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Testbericht

Teil 3: Günstig, aber gut: Vier AV-Receiver im Test

Keep cool

Diese Tugenden pflegte der körperhaft, sehr relaxed auftretende Denon-Receiver. Robbie Williams bekam plötzlich mehr Flair und Stimmvolumen und trug sein "Mr. Bojangles" mit einem Mal viel weicher vor als über Onkyo und Pioneer. Was dem Denon fast schon in atemberaubender Manier gelang, war der Aufbau der einzelnen Klangkörper im Hörraum. Der Denon AVR-2309 fokussierte so scharf und zeichnete Konturen so plastisch nach, dass man wirklich schaute, ob nicht der Center mitlief. Außerdem trug er mit Live-Aufnahmen wie "Another Episode of Blond" von Elvis Costello und dem Metropole Orkest so weit in den Raum hinein, dass man sich auch ganz ohne Surround-Lautsprecher mitten im Geschehen wähnte.

© Archiv

Onkyo TX-SR 706

Seine tonale Ausgewogenheit und die Selbstverständlichkeit, mit der er aufspielte, gehören in dieser Klasse zum Besten überhaupt. Wenn er durch komplexe Signale und hohe Pegel gefordert wurde, ließ der Denon allerdings eine gewisse Anstrengung erkennen. Das Timing war sehr gut, im Bass wirkte die Vorstellung gleichzeitig etwas soft und zaghaft. Die Gesamtbalance stimmte allerdings auch ohne das aberwitzige, demonstrativ zur Schau gestellte Zupacken, das der Onkyo an den Tag legte und auch ohne die abgrundtiefe Kuro-Schwärze, die den Pioneer auszeichnete. Während die beiden Kraftprotze mit einzelnen Talenten auf sich aufmerksam machten und Punkte sammelten, schlich sich der Denon mit einer in sich stimmigen, bis auf Klangfarbenreichtum und Abbildungspräzision allerdings ohne Superlative auskommenden Darbietung nach vorne.

Dort traf er auf den Marantz. Dessen Bass wirkte etwa in "Mac the Knife" straffer und tiefer als der des Halbbruders. Die ganze Bühne wuchs gegenüber dem nicht gerade kompakt wirkenden Denon noch einmal in der Höhe und Breite, alles wirke noch größer und noch echter. Die Bläser-Attacken kamen wunderbar zackig aus den Lautsprechern. Der Marantz SR 5003 ließ eine beinahe überschäumende Spielfreude erkennen. Der Fokus gehörte wie die Plastizität gemeinsam mit der des Denon zum Besten im Vergleich, in der Attacke wetteiferte der Marantz nur mit dem Onkyo, dem er allerdings neben satteren Klangfarben eine gewisse Nonchalance voraushatte.

Testprofil

OnkyoTX-SR 706
www.onkyo.de
800 Euro

AV-Receiver

Weitere Details

69 Prozent

Testurteil
gut
Preis/Leistung
sehr gut

In der Summe setzte sich der SR 5003 ungeachtet seines geringen Preises dicht gefolgt vom ausgewogenen Denon an die Spitze des Vergleichs. Speziell das höhere Differenzierungsvermögen bei komplexen Signalen wie etwa die Stimmüberlagerungen im Duett von Nicole Kidman und Robbie Williams in "Something Stupid" vom Album "Swing When You're winning" (Capitol) sicherte ihm den knappen Sieg in der Stereo-Disziplin.

Treffer, versenkt

Im Surround-Durchgang begannen alle wieder bei null. Hier ging es schließlich noch enger zu als in der ersten Runde. Der Pioneer beeindruckte mit einem satten, vollen Bass und ausgezeichneter Dynamik. So detonierten die Wasserbomben in "U-571" (Highlight) mit ungestümer Wucht und verstärkten den Eindruck der Beklemmung der im U-Boot eingeschlossenen Besatzung. Ähnlich der Onkyo: Auch er ließ die Attacken der Zerstörer mit brutaler Härte im trockenen, sicheren Hörraum nachempfinden. Die beiden AV-Receiver entfachten auch in höheren Tonlagen ein regelrechtes Kino-Inferno: Abplatzende Nieten sprangen mit den beiden besonders eindrucksvoll durch den amosphärisch sehr dicht rekonstruierten Raum. Mit Musik zeigten sich auf die Dauer allerdings auch leichte Schwächen dieser effektvollen Abstimmung. Ungeachtet der überzeugenden Dynamikreserven gaben beide Receiver Stimmen leicht kühl und schlank wieder.

Bildergalerie

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Die fantastischen 4

Wollen mit ihrem Klang begeistern: Die vier Testkandidaten.

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