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Spiegellose Vollformatkamera

Canon EOS RP vs. EOS R im Vergleichstest: Belichtung, Video, Bedienkonzept, Qualität & Fazit

Inhalt
  1. Canon EOS RP vs. EOS R im Vergleichstest
  2. Canon EOS RP vs. EOS R im Vergleichstest: Belichtung, Video, Bedienkonzept, Qualität & Fazit

© Canon

Das Moduswahlrad für die Belich­tungsprogramme sitzt dort, wo die EOS R ein Schul­ter­Display als Sta­tusanzeige hat. Schiebt man den Lock­-Schalter rechts vom Dau­menrad nach vor­ne, lassen sich Einstellräder und Touch­Funktion sperren.

Belichtung und Video

Wie bereits erwähnt, verzichtet Canon bei der RP auf ein monochromes Schulter-Display als Statusanzeige. An seiner Stelle sitzt ein klassisches Moduswahlrad für Belichtungsprogramme. Die RP bietet alle gängigen Belichtungsprogramme (Auto+, P, A, S, M), ergänzt durch drei Individualspeicher (C1-3) und Fv („Flexible Automatik“). 

Im Fv-Programm kann man Verschlusszeit, Blende oder ISO-Wert wahlweise manuell einstellen oder automatisch einstellen lassen und mit einer Belichtungskorrektur kombinieren. De facto hat man damit vier Belichtungsprogramme (P, A, S, M) im Direktzugriff. Hinter dem Kürzel SCN (Scene) verstecken sich zwölf Motivprogramme, die man am Monitor mit Text und Beispielbild erklärt bekommt. 

Dazu gehört auch das Programm „Leiser Modus“. Es aktiviert den elektronischen Verschluss für lautloses Auslösen in Kombination mit einer Vollautomatik für Verschlusszeit, Blende und ISO. Eine Möglichkeit, den elektronischen Verschluss auch in anderen Belichtungsprogrammen zu verwenden, gibt es leider nicht.

Dies bleibt der EOS R vorbehalten, die auch beim Filmen Vorteile bietet: Videos in 4K-Auflösung mit 30 B/s (RP: 25 B/s) sowie „Canon-Log“ zur Erweiterung des Dynamikumfangs und Belichtungsspielraums. 

Eine neue Funktion hat die RP im Vergleich zur R aber hinzugewonnen: Auf der fünften Seite des Aufnahmemenüs findet man jetzt „Fokus-Bracketing“. Damit realisiert man eine Serienbelichtung mit kontinuierlicher Fokus-Verschiebung vom Vorder- bis zum Hintergrund. 

Die Einzelaufnahmen lassen sich dann extern zu einem Bild mit maximaler Schärfentiefe kombinieren – z.B. in Photoshop oder in einem Spezialprogramm wie Focus Projects 4 Professional. Die Anzahl der Aufnahmen kann zwischen 2 und 999 variieren, die Fokusschrittweite in zehn Stufen. Belichtet wird ausschließlich mit dem elektronischen Verschluss.

© Canon

Start-Programm: Zum Start des R-Systems hat Canon eine eigene Objektivserie aufgelegt. Dazu gehören zwei lichtstarke Festbrennweiten sowie zwei praxisgerechte Zooms. Adapter ermöglichen die Verwendung vorhandener EF und EF-S Objektive.

Bedienkonzept

Abgesehen davon, dass es bei der EOS RP ein Moduswahlrad anstelle des Schulter-Displays der EOS R gibt, findet man ein vergleichbares Bedienlayout. Von der Rückseite her betrachtet, sehen beide Kameras fast identisch aus. Allerdings fehlt bei der RP die Touch-Leiste rechts vom Sucherokular, die Canon als innovatives Bedienelement mit der EOS R eingeführt hat. 

Aus praktischer Sicht haben wir die Touch-Leiste weniger vermisst, weil man sie häufig ungewollt berührt und dann damit Einstellungen verändert. Der fehlende AF-Joystick lässt sich gut durch den Touch-AF ersetzen, der bei den R-Modellen im Monitor- wie im Sucherbetrieb funktioniert. Beim Blick durch den Sucher bleibt der Monitor dunkel und dient als Touchpad. 

Diese Funktion lässt sich auch auf einen Teil der Monitorfläche eingrenzen, damit man nicht versehentlich AF-Punkte mit der Nase verschiebt. Eine praktische Einrichtung ist auch der Lock-Schalter rechts vom Daumenrad. Er sperrt Einstellräder oder Touch-Funktion, wenn man etwa eine längere Aufnahmesession mit gleichbleibenden Einstellungen vor sich hat. 


© Canon

Touch-Bar: Die EOS R hat eine multifunktionale Touch-Bar. Ihr kann man Kamerafunktionen zuweisen.

Der Umfang der „Multifunktionssperre“ lässt sich im Einstellungen-Menü definieren. Die EOS RP verfügt über drei Einstellräder. Eines wird mit dem Daumen bedient, das zweite mit dem Zeigefinger. Das dritte sitzt ganz vorne am Objektiv, nennt sich „Steuerungsring“ und lässt sich mit verschiedenen Funktionen belegen – etwa der ISO- oder WB-Einstellung. 

Im Custom-Menü lassen sich fast allen Bedientasten Funktionen nach Wahl zuweisen, auch wenn es nur eine dedizierte Funktionstaste (M-Fn) vorne am Auslöser gibt. In dieser Hinsicht bietet die RP nicht weniger Flexibilität als das teurere R-Modell. Über die Set-Taste am 4-Wege-Schalter ruft man das Schnelleinstellmenü auf, man kann dafür aber auch das Touch-Schaltfeld am Monitor benutzen. 

Für Einstellungen stehen zwölf Funktionsfelder bereit, die hochkant links und rechts vom Bildfeld angeordnet sind; die Felder in der horizontalen Leiste am unteren Bildfeldrand entsprechen den Einstelloptionen – sehr übersichtlich! Zum Navigieren verwenden Sie wahlweise Pfeiltasten, Einstellräder oder die Touch-Funktion.

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Bildqualität

Bei ISO 100 schafft die EOS RP mit ihrem 26-Megapixel-Sensor eine höhere Grenzauflösung als die Konkurrenz von Nikon, Panasonic und Sony mit 24-Megapixel-Sensor: 2036 LP/BH. 

Bereits bei ISO 400 kommt es jedoch zu einem Rückgang von knapp 100 LP/BH, bei ISO 800 beträgt die Differenz zum Auflösungsmaximum bereits rund 250 LP/BH, wodurch die RP im Vergleich zu den Mitbewerbern ins Hintertreffen gerät – auch wenn die Auflösung zwischen ISO 800 und 6400 wieder konstanter wird. 

Bei den Dead-Leaves erreicht die RP einen Höchstwert von 1214/1095 LP/BH. Farbkontraste verstärkt sie eher moderat, was positiv ist. Leider aber knicken vor allem die DL-LC-Werte bei höheren ISO-Einstellungen ein: 759 LP/BH bei ISO 800 und 576 LP/BH bei ISO 3200. Die VN-Werte für das Rauschen liegen zwischen ISO 100 und 3200 auf konstant niedrigem Niveau um 1. 

Da ist aber wohl einiges an Rauschfilterung im Spiel, weil Texturverluste bereits ab ISO 800 deutlich sichtbar werden – ungewöhnlich für eine Vollformatkamera. Noch mehr als sonst darf man deshalb gespannt sein, wie sich die EOS RP im RAW-Test schlagen wird. 

Wir vermuten, mit klar positiver Tendenz im Vergleich zu JPEGs aus der Kamera. Zum Zeitpunkt des Tests konnten die RAW-Dateien der RP vom Adobe-RAW-Konverter leider noch nicht geöffnet werden.

© ColorFoto / Weka Media Publishing GmbH

ColorFoto Kauftipp Preis/Leistung

Fazit

Es ist nicht zu übersehen, was Canon bei der EOS RP im Vergleich zur R alles eingespart hat. Nur merkt man davon beim Fotografieren nicht viel, weil die Neue immer noch mehr als genug zu bieten hat. 

Zugegeben, mit einer Serienbildgeschwindigkeit von 3,4 B/s ist bei Sport und Action kein Staat zu machen. Auch die Stromversorgung ist ein Schwachpunkt – zwei Ersatzakkus sollte man schon dabei haben. 

Lob verdient das Handling, wenn man die RP mit dem aufpreispflichtigen Erweiterungsgriff EG-E1 kom­ biniert. Aber selbst dann darf man der Kamera noch ein sehr gutes Preis­-Leistungs­Verhältnis be­scheinigen, wofür sie einen Kauftipp erhält. 

Canon ist mit der EOS RP ein guter Schachzug gelun­gen, der dem noch jungen R­-System ein deutlich erweitertes Käuferpotenzial erschließt. Wenn jedoch die Bildqualität kaufentscheidend ist, sollte man lieber tiefer in den Geldbeutel und zur EOS R greifen.

Lob verdient das Handling, wenn man die RP mit dem aufpreispflichtigen Erweiterungsgriff EG-E1 kom­ biniert. Aber selbst dann darf man der Kamera noch ein sehr gutes Preis­-Leistungs­Verhältnis be­scheinigen, wofür sie einen Kauftipp erhält. 

Canon ist mit der EOS RP ein guter Schachzug gelun­gen, der dem noch jungen R­-System ein deutlich erweitertes Käuferpotenzial erschließt. Wenn jedoch die Bildqualität kaufentscheidend ist, sollte man lieber tiefer in den Geldbeutel und zur EOS R greifen.

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