OLED-Fernseher

Philips 65OLED986 im Test

3.2.2022 von Roland Seibt

Philips ist ein Spezialist für Bildverarbeitung und hat mit Ambilight stets ein exklusives Ass im Ärmel. Mit dem 65OLED986 wird ein Spitzenmodell gepflegt, das durch erstklassige Verarbeitung und waschechten HiFi-Sound aus dem Hause B&W besticht.

ca. 5:35 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
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Mit dem Philips 65OLED986 wird der Fernsehabend zu einem Highlight.
© Philips

Pro

  • Ambilight
  • toller Klang mit B&W
  • HDR10+ und Dolby Vision
  • Dolby Atmos und DTS
  • DTS PlayFi
  • viele Optimierungsoptionen
  • Appvielfalt durch Android 10
  • Leder-Fernbedienung
  • noble Verarbeitung

Contra

  • Singletuner
  • Bedientiefe

Fazit

Das Video-Urteil: Überragend (921 von 1005 Punkten)


92,0%

Man spricht bei einer modernen Wohnzimmerunterhaltung ja immer öfter von „Erlebnisfaktor“ und „Immersion“. Statt wie früher mit Informationen, TV-Serien und Filmen bedudelt zu werden, soll es den Zuschauer jetzt in die Traumwelt hineinziehen, er muss von einer Faszination sondergleichen regelrecht umgehauen werden. Naja, man muss es ja nicht gleich übertreiben und den gemütlichen Kinoabend mit Chips und Bier in ein interaktives Schlachtfest verwandeln, aber die aktuelle TV-Technik steht für eine gehobene Qualität, die Bild- und Toninhalte realistischer in die gute Stube transportiert, als das jemals möglich war.

Dank HDR-Technologie ist ein großer Wohnzimmer-TV, was die Bildwiedergabe betrifft, den meisten Kinos qualitativ überlegen, beim Klang braucht es noch ein diskretes Atmos-Setup, um mit Lichtspielhäusern mithalten zu können. Hier hört aber bei den meisten Installationsplanungen der Spaß auf, und man beschränkt sich auf mageren TV-Sound, im besten Fall unterstützt durch eine kompakte Soundbar.

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Sieht gut aus und hat ein Mikrofon sowie einen Lederrücken. Die Beleuchtungsfunktion dieser Fernbedienung ist ebenfalls praktisch.
© Philips

Allerdings klingt integrierter TV-Klang durch die Sparmaßnahmen der letzten Jahre oft unerträglich plärrend oder hohl. Geschickte DSP-Algorithmen biegen die schlimmsten Fehler von Billigchassis erstaunlich gerade, doch das geht nie ohne Auswirkungen auf Phase, Impulsverhalten oder Dynamik. Und dann spürt man beim Zuhören, dass etwas falsch läuft.

Einfach mal richtig hochwertige Lautsprecher zu verwenden, das leistet sich kaum ein TV-Hersteller, weil das zum einen teuer ist und zum anderen Platz in Anspruch nimmt. In seinen Topmodellen der OLED-Fernseher geht Philips seit einiger Zeit den audiophilen Weg und suchte vor Jahren die Zusammenarbeit mit den angesehenen Audioentwicklern von Bowers & Wilkins. Die neuesten Früchte dieser Kooperation konnten wir jetzt im 65OLED986 genießen, dem anspruchsvollsten TV-Spross der Philips-Linien.

Schon beim Auspacken wird klar, dass es sich um einen ganz besonderen Fernseher handelt. So viel schweres, verchromtes und poliertes Metall bekommt man nur äußerst selten bei TV-Geräten in die Finger – wunderschön und wirklich edel.

Natürlich ist nicht das gesamte Display oder die Soundbar aus dem Vollen gefräst, doch ist der Anteil an natürlichen, hochwertigen Materialien hier besonders hoch. Den 986 gibt es nur in 65 Zoll, und er kommt mit einem massiven Standfuß und eben der besagten großen Soundbar von B&W, die es nicht einzeln zu kaufen gibt. Die Aufhängung an eine Wand ist möglich, da die stabile Standstrebe geteilt ist.

Einige Kabel können durch Abdeckungen am TV und Aussparungen im Fuß unauffällig nach hinten geführt werden. Die Soundbar wird über einen kleinen Mehrfachstecker mit dem TV-Chassis verbunden, und fertig ist das Hardware-Setup.

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Dann kommt Android 10 Beim ersten Einschalten erfolgt wie üblich das Setup von Betriebssystem, Netzwerk, Sendersuche und AV-Integration. Philips hatte sich vor Jahren dazu entschieden, auf den Android-Zug aufzuspringen und nun, nach einiger Optimierung, läuft das System reibungslos– inklusive Dutzender Erweiterungen, die Philips für die eigene Hardware programmiert hat. Laut AIDA64 setzt der 65OLED986 auf den Mediatek Chip 5895 (1,8 GHz Quadcore A73) und 3 GB RAM.

Von den von Philips propagierten 16 GB ROM waren nach einem Firmwareupdate und Installation aller unserer Lieblings-Apps nur noch schmale zwei Gigabyte frei (5 GB maximal verfügbar). Mit der Vielzahl an Apps kann Philips voll punkten. Sogar einige Dienste, die Android nicht nativ bereitstellt, werden als „Philips TV Collection“ integriert. Aktuelles Highlight ist die erste Umsetzung der HD+ Operator-App auf einem Androidgerät.

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In der „Philips TV Collection“ gibt es zusätzlich ein paar Schmankerl, die anderen Android-TVs vorenthalten bleiben.
© Screenshot und Montage: PC Magazin

Will man privates deutsches HDTV schauen, braucht man nun kein CI-Modul mehr, sondern installiert die App. Die läuft wie üblich ein halbes Jahr kostenfrei und bittet erst dann zur Kasse. Das Beste daran ist nicht die Decodierung, sondern, dass alle Bonusdienste von HD+ verfügbar sind, die man bisher nur von externen Set-Top-Boxen kannte. Darunter fallen Dinge wie Replay und ein sehr gut aufbereiteter Programmführer mit allerlei Suchfunktionen und Infos.

Die Funktionalität dieser Operator-App kannte man bisher von Panasonic und Samsung, sie wurde jetzt von Philips erstmals für Android portiert. Bei der Installation gelang die Integration des TVs in die Googleumgebung unseres Labors bekanntermaßen einfach. Kurz „Finde mein Gerät“ ins Handy gesprochen, werden mit wenigen Klicks der OLED-TV erkannt, WLAN-Zugang verraten, Accounts eingerichtet, AGBs abgenickt und Daten übernommen. Soweit nichts Neues.

Praktisch, dass man nun das gesamte Google-Universum inklusive potenter Sprachsteuerung, Chrome-Cast, Tausenden Apps, Bildschirmspiegelung (Miracast) bis hin zu Bluetoothsteuerung und Remote-Games zur Hand hat. Der TV reagiert rudimentär auf unseren Smartspeaker, doch das in der Fernbedienung integrierte Mikrofon wird von uns präferiert zur Suche nach Streaminginhalten und TV-Sendungen oder der Steuerung des SmartHome.

Wie eingangs angedeutet, ist der 65OLED986 die Modellpflege des 984, der vor zwei Jahren bei uns sogar noch besser abgeschnitten hatte. Das neue Gerät bietet bei niedrigerem Preis gehörige Vorteile, verzichtet jedoch auf den Doppeltuner, der in unserer Bewertung stark gewichtet wird.

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Das smarte Potenzial der Android-Welt ist gigantisch, der Hauptspeicher des Philips-TVs aber begrenzt. Jüngst kam die Funktionalität von HD+ hinzu.
© Screenshot und Montage: PC Magazin

Modellpflege

Auf dem neuesten Stand der Technik ist erst einmal das OLED-Panel, das eine erhöhte Brillanz bei vergleichbarem Farbraum bietet, und die HDMI-Chips. Zwei von vier Eingängen bieten die volle Bandbreite der Norm 2.1, respektive 48 Gbit/s FRL. Das verspricht 120 Hz@4K für Gamer, wobei die ersten Tests eine halbierte Zeilenauflösung zeigten, wie sie bei Sony und Panasonic vor den jeweiligen Firmwareupdates auch üblich waren. ALLM und VRR sind in Form von Freesync Premium eingebaut.

Harte Gamer mögen es natürlich kunterbunt, am besten in Neonfarben, und hier sei angemerkt, dass Ambilight den eingangs erwähnten Immersionsfaktor beim Gaming in massiver Weise verstärkt. Durch die hohe 4K-Auflösung sitzt man gern nah am Großbild-TV, hat also sowieso schon ein gigantisches Blickfeld. Wenn dann aber noch der gesamte Sichtbereich im dunklen Raum mit krassen Farbeffekten zugeflutet wird, dann kommt richtig Freude auf, und man verliert schnell den Bezug zur Realität.

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Der 65OLED896 überzeugt besonders durch die HiFi-Soundbar von B&W.
© Philips

Hier ist echt etwas Vorsicht geboten. Jeder kann sich das vierseitige Ambilight dieses TVs so einstellen, dass es durchweg positive Effekte für die Gefühlswelt liefert. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Bildqualität von Filmen und TV-Sendungen. Philips ist mittlerweile bekannt dafür, dass nicht nur ein Filmmodus korrekt voreingestellt ist. Wo bei Mitbewerbern die anderen Werkseinstellungen absolut inakzeptabel erscheinen, arbeitet Philips in „Standard“ oder „Lebhaft“ einige Vorteile bei gewissen Inhalten heraus. Wir wollen natürlich schauen wie ein „Filmmaker“ , führen direkt eine isf-Kalibration durch oder probieren die Anbindung an unser Farbmesssystem Calman aus, die jetzt gegeben ist.

Wer sich auskennt, kann Dynamikfunktionen, Farbanpassungen und Bewegungskompensation gern und gut an das jeweilige Filmmaterial anpassen. Philips nennt die neueste Variante seines Bildprozessors „P5 Dual Picture Engine mit KI“. Durch die Eigenentwicklung kann sich die Marke bei Bildabstimmung, Fehlerkorrektur und Feintuning von der Konkurrenz absetzen.

In einem Demomenü mit DualScreen sieht man schön, wie Attribute des Quellmaterials analysiert und die passenden Verbesserungen abgestimmt werden. Es gibt insgesamt wirklich Unmengen von Optionen, die einen wochenlang unterhalten können, nur verliert man sich schnell im unwegsamen Menüdickicht bei der Suche nach den richtigen Einträgen.

Das Sahnehäubchen

Ein gutes Bild – zwar nicht ganz so brillant – hatten wir auch schon vor einigen Wochen dem kleinen und deutlich preisgünstigeren Bruder In der „Philips TV Collection“ gibt es zusätzlich ein paar Schmankerl, die anderen Android-TVs vorenthalten bleiben attestiert. Auch das vierseitige Ambilight mit allen Extras hatte er an Bord. Wo er aber nur mäßig durchschnittlich bewertet wurde, kann der 986 voll punkten.

Einerseits ist die Verarbeitung des Metallständers einzigartig hochwertig, andererseits dringt die B&W-Soundbar in klangliche Sphären vor, die kein anderer Fernseher ohne Zusatzhardware bietet. Naja, eigentlich ist sie fast ein Addon, aber hier eben immer dabei und ohne Wenn und Aber audiophil und dabei musikalischer als filmisch spektakulär ins System integriert.

Fazit

Für Menschen mit besonderen Ansprüchen ist der Philips 65OLED986 der faszinierendste TV des Jahres.

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