Digitale Fotografie - Test & Praxis
Vollformatklasse

Canon KB-System: Canon EOS R

Jüngster Spross: spiegellose EOS R

Lange hat es gedauert, bis Canon mit der EOS R den Mut aufbrachte, den eigenen SLR-Kameras mit einer spiegellosen Vollformatvariante Konkurrenz zu machen. Wie die EOS 5D Mk IV hat die EOS R einen 30-MP-Sensor. Canon hat ihn aber überarbeitet und mit Mikrolinsen an das neue RF-Bajonett angepasst. 

Es hat einen Durchmesser von 54 mm und ein Auflagemaß von 20 mm. Ein Adapter verbindet klassische Canon-EF-Objektive mit dem RF-Bajonett. Für den mittlerweile hohen Kommunikationsbedarf zwischen Kamera und Optik stehen zwölf Kontakte zur Verfügung (EF-Bajonett: 7). Zudem integriert Canon in die Objektive künftig einen eigenen Controller. 

© Canon

Canon EOS R

Derzeit, so Canon, schöpft man das Potenzial des schnelleren Datenaustauschs aber noch nicht aus. Das ist eher ein Thema für die Zukunft – schließlich soll das Bajonett wieder für 30 Jahre Bestand haben. Ohne Spiegel müsste der Sucher nicht mittig über dem Objektiv sitzen, die EOS R folgt dennoch dem SLR-Design. Trotz des fehlenden Spiegels liegen Größe und Gewicht gerade mal um etwa 20 % unter dem der 6D Mk II. 

Mit je einem 24-105-mm bestückt, schauen die beiden Kameras wie Schwestern aus. Grund dürfte auch der aufwendige Spritzwasserschutz sein. Unterschied bei den Objektiven: Während das EF eine variable Lichtstärke von 3,5-5,6 hat, schafft das RF konstante 4,0. 

Das Bedienkonzept der EOS R wirkt minimalistisch modern: Oben sitzt ein monochromes Display, aber kein Modusrad, dafür im Inneren des hinteren Wahlrads eine Mode-Taste. Einmal gedrückt, scrollt man durch die Modi und sieht die Auswahl auf dem Monochrom-Display, dem hinteren Display oder im Sucher. Der aktuelle Modus ist auch bei ausgeschalteter Kamera auf dem oberen Status-Display sichtbar. 

Das vordere Wahlrad sitzt oben auf dem Griff und lässt sich hervorragend mit dem Zeigefinger der rechten Hand bedienen. Canon verzichtet bei der EOS R bewusst auf viele Tasten. Das macht die Bedienung übersichtlich, erfordert aber, dass man häufig genutzte Funktionen im Menü auf die passenden Tasten legt. 

Mit der M-Fn-Taste in unmittelbarer Nähe des Auslösers erreicht man den „Dial-Dialog“ und kann dann mit den Wahlrädern neun Funktionen aktivieren und einstellen – etwa in die Serienbildfunktion wechseln oder den Weißabgleich ändern. Das häufig gebrauchte Menü für die ISO-Empfindlichkeit kann man bei den neuen RF-Objektiven auf den vorderen Objektivring legen – das ist extrem handlich. 

Das Touch-Display nutzt Canon für die Menüführung und zum Verlagern des AF-Messfelds. Die Kamera lässt sich auch komplett über den Sucher bedienen. Eine Spezialität der R ist das Touch-Pad, das im Grunde ein Einstellrad ersetzt. Zusätzlich zur Streichbewegung, mit der die Werte stufenweise angepasst werden, kann man auch per Tipp auf die Pfeilsymbole bestimmte Aktionen auswählen. 

© Canon

Canon KB-System: Canon EOS R Rückansicht

In der Voreinstellung ist einmal Tippen als ein „Schritt“ definiert, bestimmte Werte lassen sich aber auch direkt abrufen. Leider gibt es nicht sehr viele Optionen, aber mit einer kurzen Berührung schnell auf ISO-Auto zu springen, kann schon nützlich sein. Der Umgang mit der Touch-Bar erfordert Eingewöhnung. Dies gilt vor allem dann, wenn der Temperatursensor gegen Fehlbedienungen eingeschaltet ist. 

Denn in diesem Fall muss man etwas länger drücken, bis die Bar aktiviert ist. Wahlweise lässt sich eine Verbindung zum Rechner, Smartphone oder einem Cloud-Dienst einrichten. Wobei Letzteres etwas aufwendiger ist, da die Einrichtung über den Rechner und eine Webseite von Canon erfolgen muss. Der Versand von Fotos per E-Mail funktioniert, wie der Upload in die Cloud, mit einzelnen Aufnahmen oder mit einer Bildauswahl in reduzierter oder voller Auflösung. 

Allerdings versendet Canon nur einen Link per E-Mail: Die Dateien landen im Cloud-Speicher des Herstellers. Einfacher und ohne Konfiguration über das Internet lässt sich die Verbindung zum Smartphone herstellen. Damit kann der Fotograf Bilder in voller Auflösung und als RAW-Dateien gleich nach dem Auslösen übertragen. Rudimentär ist dagegen die Fernsteuerungsfunktion der CameraConnect-App. 

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Der elektronische Sucher bietet ein 100%-Sichtfeld, die Belichtungsparameter werden angezeigt. Vorteil gegenüber einem Prismensucher: Man bekommt Werkzeuge an die Hand, die bei der Arbeit helfen und die man schnell nicht mehr missen möchte. Helligkeit, Weißabgleich und Schärfe zeigt kein optischer Sucher, aber im digitalen kann man sie sehen. Das Display mit 3,2-Zoll-Diagonale ist mit 700 000 RGB-Pixeln hoch auflösend, seitlich klappbar und um 270° drehbar. 

Der Phasen-AF der EOS R hat gigantische 5655 Messfelder und eine Sensorabdeckung von 88% (horizontal) und von 100% (vertikal). Die AF-Zeiten von 0,30 bzw. 0,40 s (300/30 Lux) sind prima, die Zuverlässigkeit des AF ist es genauso. Das größte Manko der EOS R sind die Objektive. Aktuell bietet Canon nur zwei originäre RF-Festbrennweiten sowie zwei RF-Zooms an. Natürlich können Umsteiger innerhalb des Canon-Systems ihre SLR-Objektive per Adapter an der EOS R nutzen. Aber für Neueinsteiger sollte Canon das RF-Programm schnell ausbauen.


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