Die Tablet-Revolution

Unter der Haube

Benchmarks sind für das iPad praktisch nicht erhältlich und selbst wenn wir einen Dhrystone oder ähnliches hätten durchlaufen lassen, würden die Messergebnisse mangels Vergleich nur eine geringe Aussagekraft haben. Wir haben daher was die Geschwindigkeit angeht ausnahmsweise auf subjektive Tests zurückgegriffen.

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Alle unsere Tester berichteten übereinstimmend, dass beim iPad grundsätzlich nichts ruckelt oder zögert. Vor allem das Vergrößern von Bildausschnitten mittels Gesten geht extrem flüssig vonstatten. Kollegen, die das iPhone oder den iPod Touch besitzen, erklärten zudem unisono, dass das iPad spürbar schneller arbeitet als die kleineren Verwandten.

Offenbar handelt es sich beim Apple-A4-Prozessor um einen mit 1 GHz getakteten Cortex A8, der als ARM-Design von Samsung im 45-Nanometer-Prozess gefertigt wurde. Im iPhone 3GS arbeitet zwar ebenfalls ein Cortex A8, er bringt es aber nur auf 600 MHz.

Die Akkuleistung musste unter dieser hohen Geschwindigkeit nicht leiden. Im Gegenteil: Das iPad hielt im Test noch länger durch als Apple verspricht. Satte 10,5 Stunden spielte es Videos mit voller Lautstärke und maximaler Bildschirmhelligkeit ab - und das nicht etwa vom eingebauten Flash-Laufwerk, sondern über WLAN gestreamt.

Vorher surften wir noch zwei Stunden mit dem iPad, so dass zwölf Stunden Laufzeit bei voller Belastung locker drin sind. Daran muss man sich erst mal gewöhnen. Beim Spielen ertappt man sich unwillkürlich dabei, wie man auf die Akkuladestandsanzeige schielt.

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Die kanadische Firma Chipworks hat das iPad komplett auseinandergenommen und bestätigt, was wir schon vermutet haben: Im Prinzip handelt es sich bei dem iPad um eine iPod-Touch-Platine (rot umrandet) mit zwei riesigen Akkus. Darüber ein großes Display - fertig ist das neue Produkt.

Die lange Akkulaufzeit sollte auch Internet-Gerüchte ins rechte Licht rücken, die schon unmittelbar nach dem Verkaufsstart über Notabschaltungen aufgrund überhöhter Temperatur berichteten. Apple gibt an, dass der Akku über eine Kapazität von 25 Wattstunden verfügt.

Bei einer Laufzeit von 10 Stunden würde das einer durchschnittlichen Leistungsaufnahme von 2,5 Watt entsprechen - schwer vorstellbar, dass das zu einer Überhitzung führen soll. Wir konnten jedenfalls keine nennenswerte Erwärmung feststellen. Auf der Hutablage im Hochsommer sollte man das iPad natürlich ebenso wenig liegen lassen wie andere elektronische Geräte.

Geladen werden kann der Akku über das mitgelieferte 10W-Netzteil, das nach unseren Messungen mit rund 1 A lädt und den iPad nach 3:25 Stunden zu 80 Prozent füllt, nach 4:00h komplett. An normalen USB-Schnittstellen lädt es nur in ausgeschaltetem Zustand. Ist es eingeschaltet, zeigt es "Not charging" an.

Die WLAN-Anbindung liegt in etwa auf dem Niveau eines Centrino-Notebooks. In einem Haus, das in Holzständerbauweise errichtet wurde, hatten wir überall Empfang. Ein Ziegelhaus mit Betonzwischendecken erwies sich dagegen als harter Brocken. Mit dem WLAN-Router im Anschlussraum im Keller reichte es für das Erdgeschoss inklusive Garten. Im ersten Stock war dagegen abseits des Treppenhauses sofort Schluss.

Fazit:

Das iPad kann man als durchaus gelungen bezeichnen. Es eignet sich als E-Book-Lesegerät ebenso wie als Videoplayer, Surfmaschine, MP3-Spieler und Spielekonsole. Wer verreist und sich nicht entscheiden kann, braucht nur das knapp 700 Gramm leichte iPad einzupacken und hat alles dabei - den Reiseführer, Routenplaner und wofür es sonst noch Apps gibt, nicht zu vergessen.

Doch so gut es als Universalist ist - sobald man nur einige Funktionen benötigt, gibt es bessere Alternativen. MP3-Player sind handlicher, reine E-Book-Leser halten noch länger durch - von gedruckten Büchern gar nicht erst zu reden. So steht denn auch die Aussage eines Kollegen für das Urteil der meisten Tester: "Das iPad ist schon klasse, aber wirklich brauchen tu ich's eigentlich nicht".

Kommentar: Epoche oder Episode?

Ob das iPad wirklich ein revolutionäres Gerät ist oder nur ein erfolgreiches Produkt, muss sich erst zeigen. Entscheidend wird sein, ob das iPad als Spielzeug angesehen werden wird oder ob es sich auch als Arbeitsgerät etabliert. Wird es gar zum Netbook-Killer, wäre vielleicht nicht einmal das iPad selbst die Revolution, sondern der Paradigmenwechsel, der damit einhergeht.

Denn obwohl Apple Notebooks im Programm hat, entschied sich der Konzern nicht für ein Notebook-Betriebssystem mit Dateien, Anwendungen und Gerätetreibern, sondern für das iPhone OS. Abgesehen vom Gewinn durch den Appstore, könnte das Intel und Microsoft ordentlich unter Druck setzen, denn dann hätten sie dem iPad nicht allzu viel entgegenzusetzen.

Nimmt die Konkurrenz Microsofts Windows Phone 7, ist es aus mit der Kompatibilität zu den Desktop-Rechnern und plötzlich stünden die Windows-Tablets als diejenigen mit den wenigen Anwendungen da.

Macht dagegen Windows 7 auf Tablets das Rennen, werden das im Vergleich zu iPhone OS schwerfällige Betriebssystem mit seinen Hintergrundprozessen, Multitasking und Virenscannern und die leistungshungrigeren Atom-Prozessoren Akkulaufzeiten von 10 Stunden kaum erlauben - zumindest nicht bei ähnlich kompakten Bauformen.

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