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55-Zoll-TV

Thomson 55UE6400 im Test: Viel für wenig

Der Thomson 55UE6400 lockt mit einem sehr attraktiven Preis. Doch was wird dafür geboten? Wir schicken den 55-Zoll-TV in unser Testlabor.

Thomson 55UE6400 Fernseher

© Thomson


Pro

  • günstiger Preis
  • nette HDTV-Farben
  • Android 9
  • guter ISO-Kontrast

Contra

  • nicht brillant
  • suboptimale Schärfe
  • Einschaltzeit

Fazit

Video-Testurteil: gut (720 von 1005 Punkten); Preis/Leistung: sehr gut
72,0%

Die Marke Thomson ist alles andere als ein Unbekannter. Ältere Semester werden sich erinnern, dass der gleichnamige französische Konzern, zu dem auch Technicolor gehörte, in den goldenen Bildröhrenjahren die deutschen Traditionsmarken Telefunken, Nordmende und Saba übernahm und damit ansehnliche Marktanteile erzielen konnte. 

Später wendete sich das Blatt im TV-Segment, und die Markenkarten wurden neu gemischt. Thomson ist jetzt eine Lizenz von Technicolor, und bei Fernsehern ist es die chinesische FirmaTCL, die Geräte unter diesem Namen vertreiben darf. Immerhin reden wir hier vom stückzahlenmäßig zweitgrößten TV-Hersteller der Welt. 

Dem ist es ein Anliegen, den eigenen Namen als hochwertige Marke zu etablieren und unter „Thomson“ besonders preisgünstige Geräte in den Massenmarkt zu bringen. So kommt es, dass wir seit über zehn Jahren keinen Thomson-TV getestet hatten, die zugrunde liegende Technik uns von den TCL-Einsteigern aber bestens vertraut ist. 

Welche Features bietet der Thomson 55UE6400?

Der 55UE6400 ist dabei alles andere als ein TV, für dessen Preispunkt zu viel eingespart wurde. Er bietet überraschende positive Eigenschaften. Das fängt schon damit an, dass dieses Modell das erste ist, das wir mit dem Betriebssystem Android-9 (Pie) bekommen haben.

Es bietet also viel von Google standardisierte App-Interaktivität, mehr als andere lokalisierte chinesische TV-Systeme. Man muss jedoch bedenken, dass nicht alle Apps für jeden TV verfügbar sind, sondern oft angepasst und zertifiziert werden müssen. 

Schmerzlich vermissen wir von unseren Standards Amazon Prime Video. Netflix (in HDR), Rakuten, YouTube, Maxdome, Spotify und sogar DAZN sowie der Eurosport-Player sind hingegen verfügbar. Zatoo bindet sich zum Streaming von TV-Sendern ins System ein, und Spielfreudige können sich mit Plex, VLC und Kodi austoben. 

Der Quadcore-Prozessor mit 1,1 Gigahertz und 8 GB freiem ROM ist eine effiziente Einstiegsbasis. Natürlich wurde auch an Hbb TV 2.0 gedacht. Hier sind die Mediatheken wichtig, denn eine Aufnahmefunktion über USB sieht Thomson nicht vor. 

Dafür hört er im Falle eines Falles auf Alexa und hat neben einem Chromecast-Player auch Googles Sprachassistenten integriert. Die mitgelieferte Fernbedienung besitzt dazu jedoch kein Mikrofon und müsste um eine smartere Variante aus dem Zubehörshop ergänzt werden, die uns zum Test vorlag.

Fernbedienung Thomson

© Thomson

Die Fernbedienung ist schmal und leicht, ihre gummierten Drücker reagieren recht präzise.

MiraCast und MHL an Bord

So bietet Thomsons Digitalpaket auch mit MiraCast (Smartphone-Bildschirmspiegelung), MHL und DLNA alles, was das junge medienverwöhnte Herz begehrt. An klassischer Hardware finden wir dreimal HDMI 2.0 und zwei USB-Anschlüsse. 

Über einen Vierwegetuner, dessen Sender sich sortieren und in eine Favoritengruppe einbinden lassen, kommt genügend Fernsehprogramm herein. Eine Sat-Einkabellösung haben wir nicht aktivieren können, SAT>IP wurde nicht vorgesehen. Dennoch eine solide Basis.

Thomson Gehäuse

© Thomson

Das Gehäuse besteht aus dünnem Kunststoff. Die nach außen gerichteten Standfüße benötigen eine Stellbreite von 117 cm.

Weniger solide ist die physikalische Gesamtkonstruktion. Beim Auspacken haben wir das Gewicht des recht großzügigen Gehäuses überschätzt und kaum glauben können, dass ein funktionsfähiger Ultra-HD Fernseher nur knapp über zehn Kilo wiegen kann.

 An der Massivität der Konstruktion wurde Thomsons Rotstift angesetzt, aber es ist nur die Zierleiste an der Front, die eine niedrige Wertigkeit auch optisch verrät. Von vorne wird der Rahmen als schmal wahrgenommen, und das ist das Einzige, was für viele zählt.

Thomson Außenansicht

© Thomson

Die Zierleiste an der Front lässt eine niedrige Wertigkeit vermuten

Im Tagesgeschäft wird sich als deutlich negativer herausstellen, dass der TV beim Ausschalten gut herunterfährt, aber satte 42 Sekunden zum Hochfahren benötigt. 

Die Kanalwechselzeiten sind dagegen sehr akzeptabel. Absolut top ist die Eingangsverzögerung beim Gaming, die wir im Spielemodus mit nur neun Millisekunden messen konnten. Leider wird jedoch wie erwartet nicht die volle 4:4:4-Farbauflösung verarbeitet. 

Lesetipp: Spielkonsole & Co.: Das muss der Fernseher können

Bevor wir zur entscheidenden Bildperformance kommen, müssen wir noch eine Warnung vor der Klangqualität aussprechen. Im Auslieferungszustand war der Preset „Dynamisch“ aktiviert, der jedoch eine Kompression besitzt, die den Sound einiger Musikpassagenderart verbiegt, dass es einen graust. 

Hier muss unbedingt „Standard“ oder „Musik“ aktiviert werden, der die sehr schwachbrüstigen und flauen Schallwandler immerhin etwas homogener wirken lässt.

Wie gut ist die Bildqualität des Thomson 55UE6400?

Vom LCD-Panel als teuerstem Bauteil des TVs haben wir uns wenig erwartet, und wurden nach minimaler Abstimmungvon einer HDTV-Messung überrascht, die dreimal teurere Geräte oft nicht so hinbekommen. Die hohe Natürlichkeit in Farbort und -pegel, sogar von Mischtönen, ist sehr lobenswert. 

Für die Preisklasse außerordentlich löblich ist eine komplette Kalibrierbarkeit der Farben und des Gammas inklusive Farbraumanpassung und 20-Punkt-Farbbalance. Direkt von vorn ist der Kontrast super, und das immerhin globale Dimmen hilft bei Nacht etwas. Bei moderaten Winkelblicken waschen Farben weniger aus als bei vergleichbaren Geräten, jedoch natürlich stärker als bei IPS oder OLED. Allein Blau verfärbt sich schnell in Richtung Lila. 

Lesetipp: TV kaufen leichtgemacht: Was ist HDR, OLED, QLED, UHD & Co.?

Die ansonsten leicht optimierte Stabilität und eine Beschleunigung der Reaktionszeit gelingt Thomson durch die  Abschaltung diagonaler Pixel (Bild links). Statt zwei graue Bildpunkte in halber Stärke zu betreiben, ist eins ganz an, das andere voll aus. Dieser Pixelboost schaltet schneller und soll auch breiterstrahlendes Licht erzeugen. 

Thomson Einstellungen

© Thomson

So viele Feinjustagen zu Kontrasterweiterung und Farbkalibration hätte man in der Preisklasse kaum erwartet.

Normalerweise macht man das mit unterteilten Subpixeln, hier werden jedoch ganze genommen, was Bildmuster erzeugt, wenn man im perfekt kurzen Ultra-HD Sehabstand von gut einem Meter entfernt sitzt. Nahe Schwarz werden Inhalte etwas abgesenkt, was einen Dynamikbonus erwirkt. Mit 275 Nits ist das Gerät jedoch alles andere als überbrillant. 

Für ordentliches HDR (High Dynamik Range) reicht das nicht, obwohl die Elektronik die Signale äußerst sauber verarbeitet. Absolut normgerecht clippt das Bild sehr früh, was hier aber nicht durch Verringerung des Kontrasts angepasst werden kann. Genauso wie die Brillanz ist auch der Farbraum auf HDTV abgestimmt und kann durch HDR nichts dazugewinnen. 

Immerhin bringt der Fernseher die 10 Bit einer HDR-Quelle mit sichtbar mehr Nuancen auf den Schirm als HDTV (8 Bit). Das Panel beherrscht offensichtlich eine Überabtastung zur Quantisierungssteiegerung. Was die Bewegungswiedergabe betrifft, ist das Display preisklassenkonform auf 60Hz Maximalfrequenz begrenzt. 

Eine Zwischenbildberechnung gibt es nicht, und 24p-Kinofilme werden leider mit 2:3-Pulldown wiedergegeben. Ein globales Blinken des Backlights kann die Bewegungsschärfe erhöhen, jedoch unter starkem Verlust der ja eh nicht großzügig bemessenen Lichtausbeute.

[Testsiegel] video Magazin Testurteil gut

© video Magazin / Weka Media Publishing GmbH

video Magazin Testurteil: gut

Fazit

Der Thomson 55UE6400 bringt jede Menge Smart-TV für ganz kleines Geld. Bei normalem HD-Empfang liefert er saubere, angenehme Farben. Sein geringer Preis rechtfertigt ein eingeschränktes HDR-Erlebnis und weniger Maximalschärfe in Bildern oder Bewegungen.

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