Digitale Fotografie - Test & Praxis
Testverfahren

Siemenssterne

image.jpg

© colorfoto

Die Ortsfrequenz (Auflösung) steigt, aber der Kontrast im Bild sinkt, bis die Strukturen verschwimmen (Grenzfrequenz: 10 Prozent Kontrast). Je größer die verwaschene Fläche in der Mitte ist, umso schlechter ist die Schärfe des Objektivs. Dies lässt sich auch mit dem Auge erkennen. Um eine präzise Messung zu garantieren, verwendet unser Testlabor Image Engineering  "harmonische" Siemenssterne. Bei ihnen sind die Übergänge von den schwarzen zu den weißen Streifen nicht abrupt, sondern weich: Die Helligkeit variiert entsprechend der Sinus-Funktion, sodass die künstliche Schärfung der kamerainternen Signalverarbeitung weniger zugreift. Nachdem die Software die Mittelpunkte der Sterne mit den Passermarken erfasst hat, wird die Bildhelligkeit entlang des Kreisumfangs ermittelt. Sie sollte annähernd sinusförmig verlaufen. Außen ist die Ortsfrequenz am niedrigsten, aber der Kontrast hoch. Anschließend ermittelt die Software für immer engere "Messkreise" ebenfalls die Ergebnisse: So wie die auszuwertenden Kreise kleiner werden, steigt die Frequenz des Sinus (Ortsfrequenz) und die Amplitude (Kontrast) sinkt je nach Objektivqualität schneller oder langsamer. Was sich in der Theorie einfach anhört, ist in der Praxis deutlich komplexer: Rauschen überlagert kleine Kontraste, Verzeichnung macht aus runden Sternen Ellipsen und natürlich müssen Belichtung und Fokus optimal justiert sein.

image.jpg

© colorfoto

25 Sterne und TrendlinienDer augenfälligste Unterschied bei unserem neuen Test (Testversion 1.6) ist der Sprung von neun auf 25 Siemenssterne. Damit rutschen die Sterne weiter in die Ecken und können einen größeren Anteil des Bildfelds abdecken. Lag die Mitte des Ecksterns bislang bei 70 Prozent des Bildfeldradius sind es jetzt 79 Prozent. Die Grenze des  Auflösungsdiagramms entspricht jetzt in etwa den horizontalen Bildrändern. Dank der 25 Sterne erhalten wir zudem Ergebnisse für insgesamt neun verschiedene Entfernungen von der Bildmitte, statt bisher für drei.

Dies wäre in der bisherigen Darstellung mit Einzelkurven je Stern undurchschaubar. In der Vergangenheit (bis Testversion 1.5) - und bei Kompaktkameras auch weiterhin - tragen wir für jeden Stern die Kontrastwerte der außen groben und in der Sternmitte immer feineren Strukturen in eine Kurve ein und orten so jeder Ortsfrequenz (Auflösung) einen Kontrast zu. Dabei fassen wir Sterne auf gleichem Bildfeldradius zusammen. Nun stellen wir den Verlauf  Grenzauflösung und Kontrastsumme in vier Trendlinien über die Bildhöhe (Distanz der Sterne von der Bildmitte) dar, die am linken Rand mit den Werten für die Bildmitte beginnen und nach rechts fast bis zur Bildecke verlaufen.

Die beiden Auflösungslinien geben für die Bildhöhen die jeweilige Grenzauflösung (linke Skala) an, bei der der Kontrast die 10-Prozent-Marke erreicht. Die orangene Linie nennt die Messwerte für die offene Blende, die rote Linie für zwei Blenden abgeblendet. Zu den Ecken fallen diese Linien ab, da alle Objektive in den Ecken eine geringere Auflösung erreichen als in der Bildmitte.Die beiden Kontrastlinien beziehen sich auf die rechte Scala (blau = offen und grün = abgeblendet). Hier geht es um die Flächen unter den Kontrastkurven je Stern also je Bildhöhe: Wenn eine Kontrastkurve schnell abfällt, messen wir bei der Fläche einen kleinen Wert und die Kontrastlinie verläuft niedrig. Fällt eine Kontrastkurve dagegen langsam ab, ist der Wert auch bei gleicher Auflösung höher und das Bild besser da kontrastreicher.

Grundsätzlich berechnen wir die Trendlinien so, dass die Summe der Abweichung von den einzelnen Messwerten minimal wird.  Die Einzelergebnisse sind als Quadrate im Diagramm zu sehen - je näher die zusammen liegen, umso besser ist die Zentrierung des Objektivs. Wenn die Quadrate bei einer Bildfeldhöhe stark streuen, liefern Sterne in gleichem Abstand zur Bildmitte unterschiedliche Ergebnisse, und das Objektiv ist schlecht gefertigt oder beschädigt. Gerade bei Zooms mit großen Brennweitenbereichen sind deutliche Differenzen jedoch üblich.

Mehr zum Thema

Test Sigma 2,8-4/17-70 mm DC OS HSM Macro (C)
Objektiv im Test

Das Sigma 2,8-4/17-70 mm DC OS HSM Macro (C) bietet sich im Test an der Canon EOS 7D als guter Ersatz für die meisten Kit-Objektive an.
Test Sigma EX 2,8/30 mm DN
Objektiv im Test

Klein, leicht und günstig: Wir testen die Standardbrennweite Sigma EX 2,8/30 mm DN im Labor an der Olympus OM-D E-M5.
Test Sigma EX 2,8/30 mm DN
Objektiv im Test

Das Sigma EX 2,8/30 mm DN verdient sich im Test an der Sony NEX-7 eine Empfehlung.
Sigma 1,4/50 mm DG HSM (A) für Nikon
Objektiv im Test

Wir haben das Standardobjektiv Sigma 1,4/50 mm DG HSM (A) an Nikons D800 getestet.
Sigma EX 2,8/60 mm DN für Sony
Objektiv im Test

Das Sigma-Makro EX 2,8/60 mm DN haben wir im Testlabor an der Sony NEX-7 geprüft.