Testbericht

Teil 3: SSD: Die Zukunft der Festplatten im Überblick - ultraschnell und leise

Kein Licht ohne Schatten

Obwohl sich die bislang vorgetragenen Argumente wie ein Loblied auf die neue Speichertechnologie anhören, sollten die Schwachstellen nicht übersehen werden. Bereits beschrieben wurde die im Verhältnis zur Lesegeschwindigkeit geringere Leistung beim Schreiben. Die ist zwar bei unseren Messungen hervorragend, allerdings liegt das daran, dass wir frische Laufwerke zum Test bekommen. Mit der Zeit fragmentieren auch SSDs, was sich erheblich auf die Schreibgeschwindigkeit auswirken kann, denn die Speicherzellen von SSDs sind in Seiten, meist 4 KByte groß, organisiert, die wiederum in 512 KByte großen Blöcken zusammengefasst sind.

© Archiv

Intel X25-M

Ist ein solcher Block leer, können die Daten einfach hineingeschrieben werden. Befinden sich darin aber noch Daten, muss der Block erst gelesen, um die zu schreibenden Daten ergänzt oder verändert und erst dann geschrieben werden. Bisweilen befinden sich auch Daten in solchen Blöcken, die das Betriebssystem als gelöscht betrachtet. Das ATA-Trim-Kommando, das neuere Linuxe und Windows 7 beherrschen, dient dazu, SSD-Controller diesbezüglich auf dem neuesten Stand zu halten und aufgrund obsoleter Daten überflüssige Lesezyklen zu verhinden.

Neuere SSDs bringen zudem eine Garbage Collection mit. Sie fasst im Hintergrund Blöcke zusammen, die nicht voll beschrieben sind und leert die so freigewordenen. Das funktioniert nach unseren Tests zwar gut, kostet aber (in Notebooks) nicht nur Akkuleistung, sondern führt zu zusätzlichen Schreibzugriffen, die bei SSDs auf Multi-Level-Cell-Basis mit rund 10 000 angegeben werden.

Diese eingeschränkte Anzahl von Schreibzugriffen ist ein weiterer Nachteil. Obwohl beim Einsatz in normalen Rechnern Lesezugriffe wesentlich häufiger auftreten, begegnen die Hersteller dem Problem mit dem so genannten "Wear Levelling". Damit werden Schreibzugriffe über die gesamte Platte verteilt, um eine gleichmäßige "Abnutzung" und damit eine längere Gesamtlebensdauer zu gewährleisten. Das wiederum kann sich ernsthaft auf die Datensicherheit auswirken (siehe Interview).

Wear Levelling funktioniert zudem nur, wenn genügend freie Sektoren vorhanden sind, um die Daten wie bei dem aus der Kindheit bekannten Schiebebildchen hin und her transportieren zu können. Randvolle SSDs haben daher eine geringere Lebenserwartung. Beim Einsatz von Programmen wie TrueCrypt sollte man darauf verzichten, die ganze SSD mit Daten zu füllen und die verschlüsselten Dateien so zu tarnen.

Die größte Schwäche der SSDs ist neben dem höheren Preis aber der noch unfertige Eindruck, den sie hinterlassen. So jagt zur Zeit ein Firmware-Update das andere. Und als wäre es nicht genug, dass dabei alle Daten gelöscht werden, kommt es auch noch zu Pannen. So musste Intel ein Firmware-Update zurückrufen.

Fazit

Die neue Generation der SSDs bügelt einige Schwächen der Vorgänger aus und lässt vermuten, dass sich die Zeit der Festplatten dem Ende zuneigt. Bis dahin wird es aber noch dauern. Zunächst muss der Preis fallen und auch die diversen Kinderkrankheiten und Update-Orgien sollten erst einmal vergehen. Im Notebook oder als Boot-Laufwerk machen die SSDs aber schon jetzt Lust auf mehr.

Hersteller/Modell Corsair CMFSSD-128GBG2D (P128) Kingston SSDNow V+ 64 GByte Corsair CMFSSD-64GBG2D (P64) Corsair CMFSSD-32D1 (Extreme X32) Intel X25-M Kingston SSDNow V Series
Internet www.corsair.de www.kingston.de www.corsair.de www.corsair.de www.intel.de www.kingston.de
Preis 360 Euro 440 Euro 346 Euro 650 Euro 330 Euro 195 Euro
Ranking im Testfeld 7. Platz 7. Platz 9. Platz 10. Platz 10. Platz 12. Platz
Gesamtwertung
Technische Merkmale
Kapazität (angegeben) 128 GByte 64 GByte 64 GByte 32 GByte 80 GByte 40 GByte
Kapazität laut Datenträgerverwaltung 119,2 GByte 59,63 GByte 59,6 GByte 29,8 GByte 74,5 GByte 37,25 GByte
Interface SATA 3Gb/s SATA 3Gb/s SATA 3Gb/s SATA 3Gb/s SATA 3Gb/s SATA 3Gb/s
Cachegröße
Gemessene Werte
Min. Transferrate Lesen [MByte/s] 174,9 157 157,9 159,9 185 191,6
Mitt. Transferrate Lesen [MByte/s] 177,1 171,2 169,2 174,1 191,1 200,4
Max. Transferrate Lesen [MByte/s] 193,6 193,6 183 202,5 196,1 214,3
Min. Transferrate Schreiben [MByte/s] 92,9 84,4 97,1 57,5 54,1 21,5
Mitt. Transferrate Schreiben [MByte/s] 124,6 120 122,4 69,5 60,5 43,3
Max. Transferrate Schreiben [MByte/s] 142,6 137 136,4 79,4 73,2 44,3
Mittlere Zugriffszeit 0,1 ms 0,1 ms 0,1 ms 0,1 ms 0,2 ms 0,1 ms

Interview: Edmund Hilt, Managing Director Kroll Ontrack GmbH Böblingen

PC Magazin: Haben Sie schon SSDs zur Datenrettung eingeschickt bekommen?

Edmund Hilt: Ja, wir haben schon einige Solid State Disks zur Datenrettung zugeschickt bekommen. Gemessen an den herkömmlichen elektromagnetischen und optischen Medien ist der Anteil aber noch sehr gering.

PC Magazin: Sind Daten von SSDs eher leichter oder schwieriger zu retten als von Festplatten?

Edmund Hilt: Zum einen ja, zum anderen nein. Denn Datenrettung ist ein zweistufiger Prozess, der aus dem Auslesen der Daten und der anschließenden Wiederherstellung besteht. Das Auslesen von Daten aus den einzelnen Chips ist in der Regel leichter als bei herkömmlichen Festplatten. Jedoch muss bei der anschließenden Wiederherstellung zunächst die Arbeit des SSD-Controllers mühsam simuliert werden, der die Daten über die einzelnen Flash-Sektoren verteilt. Dieser sehr hohe Aufwand, der nicht selten auch eine Entwicklung von eigenen Tools erfordert, entfällt bei der Festplatte.

PC Magazin: Wie wirkt sich Wear levelling auf die Datenrettung aus? Finden sich dadurch öfter Dateifragmente als bei HDDs?

Edmund Hilt: Wear Levelling lenkt die Schreibzugriffe auf einen logischen Block des Mediums auf wechselnde physikalische Speicherbereiche um. Dadurch soll eine wesentlich längere Nutzungsdauer erreicht werden. Allerdings sind die verwendeten Algorithmen bzw. Verfahren von den Herstellern in der Regel nicht offen gelegt und auch selten auf den Produkten vermerkt. Das macht die Puzzle-Arbeit der Fragmente eben viel schwieriger als bei normalen Festplatten.

PC Magazin: Thema Datenschutz: Wie muss eine sichere Löschung von Daten angesichts von Wear Levelling aussehen?

Edmund Hilt: Sichere Datenlöschung ist hier eine besondere Herausforderung. Dadurch, dass eben nicht sichergestellt werden kann, dass alle Fragmente angesteuert und überschrieben werden, ist bei SSDs das Schreddern oder das Zerbrechen in kleine Einzelteile eine sehr sichere und dabei kostengünstige Variante.

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