OLED-Fernseher

Philips 65OLED806 im Test

24.11.2021 von Roland Seibt

Um herauszuragen, muss ein TV-Hersteller alles Entscheidende makellos umsetzen, sich aber auch neue Features ausdenken, die überzeugen. Philips hat hier einige Asse im Ärmel.

ca. 5:20 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
Philips-65OLED806-im-Test
Philips erzielt ultimative Kompaktheit durch Verzicht auf ein Firmenlogo am Panelrahmen. Es ziert dezent den Fuß.
© Philips

Pro

  • 4-seitiges Ambilight
  • knackiges OLED-Bild
  • DolbyVision und HDR10+
  • HDMI 2.1 für Gaming
  • Mimi Soundoptimierung
  • isf- und Calman-ready
  • dts-HD und Dolby Atmos-kompatibel

Contra

  • Einstellungen tief im Menü versteckt

Fazit

Video-Testurteil: Überragend (907 von 1005 Punkten); Video "Highlight"


90,0%

Auch bei Philips stellen OLED-Fernseher die hochwertigsten Modelle dar. Dabei bezeichnet der Hersteller die 900er Modelle die eine fast verschwenderische Verarbeitungsqualität genießen und echte Lautsprecher von Bowers & Wilkens zur Klangerzeugung nutzen, sogar als „OLED+“. Darunter gibt es die 700er als Einstiegsvariante sowie mehrere 800er wie den hier getesteten 65OLED806. Die hintere 6 steht für das Produktjahr 2021. Neben dem 806er gibt es einen 856, dessen mächtigstes Unterscheidungsmerkmal der zentrale Standfuß ist, der laut Philips’ Website aber auch die Gaming-VRR-Funktion Freesync Premium Pro (HDR) bieten soll, wo unser 806 nur „Premium“ kann.

Ein 876 getauftes Modell soll zusätzlich eine duale Bildverarbeitungsengine bekommen. In den meisten anderen Aspekten rund um Ausstattung und Bildqualität sind sich all diese Modelle sehr ähnlich, ein entscheidendes Merkmal hat der 806 seinen Brüdern jedoch voraus: es gibt ihn auch in 77 Zoll (und 48”). Wir testen die beliebte Größe 65 Zoll (165 cm Bilddiagonale), bei der das Gerät bereits mit 3000 Euro zu Buche schlägt. Im Handel wird es aktuell ab 2200 Euro gesichtet, was es auch aufgrund seiner ganz besonderen Ausstattung äußerst interessant macht.

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Fernbedienung des Philips 65OLED806

Gleich in mehrfacher Hinsicht zeigt sich Philips dieses Jahr noch stärker denn je bemüht um ein möglichst attraktives Ambiente im Wohnzimmer, das durch den TV gestärkt wird. Das fängt an bei den letzten verbliebenen Designelementen Standfuß und Fernbedienung. Erstere sind massiv gefertigt und belegen den Hang zum Minimalismus, also Konzentration auf das Bild.

Der Handsender ist ebenfalls optisch sehr gefällig, jedoch lassen sich seine Drücker im Dunkeln kaum haptisch differenzieren. Gut, dass er beleuchtet ist. Besonders griffig wird er durch die Ausführung seiner Rückseite in noblem Muirhead- Echtleder. Die Integration eines Mikrofons ist zur Sprachsuche unabdingbar, doch hört diese netterweise nicht ständig mit, sondern muss über einen Tastendruck aktiviert werden.

Philips-65OLED806-FB
Die edle Fernbedienung besitzt ein Mikro sowie einen Lederrücken. Ihre Beleuchtung wird gern genutzt werden.
© Philips

Das Ambilight OLED Fernsehers

Das Ambiente wird nun nicht nur durch einen Lichtsensor besonders intelligent bei der Bilderzeugung berücksichtigt, wodurch im hellen Raum weniger Details nahe Schwarz versumpfen und im Dunkeln die OLED-Spitzen augenschonender brillieren. Der Philips-TV selbst prägt ja den Raum entscheidend durch sein Ambilight – LEDs am Rücken, die mit faszinierenden Lichtspielen die Wand hinter dem TV in des Filmszenario eintauchen lassen – und nun sogar Weckfunktionen, Surroundlicht (mit Hue- Lampen), Lichtorgeln, Nationalfahnen oder Referenzlicht darstellen können.

Bedienung des Philips 65oled806

Für das enthaltene Betriebssystem Android 10 zeichnet der mächtige Gigant Google verantwortlich, und dessen Neigung zum Datensammeln wird ja oft genug kritisiert. Allerdings muss man beispielsweise schon einen Einblick in die eigenen TV-Seh- und Streaming-Gewohnheiten erlauben, wenn man wünscht, vom automatischen Assistenten persönlich zugeschnittene Inhalte vorgeschlagen zu bekommen.

Das Heranführen an personalisierte Inhalte wird in Zukunft immer stärker der Schlüssel für einen erfolgreichen Fernsehabend sein, denn statt wie in den Anfängen nur drei TV-Stationen gibt es jetzt Abertausende, ja Millionen von VoD-Schnipseln, die darauf warten, konsumiert zu werden. Eine anbieterübergreifende Empfehlungsfunktion steckt bei allen Herstellern noch in den Kinderschuhen, doch alle arbeiten daran, und Google hat mit allem Wissen über individuelle Suchvorlieben gute Chancen. Vielleicht hat Philips mit Android-TV also auf das richtige Pferd gesetzt. Gut, dass dies bereits schon vor vielen Jahren passierte, denn von den Glitches und Abstürzen der frühen Entwicklungszeit ist nichts mehr übrig.

Philips-65OLED806-Rand
Der Rahmen rund um das OLED-Bild ist wie gehabt zierlich. Alle Seiten werden jetzt vom Ambilight umstrahlt.
© Philips

Kein anderer Hersteller hat mehr Funktionen rund um TV-Empfang und Medienkomfort in Android sauber und zuverlässig implementiert. Aktuell läuft das System auf einer Quadcore A73 1,8 GHz-Architektur (MT5895) mit 3GB Ram und laut Philips 16 GB Flash, von denen uns nur 5 GB frei zur Verfügung standen. Schlimm, dass solche Hardwarespezifikationen heutzutage bei der Bewertung eines TV-Gerätes überhaupt erfasst werden müssen. Es gibt ganz andere Faktoren, die die Spreu vom Weizen trennen.

Licht und Bildschirm des OLED

Dass ein Ultra-HD OLED-Panel mit kompletter Abdeckung des DCI-Farbraums aktuell das Non-Plus-Ultra der TV-Technologie darstellt, sollte sich herumgesprochen haben, jedoch auch, dass nur eine perfekte Ansteuerung wirklich die beste Qualität aus ihm herauskitzelt. Auch extrem beruhigend ist, dass Philips mit der verbesserten Erkennung von stehenden Logos die beste Möglichkeit geschaffen hat, die Lebensdauer der „Organischen Licht Emittierenden Dioden“ zu verlängern. Standbilderkennung, Limiter, Orbiter und Pixel-Refresh sind darüber hinaus Pflicht bei jedem OLED-TV.

Was wir seit Jahren jedem Hersteller wämstens ans Herz legen, wird 2021 besser und von mehr Produzenten umgesetzt denn je: die Anpassung der TV-Wiedergabe an das Raumlicht. Das hat Philips im neuen Bildprozessor „P5 Perfect Picture Engine mit KI“ für jede Bildsituation toll realisiert. Ein Teil davon darf sich offiziell „HDR10+ adaptive“ nennen. In Kombination mit DolbyVision und HLG bietet Philips also mehr HDR-Varianten als andere OLED-Hersteller.

Der Philips 9636 kommt mit einer Soundbar im Standfuß mit Technik von Bowers & Wilkins.

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Bild und Farbe des Philips TVs

Bei Bildqualität und Farbphilosophie will Philips es wirklich allen recht machen, und das gelingt erstaunlich gut. Zum einen sind die Werksmodi, sogar die lebhaften Varianten, gar nicht so entsetzlich wie bei anderen Herstellern, „Standard“ sogar frisch und fröhlich, ohne viel zu künsteln. Andererseits gibt es einen Filmmakermodus, der der Wahrheit schon sehr nahe kommt, dazu die isf-Modi, die sich professionell kalibrieren und sichern lassen. Wenn die Kalibrationssoftware Calman so weit ist, kommt auch noch eine Automatik hinzu.

Der Philips 65OLED806 ist also viel mehr als ein überbunter Basis-OLED mit Ambilight, er kann auch Studioqualität. Überaus angetan waren wir von der Bewegungswiedergabe. Die ist bei OLEDs meist etwas zu hart stotternd, weil die Pixel konstant leuchten. Ein bewegtes Objekt im Film verharrt so lange an einem Ort auf dem Display, dann hüpft es unnatürlicherweise zum nächsten. Philips hatte als erster Hersteller ein Mittel gegen diese Ruckler gefunden, erfand damals das Backlight-Scanning.

[Testsiegel] video Magazin Highlight
Der OLED Fernseher 65oled806 von Philips erhält das Siegel "Video Highlight".
© video Magazin / Weka Media Publishing GmbH

Solche nun ortsgebundenen schmalen Schwarzphasen verbessern die Bewegungsschärfe immens. Dank der großen Erfahrung bei der Zwischenbildberechnung hinterlässt der Filmmodus der Bewegungskompensation einen exzellenten Eindruck. Er kommt der Kinowiedergabe näher als die überharte 24p Filmdarstellung eines nativen OLED-TVs.

Auch der großen Herausforderung von HDR mit erweitertem Farbraum stellt Philips sich souverän. Mit dem wie üblich geringen 1,1% Reflexionsgrad wird die sensationelle Dunkel-Diffenzierung eines OLEDs auch in leicht beleuchtete Räume gerettet. Ansonsten wird die HDR-Verarbeitung normgerecht umgesetzt, reagiert auf statische wie dynamische Metadaten und das Raumlicht. Schlechtes Bildmaterial, aber auf Wunsch auch jegliche Quellen werden gesäubert und aufgefrischt, ohne komplett gekünstelt zu wirken.

Sound des 65OLED806

Wer denkt, guten Sound schiebt Philips auf die teure 900er-Serie, wird eines Besseren belehrt. Zwar beschränkt sich der 806 auf indirekte Lautsprecher, doch unterstützt vom Woofer an der Rückseite wird ein unglaublich spriziges und schnelles Feuerwerk an Klangspitzen produziert, das gar nicht so unharmonisch klingt. Der hochwertige DSP verarbeitet auch dts-HD und Dolby Atmos, die Funkelektronik beschickt externe Boxen mit dts PlayFi.

Es gibt sogar eine Raumeinmessung, die in unserem Fall keine ordentlichen Ergebnisse lieferte und den Bass vergaß, aber die Vermessung des eigenen Gehörs per „Mimi defined“ ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Per Smartphone- App wird ein echter Hörtest gemacht, der TV darauf abgestimmt, und danach erscheinen Klangszenarien tatsächlich besser durchgezeichnet und oft stimmiger.

Fazit

Hier kann man nichts verkehrt machen. Kompromisslos setzt Philips alle Erwartungen um, die man an einen hochmodernen 4K-OLED stellen kann, und liefert darüber hinaus noch mehr Verarbeitungsqualität als andere, tonale Spezialitäten ...und ein umwerfendes Ambilight.

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