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Smartphone-Kamera

OnePlus 7 Pro: Kamera im Test

Der chinesische Hersteller OnePlus ist auf Wachstumskurs und will sich mit dem 7 Pro im Premiumbereich etablieren. Der Kameratest zeigt, ob das gelingt.

OnePlus 7 Pro Kamera Test

© OnePlus

Was leistet die Kamera des OnePlus 7 Pro? Unser Test prüft die Bildqualität im Testlabor.

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Pro

  • solide Kamera-App
  • gute 12-Megapixel-Hauptoptik
  • ordentliche Telekamera

Contra

  • schlechtes Preis/Leistungsverhältnis
  • Hauptkamera schwächelt bei wenig Licht
  • nutzt die eigentlich höhere Auflösung des Sensors nicht

Fazit

ColorFoto Testurteil: 60 Punkte

Haptisch tritt das Top-Modell von OnePlus als Handschmeichler auf: Es hat abgerundete Ecken und Kanten, die Rückseite besteht aus Glas, und die Verarbeitung wirkt hochwertig. Eine weitere Besonderheit, die sofort auffällt: Die typische Notch fehlt ganz. Statt die 16-Megapixel-Selfiekamera ins Display zu integrieren, hat OnePlus sie versenkbar in der Oberseite des Smartphones integriert. 

Die übrige Ausstattung zählt zum gehobenen Standard: Das Amoled-Display hat eine Diagonale von 6,67 Zoll und löst respektable 3120 x 1440 Pixel auf. 

Für die Rechenoperationen sind ein Qualcomm Snapdragon 855 mit Qualcomm AI Engine und Adreno 640 (GPU) zuständig, und die Akkukapazität ist mit 4000 mAh gut bemessen. OnePlus bietet das Gerät mit 128 oder 256 GB internem Speicher und mit 6 bis 12 GB RAM an – entsprechend variiert der Preis von 700 bis 830 Euro.

Fotoausstattung

Die Kamera ist klassisch ausgestattet: mit Superweitwinkel, Weitwinkel und 3-fach-Tele. Der Sensor der Hauptkamera hat 48 Megapixel. Standardmäßig fotografiert die Kamera jedoch mit 12 Megapixeln. Das hat einen Grund: 

Der zugehörige Sony-Sensor IMX586 hat 0,8 μm große Pixel. Auf dem Sensor werden jeweils vier benachbarte Pixel zu einem einzigen mit einer größeren Fläche zusammengefasst. Die maximale Auflösung von 48 Megapixeln ist somit ausschließlich im Pro-Modus und nur für JPEGs verfügbar. 

oneplus-7-pro.jpg

© OnePlus

Das OnePlus 7 Pro kommt dank Pop-Out-Kamera ohne Notch aus.

RAWs dagegen nimmt die Kamera immer mit einer Auflösung von 12 MP auf – und das nur mit der Hauptkamera. Diese hat ein Objektiv mit 1,6/4,75 mm (27 mm KB) und einen Bildstabilisator. 

Die Teleoptik hat 6,95 mm Brennweite. Aufgrund der kleineren Sensorfläche erreicht sie auf Kleinbildformat umgerechnet fast die dreifache Brennweite: 74 mm bei Blende 2,4 und 8 Megapixeln Auflösung. 

Die Pixel sind 1μm groß, und auch das Tele ist optisch bildstabilisiert. Die optische Stabilisierung fehlt der 16-MP-Superweitwinkelkamera. Bei der Optik mit Blende 2,2 beträgt der Bildwinkel 117 Grad, die Brennweite liegt bei 2,25 mm (13 mm KB).

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Konfiguration per App

Mit der App für die OnePlus-Kamera kann der Anwender die angezeigten Belichtungsmodi – mit Ausnahme von Video und Foto – hinzunehmen oder abwählen. Das verschafft ihm einen besseren Überblick. Im Pro-Modus kann die Kamera auch RAWs aufnehmen.

 Allerdings steht in diesem Modus grundsätzlich nur die Hauptkamera zur Verfügung, selbst beim Zoomen oder wenn nur JPEG als Aufnahmeformat aktiv ist. Im Pro-Modus sind Zeit, ISO-Empfindlichkeit, Fokus-Modi, Weißabgleich und Belichtungskorrektur steuerbar. 

Der Fotograf kann manuell und automatisch belichten oder die Zeit-/ISO-Shift-Funktion nutzen. Bei manueller Verstellung wird das entsprechende Symbol gelb eingefärbt. Histogramm und Horizont lassen sich nur im Pro-Modus einblenden. 

Der Foto-Modus stellt alle drei Kameras und die verschiedenen Brennweiten bereit, und man kann stufenlos zoomen, allerdings sind die Zwischenstufen immer Crops und qualitativ entsprechend eingeschränkt. 

Beim Umschalten erkennt man die aktive Kamera in der App anhand eines Symbols. Allerdings kann man sich nicht immer auf die Anzeige verlassen. Bei wenig Licht aktiviert das OnePlus statt der Telekamera gern die Hauptoptik. Das erfährt man aber erst aus den Exif-Daten. 

Außer der Zoomeinstellung lassen sich die Belichtung per Korrektur und die Fokusposition bestimmen. Als weitere Modi bietet das OnePlus Porträt, Nachtfunktion, Panorama,Video, Zeitraffer und Zeitlupe. Leider werden die Icons und Namen recht klein und blass dargestellt.

Autofokus

Das OnePlus kombiniert verschiedene AF-Techniken: Phase, Laser und Kontrast. Wenn der Fotograf die Fokussierung dem Smartphone überlässt, konzentriert sich der AF auf Objekte in der Mitte. Um diese Auswahl zu verändern, muss man mit Touch nachjustieren. 

Gesichter werden mit einem dünnen und daher schlecht sichtbaren Kreis markiert. Das AF-Tempo ist im Großen und Ganzen in Ordung, allerdings lassen sich die Messpunkte für Belichtung und Fokus nicht separat wählen.

OnePlus 7 Pro Screenshot (1)

© Wadim Herdt/ColorFoto

Wie die meisten Smartphone-Kameras bietet auch die vom OnePlus 7 Pro einen Porträt-Modus mit nachträglich anpassbarer Schärfentiefe. So lässt sich der Hintergrund nach der Aufnahme weicher zeichnen.

Bildqualität

RAWs aus der Hauptkamera RAW ist definitiv die bessere Wahl, aber leider nur in Verbindung mit der Hauptoptik verfügbar. Bei guten Lichtverhältnissen bildet das 7 Pro die Motive besser ab als Googles Pixel 3 XL. Die Feinzeichnung ist eine Spur besser, Gleiches gilt für die Farben und das Rauschen. 

Die Zusammenschaltung von vier Pixeln zu einem und die Reduktion von 48 auf 12 Megapixel ist bei gutem Licht die ideale Strategie. Doch die Frage lautet: Klappt das auch bei wenig Licht? Unsere Antwort: leider nicht so überzeugend. Das steigende Rauschen macht zu viele feine Strukturen kaputt, und darum muss sich das OnePlus dem Pixel geschlagen geben.

JPEGs aus der Hauptkamera

Es ist schon gut, dass die Möglichkeit, Fotos mit vollen 48 Megapixeln zu schießen, im OnePlus ein wenig versteckt ist und sich nur im Pro-Modus aktivieren lässt. Denn selbst bei gutem Licht wirken die Bilder wegen der recht aggressiven Signalverarbeitung detailarm und zu künstlich. Bei schwachem Licht nimmt die Abbildungsleistung umso mehr ab. 

Die JPEG-Aufnahmen mit 12 Megapixeln stimmt das OnePlus im Pro- und im Foto-Modus sehr unterschiedlich ab. Im Pro-Modus wirken sie fast schon zu weich und verlangen nach etwas mehr Schärfe. Zu viel davon zeigen dagegen die im Foto-Modus aufgenommenen Bilder. Darauf sind Kontrast und Kanten zu stark angehoben. Vor allem kontrastärmere, sehr feine Details gehen verloren.​

OnePlus 7 Pro Screenshot (3)

© Wadim Herdt/ColorFoto

Der Pro-Modus erlaubt manuelle Kontrolle von ISO, Zeit, Weißabgleich und Fokus. Außerdem kann neben dem künstlichen Horizont auch das Histogramm eingeblendet werden. Leider arbeitet der Pro-Modusnur mit der Hauptoptik.

Tele-Kamera

Die Aufnahmen der Tele-Einheit gelingen am besten, wenn sie bei gutem Licht auf kleine bis mittlere Distanz entstehen. Dann können sie den Motiven viele Details entlocken. Mit wachsender Entfernung vom Motiv schwinden diese Vorteile aber. Bei wenig Licht greift das Smartphone zu Crops der Hauptoptik mit einer dürftigen Qualität, und die Tele-Optik ist dann nicht mehr nutzbar.

Superweitwinkel-Kamera

Erneut müssen wir die Bildqualität der Superweitwinkel-Kamera mit 13-mm-Brennweite (KB) tadeln. Ihre Bilder sind detailarm und weisen sichtbare Verzeichnungen auf. Besser: Ein paar Schritte weiter weg vom Motiv gehen.

OnePlus 7 Pro Screenshot (2)

© Wadim Herdt/ColorFoto

Der Foto-Modus gewährt Zugriff auf alle drei Kameras, erstellt aber nur Bilder im JPEG-Format. Während des Fotografierens kann der Fotograf ausschließlich per Belichtungskorrektur in die Aufnahmeeinstellungen eingreifen.

Fazit

Das OnePlus 7 Pro bietet eine gute 12-Megapixel-Hauptoptik und ein ordentliches 3-fach-Tele. Auch die App arbeitet ordentlich, mehr aber auch nicht. Für den Preis eines Premiumgeräts sollte man mehr erwarten dürfen. Die Hauptkamera schwächelt bei wenig Licht und kann die eigentlich höhere 48-MP-Auflösung des Sensors nicht ausnutzen.

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