Die Kunst des perfekten Bildes

Samsung Q9 (2018) im Test: Überzeugt die Ausstattung?

6.6.2018 von Roland Seibt

ca. 4:55 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
  1. Samsung Q9 (2018) im Test: Ein Gesamtkunstwerk?
  2. Samsung Q9 (2018) im Test: Überzeugt die Ausstattung?
  3. Samsung Q9 (2018) im Test: Weitere Features und Fazit

Wir haben das Betriebssystem Tizen, erwähnt, jedoch nicht nicht verraten, wie es die Steuerung des TVs beeinflusst. Samsung ist ja den mutigen Weg gegangen, die klassische Fernbedienung vieler Direkttasten, beispielsweise der Zehnertastatur, zu berauben. Im Austausch dafür wurden die Tasten intelligenter und jede Menge Funktionen in extrem schnell reagierende Bildschirmmenüs verlagert. So bekommen die Wippen für Lautstärke und Programmwahl Sonderfunktionen, wenn man sie kurz oder lange drückt. Das Haupmenü erscheint dezent am unteren Bildrand und bietet dort Quellen, Apps und Funktionen an, die sich schnell konfigurieren lassen.

Hauptmenü
Das Hauptmenü: Übersichtlich und schnell wie eh und je klappt die Bedienung des Samsung sehr intuitiv. Über jedem Menüpunkt der unteren Reihe erscheinen sofort passende auswählbare Inhalte.
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Hauptmenü
Der Store der Tizen-Apps ist gut sortiert und wie eigentlich alles hübsch aufbereitet. Von Videotheken über Informationsportale bis hin zum Gaming kann sich jeder interaktiv austoben.
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Wird ein Eintrag angefahren, erscheinen sofort dazugehörige Inhalte in der darüber liegenden Zeile, die schnell aktiviert werden können. Das kennen wir bereits aus dem letzten Jahr, doch aktuell kommt uns der Quadcore-Prozessor noch etwas flüssiger im Handling vor. Das Durchscrollen von Senderlisten geht viel schneller, als man lesen kann, doch stoppt der TV bei beliebten Stationen. Neu ist die Integration des TVs in die Welt von „Smart Things“. Samsung hatte diese Connected Home Technologie akquiriert, will sie aber quelloffen lassen, sodass alle Hersteller vom Internet der Dinge kompatibel sein dürfen. Von Kühlschrank über Waschmaschine, Saugroboter, Lampen, Heizung, Türkamera, Schloss und Herd bis hin zu Audioequipment soll alles miteinander kommunizieren und Befehle beziehungsweise Informationen austauschen. Das Handy steht im Mittelpunkt der Steuerung, doch auch der TV spielt hier eine wichtige Rolle. Mal schauen, wo sich diese vielen Möglichkeiten hin entwickeln. Neben Samsungs weißer Ware sind schon die beliebten Hue-Lampen, und beispielsweise Soundprodukte von Bose und Sonos verfügbar.

Sprachbefehl
Samsung hat bereits sehr viele Sprachbefehle integriert und erläutert dies ausführlich in Hilfemenüs. Wird der Assistent Bixby Ende des Jahres übersetzt, könnte viel Allgemeinwissen hinzukommen.
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Auch stark aufgerüstet hat Samsung bei der Sprachsteuerung und Suche nach Inhalten. Es sind sehr viele Befehle zur TV-Kontrolle verfügbar, die auch ordentlich verstanden werden. Das Mikrofon befindet sich in der Fernbedienung, zur Aktivierung muss man eine Taste drücken. Deutlich mehr Intelligenz soll das System bekommen, wenn Samsungs privater Assistent Bixby erst mal komplett eingedeutscht und freigeschaltet ist. Das soll Ende des Jahres passieren. Hier zeigt sich allerdings ein kleiner Nachteil von Samsungs Alleingängen. Eine Kompatibilität zu Amazons Alexa, Apples Homekit oder dem Google  Assistant soll nicht vorgesehen sein.

Kunst im Besonderen

Jetzt haben wir ausgiebig über das umwerfende Gesamtkonzept der neuen QLED-TVs gesprochen – Design, Funktionsvielfalt und Handling gelobt, ohne auf des Pudels Kern zu kommen, für den sich die meisten Menschen das neue TV-Gerät überhaupt kaufen: eine herausragende Bild- und Tonqualität. Hier hatte sich Samsung als Innovator hervorgetan, der als einer der ersten High-Dynamic-Range umsetzte und potenziell schwache Masterings durch den HDR+Modus auffrischte. Superlative wie das brillanteste Display oder den größten Kontrast gab man allerdings an Sony und Panasonic ab, als man sich auf die Rand-Dimmung beschränkte. Hohe Lichtstärken gab Samsung trotzdem nicht auf, konnte sie aber aufgrund von Wärmeproblemen nur kurze Zeit aufrechterhalten.

Zudem lieferte der 2017er Q9 mit die schlechtesten Messwerte für Ausleuchtung, die wir jemals erfassten. Diese bittere Pille hatte Samsung schlucken müssen, schießt jetzt aber umso erfolgreicher aus vollen Rohren zurück. Aus den 16 Leuchtdioden, die damals jeweils im oberen und unteren Rahmen steckten, ist laut unseren Testbeobachtungen eine Matrix von schätzungsweise 30x16 geworden, also Unmengen mehr. Und natürlich werden sie deutlich weniger warm, wenn man die Lichtleistung auf so viele verteilt. Somit können sie die Maximalhelligkeit länger halten. Besser noch: Sie dürfen erheblich mehr Ausgangsbrillanz produzieren, die dann in einer extrem dunklen Kontrastscheibe wieder gemindert wird.

 Resultat ist neben dem etwas gehobenen Stromverbrauch ein erheblich verbesserter Schwarzwert. Und der ist enorm wichtig, wenn man in Konkurrenz zu den aktuellen OLED-TVs treten möchte. „UltraBlack-Elite“ nennt Samsung die neue Scheibe, die Außenlicht stärker absorbiert denn je und durch eine phasenoptimierte Polarisationsschicht innere Reflexionen mindert, vor allem nach der Seite. Das dämpft die Spiegelungen von Raumlicht (z. B. Fenstern) sichtbar effizient ab und verbessert das Schwarz aus seitlichem Blickwinkel – der größte Kritikpunkt an den VA-LCD-Panels. Tatsächlich ist die seitliche Farbstabilität  deutlich besser als von anderen Geräten mit dieser Technik. Normalerweise können wir aus spitzem Winkel leicht die Effekte von Dimmzonen beobachten, weil dorthin Fehllicht austritt, das als Aufhellung um helle Objekte erscheint.

Samsung hat die Halo-Effekte so gut im Griff, dass die Anzahl an Dimmzonen auch in dieser extremen Testsituation mit speziell dafür entworfenen Sequenzen kaum erkennbar ist. Der neue Q9 liefert den höchsten Kontrastumfang, den wir bislang bei einem LCD-Gerät messen konnten. Und das, ohne großartige Nachteile wie Bildpumpen, Lichtkränze oder Ausleuchtungsschwächen zu zeigen. Der Trick ist die Kombination des physikalischen Dimmens mit dem Ausgleich durch die neue Bildelektronic „Q-Engine“, die ihrerseits lokale Kontraste optimiert, Banding wegrechnet und Farben nachzeichnet. Vor allem bei HDR-Material, das mit fast 2000 Nits regelrecht knallt und mit 80 % Maximalfarbraum bunter als jemals zuvor erscheint, ist die Bildqualität dieses neuen Samsungs ein wahrhaft atemberaubendes Fest der Sinne.

Perfekte Farben
QLEDs, also Quantum-Dot Nanokristalle, bringen Samsung die reinsten Farben der Branche – und das in allen Intensitäten.
© Samsung

Allein ein perfekter Blickwinkel bleibt OLED-Geräten jetzt noch als Panelvorteil erhalten. Auch bei der Aufbereitung klassischer bis mieser TVQuellen hatte sich Samsung in den letzten Jahren viele Lorbeeren verdient, durch die vollständige Automatisierung der vielen Bildverbesserer gute Ergebnisse sogar deutlich erleichtern können. Hier scheint sich zum letzten Jahr nicht viel weiter entwickelt zu haben. Die komplett neue Engine, die auf der CES vorgestellt wurde und die mit viel künstlicher Intelligenz gelehrt wurde, schlechte Quellen zu analysieren, scheint sich auf 8K-Konzepte zu vertagen. Kurz gesagt erscheinen Tunerbilder des Q9 im werksseitigen Standardmodus so flächig und wenig natürlich wie früher – in „Kino“ deutlich neutraler, aber ohne den gewissen Kick. Das ist sehr gut, aber nicht perfekt.

Seine Stärken zeigt der Q9 bei der sehr normgerechten, brillanten und detailgetreuen Wiedergabe von Blu-rays, brillieren kann er wie gesagt bei UHD mit HDR. Samsung hat ja das HDR10+ Konsortium gegründet, um dynamische Metadaten ohne Lizenzzahlungen an Dolby zu gewährleisten. Neben Panasonic und Philips sind Warner, Fox und Amazon mit von der Partie, das Format ist nun auch optional auf  Ultra-HD Blu-ray erlaubt. Auch wir haben uns an den ersten Testbildern in HDR10+ versucht, jedoch zeigte noch kein TV-Gerät eine Reaktion auf unsere Metadaten. Wie sich das Format etablieren wird, ist nur schwer zu sagen. Samsung hat ja auch viel Erfahrung, jegliches Material – auch und vor allem HDR – aufzupimpen und ihm mehr Kontrast und kräftig natürliche Farben zu verleihen. In diesem Q9 sind wieder alle Optionen enthalten, wie natürlich auch der von Sendern präferierte Standard HLG. Abschließend sei noch der nach unten strahlende aber angenehm neutrale Sound der vier Lautsprecherchassis plus zwei Wooferchen erwähnt. Mit insgesamt 60 Watt spielt sich der Q9 wieder in die Oberklasse der TVs, zum HighEnd reicht es bei dieser Konfiguration nicht ganz. Für das Geld, das man im Vergleich zum Vorgänger Q9 spart bekommt man jedoch die passende Soundbar, die mehr als ordentlich klingt.

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