Digitale Fotografie - Test & Praxis
Android-Plattform in klassiches Kameragehäuse

Zeiss ZX1: Display & Bedienung

Display und Bedienung

Nachdem wir jetzt das äußere Drumherum gebührend gelobt haben, kommen wir zum Herzstück der Zeiss ZX1: dem Bedienkonzept. Denn darin unterscheidet sie sich ziemlich grundlegend von allem, was Sie von Kameras kennen. Außer dem Betriebssystem der Kamera hat die ZX1 als zweites Betriebssystem auch noch Android an Bord, samt Apps für Bildbearbeitung und Bildsharing.

Rund um das integrierte Adobe Lightroom CC erlaubt die ZX1 nicht nur die umfassende und bequeme Bildbearbeitung direkt in der Kamera, sondern auch gleich das Teilen der Bilder auf Social-Media-Kanälen. Das Android-Ökosystem wird über Updates aktuell gehalten. Einen Play Store kann man aber nicht nachrüsten.

© Erich Baier

Das minimalistische Design ist konsequent umgesetzt. Oben gibt es lediglich Ein/Aus-Schalter, Auslöser sowie Rädchen für ISO und Verschlusszeit – fertig.

Welche Apps auf der Kamera installiert sind, entscheidet allein Zeiss – schade. „Adobe Photoshop Lightroom macht mehr aus Ihren Bildern“, schreibt Zeiss groß auf der Website. „Registrieren Sie Ihre Zeiss ZX1 und erhalten Sie ein Jahr den Adobe Photoshop Lightroom™ Plan inklusive“, steht da.

Was im Umkehrschluss heißt: Nach einem Jahr verlangt Adobe dafür eine Gebühr. Auch die Fußnote „einige Funktionen erfordern ein Adobe Creative Cloud Foto-Abo“ deutet durchaus auf Zusatzkosten hin. Das sollte beim Anschaffungspreis von 6000 Euro kein K.o.-Kriterium sein, hinterlässt aber einen faden Beigeschmack.

Hardwareseitig heißt das Bedienkonzept „Back to the Roots“. Wo andere Kameras den gesamten Kamerabody mit verstreuten Bedienelementen wie Knöpfen, Vierwegetastern, Hebelchen, Rädchen und Joysticks dekorieren, kommt die ZX1 ganz puristisch daher: mit Auslöser, einem Drehrad für die Verschlusszeit, einem Ein/Aus-Schalter darunter und dem Video/Foto-Hebelchen. Dann gibt es noch ein weiteres Drehrad für den ISO-Wert, dahinter eine versenkte Fn-Taste für Sonderaufgaben. Fertig.

Das Display ist mit 4,3 Zoll tatsächlich größer als das meines immer noch heißgeliebten iPhone SE der ersten Generation. Hinzu kommt eine hohe Auflösung von 921 600 RGB-Bildpunkten. Trotzdem gehen die Anpassungen nicht von Anfang an schnell von der Hand, denn mit den Fingerbewegungen und Wischgesten ist das so eine Sache.

© Erich Baier

Zeiss ZX1 im Test

Da schieben sich schon mal Menüs übereinander, wenn man vom unteren Ende eines Untermenüs wieder in dessen Mitte möchte. Dann bringt sich wie aus dem Nichts das Sucherbild in Erinnerung und überlagert just die Mitte, die man gerade bedienen wollte.

Positiv ausgedrückt, könnte man sagen, dass man nicht den eingetrampelten Bedienungspfad der Smartphones weitergehen wollte. Realistisch formuliert, mag das in sich alles logisch sein, stellt aber einiges vom Kopf auf die Füße.

Das ist durchaus gewöhnungsbedürftig, aber ein Blick in die Bedienungsanleitung hilft in diesem Fall. Auch einen Sucher gibt es an der ZX1. Er misst 0,74 Zoll, hat eine sehr hohe Auflösung von 2 073 000 RGB-Bildpunkten und basiert auf moderner OLED-Technologie. Und dennoch kann der Sucher beim Durchschauen nicht überzeugen.

Ein kleines Rädchen am Sucher dient dem Dioptrienausgleich, der Einstellbereich reicht von -3 bis +3. Die Abbildung im Sucher ist mit der Displayanzeige identisch. Beim Blick durch den Sucher schaltet sich das Display ab.

Trotz schwarzer Bildfläche ist es möglich, an der rechten Displayseite zu wischen. Man sieht im Sucher, welche Position der Finger dort eben einnimmt. Somit ist es nicht erforderlich, die Kamera vom Auge zu nehmen – eine sehr durchdachte Lösung.

© Erich Baier

Die Kamera verfügt zwar über ein Android-Betriebssystem für die Lightroom-App, die Systemeinstellungen bleiben dort aber außen vor. Trotzdem sind Systemeinstellungen natürlich möglich. Wenn gewünscht, kann die Kamera hier zum Beispiel auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt werden. Speicherort und Art der Verbindung werden ebenfalls hier eingestellt.

Das System arbeitet mit vier Ebenen, die nach einem Daumenwisch am linken Displayrand zur Anzeige kommen. Zur Auswahl stehen der App-Modus, Galerie-Modus, Aufnahme-Modus und der Einstellungs-Modus. Jede der vier Ebenen bietet an der rechten Displayseite eine weitere Leiste mit Einstellmöglichkeiten.

Erfreulicherweise hat sich Zeiss dabei mit Optionen sehr zurückgehalten. Nur die für Fotografen wichtigen Einstellungen werden angeboten, aber keine eigenen Menüpunkte für Katzenaufnahmen im Winter bei Dämmerlicht oder Ähnliches.

Sobald die Kamera mit dem Lightroom-Account verknüpft ist – der zugleich eine Cloud-Lösung ist – kann man die gespeicherten Aufnahmen kabellos auf den Rechner beamen. Den ftp-Account für die Redaktion konnten wir leider nicht einrichten – der enthält im Usernamen ein Sonderzeichen, das Zeiss nicht erlaubt.

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