AV-Receiver

Yamaha RX-A6A im Test

15.2.2022 von Klaus Laumann

Auch Yamaha wurde durch den missglückten Einstieg in das HDMI-2.1-Zeitalter schwer gebeutelt. Das Warten half allerdings nicht, auch die neuen Topmodelle aus der Aventage-Reihe kämpfen noch mit Kinderkrankheiten hinsichtlich der Maximaldatenrate.

ca. 5:10 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
Yamaha
Ein mittig platzierter Lautstärkeregler dominiert die Front, das Display fällt deutlich dezenter aus als beim Vorgänger.
© Yamaha

Pro

  • modernes Design
  • zeitgemäße Ausstattung
  • ausgereifte Streamingplattform
  • intuitives und sehr durchdachtes Bedienkonzept
  • Kopplung von drahtlosen Surroundlautsprechern via MusicCast möglich

Contra

  • viele versprochene Funktionen erst nach Update verfügbar

Fazit

Das video-Gesamturteil: sehr gut (678 von 770 Punkten)


88,0%

Einen solchen Stotterstart hatte das HDMI Forum seinerzeit sicher nicht erwartet, als es am 28. November 2017 die neue Version 2.1 der HDMI-Spezifikation ankündigte. Es hätte alles so schön werden können, versprach der neue Standard doch Bildauflösungen bis zu 10K und Videodatenraten bis 120 Bilder pro Sekunde bei 4K und 60 Bilder pro Sekunde bei 8K.

Dazu kam noch die Unterstützung von dynamischen HDR-Verfahren zur Optimierung des Kontrasts und ein verbesserter Audiorückkanal, der auch hochaufgelöste und objektbasierte Audioformate übertragen kann. Außerdem wurde eine ganze Reihe neuer Funktionen für einen schnelleren Bildaufbau definiert. Dazu zählen die variable Bild - aktualisierungsrate (VRR), die schnellere Synchronisierung der Bildrate entlang der gesamten Videokette (QMS) und die beschleunigte Einzelbildübertragung (QFT).

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Die neuen Topmodelle von Yamaha haben einiges zu bieten.
© Yamaha

Auch das automatische Umschalten der Latenz (ALLM) wurde darin festgelegt. Dass es mit einer flächendeckenden Anwendung des neuen Standards dann doch nicht so schnell ging, liegt vor allem an der geforderten Maximaldatenrate von 48 Gigabit pro Sekunde. Bei der Einführung hatte man die HDMI-Schnittstelle ursprünglich für Full-HD-Videos mit maximal 60 Bildern pro Sekunde und Audiospuren mit maximal acht Tonkanälen in der typischen CD-Auflösung ausgelegt.

Das entspricht einem Datentransfer von etwa 4 Gigabit pro Sekunde. Im Vergleich zu früher muss die Schnittstelle heutzutage mit der neuen HDMI-Spezifikation der Version 2.1 also das Zwölffache Datenvolumen verkraften. Das erfordert eine wesentlich leistungsfähigere Hardware. Und genau hier liegt der Knackpunkt.

Ein HDMI-Kabel wird an einen Rechner angeschlossen

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Schritt für Schritt

Schon im Testbericht über Denons 13-Kanal-Boliden AVC-X8500H hatten wir über eine baldige Nachrüstung von HDMI 2.1 spekuliert, die ersten kompatiblen Geräte waren zu der Zeit auch bereits für das Jahr 2019 angekündigt. Doch dann verstrich das Jahr 2019 komplett, ohne dass sich bei AV-Receivern in Sachen HDMI 2.1 irgendetwas getan hätte. Selbst im Jahr 2020 schafften es noch nicht einmal die großen TV-Hersteller, bei ihren Geräten eine volle HDMI-2.1-Unterstützung umzusetzen. Lediglich einzelne Spezialfunktionen wie zum Beispiel der erweiterte Audio-Rückkanal sind schon länger verfügbar.

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Für das hauseigene Einmesssystem YPAO liefert Yamaha wieder das altbewährte Messmikrofon samt kleinem Stativ mit.
© Yamaha

Die Übertragung hoher Videodatenraten stellte die Halbleiterindustrie aber offensichtlich vor größere Herausforderungen. Als Mitte 2020 endlich die ersten AV-Receiver mit HDMI 2.1 auf den Markt kamen, häuften sich kurz darauf Berichte über Probleme, wenn die Maximaldatenrate ausgereizt wurde. Konkret heißt das, dass die Geräte die besonders datenintensive Übertragung von Videosignalen in 4K mit 120 Hz oder 8K mit 60 Hz und voller Farbauflösung, die der Standard ausdrücklich fordert, nicht beherrschten.

Als Grund machte man einen fehlerhaften HDMI-2.1-Chip aus, der von einem Zulieferer stammt. Mit Denon und Yamaha traf es deshalb gleichermaßen die beiden Hersteller, die sich bis zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den ersten HDMI-2.1- kompatiblen AV-Receiver geliefert hatten. Abgesehen davon war die erste Generation dieser HDMI-2.1- Chips je nach Variante auch nur für Datenraten von 24 bis 40 Gigabit pro Sekunde ausgelegt. Selbst ohne den Fehler könnten die Geräte also die geforderte Maximaldatenrate von 48 Gigabit pro Sekunde überhaupt nicht verarbeiten.

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Der neue 64-bit-Vierkernprozessor von Qualcomm bietet mehr DSP-Power
© Yamaha

Ein solch gravierendes Hardware-Problem lässt sich allerdings nicht so einfach aus der Welt schaffen und erfordert einen Austausch der fehlerhaften Chips beziehungsweise der kompletten HDMI-Sektion. Während Denon mittlerweile mit der allerdings etwas uneleganten Adapterbox SPK618 und dem neuen 8K-Switch AVS-3 reagiert hat, hält man sich bei Yamaha weiterhin vornehm zurück. Letztes Jahr verzichtete man bereits wohlweislich darauf, bei den einfacheren Modellen der V-Serie das Thema HDMI 2.1 groß zu erwähnen.

Stattdessen stellte man per Fußnote ein „Firmware-Update“ in Aussicht, mit dem fehlende Features wie HDR10+, 8K/60 Hz und 4K/120 Hz sowie „spezielle Gaming-Funktionen“ nachgerüstet werden sollten, ließ die Kunden dann aber lange im Dunkeln. Erst kürzlich wurde für die betroffenen Modelle (RX-V4A und RX-V6A, RX-A2A, TSR-400 und TSR-700) endlich ein kostenloses Update-Programm angekündigt, das einen Austausch der HDMI-Platine beinhaltet. Auch bei den neuen Aventage-Modellen ist die Lage nicht ganz klar.

Yamaha soll hier zwar bereits auf HDMI2.1-Chips der zweiten Generation gesetzt haben, die entscheidenden Features sollen aber auch erst wieder nach einem „Firmware-Update“ verfügbar sein. Ob dafür nun tatsächlich ein Software-Update ausreicht oder doch wieder die Platine getauscht werden muss, wurde noch nicht bekannt gegeben.

Schöne neue Welt

Vielleicht sollte man das Thema aber einfach nicht überbewerten. Tatsache ist, dass AV-Receiver ihre klassische Funktion als universelle Schaltzentrale im Wohnzimmer längst verloren haben. Wer höchste Qualität und minimale Latenz will, schließt seine Bildquellen am besten direkt an den TV an. Lediglich im Heimkino kommt dem AV-Receiver noch eine zentrale Bedeutung zu, weil selbst aktuelle Projektoren meistens nur minimale Anschlussmöglichkeiten bieten.

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Im Analogbereich wurde die Anschlussvielfalt zwar ein gutes Stück ausgedünnt, auch die RS-232-Schnittstelle ist weggefallen.
© Yamaha

Anstatt sich also mit Randaspekten wie kaum relevanten Maximaldatenraten zu beschäftigen, sollte man sich also lieber auf die Kernaufgaben eines Mehrkanalverstärkers konzentrieren – und die bestehen hauptsächlich darin, Audiosignale aller Art zu verarbeiten und zu verstärken, sowohl in Mehrkanal als auch in Stereo. Hier hat Yamaha bei den neuen Aventage-Modellen kräftig aufgerüstet. Vom Preis und von der Ausstattung her löst der neue RX-A6A mit 11.2-Kanal-Prozessor und neun Verstärkerkanälen das bisherige Flaggschiff RX-A3080 ab.

Darüber hat Yamaha nun noch den 1000 Euro teureren RX-A8A angesiedelt, der dem A6A weitgehend ähnelt, aber mit vollen elf Verstärkerkanälen aufwartet. Neben dem neuen Design mit einem zentralen Lautstärkeregler, dezentem Display und berührungsempfindlichen Bedienelementen, erfuhr das Gehäuse auch innen ein paar mechanische Optimierungen.

Die Frontplatte und die bewährte Querverstrebung fallen stabiler aus, der für Yamaha typische fünfte Standfuß wurde neu platziert und unterstützt nun das Gehäuse im vorderen Bereich, wo auch der schwere Trafo angesiedelt ist. Der Trafo und die beiden symmetrisch aufgebauten Verstärkerzüge ruhen zusätzlich noch auf einem doppelt ausgeführten Gehäuseboden, was mechanische Resonanzen weiter minimieren soll.

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Ganz ohne fünften Fuß geht es bei Yamaha nicht. Er wanderte bei der neuen Aventage-Serie allerdings von der Mitte der Bodenplatte an den vorderen Rand, weil er dort die Vibrationen des Trafos besser dämpft.
© Yamaha

Audiotechnisch setzt Yamaha bei den Endstufen nun auf High-Slew-Rate-Amplifier, also Leistungsverstärker mit schneller Anstiegszeit. Damit sollen die neuen Verstärkerblöcke in derselben Liga spielen wie Yamahas wuchtige Mehrkanal-Endstufe MX-A5200 und einen ähnlich faszinierenden Detailreichtum aufweisen. In den Messergebnissen äußert sich das in einem veränderten Verzerrungsverhalten, bei dem die Klirrkomponenten niedriger Ordnung nun zwar deutlich höher, aber dafür sauberer abgestuft sind.

Außerdem kann der RX-A6A gegenüber dem RX-A3080 mit besseren Signal-Rauschabständen und höherer Ausgangsleitung bei niedrigen Impedanzen punkten, weil keine Schutzschaltung mehr anspringt. Mit komplexen Lasten hat aber auch er immer noch zu kämpfen. Deutlich aufgebohrt hat Yamaha bei den aktuellen Modellen die Rechenleistung der Vorstufe. Mit dem QCS407 von Qualcomm bildet ein leistungsfähiger 64-bit-Prozessor mit vier Kernen das Herz der Signalverarbeitung.

Dazu spielt der RX-A6A wie sein Vorgänger mit hochwertigen 32-Bit-Wandlern von ESS Technology, die Audiodaten bis zu Auflösungen von 32 bit/384 kHz in PCM und in 11,2 MHz in DSD verarbeiten. Damit hat das Gerät wesentlich mehr Reserven für neue DSP-Spielereien, für die Yamaha ja bekannt ist.

Dazu gehört nicht nur die adaptive Klangoptimierung Surround:AI, sondern auch die neu integrierte Simulation von Höhenkanälen für Dolby Atmos. In Kürze soll per Update dazu noch die Verarbeitung von Auro 3D inklusive des viel gelobten Upmixers folgen, womit die neuen Yamaha-Receiver speziell in Sachen 3D-Verarbeitung in die Königsklasse aufsteigen.

Fazit

Der RX-A6A aus Yamahas legendärer Aventage-Serie ist ein tolles Gerät mit schickem Design, bei dem momentan aber noch zu viele Funktionen in der Schwebe sind.

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