Apps-Sicherheit

Dating-Apps im Test: Datenschutz bei Badoo, Tinder, Lovoo & Co.

Dating-Apps wie Tinder oder Badoo versprechen schnelle neue Liebe. Wenig liebevoll gehen aber die meisten Dienste mit den Daten ihrer Mitglieder um.

Inhalt
  1. Dating-Apps im Test: Datenschutz bei Badoo, Tinder, Lovoo & Co.
  2. Dating-Apps: Anbieter in der Einzelbetrachtung
Dating-Apps im Test

© weedezign - Fotolia.com

Wir schauen uns das Thema Datenschutz bei fünf Dating-Apps an.

Unkomplizierter Sex oder die große Liebe: Mit Dating-Apps versuchen Smartphone-Nutzer einen passenden Partner zu finden. Wer dort erfolgreich sein will, muss in seinem Profil einiges von sich preisgeben. Mitglieder vertrauen den Diensten deshalb jede Menge persönlicher Daten an – von der E-Mail-Adresse über das Geschlecht bis hin zum Alter und zur sexuellen Orientierung. Wer will, verrät darüber hinaus intime Details wie die Vorlieben im Bett oder den HIV-Status. Aber wie gehen die Anbieter mit den persönlichen Informationen ihrer Nutzer um? 

Sammeln sie auch Daten, die sie für den Betrieb nicht benötigen, und schicken sie an die eigenen Server – oder gar an Partnerunternehmen wie Werbefirmen? Zusammen mit unserem Partner Appvisory haben wir fünf Dating-Apps unter die Lupe genommen und getestet, wie sicher ihre Nutzung im Hinblick auf den Umgang mit Daten ist. 

Im Check waren Tinder, Jaumo, Lovoo, Badoo und Grindr, das sich speziell an schwule Männer richtet. Für den Test untersuchten wir, welche Serververbindungen die Apps herstellten und welche Informationen sie weiterschickten, sowohl die iOS- als auch die Android-Version der App. Außerdem prüften wir die Datenschutzerklärung.

Vier von fünf Apps fallen durch

Das Ergebnis unserer Analyse: Bei vier der fünf Apps sind die Daten nicht gut aufgehoben – und die Nutzer verlieren die Kontrolle darüber, was mit ihren persönlichen Informationen passiert. Die Anbieter erlauben sich einige grobe Schnitzer, was den Schutz der Privatsphäre angeht. 

Tinder, Jaumo, Lovoo und Grindr haben Daten an externe Anbieter weitergegeben, ohne das zu dürfen. Einzig Badoo zeigt sich zurückhaltend: Nur wenige Daten werden weitergeschickt, aber auch nur an die eigenen Server und verschlüsselt. Trotzdem ist auch bei diesen Informationen fraglich, ob der Anbieter sie wirklich senden muss und sollte. 

Meist werden sie für die Standortermittlung genutzt. Darunter sind neben der lokalen IP-Adresse auch die MAC-Adresse und SSID des verbundenen WLAN-Accesspoints, also der WLAN-Name. Die MAC-Adresse ist die physikalische Adresse einer Netzwerkschnittstelle und eindeutig zuzuordnen. In der Android-Version sammelt und sendet Badoo auch noch die MAC-Adresse und SSIDs aller in Reichweite befindlichen weiteren WLAN-Accesspoints dazu.

Android-ID bei Werbenetzwerken

Bei den anderen Apps ist der Umgang mit den freiwillig mitgeteilten oder erhobenen Informationen ihrer Nutzer allerdings deutlich heikler. Teilweise übertragen sie Daten sogar unverschlüsselt an Werbenetzwerke, etwa die Standortdaten. Das machen Grindr und Jaumo. 

Tinder, Jaumo und Lovoo geben zwar verschlüsselte Daten weiter, dafür lassen diese Rückschlüsse auf den Nutzer zu: Die Android-ID landet über die Anbieter bei Analytics-Netzwerken und oft sogar (bis auf Lovoo) bei Werbefirmen. Diese Geräte-ID wird nur einmal für jedes Mobiltelefon vergeben. Eigentlich dürften die Firmen die Android-ID nicht verschicken: Denn wird die eindeutige Nummer mit einer Registrierung verbunden und an einen Dritten weitergegeben, kann ein Nutzer dauerhaft getrackt werden – ohne dass dieser etwas davon weiß oder gar widersprechen kann. 

Werbefirmen wollen allerdings ihre potenziellen Kunden wiedererkennen und brauchen eine eindeutige Zuordnung. Apple hat deshalb eine Advertising-ID eingeführt, Google zog bei Android nach. Beide sind aber aus Datenschutzgründen unabhängig vom Gerät – ein umfassendes Tracking ist nicht möglich. Bei iPhones konnten wir das im Test nicht feststellen. 

Generell gab es in den iOS-Versionen der Apps weniger Verstöße der Anbieter. Allerdings konnte bei Tinder und Lovoo die Datenübertragung nicht vollständig entschlüsselt werden. Sicher ist: Auch hier wurden Verbindungen zu Werbe-, Analytics- oder Tracking-Netzwerken aufgebaut. Grindr und Jaumo gaben auch in den iOS-Versionen exakte Standortdaten weiter.

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Persönliche Daten an externe Firmen

Andere Dating-Apps übertragen persönliche Daten an Drittanbieter, ebenfalls ungefragt. Bei Jaumo sind das der Name, die E-Mail-Adresse, das Geburtsdatum, das Geschlecht, der Mobilfunkanbieter, das Gerätemodell und sogar der Akkuladestand. Lovoo teilt den User-Namen und die E-Mail-Adresse mit einem Marketingdienst. 

Tinder gibt die Telefonnummer an Facebook weiter, teilt das den Mitgliedern aber immerhin mit. Grindr verrät einer externen Firma Alter und Geschlecht des Nutzers. Auch wenn sich die App an schwule Männer richtet, sind hier 13 Auswahlkategorien möglich, etwa für Transsexuelle. Grindr hat allerdings dazugelernt: Der Dienst war in die Schlagzeilen geraten, weil er den HIV-Status seiner Mitglieder mit einem Werbenetzwerk geteilt hatte.

Keine Info für die Nutzer

Generell ist gegen die Weitergabe von Nutzerdaten an Werbenetzwerke nichts einzuwenden, wenn die Nutzer darüber in der Datenschutzerklärung bzw. den AGBs informiert werden, welche Informationen wohin geschickt werden – und die Weitergabe den deutschen Datenschutzrichtlinien entspricht. Doch die vier Anbieter Tinder, Badoo, Lovoo und Jaumo erwähnen in ihren Datenschutzerklärungen nicht alle Dienste, an die Infos übermittelt werden. Grindr verzichtet dagegen gleich ganz auf eine deutsche Fassung der Datenschutzerklärung.

Fazit: Infos sparsam preisgeben

Einzig der britische Anbieter Badoo zeigt sich im Test verschwiegen. Wer eine der anderen Dating-Apps nutzt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die persönlichen Daten teilweise öffentlich werden, zumindest für Werbenetzwerke und Analysefirmen. 

Alles, was nicht verschlüsselt übertragen wird, kann außerdem von Unbefugten abgefangen und ausgelesen werden. Ideal wäre es deshalb, bei solchen Anbietern sparsam mit persönlichen Daten umzugehen. Das stellt Mitglieder aber vor ein Dilemma: Wer nichts von sich preisgibt, findet auch schwerer einen Partner. Nutzer sollten aber immer abwägen, wie offen sie mit sensiblen Informationen umgehen.

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Dating-Apps: Testverfahren & Expertenmeinung

Mit unserem Partner Appvisory haben wir die Apps nach verschiedenen Kriterien geprüft, zum Beispiel: Inwieweit erheben die Apps Daten und übertragen sie an eigene Server oder gar an Werbenetzwerke oder andere Anbieter? Unter anderem geht es dabei um sensible Informationen wie Name, E-Mail-Adresse, Standortdaten oder Geräte-ID.

Tracking und kritische Berechtigungen

Für die Bewertung der Sicherheit spielt auch eine Rolle, ob die Apps Werbedienste und Tracking integriert haben. Wir prüfen außerdem, wo die Server stehen, die während der Nutzung kontaktiert werden, und inwieweit die Datenschutzerklärung korrekt aufklärt.

Expertenmeinung - Claudia Frickel, Autorin PC Magazin

Das ernüchternde Ergebnis unseres Tests: Viele Dating-Apps im Test sammeln fleißig Informationen über Mitglieder und geben sie weiter, zum Teil sogar unverschlüsselt. Auch an die eigenen Server senden sie mehr Daten als nötig. Nutzer müssen abwägen, wie schlimm sie diesen Umgang mit ihren Daten finden.

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