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Soundbar

Sennheiser Ambeo Soundbar im Test

Mit der Sennheiser Ambeo Soundbar wagt sich der Hi-Fi-Spezialist auf neues Terrain. Wie gut gelingt das Debut? Hier unser Labor-Test.

Sennheiser Ambeo Soundbar

© Sennheiser

Die Sennheiser Ambeo Soundbar ist zum Preis von 2.500 Euro (UVP) im Handel erhältlich.

Pro

  • Hoher Maximalpegel und beeindruckender Tiefgang
  • extrem gute 3D-Wiedergabe

Contra

  • Hohes Gewicht
  • relativ wuchtige Erscheinung

Fazit

Testurteil: sehr gut; Preis/Leistung: sehr gut
83,0%

Das war ein Paukenschlag! Als Sennheiser auf der IFA 2018 offiziell die erste eigene Soundbar vorstellte - die Sennheiser Ambeo Soundbar. Damit machte der deutsche Kopfhörerspezialist auch klar, dass er bereit ist, sein angestammtes Betätigungsfeld im Heimbereich zu verlassen und sich auf neue Gebiete vorzuwagen. 

Schon seit längerer Zeit verfolgt das Unternehmen im Rahmen des Ambeo-Programms eine umfassende 3D-Audio-Strategie und stellte bereits verschiedene Lösungen für die Aufnahme und Wiedergabe von dreidimensionalen Klangkulissen vor. Der aktuelle Hype um die 3D-tauglichen Tonformate Dolby Atmos und DTS:X kam da sehr gelegen. 

Mit einer Soundbar hatte sich Sennheiser allerdings keine leichte Aufgabe ausgesucht, auch wenn die hohe Schlagzahl der großen Elektronikkonzerne aus Asien in diesem Bereich manchmal etwas anderes suggeriert.

Subwoofer-Satelliten-System

Der typische Wunsch nach einem schlanken Soundsystem, das die flachen Fernseher zu Hause möglichst unauffällig ergänzt, steht im direkten Widerspruch zu den akustischen Anforderungen, die für eine hohe Klangqualität erfüllt werden müssen. Für satten Bass und hohe Pegel ist ein gewisses Maß an Membranfläche und Gehäusevolumen vonnöten, für eine überzeugende räumliche Abbildung ist außerdem eine ausreichend breite Stereobasis wichtig. 

Als Kompromiss werden Soundbars daher oft als Subwoofer-Satelliten-System ausgelegt, bei denen ein separater Basslautsprecher nicht nur die Tieftoneffekte, sondern den kompletten Bassbereich für alle Kanäle übernimmt. Dadurch lassen sich sowohl die optischen als auch die akustischen Vorgaben leichter erfüllen. 

Während der Subwoofer die notwendigen Dimensionen für eine angemessene Basswiedergabe vorhält, kann die Haupteinheit, die sich direkt im Blickfeld des Hörers befindet, entsprechend kleiner ausgelegt werden. Die meistens nicht besonders ansehnlichen Basskisten lassen sich dagegen leicht verstecken, da tieffrequenter Schall nur schwer zu orten ist.

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Sennheiser entschied sich allerdings dafür, auf einen separaten Subwoofer zu verzichten und die Ambeo Soundbar stattdessen als Komplettsystem auszulegen. Da aber die Klangqualität nicht leiden sollte, ist am Ende ein stattliches Soundsystem entstanden, das alleine wegen seiner imponierenden Abmessungen auf eine unbändige Klanggewalt schließen lässt. Dabei ist es weniger die Breite von 126 cm, die für diesen überwältigenden Eindruck sorgt und mindestens einen 65-Zöller als adäquaten Spielpartner erfordert. 

Auch die Atmos-Flaggschiffe der Konkurrenz sind mittlerweile ähnlich ausladend ausgelegt, sodass sie genau wie die Ambeo-Soundbar eine akzeptable Stereobasis aufspannen. Mit einer Höhe von mehr als 12 cm, einer Tiefe von mehr als 17 cm und einem Gewicht von rund 20 kg übertrifft Sennheiser die Soundbarsysteme anderer Hersteller aber deutlich. Dafür muss man sich mit der wuchtigen Ambeo-Soundbar keine Gedanken mehr um den zusätzlichen Subwoofer machen. 

Sennheiser Ambeo Soundbar

© Sennheiser

Insgesamt 13 Schallwandler mit respektablem Durchmesser sind in der Ambeo Soundbar verbaut.

Hinter der abnehmbaren Stoffbespannung der Sennheiser Ambeo Soundbar zeichnen sich auf der Front neun gleichmäßig verteilte, kreisrunde Schallauslässe ab. Darin verbergen sich sechs zu je drei Pärchen gekoppelte 4-Zoll-Langhub-Chassis mit Zellulose-Verbundmembran, die Sennheiser selbst entwickelt hat, plus drei Hochtöner mit trichterförmiger Schallführung und einer 1-Zoll-Kalotte aus Aluminium, die durch ein zusätzliches Metallgitter geschützt ist. 

Ergänzt werden die neun Chassis auf der Front durch zwei weitere, seitlich eingelassene Hochtöner, die für die Surroundeffekte sorgen, sowie zweischräg nach oben abstrahlende 3,5-Zoll-Breitbandtreiber, die für die Höhenkanäle zuständig sind. In Summe hat Sennheiser damit in dem nicht gerade kleinen, aber dennoch eleganten Gehäuse die stolze Anzahl von 13 Schallwandlern untergebracht, die darüber hinaus auch noch einen relativ großem Membrandurchmesser aufweisen. 

Angetrieben wird diese Chassis-Armada von einem Class-D-Verstärker, der eine Spitzenleistung von bis zu 500 Watt mobilisieren kann. Mit einer derart schweren Bestückung gab es für die Ambeo-Soundbar auch keinen Grund, sich vor unserem Prüfstand zu fürchten. Im Messlabor kam sie auf eine untere Grenzfrequenz von 33 Hz, und das, wohlgemerkt, ohne Subwoofer. Solche Werte schaffen selbst ausgewachsene Standboxen nicht immer. 

Noch imposanter ist der rekordverdächtige Maximalpegel, der weit über 100 dB liegt und damit eindrücklich untermauert, welche Leistungsreserven in dieser Soundbar tatsächlich stecken. Auch wenn sie am Ende deutlich größer ausfällt als andere Modelle, hat Sennheiser aus unserer Sicht hier einen wirklich guten Kompromiss zwischen den akustisch notwendigen, aber optisch noch vertretbaren Dimensionen gefunden.

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Raumklang

Die akustische Leistungsfähigkeit, die sich an Eckdaten wie Tiefgang und Maximalpegel einschätzen lässt, bildet allerdings nur die Basis für eine hohe Wiedergabequalität. Entscheidend ist am Ende die klangliche Feinabstimmung der Chassis, die für einen überzeugenden Raumklang sorgen muss. 

Sennheiser setzt dabei auf ein Verfahren, das mit Hilfe von Wand- und Deckenreflexionen Surround- und Höhenkanäle simuliert und so ein virtuelles 5.1.4-Set erzeugt, das einenaußergewöhnlichen 3D-Sound liefern soll. Entwickelt wurde es in Kooperation mit den Audioexperten vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen, das unter anderem auch für seine maßgeblichen Forschungsbeiträge zum MP3-Verfahren bekannt ist. 

Dank dieser Zusammenarbeit unterstützt die Ambeo Soundbar neben Dolby Atmos und DTS:X auch das ebenfalls objektbasierte Audioformat MPEG-H, das vom Fraunhofer Institut speziell für die Integration in Rundfunk- und Streaming-Infrastrukturen konzipiert wurde .Es liegt auf der Hand, dass bei einer solchen Simulation die Beschaffenheit des Raums eine wichtige Rolle spielt. Für eine stimmige Wiedergabe sollte der Schall aus den einzelnen Kanälen genau wie bei einem realen Lautsprecher-Setup gleichzeitig am Hörplatz eintreffen. 

Die Laufzeit des reflektierten Schalls hängt jedoch davon ab, wie groß der Abstand von der Soundbar zu den Seitenwänden und zur Decke ist, und muss eigentlich kompensiert werden. Das berücksichtigt aber nicht jeder Hersteller. Viele Soundbars, die mit ähnlichen Verfahren arbeiten, sind oft nur auf eine Standardsituation mit typischen Wand- und Deckenabständen abgestimmt, fortschrittlichere Systeme erlauben zumindest eine grobe Angabe der Distanzen im Konfigurationsmenü. Sennheiser stattete die Ambeo Soundbar dagegen sogar mit einer Einmessfunktion aus, durch die sich das System präzise an individuelle Gegebenheiten anpassen kann.

Raumkalibrierung und Klangprogramme

Um so aufwendige Funktionen wie eine Raumkalibrierung mit hoher Genauigkeit und geringer Latenz umsetzen zu können, verfügt die Ambeo Soundbar über jede Menge Rechenleistung. Ein ARM Cortex-A7 Prozessor mit Doppelkern und einer Taktfrequenzvon 1,2 GHz sowie zwei SHARC Signalprozessoren der neuesten Generation kümmern sich sowohl um die digitale Verarbeitung der Eingangssignale als auch um die gesamte Steuerung des Systems.

Sennheiser Fernbedienung

© Sennheiser

Die Fernbedienung ermöglicht einen schnellen Zugriff auf alle Funktionen.

Das wird vorallem dann spürbar, wenn man entweder mit der beiliegenden Fernbedienung oder mit der Sennheiser Smart Control App auf dem Smartphone schnell zwischen den einzelnen Klangprogrammen wechselt. Wie andere Soundbars auch bietet das Sennheiser-System neben einem neutralen Modus insgesamt vier weitere Soundprofile, die für verschiedene Wiedergabeszenarien wie Filmton, Musik, Nachrichten und Sportübertragungen optimiert sind.

Für jedes Soundprogramm lässt sich darüber hinaus noch stufenweise festlegen, wie stark der Ambeo-Effekt, der für eine wirklich beeindruckende Räumlichkeit sorgt, wirken soll. 

Sennheiser Smart Control

© Sennheiser

Mit der Sennheiser Smart Control App lässt sich die Soundbar auch per Smartphone fernsteuern. Außerdem bietet sie Zugriff auf zusätzliche Funktionen wie den Equalizer.

Das beleuchtete Ambeo-Logo rechts unten auf der Front zeigt dabei an, ob der Effekt aktiviert ist. Global lässt sich das Gerät auch in einen Nachtmodus versetzen, bei dem die Basswiedergabe reduziert wird, weil sich tiefe Frequenzen innerhalb von Gebäuden weiter ausbreiten und dadurch das Umfeld eher stören. In der App steht außerdem noch ein Vier-Band-Equalizer zur Verfügung, mit dem sich die tonale Balance der Wiedergabe grob nachjustieren lässt.

Hörtest

Schon lange vor dem Hörtest schürt ein so faszinierendes Projekt wie die Ambeo-Soundbar hohe Erwartungen. Trotzdem überraschte es uns, wie gut das System tatsächlich funktioniert.

Im Hörraum legte es mit einer Dynamik los, die wir trotz der beachtlichen Ausmaße so nicht erwartet hätten. Was hier an purer Energie mobilisiert wurde, war speziell im Bass schlichtweg unglaublich. Die Ambeo-Technologie sorgte zudem für einen frappierenden 3D-Effekt, der nicht nur bei Atmos-Wiedergabe schwer beeindruckte, sondern bereits bei simpler Stereowiedergabe eine enorm breite Klangbühne erzeugte. 

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Nachdem uns die Soundbar mit ihrer faszinierenden Klangqualität lange in den Bann gezogen hatte, musste sie am Ende aber noch mit kanalindividuellen Testtönen beweisen, was wirklich in ihr steckt. Und auch hier enttäuschte sie uns nicht. Zwar tendierten auch bei ihr die Rückkanäle etwas nach vorne, was sich jedoch kaum verhindern lässt. Die Frontkanäle und auch die virtuellen Höhenlautsprecher konnte sie jedoch erstaunlich exakt platzieren.

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Fazit

Mit der Ambeo Soundbar ist Sennheiser ein Husarenstück gelungen. Für ein Komplettsystem ohne Subwoofer liefert sie eine Klangqualität, die weit über der anderer Modelle liegt, und erreicht mit ihren imposanten Abmessungen beeindruckende Werte bei Tiefgang und Maximalpegel. Außerdem zählt der Ambeo-Effekt zweifellos zu den besten Virtualisierungstechnologien, die bei Soundbars bislang realisiert wurden.

Die Ambeo Soundbar ist im Handel oder direkt im Sennheiser Online Shop zum Preis von 2.499 Euro UVP erhältlich.

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