxis
Smarthone-Kameras

LG V30 im Kamera-Test

Das LG V30 ist die Weiterentwicklung des G6 und wie in der G6 macht das Doppel-Kamerasystem des V30 Weitwinkel- und Ultraweitwinkel-Aufnahmen. Für Weitwinkelaufnahmen mit 71° Bildwinkel kommt ein 16-MP-Sensor mit lichtstarken f1,6 (G6: f1,8) zum Einsatz, allerdings sind die Pixel nur 1 µm groß. Die vergleichbare KB-Brennweite beträgt 30 mm. 

Der Ultraweitwinkelsensor bietet 13 MP und Blende 1,9 (G6 f2,4) ebenfalls mit 1 µm großen Pixeln. Seine 120° entsprechen einem 12,5 mm-KB-Objektiv. Auf der leicht gewölbten Glasrückseite, die in einen Rahmen aus Metall eingelassen ist, sind die Kameras sehr gut ins edle Gehäuse integriert. Umgeschaltet wird über zwei Symbole in der Sucheranzeige des V30.

Die beiden Rückseiten-Kameramodule unterscheiden sich in vielen Details: die längere „Brennweite“ mit 71°-Bildwinkel arbeitet mit optischem Bildstabilisator und Phasenkontrast-Autofokus. Den Fokuspunkt kann man bei Bedarf zudem auf dem Display durch Tippen anwählen. 

Beim Tempo hat der Autofokus zugelegt, wie die Labormessungen belegen: 0,40 s bei 800 Lux und 0,15 s bei 30 Lux (G6: 0,7 s und 1,3 s). Allerdings sinkt bei der 30-Lux-Messung die Präzision des AF gegenüber der 800-Lux-Messung, sodass die höhere Geschwindigkeit kein echter Vorteil ist. Das Ultraweitwinkelobjektiv mit 120°-Bildwinkel verzichtet komplett auf Bildstabilisierung und Autofokus. 

LG V30

© Reinhard Merz, Christian Kube

Die Kamera-App des LG V30 ist übersichtlich, Belichtung (oben) und Fokus (unten) lassen sich auch manuell einstellen.

Das ist in der Praxis aber ok, weil von ziemlich nah bis unendlich ohnehin nahezu alles scharf abgebildet wird und die Kamera ohne AF schneller arbeitet. Ein optischer Bildstabilisator ermöglicht längere Verschlusszeiten bei nachlassendem Licht und tatsächlich hatten wir kaum mit verwackelten Bildern zu kämpfen. Dämmerbilder sind trotzdem deutlich schlechter als beim Pixel 2 XL, denn beim Entrauschen werden zu viele Details einfach glattgebügelt, Details verschwinden, die Auflösung fällt um fast 300 Linienpaare. 

Bei wenig Licht wird die Pixelgröße sehr relevant und an diesem Punkt ist das LG im Nachteil. Auch die im Vergleich zum Google schlechteren DL-Wert hängen an der Pixel-Größe. Hatten wir beim G6 noch die Verzeichnung kritisiert, so macht nun das Fotografieren mit dem Ultraweitwinkel richtig Spaß und den Panorama-Modus überflüssig. Schließlich fotografiert man oft in engen Räumen, und der Unterschied im Bildwinkel zwischen den beiden Objektiven ist gigantisch. 

Die Bildqualität des Ultraweitwinkels lässt noch immer eine Menge Luft nach oben; die JPEGs werden stark nachgeschärft, in der 100-Prozent-Ansicht stören Lichtsäume. Das RAW-Format ist da fast schon Pflicht. Trotzdem verliert das LG V30 auch bei RAW fast 400 Linienpaare in den Ecken gegenüber der Mitte. Die starken Verzerrungen des G6 in den Ecken, die sich auch im RAW kaum ausbügeln lassen, hat LG jetzt aber eben deutlich besser im Griff. 

Wir würden das V30 nach wie vor nicht für Architekturaufnahmen empfehlen, aber bei Standardmotiven fallen die Verzerrungen kaum mehr ins Gewicht. Die Kamera-App ist sehr übersichtlich aufgebaut, unterstützt DNGs und ist gut bedienbar. Allerdings fehlt eine Halbautomatik: Wer etwa den Zeit- oder ISO-Wert verschiebt, muss den jeweils anderen Wert selber nachführen. Das kostet Punkte.

Fazit 

Zwei Kamerakonzepte, wie sie verschiedener kaum sein könnten, trafen in unserem Test aufeinander. Bei guten Lichtverhältnissen können beide überzeugen. Wenn es dämmert, ist das Google Pixel 2 XL mit seinen größeren Pixeln und der KI-Lösung klar besser – Kauftipp: Bildqualität. Auch der ebenfalls KI-gesteuerte Porträt-Modus funktioniert gut, das bieten Bildbearbeitungs-Apps allerdings auch. 

Das LG V30 lässt sich theoretisch also damit „nachrüsten“. Ein Alleinstellungsmerkmal hat das LG dagegen mit der Ultraweitwinkeloptik, die wir in der Praxis trotz erkennbarer Schwächen bei der Bildqualität gerne und oft benutzt haben. Die bei der Standardbrennweite außen schlicht fehlenden Bildteile berechnet im Nachhinein auch kein KI-System.

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