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Testbericht

Teil 3: Vergleichstest FullHD-Projektoren

Die neue Avantgarde

Wer einen Kellerraum schwärzt und auf teure Leinwände setzt, darf sich einen Enthusiasten nennen. Trotz der verführerischen Einstiegspreise lohnt dann der Blick in die Oberschicht, deren Vertreter erhebliche Argumente für den Aufpreis in petto haben.

© Archiv

Der Testsieger unter den High-End-Projektoren: Der JVC DLA-HD 100.

Technik: DLP (Digital Light Processing)

Texas Instruments? DLP-Technologie hat Epsons LCD-Panels in den letzten Jahren die technologische Marktführerschaft abgenommen. DLP-Projektoren arbeiten auf Ein-Chip- oder Drei-Chip- Architektur ? letztere macht sich im Preis deutlich bemerkbar. Denn jeder Chip (?Digital Micromirror Device?, kurz DMD) besteht aus Abertausenden kleiner Spiegelchen (bei FullHD sind es gar zwei Millionen). Jeder lässt sich einzeln ansteuern und in zwei Richtungen kippen. Soll Licht auf die Leinwand fallen, dann reflektieren die Spiegel in Richtung Objektiv. Soll kein Licht auf der Projektionsfläche erscheinen, dann reflektieren sie das gesamte Licht auf eine schwarze Fläche im Gehäuseinneren, welche es absorbiert. Je länger der Spiegel sich in Richtung Leinwand neigt, desto heller erscheint das entsprechende Pixel. Für Graustufen müssen die Mikrospiegel schnell hin- und hergekippt werden, was als leichtes Rauschen sichtbar wird. Während bei Drei- Chip-Lösungen ein Prisma das Licht der Projektorenlampe in seine drei Primärfarben spaltet, passiert es bei der Ein-Chip-Lösung zuerst ein Farbrad. Mit heutzutage meistens sieben Segmenten dreht das Rad mehrere tausend Male pro Sekunde. Aufgrund dieser hohen Rotationsgeschwindigkeit des Rades nimmt das menschliche Auge die nacheinander auf die Bildwand gelangenden Farben als ganzes Farbbild wahr. Bei kritischen Bildinhalten tritt allerdings der so genannte ?Regenbogeneffekt? auf. Die Ingenieure tüfteln deshalb immer neue Farbräder und Steuerprogramme aus, die diesen Effekt mindern sollen.

Andere Technologien

Nebst Preis rüsten vor allem Kontrastzugewinn und die höhere Lichtausbeute für die Oberklasse. Hierzu setzen InFocus, JVC und Sony auf alternative Chiptechnologien. Das InFocus Flaggschiff IN 82 vertraut Texas Instruments? DLP- Chip, der über ein Farbrad mit sieben Segmenten Farbe ins Bild bringt. JVC und Sony setzen auf die jeweils hauseigen entwickelten LCoS-Derivate (Liquid Crystal on Silicon) D-ILA und SXRD. Vereinfacht ausgedrückt, vereinen diese Technologien die Vorteile der beiden Basistechnologien DLP und LCD auf einem Chip. Oder besser gesagt auf drei Chips, denn sowohl im JVC DLA-HD 100 als auch im Sony VPL-VW 60 werkeln jeweils drei der teuren Bausteine ? je einer pro Grundfarbe. Sowohl JVCs HD 100 als auch der Sony VPL-VW60 gehören bereits zur zweiten Generation des jeweiligen Herstellers - wobei JVC den kleineren HD 1 auch weiter im Sortiment führt, ihn preislich aber auf 5.500 Euro gesenkt hat.

Testbericht

Sony VPL-VW 60
Sony
5.000 Euro

3-Chip-SYRD-Projektor

Weitere Details

86 Prozent

Fazit:Referenzfarben, satte Kontraste und ein rudndum gutes Bild krönen den VW 60 zum derzeitigen Projektionskönig.

Testurteil
sehr gut
Preis/Leistung
überragend

Gehäuse und Form

Die Gehäuse der drei Oberklasse-Projektoren stechen auf den ersten Blick hervor. Sie sind nicht nur opulenter, sondern auch besser verarbeitet als die günstigen LCD-Einsteiger. Viel Metall, große Linsen und klare Linien zeugen von Qualität und bereichern das Heimkino auch optisch.

Weniger Geschick beweisen die Amerikaner von InFocus: Die Form des Kunststoffgehäuses erinnert an ein UFO, Tasten für die Bedienung am Gehäuse fehlen. Die Steuerung der Optik übernehmen zwei Stellräder auf der Seite, deren Haptik man sonst in günstigeren Preisgefilden erwarten würde. Zumal Sony für nur 500 Euro mehr eine komplette Motorisierung seiner Optik realisiert hat. Zoom, Fokus und Lensshift lassen sich bequem über die Fernbedienung justieren.

Testbericht

InFocus IN 82
InFocus
4.500 Euro

1-Chip-DLP-Projektor

Weitere Details

74 Prozent

Fazit:Wer große Diagonalen ausleuchten will, kommt bei diesem Preis trotz Schwächen kaum an InFocus vorbei.

Testurteil
gut
Preis/Leistung
gut

Dem JVC muss man zwar in Sachen Lensshift mit den Händen zu Leibe rücken, Zoom und Schärferegler sind im Gegensatz zum HD1 dafür motorisiert. Auch gelingt die Aufstellung der beiden LCoS-Vertreter im Vergleich zum InFocus geradezu spielerisch. Sony setzt auf ein 1,8fach-Zoomobjektiv, JVC sogar auf eine großzügige Zweifach-Zoomlinse. Über die Lensshift-Funktion darf der HD 100 horizontal 34, vertikal 80 Prozent aus der direkten Projektionsachse rutschen ? der VW 60 6,7 Prozent in der Horizontalen und 65 in der Höhe. Damit erreichen sie zwar noch nicht ganz die Flexibilität der kleineren LCD-Projektoren, genügen jedoch dem Gros der Heimkino-Installationen.

Testbericht

JVC DLA-HD 100
JVC
7.500 Euro

3-Chip-D-ILA-Projektor

Weitere Details

84 Prozent

Fazit:Wer nach der derzeitigen Schwarzreferenz für sein abgedunkeltes Heimkino sucht, liegt mit HD 100 goldrichtig.

Testurteil
sehr gut
Preis/Leistung
sehr gut

Anders InFocus, dessen kleines 1,2fach- Zoomobjektiv ohne diese Möglichkeit auskommen muss. Zudem wirft der IN 82 sein Bild schräg versetzt nach oben (Offset), was einer sorgfältigen Ausmessung des Heimkinos vor dem Kauf bedarf. In der Praxis empfiehlt er sich ausschließlich für eine Deckenmontage. Der mitgelieferte Drehteller ist deshalb kaum zu gebrauchen.

Anamorphe Vorsatzlinsen als Option für höhere Lichtausbeute

Eine Spezialität unserer drei Oberklasse-Geräte ist die Unterstützung von anamorphen Vorsatzlinsen, die derzeit stark im Trend liegen: Sie verzerren das 16:9-Bild der Projektoren auf 21:9. Vorraussetzung ist ein entsprechender Skalierungsmodus, der Filmmaterial im Cinemascope-Format auf die volle Chip- Auflösung dehnt, so dass es von der Linse wiederum gestaucht werden kann. Weniger der Auflösungsgewinn als vielmehr die höhere Lichtausbeute auf den reflektiv arbeitenden Chips kann gerade auf großen Leinwände entscheidend sein.

Auf den Anschlussfronten der Kandidaten herrscht Einigkeit: Zwei HDMI-Eingänge sind für den FullHD-Projektor von heute Pflicht. In- Focus bemüht für den zweiten zwar einen Spezialanschluss ? der passende HDMI-Adapter liegt jedoch bei. 1080p24-Zuspielung ist bei Projektoren schon seit Generationen kein Problem, JVC unterstützt mit dem HD 100 sogar den erweiterten HDMI-Farbraum xvYCC. Sony implementiert dafür erstmals den Gerätesteuerungsstandard HDMI-CEC in einen Projektor. Gemeinsames Ein- und Ausschalten mit dem Blu-ray-Player und die Wahl des passenden Eingangs gehören zum Funktionsumfang.

© Archiv

Statt eines echten Zweit-HDMI-Eingangs setzt Infocus auf eine so genannte Erweiterungsschnittstelle. Der HDMI-Adapter liegt mit im Paket ? YUV-, DVI- und VGA-Adapter lassen sich bei Bedarf nachrüsten.

Auch in Sachen Bedienung tun sich JVC und Sony hervor: Schon die Fernbedienungen begeistern. Es gefallen die gute Übersicht, die Beleuchtung und viele Direkttasten für Standardeinstellungen wie Helligkeit oder Kontrast. Zudem lassen sich jeweils drei Speicherbänke für Bildeinstellungen umweglos aufrufen. Die Fernbedienung des IN 82 verteilt die wichtigsten Bedienelemente am oberen und unteren Ende des Gebers, woran sich die Tester selbst nach Stunden nicht gewöhnen konnten. Die Tiefe der Einstellmöglichkeiten reicht, um selbst Enthusiastenherzen zu befriedigen. Allerdings hätten wir uns eine manuelle Farbraumanpassung wie im Sony VW 60 gewünscht. Die fehlt leider auch dem JVC ? dafür beeindruckt die neue Gamma-Anpassung, die neben der Helligkeit auch die Grundfarben R, G und B manipulieren kann. Sony liefert gar eigens eine PC- Software, über die Tüftler mit Messgerät in stundenlanger Feinarbeit das Gamma korrigieren können.

© Archiv

Überragend und ebenfalls Testsieger: Der Sony VPL-VW 60.

An unserem JVC-Testgerät stellten wir eine massive Unzulänglichkeit fest: Ein Großteil der ?deutschen? Menüsprache ist in Wirklichkeit Holländisch. Hier müssen die Ingenieure an einer neuen Übersetzung und einem folgenden Firmware- Update arbeiten.

JVC stellte ihn bereits im HD 1 vor. Bei Sony ist er eine der Neuerungen im VW 60. Die Rede ist vom manuellen Konvergenzausgleich. Sobald sich die drei Chips in einem Projektor nicht exakt decken, entstehen Farbsäume an Kanten. Einige Projektoren jenseits der 30.000 Euro ermöglichen es, die Chips selbst nachzujustieren, sicherlich der Königsweg. JVC und Sony regeln das per Software. Das kostet zwar geringfügig Auflösung, löst dafür ein großes Problem auf elegante Weise.

Wie macht sich der teils große Preisunterschied zu den gewachsenen FullHD-LCD- Projektoren der vorigen Seiten bemerkbar? Vor allem auf großen Bilddiagonalen erfreulich ist der hohe Füllfaktor von DLP- und LCoS-Panels. Pixelzwischenräume, wie man sie bei LCD-Projektoren bisweilen als störendes Fliegengitter sieht, sind damit passe, das Bild wirkt deutlich homogener.

Allerdings hat InFocus in anderer Hinsicht mit seiner Homogenität zu kämpfen: In den oberen Bildecken nimmt die Helligkeit unseres Testgerätes um bis zu 50 Prozent ab. Dafür liegt genau in der Helligkeit seine Stärke, die den Aufpreis zu den LCD-Projektoren teilweise rechtfertigt. Satte 1320 Lumen bringt das Leuchtwunder auf die Leinwand, ohne dabei die Farben zu verfälschen ? genug für XXL-Leinwände. Für weniger Helligkeit sorgt bei Bedarf die fein abgestufte Blende.

Sensationelle Kontrastwerte im ganzen Testfeld

Die Lichtausbeute der LCoS-Modelle von JVC und Sony ist in kalibriertem Zustand nicht halb so hoch. Dafür zeigten sie im Test nach unten die besseren Ergebnisse und punkten mit den besseren Schwarzwerten.

Der JVC HD 100 läuft hier zur Bestform auf: Die schwarzen Cinemascopebalken waren nur mit Mühe von der unbeleuchteten Leinwand zu unterscheiden. Die Messergebnisse attestieren den besten Kontrast des gesamten Testfeldes. Die Besonderheit ist, dass JVC den Kontrast nativ auf dem Chip ohne Hilfe einer optischen Blende erreicht. Gerade Weltraumszenen wie Stanley Kubricks Klassiker ?2001? (HD DVD) erreichen dadurch eine Bildtiefe, die ihresgleichen sucht ? tiefschwarze Weiten des Alls auf der einen Seite und kräftig leuchtende Planeten auf der anderen.

Auch Sony erreicht durch Verbesserungen im Lichtweg knackige Kontraste und satte Schwarzwerte. Die wahre Stärke des unter dem Codenamen ?Black Pearl? geführten VW 60 liegt dennoch in einem anderen Bereich der Farbdarstellung. Aus dem Karton überragen zwar beide Farbräume ?Normal? und ?Weit? die Norm um Längen. Wer jedoch Messgerät oder einen Kalibreur bemüht, feilt den Sony über das eingebaute ?RCP? (Real Colour Processing) auf Studioniveau. Schon nach wenigen Sekunden herrscht im Testraum Einigkeit: Das ist Referenzniveau, das sind die richtigen Farben. Gerade der JVC, dessen Farbraum weit über die Norm ragt - sein größtes Manko - wirkt dagegen knallbunt. Die ohnehin schon saftig colorierte HD DVD ?Transformers? leuchtet übertrieben farbig.

InFocus? DLP-Projektor geht dezenter zu Werke, wobei wir vom Gebrauch der DLP-Schlüsseltechnologie ?Brilliant Color? an dieser Stelle abraten wollen. Der vermeintliche Kniff: Dunkle Helligkeitsstufen werden ins Schwarz gezogen, womit man sich zwei Vorteile erkauft: Zum einen ist man das DLP-typische Rauschen in dunklen Bereichen los, zum anderen kann man mit der frei gewordenen BIT- Auflösung für eine feinere Nuancierung der Mitteltöne sorgen. Doch der Preis ist hoch: In dunklen Bildern wie den Innenaufnahmen des ?U571? saufen nicht nur Details weg. Viel schlimmer ist, dass Verläufe zu hässlichen Artefaktblöcken verkommen.

© Archiv

Beim InFocus IN 82 leidet die Bildqualität in den dunklen Bereichen.

Bei allen großen Entwicklungen in den neuen Projektorengenerationen scheinen die Hersteller die Darstellung von Signalen, die nicht als 1080p ankommen, zu vernachlässigen. InFocus und Sony liefern mit PAL-Quellen eine Qualität, die ihres Preises unwürdig scheint, vom De-Interlacing ganz zu schweigen. Der hochwertige Chip des HD 100 ist dem Preis entsprechend um Längen besser, aber nicht perfekt. Für alle Player empfiehlt sich daher ein DVD/HD DVD/Blu-ray- Player, der über eine hervorragende Skalierung und einen 1080p-Ausgang für DVDs verfügt. Wer einmal FullHD-Bilder gesehen hat, will nie mehr weniger. Mit Blu- ray und HD-DVD lässt beim Detailreichtum keiner der drei Probanden Fragen offen.

Fazit

Die Bezeichnungen Sony VPL-VW 60 und JVC DLA-HD 100 sollte man sich merken: Dahinter verbergen sich die neuen Heimkinoträume. Die entscheidende Frage lautet: mehr Kontrast oder richtige Farben? Ersterer sichert dem JVC die bessere Bildnote - vor allem stockfinstere Heimkinos profitieren vom Kontrastzugewinn. Sony kontert mit Referenzfarbe, opulenterer Ausstattung und der besseren Bedienung und sichert sich so sogar einen Punkt Vorsprung. Egal, Siegertypen sind sie beide. Der InFocus IN 82 ist ein Lichtwunder mit genügend Reserven für alle Heimkinogrößen. Der Preis ist die vergleichsweise hohe Lüfterlautstärke, die unflexible Optik kann eine Installationshürde sein.

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