Zwischen Tragik und Action

NieR Replicant ver. 1.22 im Test: Remake eines PS3-Klassikers

Als ver. 1.22... erscheint das ehemals japanexklusive NieR Replicant in überarbeiteter Fassung jetzt auch im Westen. Wir haben das Remake von Star-Entwickler Yoko Taro getestet.

© Square Enix

Eines der Highlights von NieR Replicant ver. 1.22 ist das Kampfsystem.
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Pro

  • eine düstere, packende Geschichte mit spannenden Wendungen
  • ein unterhaltsames und abwechslungsreiches Kampfsystem
  • Charaktere mit Tiefgang
  • unkonventionelle Genre-Abweichungen

Contra

  • langsamer Einstieg
  • veraltetes Missions-Design
  • Grafik nicht ganz auf dem aktuellen Stand

Fazit

Auch wenn Grafik, Level- und Missionsdesign nicht auf dem aktuellsten Stand sind, überzeugen uns die kurzweiligen Kämpfe und besonders die Geschichte, die mit Tiefgang, Emotionen und packenden Wendungen fürs Durchhalten belohnt.
Gut

Mit NieR Replicant ver. 1.22474487139... (kurz: ver. 1.22...) steht ab sofort der Vorgänger des 2017 erschienenen NieR: Automata in den (digitalen) Regalen. Was auf den ersten Blick nur wenig Sinn ergeben mag, klärt sich bei genauerer Betrachtung:

Bei dem Spiel handelt es sich um ein Remake des 2010 erschienenen NieR Replicant, welches damals in Form des leicht abgewandelten NieR Gestalt auch in Deutschland erschien. Neben einer aufgehübschten Grafik, neuen Dialogen und einem moderneren Kampfsystem bietet das Spiel zudem eine Handvoll frischer Inhalte, die sich in keiner der beiden Originalversionen finden.

Grund genug für uns, sich einmal anzuschauen, was ein mittlerweile elf Jahre altes Action-Rollenspiel heute noch leisten kann. Vor allem auch, weil es sich bei NieR Replicant schon damals nicht um einen gigantischen AAA-Titel mit Riesenbudget handelte.

Hinweis: Da unsere Autorin erst mit NieR: Automata zur Serie stieß und den Originaltitel bisher nicht gespielt hat, wird im Folgenden kein direkter Vergleich zum 2010 erschienenen NieR Replicant bzw. Gestalt gezogen werden. Vielleicht erlaubt aber gerade auch dieser Umstand einen unverbrauchten Blick auf den Titel.

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NieR Replicant ver. 1.22...: Gut' Ding will Weile haben

NieR Replicant ist zu Beginn beileibe kein Spiel, das durch ein hohes Tempo besticht.

Zwar werden wir erst einmal in ein losgelöstes "Tutorial" geworfen, in dem es ordentlich zur Sache geht. Dies lässt uns jedoch mit einer ganzen Reihe an Fragen zurück, auf die wir so schnell keine Antwort bekommen werden.

Stattdessen heißt es nach dem Prolog erst einmal, Welt und Charaktere kennenzulernen. Nach und nach führen uns mal mehr und mal weniger spannende Aufträge in die verschiedenen Gebiete der Spielregion, während wir versuchen, ein Heilmittel für unsere magisch erkrankte Schwester zu finden. Auf der Reise treffen wir auf unsere Begleiter Kainé, Emil und das sprechende, fliegende Buch Grimoire Weiss. Alle drei bestechen durch eine auffällige Persönlichkeit und ihre eigenen, größtenteils tragischen Geschichten und werden so zu mehr als reinen Handlangern, die uns im Kampf unterstützen.

Zwar werden die Elemente, die NieR Replicant später so einzigartig machen, bereits langsam eingeführt. Insgesamt wirkt die erste Spielhälfte jedoch zu einem großen Teil wie RPG-Standardkost.

Dabei hilft auch nicht, dass es sich bei nahezu allen Nebenmissionen um genretypische Sammelaufgaben handelt: Die Bandbreite reicht in den meisten Fällen von "Bringe mir 3 Beeren" bis zu "Angle 10 Forellen". Gerade hier merkt man dem Spiel sein Alter und Budget an.

Haben wir uns einmal durch den eher mühsamen ersten Teil gekämpft, werden wir jedoch redlich belohnt. Nicht nur wechseln wir von dem oftmals eher kindlichen Blick auf Themen wie Freundschaft oder Gesellschaft in eine düsterere Weltanschauung. Auch erhält die Geschichte eine deutlich größere Fallhöhe und das Tempo des Spiels zieht an.

Ab diesem Moment hat uns NieR Replicant ver. 1.22... gefesselt.

© Square Enix

Um unsere Schwester Yonah vor der magischen "Runenpest" zu retten, stürzen wir uns in ein gefährliches Abenteuer.

NieR Replicant ver. 1.22...: Und nochmal...

Wie auch schon bei NieR: Automata entfaltet das Spiel sein volles Potential erst bei mehrmaligem Durchspielen. Bis das erste Mal der Abspann läuft, erzählt NieR Replicant einen klassischen Kampf von Gut gegen Böse, der immer wieder überraschende Wendungen nimmt, insgesamt aber doch häufig sehr vertraut wirkt.

Starten wir das Spiel danach jedoch erneut, bleibt uns nicht nur die gemächliche erste Hälfte des Spiels erspart. Durch neue Abschnitte rücken nun auch viel stärker die Geschichten unserer beiden menschlichen Begleiter, Kainé und Emil in den Fokus. Die Tragik von deren Geschichten kann das Spiel mit genug Tiefgang präsentieren, um echtes Mitgefühl zu erwecken.

Leider lässt eine bisher nicht genauer erklärte Errungenschaft Zweifel aufkommen, ob die Tragik und Ernsthaftigkeit des Spiels bei den Entwickelnden selbst ganz angekommen ist. Wir konnten die Errungenschaft in unserer Testphase selbst nicht replizieren, haben ehrlicherweise aber auch nicht besondere Mühen in ein solches Unterfangen investiert.

NieR Replicant ver.1.22474487139...: Attract Movie ver. NieR Replicant

Quelle: Square Enix

NieR Replicant ver. 1.22...: Gegen die Schatten

Neben der Handlung und Atmosphäre zeichnet sich NieR Replicant besonders auch durch die Kämpfe aus. Je nach Gegnertyp schwingen wir uns mit Speer, Einhand- oder Zweihandschwert durch Gegnermengen oder treten gegen übermächtige Bossmonster an. Gleichzeitig weichen wir geschickt aus oder parieren direkte Angriffe und wechseln dabei zwischen verschiedenen Magietypen, um den bösen Schattenmonstern ordentlich eins auf die Rübe zu geben.

Dabei fühlte sich die Tastenbelegung der verschiedenen Elemente zu Beginn noch etwas ungelenk an. Nach einer relativ kurzen Eingewöhnungsphase geht das Kämpfen aber flüssig von der Hand. Ab diesem Moment stellt uns das Spiel auf normaler Schwierigkeit zwar nicht mehr vor besonders große Herausforderungen, das gute Gefühl nach dem besiegten Schattenboss bleibt aber durchgehend erhalten.

Auch wenn die Kämpfe ganz klar die "Kern-Spielweise" von NieR Replicant darstellen: Wie auch Automata wechselt das Spiel immer wieder das Genre und überrascht uns mit 2D-Sidescroller-Passagen, Schieß- und Kampfeinlagen aus der Vogelperspektive, leichteren Rätseln und sogar einem Text-Adventure. Das gelingt nicht mit derselben Eleganz wie in NieR: Automata, sorgt aber trotzdem für eine erfrischende Abwechslung.

© Square Enix

Immer wieder stellen sich uns übermächtige Bossmonster in den Weg

NieR Replicant ver. 1.22...: Eine traurige Welt

Nach modernen Maßstäben lässt sich die Grafik des Remakes wohl nicht als klassisch "schön" beschreiben. Atemberaubende Spiegelungen oder grandiose Partikel- und Lichteffekte liefert das Spiel nicht. Auch die Charaktere und Texturen wirken recht flach, manchmal kantig.

Insbesondere die weitläufigeren Gebiete des Spiels scheinen leer und zu groß, heute typischen "Clutter" und interessante Nebenschauplätze zum Entdecken sucht man meist vergebens.

NieR Replicant macht daraus jedoch eine Stärke. Die Welt strömt durchgehend eine deprimierende Aura aus und stirbt langsam vor sich hin. Die Charaktere wirken realistisch genug, um ihre Emotionen nachfühlen zu können, scheinen dennoch aber immer etwas unecht.

Sowohl Spielwelt als auch Personen verkörpern damit zentrale Elemente des Spiels, sodass NieR Replicant ver. 1.22... in der Grafik dem Kernthema treu bleibt.

NieR Replicant ver. 1.22...: Fazit

Es lässt sich festhalten: NieR Replicant ist keine leichte Kost. Handlung, Welt und Charaktere sind von einer alles durchsetzenden Tragik geprägt, Verlust steht an der Tagesordnung. Gleichzeitig sind gerade Grafik, Level- und Missionsdesign nicht auf dem aktuellsten Stand. Gerade die Kämpfe machen aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ordentlich Laune.

Warum uns NieR Replicant ver. 1.22... trotz der obigen Negativpunkte nahezu vollständig überzeugen konnte, liegt besonders an der Geschichte, die uns immer wieder packt. Wer sich auf die düstere Handlung von NieR Replicant einlässt, wird mit Tiefgang, Emotionen und packenden Wendungen belohnt.

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