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Testbericht

Teil 2: Vergleichstest: Lautsprecher um 1500 Euro

Inhalt
  1. Vergleichstest: Lautsprecher um 1500 Euro
  2. Teil 2: Vergleichstest: Lautsprecher um 1500 Euro

B&W - die ungewöhnlichen Mitten

Die Tieftöner übergeben die Staffel um 400 Hertz mit sanfter Flankensteilheit von sechs Dezibel ungewöhnlich spät an den Mitteltöner. Das entlastet das Mitteltonchassis von grober Hubarbeit. Mit den nun vergleichsweise geringen Auslenkungen konnte B&W auf eine klassische Randaufhängung (Sicke) verzichten. Konventionelle Sicken hat der Hersteller als potenzielle Produzenten von klangbeeinträchtigendem Klirr und somit als Übeltäter ausgemacht. Teilschwingungen der Membran, so genannte Partialschwingungen, die sich über die Membran fortpflanzen, können an einer Sicke reflektiert, quasi gespiegelt werden, und damit die akkurate Bewegung stören. Statt einer Sicke umschließt nun ein Rand aus Hartschaum die Membran, der diese Bewegungsenergie absorbieren soll. Hohe Frequenzen verantwortet eine Metallkalotte, deren rückwärtig abgestrahlten Schallanteile von einer cleveren Schallführung wirkungsvoll bedämpftwerden, sodass Reflexionen wenig Chancen haben, die Membran in ihrer filigranen Arbeit zu stören.

B&W 683

© Archiv

Der Direktvergleich zeigt den sickenlosen Mitteltöner (links) und den mit einer hubfreudigen Randaufhängung ausgestatteten Tieftöner der Bowers &Wilkins 683. Beide Chassis besitzen verwindungssteife, strömungsoptimierte Metallkörbe.

Mit derlei Schmankerln warten die EposM16 nicht auf. Dennoch überzeugen sie bis ins Detail. Die Chassis sind pieksauber, bündig in die Schallwand eingelassen. Die Gehäusekanten sind gerundet, so wird Kantendiffraktion minimiert. Was ist Kantendiffraktion? Stellen Sie sich einen Würfel im Windkanal vor, so treten an dessen Kanten mehr oder minder starke Luftwirbel auf, ein Ei beispielsweise wird dort kaum Verwirbelungen produzieren. Bricht Schall an harten Kanten, führt das oft zu einem tendenziell nervösen Klang.

Im Inneren der Box teilen sich der Tiefmittelund der Hochtöner ein Separee, das durch horizontale und vertikale Streben versteift ist. Der zweite Bass arbeitet auf eine Kammer in Reflexabstimmung. Tiefe Register teilen sich die Konusse, ab 150 Hertz klinkt sich der untere aus. Beide besitzen schwere Körbe aus Druckguss, Metallkappen schirmen die Magnete ab, sodass die M 16 auch direkt neben Röhren-TVs stehen dürfen, ohne dass das Fernsehbild durch magnetische Streufelder der Antriebe beeinflusst wird. Hohe Frequenzen vertraut Epos einer 25-Millimeter-Metallkalotte mit kompaktem Neodymmagnet an. Bei zu hohen Lautstärken erwärmen sich Schwingsysteme schnell ? kühlt Epos den Tweeter mit Ferrofluid im Magnetspalt. Das zähfließende Material leitet die Hitze effektiv ab.

Focal verzichtet auf Ferrofluid und vertraut auf die ausgefeilte Konstruktion des Töners, die einen Wärmestau verhindern soll. Seit je schwören die Franzosen in den Höhen auf eine inverse Kalottenform. Davon versprechen sie sich ein besonders gutes Abstrahlverhalten wie eine optimale Kraftübertragung von der Schwingspule auf die Membran. Diese besteht aus einer Legierung von Aluminium und Magnesium. Die Rezeptur soll für reinen Klang bürgen. Und in der Tat, die Höhen der Chorus 816 V zählen zum Besten der Klasse, wie der Hörtest offenbarte.

Testbericht

B & W 683
B & W
1.400 Euro

Lautsprecher / Paar

Weitere Details

68 Prozent

Fazit:Souveräner Standlautsprecher mit sehr tiefem Bass und gefällig, frischem Klang. Mag kräftige Verstärker.

Testurteil
gut
Preis/Leistung
sehr gut

Focal gibt Bässen die Kugel

Auch in Bass und Mitten nutzt Focal untypische Membranmaterialien; das fällt leicht, produziert man die Töner doch in einem modernen Werk im französischen Saint Etienne selbst. Die Membranen der Tief- und Mitteltöner sind mit winzigsten Glaskügelchen beschichtet. Das verleiht eine enorme Steifigkeit, ohne das Gewicht nennenswert zu erhöhen. Antriebe und Körbe genügen selbst hohen Anforderungen. Dank der strömungsoptimierten, offenen Bauform ist auch mit hohen Lautstärken kaum mit Kompressionseffekten zu rechnen. Gleich zwei Reflexöffnungen besitzen die Chorus 816 V. Eine an der Boxenfront, eine weitere sitzt im Gehäuseboden und strahlt in einem definierten Abstand auf die pfiffige Sockelkonstruktion. Strömungsgeräusche will man so besonders effektiv unterbinden.

Focal Chorus 816V

© Archiv

Ein Sockel aus Gusseisen verleiht den Focal Chorus 816 V besten Stand, die Spikes können von oben justiert werden.

Auch wenn die Focal mit ihrer harten Linienführung und dem elegant von der Acrylfront abgesetzten Hochtöner angenehm ins Auge stechen, stehlen die im dunklen, ?Espresso?-getauften Look daherkommenden Tannoy Revolution DC 6 T ihren Konkurrentinnen die Show. Die sanft schimmernden Membranen, die schicken Zierringe um die Chassis, die wie ein Tropfen organisch geformte Reflexöffnung und das geschwungene Gehäuse mit Echtholzfurnier - den Tannoy gesteht man den Einstandspreis auf den ersten Blick zu. Auch technisch bieten die Speaker Leckereien. Man sieht zwei Töner - und doch sind es drei. Inmitten des oberen Konus, der als Tief- und Mitteltöner fungiert, residiert, wo sonst die Staubschutzkalotte sitzt, der Hochtöner. Er ist nach hinten versetzt, ein ihm vorgesetztes Horn erhöht den Wirkungsgrad. Inzwischen bevorzugen einige Hersteller diese koaxiale Bauweise. Tannoy jedoch blickt hier auf eine jahrzehntelange Erfahrung zurück. Koax-Treiber bieten den Vorteil eines sehr kompakten Schallentstehungszentrums. Die Laufzeiten von Mittel- und Hochtöner zu unseren Ohren bleibt im Verhältnis zueinander konstant, wo immer wir uns auch vor den Lautsprechern befinden. Davon können Raumabbildung und Ortbarkeit profitieren.

Focal Chorus 816V

© Archiv

Ein Blick in die Box zeigt stabilisierende Streben und den optimal belüfteten Mitteltöner.

Kriterien, in denen sich die Tannoy hören lassen können. Über keine andere Box im Feld war dem Fingerspiel von Atsuko Seki (?Mozart, Haydn, Schubert?/Divox)so leicht zu folgen, dass sich dem inneren Auge umgehend die elfenbeinernen Tasten des Steinways erschlossen. Die Revolution DC 6 T lenkten das Augenmerk auf Künstler und Instrument, so gekonnt, so spielerisch, dass es nicht störte, dass der umgebende Saal des Konservatoriums in Basel in den Hintergrund trat.

Testbericht

Focal Chorus 816 V
Focal
1.300 Euro

Lautsprecher / Paar

Weitere Details

67 Prozent

Fazit:Schicke Säulen mit hoher Spielfreude und vorbildlicher Ausstattung. Schwächen im Oberbass.

Testurteil
gut
Preis/Leistung
sehr gut

Interpreten schälten die Tannoy klar aus dem Kontext, verliehen aber besonders Sopranisten eine leichte Härte und Färbung. Die in unserem Testlabor ermittelte Betonung um ein und vier Kilohertz untermauert den Effekt. Der Spielfreude tat das keinen Abbruch. Obere Mitten und Höhen leuchteten klar, die rabenschwarzen Bässe machten einfach an, auch wenn die Boxen nicht sehr tief in den Frequenzkeller griffen. Eswar eine reine Freude den staubtrockenen Basstiraden der Berliner Combo ?Pothead? im groovenden ?Stadium? (?Tuf Luv?/Janitor) zu lauschen, das Stilemente von Supertramp und Manfred Mann vereint. Das tendenziell dunkle Timbre verbunden mit dem nach vorne gehenden, griffig konkreten Spiel macht die Revolution DC 6 T zum Idealpartner für alle, die eine direkte Ansprache und rassigen, schnörkellosen Sound mögen.

Testbericht

Tannoy Revolution DC 6 T
Tannoy
1.500 Euro

Lautsprecher / Paar

Weitere Details

67 Prozent

Fazit:Wohnraumfreundliche Wandler, die richtig rocken aber auch feine Facetten nicht unterschlagen.

Testurteil
gut
Preis/Leistung
gut

Epos M16: charismatische Feingeister

Die Epos M 16 verhielten sich fast konträr zu den Tannoy. Betont charmant, fast feingeistig gaben die M 16 Seki und die Große Sonate C-Dur von Haydn wieder. Hier erfuhr die Jury die Abmessungen des Aufnahmeortes, die die Tannoy nur andeutete. Flügel und Pianistin waren nun ein Teil des Ganzen, nicht mehr so hautnah erlebbar wie zuvor. Das galt für jede Art von Musik. Die leichte, aber recht breitbandige Senke zwischen ein und fünf Kilohertz mag der Grund für die aristokratische Zurückhaltung sein. Bei aller Sanftheit bedienten sich die M 16 eines Füllhorns schönster Klangfarben und golden schimmernder Höhen. Stimmen gab das Wärme und Natürlichkeit. Am anderen Frequenzende reichten sie zwar tief hinab, reproduzierten Pauken grollend düster, hart angeschlagene Drums jedoch zu weich, ohne den prickelnd mutigen Punch der Tannoy.

Eine Charaktereigenschaft hat auch der Focal, die sich jugendlich forsch, dabei hinreißend lebendig in Szene setzten. Plötzlich lebten Seki, der Steinway und der Raum gleichberechtigt nebeneinander; und doch gestatteten die Lautsprecher die Ohren lustvoll schweifen zu lassen. Wurden die Tasten angeschlagen, war offensichtlich, dass die Hämmer des Flügels mit Filz bezogen waren. Streichern verliehen die Chorus 816 V wundervollen Schmelz, Stimmen, besonders Mezzo und Sopran, gerade das richtige Maß an Volumen und Kraft. Offenheit, Elastizität und ein angenehm dunkles Timbre beherrschten das Klangbild bis in untere Register. Schade nur, dass die Boxen im Oberbass zu mächtig auftrugen. So wurde das Klangbild zwar von satten Bässen getragen, doch verschwommen feine Facetten im Übergang zum Grundton. Hier ließen die Focal deutliche Federn. Punkte, die sie gerade noch mit der hohen Pegelfestigkeit wettmachen konnten. Die Chorus meisterten noch Lautstärken unverzerrt, bei denen die Epos und die Tannoy schon keuchten.

Epos M16

© Archiv

Das vom deutschen Vertrieb Reson mit luxuriösen Kabelbrücken bestückte Terminal der Epos gestattet jedes der drei Chassis getrennt anzusteuern.

In dieser Disziplin fanden die Focal nur in den B&W ihren Meister. Die 683 spielten ihre Trümpfe Gehäusevolumen und Membranfläche gnadenlos aus. Obendrein agierten sie deutlich sauberer im Bass, der zwar auch dominant, aber nicht so trotzig, bullig war wie der Oberbass der Focal. Ob angeschlagene Kesselpauken oder kräftig malträtierte Drums, lustvoll schoben die 683er mächtigste Tieftongewitter in den Raum ohne die Zügel aus der Hand gleiten zu lassen. In den Frequenzen darüber spielten die B&W distanzierter, in den Mitten fast schamhaft zurückhaltend. Feinheiten unterschlugen sie nicht, doch zeichneten sie pastellener, Klangfarben leuchteten nicht ganz so satt wie via Focal oder Epos, die feinste Facetten nachvollziehbarer reproduzierten. Ganzheitlich, robuster tönten stets die B&W. Ob Orchester oder kleine Combo ? die 683 schenkten allen eine großzügige Bühne. Dabei wurden die Boxen in der Tiefenstaffelung nur von den Epos übertroffen. Die B&W sind fast jeder Situation gewachsen, sind erwachsene Allrounder, die auch als Protagonisten eines Surround-Sets nicht wirklich auf Hilfe eines Subwoofers angewiesen sind. Gemeinsam mit den Epos M 16 steigen sie auf das Siegertreppchen.

Testbericht

Epos M 16
Epos
1.400 Euro

Lautsprecher / Paar

Weitere Details

68 Prozent

Fazit:Zum Preis ein rundum gelungener Speaker mit nur minimalen Schwächen. Die Mittenwiedergabe ist famos.

Testurteil
gut
Preis/Leistung
sehr gut

Fazit

Der Klassiker David gegen Goliath endet im Patt. Außenseiter Epos schlägt die Etablierten nicht, hält aber mutig Augenhöhe und gesellt sich mit ihrem feingliedrigen Spiel und solider Ausstattung zur urwüchsig, kräftigen B&W aufs Siegertreppchen. Die anderen Kandidaten rangieren knapp dahinter und sprechen wie die Sieger unterschiedliche Hörergruppen an. Einerseits die quirligen, vor Spielfreude überschäumenden Focal, die auch mit Röhrenverstärkern prächtig harmonieren und hinreißend farbig klingen, andererseits die tonal nicht perfekt balancierten aber erdig, straff und trocken tönenden Tannoy, die zum mitrocken verführen.

Bildergalerie

Tannoy Revolution DC 6T
Galerie
Hifi & MP3

Im Herzen des Tiefmitteltöners (unten) sitzt der Tweeter der Tannoy. Der Hornvorsatz steigert die Effizienz des Hochtöners.

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