Digitale Fotografie - Test & Praxis
Spiegellose Vollformatkameras

Canon EOS R vs. Nikon Z7 vs. Sony A7R III: Bedienkonzept

© Nikon

Nikon Z7 Infomonitor: Unterhalb der AF-on-Taste befindet sich der Joystick zum Anwählen von AF-Messfeldern. Das Info-Menü (i-Taste) zeigt zwölf Funktionsfelder und kann vom Anwender selbst konfiguriert werden.

Ohne Spiegel müsste der Sucher nicht mehr mittig über dem Objektiv sitzen. Alle drei Kameras folgen dennoch dem Spiegelreflex-Design. Dank des entfallenen Spiegels sind die Spiegellosen zwar kompakter als ihre SLR-Pendants; zu den echten Leichtgewichten zählt aber keines der drei Modelle.

Dafür sind die hochwertigen Aluminiumgehäuse gegen Spritzwasser geschützt. Alle Griffe sind ergonomisch geformt. Canon zieht den Griff leicht nach oben und schafft damit auch Platz für eine größere Hand. Nikon formt den Griff nicht ganz so stark aus, damit Mittel- und Ringfinger noch die frei belegbaren Funktionstasten direkt neben der Optik erreichen. Als Ausgleich gibt es hinten einen stärker konturierten Griff im Speicherkarten-Deckel, sodass die Nikon-Ergonomie uns insgesamt am besten gefällt.

Sony legt mehr Wert auf kompakte Maße und lässt den Griff nach vorne bereits abfallen, sodass die Grifffläche sehr kurz ist. Den kleinen Finger bekommt man so nur mit sehr zierlichen Händen noch unter. Meist wird man mit diesem Finger wohl eher das Gehäuse von unten abstützen.

Auch hinten hat das Gehäuse nur eine angedeutete Griffmulde für den Daumen. Das hintere Wahlrad erreicht man sehr gut. Das vordere dürfte, zumindest für große Finger, etwas mehr Platz beziehungsweise eine weiter hervorgehobene Kontur haben.

Sony α7R III - Offizielles Produktvideo

Quelle: Sony
3:09 min

Bei Nikon erreicht man dagegen beide Wahlräder gut, und beide rasten etwas angenehmer als bei der Konkurrenz ein, wobei die Haptik vom vorderen Rad aus Kunststoff und dem oben angebrachten aus Metall unterschiedlich ist. Zum Nikon-Konzept gehört es, möglichst viele Tasten am Gehäuse unterzubringen und damit Direktzugriffe auf oft genutzte Funktionen zu bieten.

Das Konzept und die Verteilung sind nicht neu, sondern entsprechen der Logik von Nikons SLR-Kameras. Eine lange Umgewöhnungszeit wird man so also als Nikon-Fotograf nicht benötigen.

© Nikon

Die Z7 hat weniger Tasten als die SLRs von Nikon. Doch alles findet sich dort, wo man es erwartet. Praktisch ist auch das Info-Display.

Gut gefällt uns das Monochrom-Display auf der Oberseite, das schnell Überblick über alle wichtigen Parameter liefert. Das Modusrad auf der linken Seite lässt sich wie bei Sony nur dann drehen, wenn man gleichzeitig die mittlere Taste drückt.

Wesentlich weniger Tasten hat die Sony Alpha 7R III letztlich nicht, und vergleicht man beide Kameras, dann ist auch deren Verteilung sehr ähnlich. Lediglich die im Umfeld des Auslösers angebrachten Elemente für ISO und Belichtungskorrektur nutzt Sony für die individuelle Belegung (C1 und C2). Sehr gut gefällt uns das mit dem Daumen erreichbare Wahlrad für die Belichtungskorrektur. 

Gegen diese beiden Bedienkonzepte wirkt die Canon EOS R schon fast minimalistisch – aber modern: Oben sitzt auch hier ein monochromes Display. Das zeigt im Gegensatz zu Nikon auch dann noch den gewählten Status, wenn die Kamera ausgeschaltet ist. Ein wenig auffälliger ist, dass das Modusrad fehlt. An dessen Position findet man nun den Einschalter. Statt des Modusrads gibt es im Inneren des hinteren Wahlrads die Mode-Taste. Einmal gedrückt, scrollt man durch die Modi und sieht die Auswahl wahlweise auf dem Monochrom-Display, dem hinteren Display oder im Sucher.

© Canon

Die Oberseite der Canon R wirkt sehr aufgeräumt. Im großen Display sind die Informationen über alle wichtigen Einstellungen gut lesbar und sehr übersichtlich zusammengefasst.

Bei Canon sitzt das vordere Wahlrad im Gegensatz zu den beiden anderen Kameras oben auf dem Griff – über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, doch uns gefällt das besser. Die Haptik der zwei hier aus Metall gefertigten und mit deutlicher Riffelung versehenen Wahlräder hat sich durch deutlicheres Rasten verbessert. Das fühlt sich noch hochwertiger an als bei den beiden Konkurrentinnen.

Doch insgesamt hat die EOS R deutlich weniger Tasten – das macht die Bedienung übersichtlicher, fordert allerdings, dass man die wirklich häufig genutzten Funktionen im Menü individuell auf die passenden Tasten legt.

© Canon

Auch an der Canon-Kamera konzentrieren sich die Bedienelemente für besonders häufig verwendete Funktionen auf der rechten Seite. Auf diese Weise sind sie mit dem Daumen oder Zeigefinger leicht erreichbar.

Zudem hat Canon eine M-Fn-Taste in unmittelbarer Nähe des Auslösers platziert. Über diese erreicht der Fotograf den „Dial-Dialog“ und kann dann mit zwei Wahlrädern neun Funktionen aktivieren und einstellen. Damit kann man schnell in die Serienbildfunktion wechseln oder den Weißabgleich ändern, ohne die Kamera absetzen zu müssen.

Weniger sinnvoll ist, dass Canon auch die häufig benötigte ISO-Empfindlichkeit ins M-Fn-Menü packt. Man kann sich daran gewöhnen, und ergonomisch ist das in Ordnung –aber direkt ist der Zugriff schneller.

Mit einem kleinen Trick klappt das auch bei der Canon EOS R – mit einem neuen RF-Bajonett-Objektiv. Denn die RF-Objektive haben nun drei Einstellringe, sodass man über das Menü die ISO-Empfindlichkeit auf den vorderen Ring legen kann. Wer EF-Objektive anschließen will, sollte den teureren Adapter ControlRing EOS EF wählen. Denn dann bekommt man den Zusatzring im Adapter geliefert.

© Canon

Dritter Weg: Die neuen Canon-Optiken (hier das Canon RF24-105) haben einen dritten Einstellring, auf den man in der Kamera zum Beispiel Av/Tv-Funktionen oder auch die ISO-Empfindlichkeit legen kann.

Auch wenn man es anfangs kaum glaubt: Die Zahl der Tasten reicht bei Canon durchaus aus, was nicht zuletzt daran liegt, dass man das Quick-Menü auch beim Blick durch den Sucher erreicht und über die Kreuztasten auch schnell einmal Funktionen aktivieren kann, die man sonst eher selten nutzt.

Doch das liefern auch Nikon (i-Taste) und Sony (Fn-Taste), wobei wir bei diesen beiden mit dem unten eingeblendeten Menü besser zurechtkommen – auch wenn man hier nicht, wie bei Canon mit der Vierrichtungswippe, in vertikaler Richtung die Einstellung und horizontal die Parameter auswählen kann. Nikon und Sony führen den  Fotografen dazu in Untermenüs, was ein wenig länger dauert.

© Sony

Steuerknüppel: Der Joystick auf der Kamerarückseite der Sony A7R III ​ist immer wieder praktisch: nicht nur bei der Steuerung von AF-Messfeldern, sondern auch bei der Navigation durch die Menüeinträge.

Canon nutzt das berührungssensitive Display nicht nur im Menü als Bedienfläche, sondern auch dann, wenn man durch den Sucher schaut. So lässt sich das AF-Messfeld eben nicht nur mit den Drehrädern verlagern, sondern viel schneller über die Touchfläche des Monitors, wobei sich die Bedienung noch für die linke oder rechte Hand optimieren lässt.

Wer eine besonders große Hand hat, kann bei Canon mit dem rechten Daumen am rechten Monitorrand agieren, ohne die Handhaltung stark zu verändern. Allerdings kommt man dabei leicht mit der Nase auf das Display und setzt versehentlich einen anderen Fokuspunkt.

Wir empfehlen deshalb, den unteren Monitorrand zu nutzen, denn das klappt mit beiden Händen. Individuell definieren lässt sich auch eine gut mit dem Daumen erreichbare berührungssensitive Tastenfläche rechts neben dem Sucher. Legt man hier die ISO-Empfindlichkeit hin, kann man die Automatik aus- und einschalten und außerdem mit dem Bewegen die Empfindlichkeit einstellen, indem man über die Fläche streicht.

So richtig warm sind wir mit dieser Tastenfläche allerdings nicht geworden. Der Zufallsfaktor, wann sich mit Tippen oder Streichen etwas verändert, ist uns zu hoch. Meist sind mehrere Versuche nötig, um die gewünschte Funktion beziehungsweise den passenden Wert zu aktivieren. Da kommt man mit „richtigen“ Tasten schneller zum Ziel. Die kleinen Joysticks von Nikon und Sony sind letztlich also angenehmer, zumal sie verschiedene Funktionen übernehmen, auch wenn das eine Bedienebene mehr fordert.

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In Summe ist Canon die experimentierfreudigste Firma. Während Nikon dem Nutzer den Umstieg von der SLR besonders leicht macht, probiert Canon Neues aus – ein Besser gibt es hier nicht.

Menü

Egal, welches Menü man sich anschaut: Überfrachtet wirkt es bei allen Herstellern, denn irgendwo müssen die vielen Funktionen schließlich unterkommen. Ob man nun wie Canon und Sony die Hauptnavigation oben oder wie Nikon seitlich platziert, ist nicht so wichtig.

© ColorFoto

Bildbearbeitung: Nikon integriert eine Bildbearbeitung mit den wichtigsten Korrekturfunktionen. So kann man dann direkt aus der Kamera korrigierte Bilder übermitteln.

Aber Sony packt das Kamerasymbol gleich zweimal in die Hauptnavigation; vermutlich, weil 23 Menüseiten doch zu viel für einen Hauptnavigationspunkt sind. Canon kommt mit sechs, Nikon sogar mit fünf Menüseiten für die grundlegenden Kamerafunktionen klar. Möglich macht es der Verzicht auf Einstelloptionen, die man auch über die normale Bedienung treffen kann. ISO-Empfindlichkeit und Belichtungskorrektur findet man also weder bei Canon noch bei Nikon im Menü – gut so, sagt die eine Hälfte der Redaktion. Die andere fordert ein „vollständiges“ Menü … 

Sony könnte zudem mehr Ordnung ins Menü bringen, indem alle Einstellungen für AF und Videofunktionen in jeweils einem Hauptmenü versammelt werden. Auf der anderen Seite haben wir bei Canon die Bedienungsanleitung benötigt, um die Anzeige der hilfreichen Gitterlinien zu aktivieren. Denn diese versteckt sich in einem Untermenü. Bei Nikon haben wir diese Funktion dagegen selbst mit Bedienungsanleitung nicht gefunden – dabei sollte man diesen Komfort in dieser Klasse heute erwarten dürfen. Dafür gibt es hier die für Video-Enthusiasten wichtige Zebraanzeige, auf die man bei Canon erstaunlicherweise verzichten muss.

Man merkt schon: Wer auf die Details schaut, kann hinter Sonys Parameterflut besonders umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten entdecken.

Weiterlesen: Auf der nächsten Seite vergleichen wir die Konnektivität von Canon EOS R, Nikon Z7 und Sony A7R III.

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