Digitale Fotografie - Test & Praxis
Micro-Four-Thirds-Kamera

Panasonic Lumix GH5S im Test: Spezialist für schwaches Licht

Panasonic Lumix GH5S: Das Schwestermodell der GH5 setzt auf weniger, aber größere Pixel. Das steigert die Bildqualität bei schwachem Licht und bringt Vorteile bei Filmaufnahmen.

Panasonic Lumix GH5S Vorne

© Hersteller

Pro

  • große Pixel
  • hohe Lichtstärke
  • sehr homogene Leistung bis ISO 800

Contra

  • kein Bildstabilisator
  • Detailverluste und Artefakte stören ab ISO 3200

Fazit

ColorFoto Testurteil: 59 Punkte (5,5 Punkte über Durchschnitt)

Die S-Klasse gibt es nicht nur von Mercedes-Benz; auch bei Kameras kristallisiert sich eine Luxusklasse heraus. Hier steht das S für erstklassige Qualität von Videos und Aufnahmen bei Schwachlicht, also für Anforderungen, die durchaus mit fotografischem Luxus zu tun haben. Die ersten S-Modelle führte Sony mit der Alpha-7-Baureihe ein; nun hat auch Panasonic eine S-Klasse: die 2500 Euro teure GH5-Schwester Lumix GH5S.

Ihr Sensor hat statt 20 MP (wie die GH5) nur 11,9 MP, und eine größere Fläche als Micro-Four-Thirds-Sensoren. Die effektive Auflösung beträgt folglich 10,2 MP. Die gegenüber der GH5 halbierte Auflösung ermöglicht etwa doppelt so große Pixel, die mehr Licht einfangen. Weitere Besonderheit: Jedes Pixel wird mit zwei analogen Schaltkreisen angesprochen, was zwei native ISO-Werte von 400 und 2500 ermöglicht. 

Die Kamera legt vor der Signalverstärkung fest, welcher Schaltkreis aktiv wird. Damit wird die GH5S zur Spezialistin für Schwachlicht – zum Beispiel bei Konzerten. Zugleich zielt Panasonic mit der „S” auf Filmer, denen ohnehin 8 MP genügen.

Bedienkonzept 

Rein äußerlich ist die GH5S nur an drei roten Elementen von der GH5 zu unterscheiden; auch die Bedienkonzepte ähneln sich. Eigentlich schade, denn das Bedienkonzept der G9, die Panasonic gerade der GH5 zur Seite gestellt hat, gefällt besser. Vorteile der G9 sind ihr oberes Statusdisplay, die geschicktere Verteilung der Funktionstasten und die gute Erreichbarkeit des hinteren Wahlrads. 

Wobei man weder an der Tastenverteillung, der Zahl der konfigurierbaren Funktionstasten noch am Menüaufbau der GH5S meckern kann. Sie lässt sich, nach etwas Eingewöhnungszeit treffsicher blind bedienen. Mit dem in Daumenreichweite platzierten Joystick navigiert man flott durchs Menü – selbst, wenn der Blick im Sucher bleibt. 

Ebenfalls geschickt mit dem Joystick zu bedienen ist das Quickmenü für alle wichtigen Bild- und Belichtungseinstellungen. Unverändert ist der sehr gute OLED-Sucher mit 1 226 667 Pixeln und 0,76-facher Vergrößerung. Die GH5-Lösung ist für Brillenträger komfortabel und ermöglicht auch aus größerem Abstand zum Okular den Blick auf das gesamte Sichtfeld. 

Lästig für Fehlsichtige ist dagegen die relativ schwergängige Dioptrienkorrektur, die rechts am Sucher angebracht nicht so gut zu erreichen ist. Das Moduswahlrad bietet neben der Programm-Zeit und Verschluss-Automatik den manuellen Modus und die üblichen drei individuell konfigurierbaren Customer-Modi. Dazu gibt es noch den manuellen Filmmodus, dem bei dieser Kamera eine besondere Bedeutung zukommt.

Panasonic Lumix GH5S Menü

© Hersteller, Image Engineering

Videoprofi - Die GH5S filmt in echtem 4K mit 4096 x 2160 Pixeln und bis zu 60 Vollbildern pro Sekunde. Damit ist sie der GH5 und der G9 überlegen.

Funktionen 

Äußerlich auffällig ist die rote Record-Taste, die deutlich darauf hinweist, dass die GH5S ideal für Filmer ist. Sie hat keine Aufnahmebegrenzung wie die G9 und benötigt, anders als die GH5, auch kein kostenpflichtiges Update für Videos im V-Log-Modus. 

Das flache Farbprofil (V-Log) für eine bessere Farbbestimmung in der Nachbearbeitung ist schon an Bord. Dazu hat sie einige Aufnahmemodi mehr als die GH5, unter anderem echtes 4K mit bis zu 60 Bildern und ein Full-HD-Videoformat mit 240 B/s für bessere Zeitlupen. 

Was dagegen auf dem Funktionswahlrad fehlt, ist die 6K-Fotofunktion – dafür reicht ihre Sensorauflösung nicht aus. So bleibt hier nur die 4K-Fotofunktion, mit der man genau genommen genauso ein Video von circa zwei Sekunden Länge aufzeichnet. Gedacht ist die Funktion dennoch für das Erstellen von Einzelbildern, denn gleich nach der Aufnahme erlaubt die GH5S die Auswahl eines Bilds aus dem Video. 

Überdies lässt sich ein Pre-Burst zuschalten: Dann fotografiert die Kamera kontinuierlich, löscht aber jeweils die ältesten Bilder der Serie. Sobald der Fotograf den Auslöser drückt, sichert die GH5S die Aufnahmen, die kurz vor dem Auslösen entstanden sind. Auch mit der Bracketing-Funktion nimmt die Kamera mehrere Bilder auf. 

Neben dem klassischen Bracketing mit unterschiedlicher Belichtung für HDR-Bilder gibt es das Blenden- und Fokusbracketing sowie die Möglichkeit, Aufnahmen mit unterschiedlichem Weißabgleich zu erstellen. Die im Vergleich mit dem Micro-Four-Thirds-Format größere Fläche macht den Bildsensor der GH5S multiformattauglich. Bei der GH5 verändert der Wechsel auf das 16:9-Format und der damit verbundene kleinere Sensorausschnitt den Bildwinkel. 

Der GH5S-Sensor dagegen belichtet ohnehin immer nur einen Ausschnitt aus dem (größeren) Sensor; und den wählt die Elektronik so, dass der Bildwinkel bei allen Seitenverhältnissen identisch ist. Der lichtstärkere Multiformat-Sensor bringt aber auch Nachteile: Er ist etwas dicker, sodass er nicht mit dem in GH5 und G9 verwendeten Bildstabilisator ins Gehäuse der GH5S passt. 

Die größere Sensorfläche des S-Modells lässt zwar Spielraum für eine elektronische Bildstabilisierung, die spielt ihre Stärken aber nur im Videomodus aus. Der Fotograf muss also zu Objektiven mit Bildstabilisator greifen. Wir haben die GH5S in Kombination mit Leicas DG Vario Elmarit 2.8-4.0/12-60 mm ASPH O.I.S und dem Lumix G X Vario 2,8/35- 100 mm O.I.S getestet, die beide mit Stabilisator ausgestattet sind.

Panasonic Lumix GH5S Zubehör Kabel

© Hersteller

Komfort-Zubehör - Der GH5S liegt ein Adapterkabel bei, das ein Timecode- Signal aus der Blitzbuchse heraus oder hinein bekommt. So lassen sich mehrere Kameras mit einem einheitlichen Zeisignal versorgen, was die Nachbearbeitung erleichtert.

Bildqualität 

Bildstabilisator hin oder her – den nötigen Spielraum für kürzere Belichtungszeiten und somit verwacklungsfreie Aufnahmen holt sich die GH5S durch die höhere Lichtstärke. GH5 und G9 lieferten in unseren Tests bis ISO 800 eine gute Detailtreue und wenig Bildrauschen. Ab ISO 1600 beeinflussen dann jedoch schon deutliche Artefakte die Detailzeichnung negativ.

Die GH5S legt hier noch eine Empfindlichkeitsstufe drauf: So zeigen die ISO-160- und ISO-400-Bilder kaum Unterschiede, doch auch die Verluste bei ISO 800 und ISO 1600 bleiben moderat. Zwar löst die GH5S bei ISO 1600 rund 500 Linienpaare weniger auf als die G9, doch der Bildeindruck ist besser. Erst bei ISO 3200 fehlen den Bildern Details – was auch in den Dead-Leaves-Werten sichtbar wird. 

Zudem stören Artefakte inklusive Rauschen nun den Bildeindruck – ISO 3200 wird damit zur Empfindlichkeit für den Notfall. ISO 6400 können wir nicht mehr empfehlen, dem Bild fehlen dann einfach zu viele Details. Das Kantenprofil weist auf eine starke Kantenanhebung bei niedrigen ISO-Stufen hin, die ab ISO 6400 fast verschwindet. Bei der Kantenaufsteilung stehen hohe Messwerte für hässliche Geisterlinien und Werte um 0 für flaue Kanten – beides ist zu meiden und zeigt ebenfalls, dass man ISO 6400 nicht nutzen sollte. 

Kräftig fällt dagegen die Kontrastanhebung bei niedrigen Empfindlichkeiten aus. Dies und die deutlichen Überschwinger im Kantenprofil bei diesen ISO-Werten zeigen die Grenzen des 10-Megapixel-Konzepts auf: Panasonic arbeitet energisch am Bild, um mit Aufnahmen aus Kameras mit doppelter Pixelzahl mithalten zu können. Dies führt jedoch zu teils überzogenen Kanten und unnatürlich betonten Details. 

Die RAW-Bilder konnten wir noch nicht testen. Der Autofokus arbeitet ähnlich wie in den Schwestermodellen: schnell und sehr zuverlässig. Auch hier bietet die GH5S individuelle Einstellungen, mit denen man die Geschwindigkeit und Empfindlichkeit bei der Schärfeverfolgung selbst bestimmen kann.

Panasonic Lumix GH5S Obern

© Hersteller

Videoprofi - Die GH5S filmt in echtem 4K mit 4096 x 2160 Pixeln und bis zu 60 Voll- bildern pro Sekunde. Damit ist sie der GH5 und der G9 überlegen.

Testergebnisse 

Die GH5S arbeitet mit besonders großen Pixeln, aber eben nur mit 10 MP. Den Ausgleich soll eine besonders harte Signalverarbeitung bringen. Damit steigen die DL-Kurven für ISO 160/400/800 deutlich über 1 – bei hoch- und niedrigkontrastigen Strukturen. Auf dieses Konto zahlen auch die kräftigen Über- und Unterschwinger an Kanten ein. Das Ergebnis ist ein teils unnatürliches Bild, dem Details fehlen, das dennoch scharf wirkt. Man erhält eine sehr homogene Leistung bis ISO 800 sowie Bilder die auch darüber hinaus nur moderat an Zeichnung verlieren.

Fazit

Die 2500 Euro teure GH5S ist rund 1000 Euro günstiger als die Konkurrentin Sony A7S II. Dafür stößt der kleinere Micro-Four-Thirds-Sensor etwas früher an seine Grenzen als Sonys Vollformatsensor. Aber immerhin liefert die GH5S bis ISO 3200 nutzbare Bilder, was viele Konkurrenten nicht schaffen. Das gilt nicht nur für MFT-Modelle, sondern auch für APS-C-Kameras. 

Bei ISO 200 muss die GH5S der Konkurrenz den Vortritt lassen. Bei ISO 3200 dreht sich dieses Verhältnis dann häufig um. Oberhalb dieser Empfindlichkeit nimmt die Bildqualität merklich ab. Darum vermissen wir den Bildstabilisator, der längere Belichtungszeiten ermöglicht. Nun ist die GH5S aber auch nur im „zweiten” Job eine Foto-Spezialistin für Aufnahmen bei wenig Licht. Im „ersten” Job dreht sie Filme. Dabei punktet sie mit enormer Flexibilität bei Videoformaten mit hohen Datenraten und der V-Log-Aufzeichnung. Zudem überzeugt die clevere Synchronisation mit Tonequipment und anderen Kameras.

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