Digitale Fotografie - Test & Praxis
APS-C-Kamera

Sony Alpha 6400 im Test

Sonys spiegelloses APS-C-System hat Zuwachs bekommen. Bei der Alpha 6400 für ambitionierte Einsteiger hat Sony Vieles richtig gemacht – und insbesondere den Autofokus optimert. Lesen Sie hierzu unseren Test.

Sony Alpha 6400 im Test

© Sony

Sony Alpha 6400 im Test

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EUR 1.042,99

Pro

  • Autofokus optimiert
  • sehr gut und solide verarbeitet
  • Spritzwasser geschützt

Contra

  • wirkt etwas "over-engineered" - Einstellmöglichkeiten

Fazit

ColorFoto Testurteil: 62 Punkte (2,5 Punkte über Durchschnitt); ColorFoto Kauftipp "APS-C" 04/2019

Mit der neuen Alpha 6400 bekennt sich Sony zum APS-C-System. Statt mit marginalen Änderungen eine weitere Modellnummer in die Läden zu stellen, hat Sony den Autofokus der Spiegellosen deutlich überarbeitet. Das Gehäuseformat und die 24-Megapixel-Sensor-Klasse übernimmt die A6400 von der A6300 (hier unser Test der A6300​)​.

Gehäuse und Ausstattung

Die Alpha 6300 gehörte beim Launch vor zweieinhalb Jahren zu den kompaktesten und mit 404 g zu den leichtesten Kandidatinnen im APS-C-Feld. Ihre „große Schwester“, die A6500, ist etwas dicker und rund 200 g schwerer. 

Mit 120 x 67 x 50 mm und 402 g liegt die A6400 jetzt gleichauf mit der A6300. Die rechte Kameraseite ist griffähnlich geformt und die Oberfläche hier mit einem gummiartigen Strukturmaterial beschichtet. Sie lässt sich ausgezeichnet und wunderbar sicher halten – in die Hand konstruiert, möchte man sagen. 

Mit dem verwendeten Objektiv Sony E 3,5-5,6/18-135 mm OSS bringt die A4600 ca. 750 g auf die Waage, aber auch damit „kippt“ die Kamera nicht nach vorne, sondern ist bestens ausbalanciert. Die A6400 ist insgesamt sehr gut und solide verarbeitet. Das Gehäuse ist aus stabiler Magnesiumlegierung gefertigt und mit Dichtungen gegen Spritzwasser geschützt. 

Auch die einzelnen Bedienelemente sind von solider Qualität und ohne Makel. Allein bei der Abdeckung für das Akku- und Speicherkartenfach hätten wir uns eine andere Lösung gewünscht: Sie lässt sich nur um 90° öffnen, dadurch ist der Deckel beim Herausnehmen der Speicherkarte einfach im Weg. 

Ein Miniblitz mit Leitzahl 6 bei ISO 100 klappt aus dem Gehäuse und dient zum Aufhellen des Vordergrunds. Am Blitzschuh lassen sich externe Blitzgeräte einstecken und über die Kamera steuern. Der Akku NP-FW50 wird über ein Netzteil geladen, ein Ladegerät gibt es nicht. Der kabellose Datentransfer klappt via WLAN-Modul, die direkte Verbindung mit dem Smartphone via NFC.

Sony Alpha 6400 - Selfie-tauglich

© Sony / Montage: ColorFoto

Das Display der A6400 lässt sich um 180° nach oben schwenken sowie um 90° nach unten.

Display und Sucher

Das 3-Zoll-Display hat 307 200 RGB-Pixel, die Monitorhelligkeit ist in fünf Stufen einstellbar. Daneben gibt es die von der A6500 bekannte „Sonnig“-Einstellung mit deutlicher Kontrastverstärkung, die das Bild auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen erkennbar macht. Der Monitor ist verstellbar und im Gegensatz zu A6300 und A6500 lässt er sich um 180° nach oben schwenken (sowie 90° nach unten). 

Freunde von Selfies und Videoblogger werden das zu schätzen wissen. Wichtiger finden wir das funktionale Touch-Display, das die Bedienung über Räder und Knöpfe sinnvoll ergänzt. Der 0,39 Zoll kleine Sucher hat 786 432 Bildpunkte und ist ebenfalls in der Helligkeit regelbar. Trotz der geringen Baugröße sind die Anzeigen sogar für Brillenträger gut zu erkennen. Lediglich das Einstellen des Dioptrienausgleichs an dem sehr kleinen Rädchen ist eine ziemliche Fummelei.

Autofokus

Sony stellt bei der Alpha 6400 den Autofokus in den Mittelpunkt. Die Technik mit 425 Phasen- und 425 Kontrastmessfeldern stammt aus den Kleinbildmodellen, also der A7-Baureihe. Hier spielt Sony seinen Vorteil aus, dass APS-C- und KB-Baureihe das gleiche spiegellose Bajonett nutzen. 

Der „Real Time Augenautofokus“ verfolgt Augen auch im AF-A- und AF-C-Modus. Zur Mustererkennung werden Farbe, Entfernung, Helligkeit sowie räumliche Informationen herangezogen. In naher Zukunft soll ein Tieraugen-AF per Firmware-Update folgen. Alle versprochenen Funktionen wie Kameraauslösung bei Lächeln, Augen und- Gesichtserkennung funktionieren sehr gut. 

Der AF stellt auch bei geschlossenen Augen absolut korrekt scharf – auch wenn solche Bilder vielleicht nicht im Sinn des Erfinders sind. Selbst auf Papierbildern mit 13x18 cm funktioniert die Erkennung zuverlässig. 

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Bei geringer werdendem Licht oder Kontrast wird das Fokussieren – wie bei allen Kameras – unzuverlässiger. Die verbesserte Tracking-Funktion überzeugt in der Praxis ebenfalls. Nicht alles ist perfekt. So springt beim Fokus-Tracking das Fokusfeld manchmal auf andere Bildbereiche. Vor allem dann, wenn in der Umgebung des anvisierten Fokuspunkts deutlicher strukturierte Bildbereiche zu erkennen sind. 

Auch bei manch‘ schnellen Kamerabewegungen verliert der Autofokus den anvisierten Bereich schon mal aus dem Auge, wenn man ihn ernsthaft fordert. Im Alltagsbetrieb agiert die Tracking-Funktion meist zuverlässig und souverän. 

Wenn Motivbeleuchtung und Kontrast innerhalb des Fokussierbereichs ausreichen, „klebt“ das AF-Feld beim AF-Tracking förmlich am ausgewählten Fokusbereich und lässt sich auch durch kleine Störungen, wie Bäume oder Äste zwischen Kamera und Motiv, nicht aus der Ruhe bringen. 

Mit Vorsicht zu genießen sind allein die Wunderzeiten: 0,02s stehen auf der Website und in den Verkaufsunterlagen. In der Fußnote dann die Erklärung „Basierend auf Studien von Sony, gemessen entsprechend den CIPA-Richtlinien und der internen Messmethode, mit angebrachtem E-Objektiv (18–135 mm, F3,5–5,6 OSS), ausgeschaltetem Autofokus und aktivem Sucher“. 

Mit Autofokus messen wir 0,5 Sekunden bei 300 und 30 Lux. Das ist nicht rasend schnell, aber solide, auch wenn die A6500 da flotter ist: 0,29/0,3 s (300/30 Lux).

Sony Alpha 6400 - Moduswahlrad

© Sony / Montage: ColorFoto

Das Moduswahlrad und der rechts davon angeordnete Drehregler sind versenkt. Das schützt vor unbeabsichtigtem Verstellen. Auch der Miniblitz ist in die Kamera „eingelassen“, zur Arbeit fährt er nach oben.

Bedienung

Das Moduswahlrad und der rechts davon angeordnete Drehregler sind versenkt und schließen fast bündig mit der leicht angerauten Kameraoberfläche ab. Das sieht nicht nur gut aus, sondern schützt auch vor unbeabsichtigtem Verstellen. Der Vierwegetaster bietet vier Funktionsrichtungen und eine zentrale Mitteltaste. 

Der äußere Ring ist drehbar und erlaubt Einstellungen per Drehung. Die Tasten haben deutlich erfühlbare Druckpunkte, und die Kennzeichnung aller Bedienelemente ist sehr gut zu erkennen. Je nach Position des Moduswahlrads ergeben sich unterschiedliche Zugriffsmöglichkeiten im Menü. 

Allgemein gilt: Das Hauptmenü ist unterteilt in sechs Menüblöcke, jeder Block hat unterschiedlich viele Unterpunkte. Eine Fn-Taste und zwei C-Tasten erlauben individuelle Voreinstellungen für entsprechende Aufnahmesituationen. Der Umgang mit dem sehr umfangreichen Menü erfordert durchaus Übung. 

Auch weil die Aufteilung unserer Meinung nach an der einen oder anderen Stelle gegen die Denkrichtung ist. Gerade beim Autofokus leidet die Bedienbarkeit etwas an der „Featuritis“: Vor lauter Optionen geht das intuitive Arbeiten ein Stück weit verloren. Das bessert sich mit zunehmender Erfahrung, aber anfänglich kommt man ohne Online-Manual kaum ans Ziel.

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Belichtung 

Laut Sony wurden sowohl der CMOS-Sensor mit 24,2 Megapixeln als auch der Bionz-X-Bildprozessor einer Generalüberholung unterzogen. In der Standardeinstellung sind nun ISO 32 000 möglich (Alpha 6300: 25 600), im erweiterten Modus ISO 102 400 (Alpha 6300: 51 200). 

Die Serienbildgeschwindigkeit ist mit schnellen 11,1 B/s bei RAW und JPEG die gleiche wie bei der A6500, im JPEG-Format funktioniert das, bis die Karte voll ist, bei RAW ist nach 47 Aufnahmen Schluss. 

Videos kann die Sony Alpha 6400 unter anderem in 4K-Auflösung (3840 x 2160 Pixel) mit 24 bis 30 Vollbildern pro Sekunde speichern, dabei werden alle Pixel des Sensors genutzt. In Full-HD (1920 x 1080 Pixel) stehen 24 bis 120 Vollbilder pro Sekunde zur Wahl.

Neu ist das bisher bei Sony nur aus dem Vollformat bekannte Hybrid-Log-Gamma-Profil (HLG), das bei der Wiedergabe auf kompatiblen HDR-Fernsehern für einen besonders großen Dynamikumfang sorgt.

Ein externes Mikrofon für bessere Tonqualität kann per 3,5 mm Klinke angeschlossen werden. Was wir in der A6400 vermissen, ist der großartige Bildstabilisator aus der A6500, der Verwacklungen in fünf Orientierungen ausgleicht – mit dem passenden Objektiv. Während stabilisierte Objektive wie das Makro G OSS F2.8/90mm Kippen und Neigen ausgleichen, kompensiert der Sensor Auf/ab-, Links/ rechts- und Rollbewegungen.

Für eine ganze Reihe von A6000-Objektiven, die nicht mit einem eigenen Bildstabilisator ausgestattet sind, heißt das auf jegliche Bildstabilisierung zu verzichten. 

Last not least: Das neue Sony-Format ARW erfordert einen aktuellen RAW-Konverter, etwa den Sony Viewer 1.4.00.01241, den man kostenlos von der Sony-Website herunterladen kann.

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Bildqualität

Mit 1929 LP/BH bei ISO 100 schneidet die Auflösung gut ab, die Werte bleiben bis ISO 6400 über 1800 LP/BH. Die DL-Werte liegen bis ISO 800 sowohl für hohen wie für schwachen Kontrast über 1000 LP/BH. Zugleich steigen die Kurven nicht über 1 – sind also nicht unnatürlich weit nach oben gezogen. Auch die Kantenprofile zeigen zwar einen deutlichen Undershoot, aber kaum Overshoot. 

Insgesamt hat Sony mehr Wert auf gute Abstimmung gelegt als auf plakative Kontraste, was wir sehr begrüßen. Bei den niedrigen Empfindlichkeiten kann man daher auch guten Gewissens die bequeme JPEG-Variante wählen, ab ISO 800 besser RAW.

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Fazit

Sony hat mit der Alpha 6400 eine sehr sinnvolle Modellpflege im APS-C-System betrieben. Bei der Überarbeitung hat Sony nicht die Bildqualität, sondern die AF-Leistung in den Fokus genommen – was in der Praxis längst wichtiger ist. Dabei nutzt Sony auch geschickt formatübergreifende Synergien, da ja APS-C- und KB-System das gleiche spiegellose Bajonett nutzen. Als Nachfolgemodell der A6300 kann sie fast alles besser und liefert eine rundum solide Leistung. 

Mit ihren fast schon unendlich vielen Einstellmöglichkeiten wirkt sie mitunter etwas „over-engineered“, doch daran wird man sich mit der Zeit gewöhnen. Wenn Sie allerdings noch einen guten Hunderter drauflegen (Straßenpreis), bekommen Sie ein A6500-Gehäuse mit Bildstabilisator. Die ist unserer Meinung nach die noch bessere Wahl für alle, die in erster Linie Fotografieren und nicht Filmen wollen.

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