Testbericht

Test: Outdoor-Digitalkameras/Ruggedised Cams

London: Regen. Kairo: Sandsturm. Acapulco: erholsamer Sprung ins warme Meer. Und die Kamera haben Sie immer im Anschlag. Mit den "Ruggedised Cams" ist das kein Problem. Frei übersetzt heißt das so viel wie "widerstandsfähige Digitalkameras". Wir haben wasserfeste Pixelschützen ins Visier genommen. Und: Was so manche Kamera aushält, kann wahrlich erstaunen.

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Test: Outdoor-Digitalkameras/Ruggedised Cams

Wer sich eine neue Digitalkamera anschaffen möchte, denkt für gewöhnlich erst an Megapixel, Formfaktor, Design oder Preis. Dass man aber häufig gerade dann ein Foto schießen möchte, wenn man sich - aus kameratechnischer Sicht - in einer Extremsituation befindet, daran denken die wenigsten. Minustemperaturen beim Skifahren oder Bergwandern, Spritzwasser beim Surfen oder Segeln oder einfach nur der feine Sandstaub, der sich in der Badetasche sammelt und mit der Kamera täglich zum Strand getragen wird - all dies sind Bedingungen, unter denen gewöhnliche Digitalkameras nach ein, zwei Wochen Urlaub durchaus mal den Geist aufgeben.

In die falsche Öffnung geraten, kann ein einziges Sandkorn das Zoomobjektiv komplett lahm legen. Schlecht, wenn dann noch 12 Tage Urlaub auf Ibiza übrig sind und man als Ersatz eine teure Kamera im Urlaubsland erwerben müsste. Gerade Sportler und Actionfans wären also mit einer Digitalkamera, die man auch mit ins Wasser nehmen kann, besser beraten als mit den gewöhnlichen, schutzlosen Bilderzeichnern.

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Foto:Kameras

Die Abdeckung der Pentax hat einen Sicherheitsverschluss, der vor versehentlichem Öffnen unter Wasser schützen soll.

Militärische Vorgaben

Die Beurteilung der Widerstandsfähigkeit einer Kamera stellt eine gewisse Herausforderung dar. Falltests sind problematisch, da die Kameras nie identisch aufschlagen. Selbst wenn man sie vorsichtig von einer Tischkante schiebt oder ein Brett zur Neige bringt, bis die Kamera schließlich über die Kante rutscht. Wohl auch deshalb halten sich die meisten Hersteller an den so genannten MIL-Standard, einen US-amerikanischen Militär-Standard, der sich mit vielerlei Methoden befasst die Materialbeständigkeit zu prüfen. Auf der Website www.milstd.net kann man die genauen Details nachlesen.

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Die Abdeckung der Pentax hat einen Sicherheitsverschluss, der vor versehentlichem Öffnen unter Wasser schützen soll.

Wir haben alle Kameras aus einem Meter zu Boden fallen lassen - etwas, was man mit teuren Geräten wirklich nicht tun sollte - aber keines der Modelle hat einen sichtbaren Schaden genommen, ja nicht einmal Kratzer konnten wir feststellen.

Schorchelnde Paparazzi

Alle Kameras im Test können auch unter Wasser Fotos aufnehmen. Die Modelle von Ricoh dürfen allerdings nur in eine maximale Tiefe von einem Meter mitgeführt werden und das auch nur für maximal 30 Minuten. Als Schnorchelbegleiter scheiden die Ricohs damit aus. Mitnehmen auf eine kleine Schnorcheltour kann man dagegen die Olympus µ850SW und die Pentax Optio W30. Beide Kameras sind bis 3 Meter wasserdicht. Wer mit Tauchermaske und Flossen gerne auf tiefere Entdeckungsreise geht als drei Meter, ist mit der Olympus µ1030SW (Einzeltest im Artikel "[int:article,24289/]") sehr gut bedient. Diese Kamera erlaubt eine Tauchtiefe bis zu zehn Metern. Damit kann man auch gut ein dem Strand vorgelagertes Riff erkunden.

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Ricoh verbaut in den beiden Caplio 500 Modellen solide Verschlüsse und verwendet sogar austauschbare Dichtringe.

Alle Hersteller geben die möglichen Wassertiefen nach dem IEC-Standard an. Eine bestimmte "JIS-Klasse" sollte man aber nicht mit einer Tauchtiefe verbinden, da diese in derselben Klasse erheblich variieren kann. Entscheidend ist immer die Angabe des Herstellers. Genauere Informationen befinden sich auf der Webseite www.iec.ch.

Operation: Einhand

Eine "Ablage" für den rechten Daumen fehlt der Olympus µ1030SW und die Stütze für den Mittelfinger ist nur eine spärlich ausgeprägte Metallleiste. Einhändiges Auslösen ist zwar möglich, aber für Einstellungen benötigt man die zweite Hand oder man "greift um" und spannt die Kamera zwischen kleinem und Zeigefinger ein. Gleiches gilt für die Olympus µ850SW und auch für die Pentax Optio W30. Obgleich letztere wenigstens über eine Daumenablage verfügt, die beim einhändigen Auslösen etwas Halt verspricht. Besser kontrollieren lässt sich die Pentax allerdings, wenn man mit dem Mittelfinger auslöst und die Kamera zwischen Daumen und Zeigefinger einspannt. Einhändige Zoomfahrten erfordern bei allen drei Lifestyle-Knipsen im Test ausgeprägte Fingerakrobatik. Ganz anders dagegen die klobig wirkenden Modelle von Ricoh. Der ausgeprägte Griff genügt schon, um dem Daumen genug Spiel zu geben für eine einhändige Bedienung der Kameraknöpfe.

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Glitschig wie ein Fisch

Durchwegs positiv überrascht waren wir von der Bedienbarkeit der Kameras mit übergestreiften Wollhandschuhen. Selbst die Modelle von Olympus lassen sich mit solchen noch einigermaßen bedienen, obwohl diese Kameras sehr kleine Knöpfe haben und diese zum Teil auch sehr eng beieinander liegen.

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Bei beiden Modellen von Olympus wird dieser Schiebeverschluss eingesetzt. Wenig Vertrauen erweckt das Stativgewinde aus Plastik.

Ganz anders das Ergebnis für Skihandschuhe. Für die schicken Life-Style-Knipsen von Olympus und Pentax sollte man auf jeden Fall damit rechnen, die Skihandschuhe ausziehen zu müssen, bevor man Einstellungen an der Kamera vornehmen kann. Einschalten und Auslösen ist - abgesehen von ein paar Fehlversuchen - aber prinzipiell möglich.

Mit Neoprenhandschuhen lassen sich nur die beiden Ricohs halbwegs vernünftig bedienen. Die Pentax und die beiden Modelle von Olympus bieten überhaupt keinen Halt an der glatten Oberfläche, sobald die Kameras nass werden. Außerdem sind die kleinen Knöpfe nicht mehr bedienbar, da man zum einen viel zu häufig daneben liegt und zum anderen den Druckpunkt eines Knopfes nicht mehr erfassen kann. Wer mit Neoprenhandschuhen tauchen will, für den kommt keines der getesteten Modelle in Frage.

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