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Vollformatklasse

Canon KB-System: Kaufkriterium Bildqualität & Fazit

Kaufkriterium Bildqualität?

Wer eine Vollformatkamera kauft, will optimale Bildqualität – deshalb schauen wir uns die Leistung der vier Modelle hier im Vergleich an. 

Canon  EOS 5DSR

Wie erwartet, löst die EOS 5DSR mit ihrem 50-MP-Sensor extrem hoch auf – bis ISO 1600 zwischen 2709 und 2722 LP/BH. Bei der Dead-Leaves-Messung schafft sie bis zu 2059 LP/BH und die Dead-Leaves-Werte für hochkontrastige Strukturen fallen erst ab ISO 1600 sichtbar ab. 

Die DL-Werte für niedrig-kontrastige Strukturen sinken dagegen bereits ab ISO 400. Allerdings erkauft sich die 5DS R dies unter anderem durch eine sichtbare Kontrastanhebung. Das Luminanzrauschen zeigt sich verstärkt ab ISO 3200 (VN 2,6/2,7); bei höheren Empfindlichkeiten konnten uns die Ergebnisse nicht mehr so überzeugen. Hier verzichtet Canon zu Recht auf extrem hohe Empfindlichkeiten wie ISO 102 000. 

Positiv fällt die zurückhaltende Kantenanhebung auf. Damit wirken die Bilder zwar nicht so knackig, zeigen aber deutlich mehr Details und wirken natürlicher. Alle Aussagen und Messergebnisse beziehen sich auf den Bildstil „Feindetail“. Wer die klassische Canon-Abstimmung lieber mag, findet sie unter „Standard“. 

Canon EOS 6D Mk II

Der Sensor der EOS 6D Mk II löst gerade mal etwas mehr als die Hälfte dessen auf, was der Sensor der 5DS R schafft. Entsprechend kann sie bei den nackten Zahlen nicht mithalten. Trotzdem gibt sich die 6D Mk II im entscheidenden Empfindlichkeitsbereich von ISO 100 bis 1600 keine Blöße. Sie liefert bei ISO 100 eine hohe Grenzauflösung bis 1966 LP/BH, und erst bei ISO 3200 kommt es zu einem moderaten Einbruch. 

Auch das Rauschverhalten kann sich sehen lassen, erst ab ISO 6400 steigt der Wert über die VN 2. Zudem erreicht die EOS 6D Mark II anständige Dead-Leaves-Werte bei starken wie schwachen Ausgangskontrasten. Bei ISO 1600 sinken die DL-Werte für hohe Kontraste um 150 LP gegenüber ISO 100. Bei ISO 3200 beträgt der Verlust 250 LP. Die DL-Werte für niedrigkontrastige Strukturen fallen schneller: Hier fehlen bereits bei ISO 1600 gut 250 LP gegenüber ISO 100. Allerdings verdankt sie die guten DL-Werte nicht zuletzt einer deutlichen Kontrastanhebung, das gilt auch für den Bildstil Feindetail. 

Canon EOS 5D Mk IV

Die EOS 5D Mk IV liegt dazwischen und ist der 6D Mk II über den gesamten ISO-Bereich überlegen. Selbst bei ISO 1600 erreicht sie noch mehr als 2000 LP/BH und kombiniert diese mit einer außerordentlich hohen Dynamik von 11 bis 12 Blenden. Beim Rauschverhalten zieht sie dann auch locker an der EOS 5 DS R vorbei. Es tritt nur moderat auf (VN mit 0,7 bis 1,1 bei ISO 1600) und stört erst spät den Bildeindruck. Im DL-Kurvenprofil liegen die Kurven für hohe und niedrige Kontraste nah beieinander. Selbst in der Einstellung Feindetail steigen die DL-cross-Kurven nur bis 1,1. 

Canon EOS R

Bei der EOS R wiederum setzt Canon auf eine erstaunlich aggressive Signalverarbeitung mit deutlich sichtbaren Überschwingern an den Kanten. Darum wirken die Aufnahmen außerordentlich knackig, aber schnell auch überschärft. Die Auflösung ist hoch – 2298 LP/BH bei ISO 100 und immer noch 2095 LP/BH bei ISO 1600 – und schöpft das Potenzial eines 30-MP- Sensors fast ideal aus. Auch die Dead-Leaves punkten mit hohen Werten bei zugleich moderaten Artefakten und niedrigem Rauschen. Allerdings steigen die DL-Kurven deutlich über 1, die Kurve für kontrastarme Details klettert sogar bis 1,35. Auch dies steht für eine knackige, aber zugleich überzogene Abstimmung. 

Unserer persönlichen Meinung nach ist Canons Grundeinstellung – trotz Korrekturen in den letzten Jahren – noch immer einen Tacken zu kontrastreich. Mit Ausnahme der EOS 5D Mk IV gilt daher für alle Kameras: Wer Wert auf Details legt, sollte besser ins RAW-Format wechseln.

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Fazit

Die vier ungleichen Schwestern hinterlassen durchweg einen guten Eindruck. Schon die vergleichsweise günstige EOS 6D Mk II hat ein hochwertiges Gehäuse, einen schnellen und zuverlässigen Autofokus und einen drehbaren Monitor. Bei der Bildqualität bleibt sie hinter den höher auflösenden Modellen etwas zurück, aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Insgesamt ein hervorragendes Modell für Vollformateinsteiger. 

Das 50-MP-Modell EOS 5DS R liefert eine Bildqualität, wie man sie von einer Kamera dieser Kategorie erwartet: hoch, mit Topauflösung bei guten Rauschwerten und überzeugender Feinzeichnung – sofern man den Bildstil „Feindetail“ wählt oder gleich mit RAW fotografiert. Das Optimum an Auflösung erreicht aber nur, wer zu den derzeit besten Objektiven greift und Verwacklungsunschärfen so weit wie möglich eliminiert. Bei der Ausstattung ist noch Luft nach oben – eine eingebaute WLAN-Funktion wäre sicher kein übertriebener Luxus. 

Mit der EOS 5D Mk IV liefert Canon eine konsequente Weiterentwicklung der erfolgreichen Vorgänger. Auf der Ausstattungsseite punktet sie mit WLAN, GPS, 4K-Video und Touchscreen, technisch hat sie dank Doppelpixelstruktur einen schnellen und zuverlässigen Autofokus und das „Dual Pixel RAW“-Format mit moderater nachträglicher Schärfe- und Bokeh-Verlagerung zu bieten. 

Völlig neue Wege ist Canon schließlich bei der Entwicklung der EOS R gegangen und hat dabei so manchen alten Zopf gleich ganz abgeschnitten. Man hat nicht nur den optischen gegen einen elektronischen Sucher getauscht, sondern grundsätzlich über die Bedienung nachgedacht. Das Ergebnis mag gewöhnungsbedürftig sein, hat aber – wie das dritte Einstellrad am Objektiv – eine Menge Potenzial. 

Ein Knackpunkt bei der EOS R ist das noch sehr kleine Objektivangebot. Natürlich findet man bei Canon sehr gute Objektivadapter für Umsteiger aus dem eigenen SLR-System, aber wer neu einsteigt, will zur EOS R auch RF- und nicht die „alten“ EF-Objektive. Die Zukunft gehört bei Canon dem R-System, und deswegen erwarten wir einen schnellen Ausbau der RF-Linie.

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