Digitale Fotografie - Test & Praxis
Systemkamera mit APS-C-Sensor

Ricoh GR III im Test: Kleine Kamera für große Fotos

33 mm flach, aber mit 24-Megapixel-APS-C-Sensor – kein Hersteller verpackt Systemkameratechnik dieses Formats so kompakt wie Ricoh. Horst Gottfried hat die dritte Generation der GR getestet.

Ricoh GR III im Test

© Ricoh

Ricoh GR III im Test: Kleine Kamera für große Fotos

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EUR 879,99

Pro

  • sehr kompakt
  • gut abgestimmte JPEGs

Contra

  • Blitz, Sucher und Wetterfestigkeit fehlen

Fazit

ColorFoto Testurteil: 55,5 Punkte (4 Punkte unter Durchschnitt); "Kauftipp kompakt"

Mit der GR baut Ricoh seit Jahren eine der attraktivsten Zweitkameras für Fotografen: In einem sehr kompakten und in der drittten Generation geringfügig kleineren Gehäuse kombiniert Ricoh eine lichtstarke Festbrennweite mit einem APS-C-Sensor. Da die Kamera das Objektiv beim Ausschalten einzieht, ist die GR III nur 33 mm flach. 

Die neue Generation bekommt nun einen aktuellen 24-Megapixel-Sensor statt des älteren 16-Megapixel-Sensors sowie einen Bildstabilisator – zum Preis von 900 Euro. Allerdings fehlt nun der ausklappbare Blitz. Einen Sucher bietet die GR III ebenso wenig wie die GR II. 

Wichtigstes Konkurrenzmodell ist die von uns getestete Fujifilm XF10 (hier unser Test): Die Sensor- und Objektivdaten sind fast gleich, allerdings versenkt die Fujifilm ihr Objektiv nicht und kommt so auf 61 mm Bautiefe – aber mit Blitz.

Ricoh GR III: Sensor und Objektiv

Wie in der Vorgängerin Ricoh GR II steckt in dem kleinen GR-III-Gehäuse ein 23,5 x 15,6 mm großer APS-C-Sensor. Die Auflösung des aktuellen GR-III-Sensors beträgt zeitgemäße 24 Megapixel. Er liefert neben Bildern im JPEG-Format auch Dateien im universellen DNG-RAW-Format mit einer Farbtiefe von 14 bit. Im Interesse bestmöglicher Feinzeichnung hat Ricoh in der GR III auf einen Tiefpassfilter vor dem Sensor verzichtet. 

Die nun entlang von drei Achsen bewegliche Lagerung des Sensors ermöglicht neben der Bildstabilisierung auch eine in zwei Stufen zuschaltbare Anti-Aliasing-Funktion. Diese übernimmt dann die Rolle des Tiefpassfilters gegen Moiré-Artefakte, indem sie mit Mikroschwingungen die nötige Unschärfe erzeugt. 

Das Objektiv passt zum „Point&Shoot“- Charakter der GR III. Auch wenn es unverändert die nominellen Eckdaten 2,8/18,3 mm (28 mm KB) aufweist, handelt es sich doch um eine auf die 24-Megapixel-Sensorauflösung abgestimmte Neukonstruktion. Sie besteht aus sechs Elementen in vier Gruppen mit neun Blendenlamellen für ein natürliches Bokeh. 

Die kleinste Blende ist f/16. Die kürzeste Entfernung von 6 cm steht für einen maximalen Abbildungsmaßstab von knapp 1:3. Beim Einschalten fährt das Objektiv etwa 1 cm weit aus dem Gehäuse, wobei sich zugleich die Lamellen öffnen, die das Objektiv bei ausgeschalteter Kamera schützen. Die kürzeste Zeit des sehr leisen Zentralverschlusses beträgt 1/4000 s für Blende f/5,6 und kleiner sowie 1/2500 s bei Blende f/2,8 und f/4. 

Ein Filtergewinde ist nicht vorhanden. Mit dem optionalen Adapter GA-1 können aber 49-mm-Filter oder die 21-mm-Superweitwinkelvorsatzlinse GW-4 (0,75x) verwendet werden. Von Haus aus bietet die GR III eine digitale Crop-Funktion. Besser macht man das aber später in Ruhe am Rechner.

Ricoh GR III im Test: Gehäuse & Sensor

© Ricoh / Montage: ColorFoto

Solide und stabil: Das Gehäuse aus Magnesium-Aluminium-Legierung macht die GR III robust, der beweglich gelagerte Sensor ermöglicht die Bildstabilisierung.

Autofokus und Belichtung

Die automatische Fokussierung übernimmt in der GR III jetzt ein neues Hybrid-AF-System, das Kontrast- und Phasendetektion kombiniert. Es arbeitet mit 25, als 5 x 5-Matrix über das Bildfeld verteilten Feldern. Dabei stehen automatische oder selektive AF-Feld-Wahl, Punktfokussierung, Tracking-AF oder kontinuierlicher AF zur Verfügung. 

Das manuelle Fokussieren ist mit Sucherlupe und Fokus-Peaking möglich. Eine Besonderheit ist eine Fixfokuseinstellung auf eine vordefinierbare Entfernung. Der normale Fokussierbereich beginnt bei 10 cm, mit der Makrofunktion reicht er von 6 bis 12 cm. Praktisch geht der AF der GR III treffsicher zu Werke. Die AF-Reaktionszeiten sind allerdings mit 0,4 bzw. 0,5 s minimal länger als bei der GR II mit 0,27 bzw. 0,29s. 

Wenn es besonders schnell gehen soll, lässt sich mit „Snap-Fokus“ eine feste Entfernung vorwählen. Das AF-System profitiert auch von der neuen Touchscreen-Funktion des Monitors durch schnelle Auswahlmöglichkeit des AF-Punktes, wahlweise ohne oder mit Touch-Auslösung. Die GR III zeichnet die Bilder im JPEG- oder im DNG/RAW-Format mit 14 bit auf. 

Mit der parallelen Aufzeichnung von JPEG+RAW ist man auf der sicheren Seite, zumal wenn man eine der zahlreichen „Image Control“-Funktionen mit zehn unterschiedlichen plus zwei frei definierbaren Filmlooks nutzen will. Dann hat man immer ein unverfälschtes Originalbild in Reserve. Dieses kann auf Wunsch auch schon in der Kamera nach dem persönlichen Geschmack entwickelt werden. 

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Für die Belichtungssteuerung stehen P-Shift, Tv, Av, S oder M zur Wahl. Die auf dem Wählrad fehlende TAv-Funktion der Vorgängerin lässt sich reproduzieren, indem man M und ISO-Auto kombiniert. Die Messung erfolgt mit Mittenbetonung, Mehrfeld- oder Spot-Charakteristik. Neu ist die Option „Spitzlichtbetont“ für den Spot-Modus. Mit einer normalen Spot-Messung und manueller Belichtungskorrektur nach Histogramm lässt sich aber zielgerichteter arbeiten.

Eine Dynamikbereichskorrektur ist für Lichter und Schatten getrennt aktivierbar [Auto/An/Aus]. Für die Schatten lässt sich [An] zusätzlich [schwach/mittel/stark] differenzieren. Auch die Belichtungsreihen-, Intervall- und Mehrfach-Belichtungsmessung sind möglich. Eine „Intervall-Kompositbild“- Funktion fasst die Veränderungen in hellen Bilddetails in einem Bild zusammen, z. B. bei Feuerwerksaufnahmen. 

Ein zuschaltbarer ND-Filter erlaubt um zwei Stufen längere Zeiten bei gleicher Blende. Mit Serienbelichtungsfolgen von maximal 3,5 B/s ist die GR III zwar keine Sportskanone, aber für die Street-Fotografie ist das mehr als ausreichend. Die Zahl der Bilder liegt bei 14 für RAW, JPEGs fotografiert die GR III in Serie, bis die Karte voll ist.

Ricoh GR III im Test: Rückseite mit Monitor

© Ricoh

Aufgeräumt: Die Bedienungselemente sind praxisgerecht platziert, fallen aber klein aus. Der LCD-Monitor ist fest integriert.

Ricoh GR III: Gehäuse und Display

Das mattschwarze Gehäuse der Ricoh GR III besteht aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung. Trotz seiner robusten Anmutung ist es leider nicht spritzwasserfest. Dank des nun besser ausgeformten Handgriffs mit griffiger Gummiarmierung liegt es sicher in der Hand. Mit Maßen von 62 x 110 x 33 mm und einem Gewicht von rund 250 g hat es sich praktisch nicht verändert. 

Auch der LCD-Monitor ist mit der Digonalen von 3 Zoll unverändert groß und fest integriert. Die Auflösung liegt mit nur noch 345 666 Bildpunkten aber unter der der GR II. Eine neue „Gapless“-Konstruktion ohne Zwischenraum zwischen gehärtetem Abdeckglas und LCD-Panel verbessert die Erkennbarkeit des Bilds. Die Helligkeit lässt sich zudem auch manuell um ±2 Stufen regulieren. Dennoch fehlt in sehr heller Umgebung ein LCD-Sucher als Alternative, wie ihn z. B. die ebenso kompakte Lumix GM5 (hier unser Test) bietet. 

Bei den von Ricoh als Zubehör angebotenen Aufstecksuchern für 28 mm oder 28+21 mm handelt es sich um reine optische Durchsichtsucher. Darüber hinaus vermissen wir den in der GR II noch eingebauten kleinen Blitz zum Aufhellen. Verbessert ist aber der Blitzschuh oben auf dem Kameragehäuse. Er ist kompatibel mit dem Pentax-Blitzsystem und erlaubt den Blitzeinsatz einzeln oder im Slave-Betrieb.

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Bedienung und Einstellungen

An der traditionell guten Ricoh-Bedienung hat sich auch bei der GR III nichts geändert. Ein zentrales Wählrad oben, Einstellräder rechts vorn und hinten sowie ein Wipptasten-Rändelrad mit zentraler OK-Taste geben dem Fotografen ein quasi „analoges“ Feeling und große Gestaltungsfreiheit. 

Hinzu kommen Display-, Menü- und konfigurierbare Fn-Tasten. Die Wählradpositionen U1, 2 und 3 dienen dem schnellen Aufruf vorgewählter und gespeicherter Einstellungs- und Funktionskombinationen. Eine Ricoh-Spezialität verbirgt sich hinter dem mit [ADJ/±] markierten Multifunktionsschalter oben rechts auf der Rückseite der GR III: Normalerweise dient er der Belichtungskorrektur. 

Nach Drücken erscheinen im Schnellzugriff die Einstelloptionen für Bildcharakter, Fokus, Belichtung, Dateiformat und Monitorhelligkeit über die Auf-/Ab-Tasten der Richtungswippe. Wer will, kann auch andere Funktionen in diesen Schnellzugriff legen. Auch die Struktur der umfangreichen Standardmenüs bleibt weitestgehend übersichtlich.

Wer sich mal mitten im Fotografieren wundert, dass der AF plötzlich keine Schärfe mehr findet, hat beim Hantieren versehentlich die Makrofunktion am Wipptastenrändelring aktiviert. Kritik muss sich auch die fummelige manuelle Fokussierung selbst gefallen lassen. Sie erfolgt sehr indirekt ebenfalls über den nur mit Fingerspitzen zu bedienenden schmalen Rändelring. Da dieser zugleich als Funktionswippe dient, sind störende Fehlaktivierungen programmiert.

Ricoh GR III im Test: Menü & Weißabgleich-Anpassung

© Screenshot & Montage: ColoFoto

RAW-Entwicklung (links): DNG-RAW-Daten können in der GR III entwickelt werden, z.B. Weißabgleich, Filmcharakter und Schattenkorrektur. Dynamik-Bereichskorrektur (rechts): Mit ihr ermöglicht die GR III eine differenziertere Wiedergabe von Lichter- und Schattendetails.

Sonstiges

Gespeichert werden die Bilder auf SD-Karten. Quasi als Reserve verfügt die GR III über einen internen Speicher mit circa 2 GB. Bilder daraus können auf SD-Karte überspielt werden. Die GR III erlaubt nicht nur, DNG-RAW-Dateien in JPEGs zu konvertieren, sondern auch die mit der Kamera aufgenommenen JPEGs lassen sich bearbeiten und als neue JPEG-Datei speichern. 

So kann man u. a. Lichter, Schatten und Weißabgleich sowie eventuelle Moiré-Effekte korrigieren. Diese internen Optimierungsmöglichkeiten dürften vor allem interessant sein, wenn die Fotos gleich aus der Kamera geteilt werden sollen. Das ist mit der „Image-Sync“-App möglich. 

Sie erlaubt die kabellose Bildübertragung per WLAN und darüber hinaus das Bedienen und Auslösen per Smartphone oder Tablet-PC. Über Bluetooth können auch GPS-Standortdaten per Smartphone mit den Aufnahmen synchronisiert werden.

Als Laufzeit für den neuen Akku DB-110 gibt Ricoh nur noch 200 Fotos an – gegenüber 290 bei der GR II. Das Laden erfolgt über den USB-C-Anschluss der GR III. Er dient auch der Datenübertragung. Wer Bilder direkt aus der GR III auf dem TV-Gerät betrachten will, benötigt den als Zubehör erhältlichen USB-C/HDMI-Adapter. 

4K-Video filmt die GR III aber leider nicht. Full-HD-Videos mit 1920 x 1080 Pixeln nimmt sie mit 60, 30 oder 24 B/s im MPEG4-Format bis maximal 25 Minuten oder 4 GB auf.

Ricoh GR III: Bildqualität

Bei der Bildqualität macht sich der neue Sensor mit deutlich gesteigerten Auflösungen von maximal 2075 LP/BH (ISO 100) bis 2014 LP/BH (ISO 3200) bemerkbar und lässt erst ab ISO 6400 mit 1794 LP/BH nach. Bei den Dead-Leaves, einem Maß für die Feinzeichnung, sehen wir den ersten stärkeren Rückgang bei ISO 1600. Dies gilt für hoch- und niedrigkontrastige Felder. 

Zudem fällt der hohe Wert bei ISO 200 für hochkontrastige Felder auf. Ricoh verstärkt Kanten relativ breitbandig und lässt etwas mehr Rauschen im Bild als mancher Konkurrent, was der Feinzeichnung und dem natürlichen Bildeindruck zugutekommt. Der VN-Wert für ISO 1600 beträgt so beispielsweise bereits 2,4, das ist sichtbar, aber besser als eine überzogene Entrauschung.

[Testsiegel] ColorFoto Kauftipp Kompakt

© ColorFoto / Weka Media Publishing GmbH

ColorFoto Kauftipp Kompakt

Fazit

Qualitativ spielt die Ricoh GR III in der Liga der kompakten Systemkameras. Dank 14bit-DNG-RAW lässt sich das Sensorpotenzial weitestgehend ausreizen. Aber auch die JPEGs hat Ricoh gut abgestimmt. Die Beschränkung auf die Festbrennweite ist systemimmanent. Dagegen stehen ein eingebauter Blitz, Sucher und Wetterfestigkeit auf unserer Wunschliste für eine GR IV. 

Die Bedien- und Menüstruktur ist praxisgerecht, auch wenn die der kompakten Bauweise geschuldeten kleinen Bedienungselemente für dicke Finger suboptimal sind. Anspruchsvolle Fotografen, die leicht und unauffällig unterwegs sein wollen, finden in der GR III eine ebenso handliche wie vielseitige Begleitung für „Immer-dabei“.

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