Mini-PC mit Windows 10 Pro

Minix N42C-4 im Test: Flink und kompakt - Triple-4K nur mit Einschränkungen

Der Minix N42C-4 ist ein Mini-PC mit Windows 10 Pro. Office- und Web-Arbeiten meistert er, als Heimkino-Player und Wohnzimmer-PC nerven Details.

Minix N42C-4 im Test

© Minix

Der Karton mit dem Minix N42C-4 enthält den Mini-PC, ein Netzteil mit mehreren internationalen Steckern, HDMI-Kabel, VESA-Mount, Toslink-Adapter und mehr.

Pro

  • Drei 4K-fähige Videoausgänge
  • Sonstige Ausstattung
  • Geschwindigkeit
  • Verarbeitung
  • Windows 10 Pro

Contra

  • Nur HDMI 1.4, kein HDR
  • Zu kleiner Speicher
  • Betriebslautstärke
  • Keine Fernbedienung

Fazit

Als Business-Maschine mit Cloud-Fokus top, als Mini-PC fürs Home-Office erst nach Speicher-Upgrade empfehlenswert und für Heimkino-Fans enttäuschend.
Vielversprechend

Im Test schauen wir uns den Minix N42C-4 an. Es handelt sich dabei um einen Mini-PC mit Windows 10 Pro (64 Bit, multilanguage) der Firma Minix aus Fernost. Das Unternehmen ist u.a. bekannt für tragbare Rechner und gut ausgestattete Media-Player. Der Hersteller sieht als Einsatzzweck für den N42C-4 hauptsächlich Industrie und Geschäft. Doch durch Hardware, Ausstattung, Größe und nicht zuletzt den anderen Geräten des Herstellers ist der Mini-PC auch für den klassischen Endnutzer interessant. Wir schauen uns den Minix N42C-4 als potenziellen Office-Rechner und 4K-Media-Player an.

Schon vorher haben wir uns in einem Duell mit der Xiaomi Mi Box den Minix Neo U9-H mit Android angeschaut – und ihm sehr gute Eigenschaften für die Medienwiedergabe und das Heimkino bescheinigt. Unter den Android-Boxen von Minix ist der Neo U9-H für rund 120 Euro das Flaggschiff, das gleiche gilt auch für den N42C-4 für die Windows-Kategorie. Der Preis beträgt bei Amazon rund 300 Euro. Bei Gearbest zahlen Sie unter 250 Euro – müssen aber wegen eines nötigen Imports aus China deutlich länger auf den Mini-PC warten.

Der Minix N42C-4 ist aus Kunststoff gefertigt und in mattem Schwarz verfügbar. Das Design ist schlicht, wirkt aber wertig. Mit Maßen von rund 14 x 14 x 3 Zentimetern ist der Mini-PC größer als viele typische Android-Boxen, er entspricht in der Größe aber ziemlich genau Konkurrenzprodukten wie den Zbox-C-Modellen von Zotac oder NUC-Gehäusen von Intel. Im Gegensatz zu den in Deutschland bekannteren Geräten kommt der Minix N42C-4 nicht als „Barebone“, bei dem ein Laufwerk und RAM separat gekauft werden müssen. Stattdessen ist alles an Bord, was Sie für den Betrieb benötigen.

Der vergleichsweise niedrigere Preis macht sich natürlich an der Leistung bemerkbar. Während Geräte von Zotac oder Intel komplett gerne deutlich über 400 bis 500 Euro kosten, lassen sich damit in der Regel auch anspruchsvollere Aufgaben erledigen. Oft kommen dort ausgewachsene Intel-Core-Prozessoren zum Einsatz, gepaart mit mehr RAM und einem deutlich größeren Laufwerk.

Minix N42C-4 im Test

© Minix

An der Front gibt sich der Minix N42C-4 sehr schlicht und unscheinbar.

Der Minix N42C-4 ist schwächer bestückt. Neben einem Intel Pentium N4200 (Apollo Lake Quadcore Chip mit 1,1 bis 2,5 GHz) mit integrierter Intel HD 505 Grafik (mit DirectX 12 Support) nutzen Sie 4 GB RAM und 32 GB EMMC-Speicher. Der Speicherplatz reicht gerade so für Windows 10 Pro selbst und wenige wichtige Programme. Der geringe Speicherplatz legt den Eindruck nahe, es mit einem Gerät zu tun zu haben, das als reiner Media Player fungieren oder andere, spezielle Aufgaben erfüllen soll. Aufrüsten lässt sich das System mit einer M.2-SSD (maximal 128 GB im M2280-Format), den Speicher erweitern Sie ansonsten über USB 3.0. Dafür gibt es drei Ports. An Anschlüssen stehen sonst noch Gigabit und Klinke (inkl. Toslink-Adapter) bereit. Drahtlos verbinden Sie den Minix mit WLAN-ac oder Bluetooth 4.1. Als Highlight schließen Sie bis zu drei 4K-Bildschirme gleichzeitig über die Anschlüsse HDMI, Displayport und USB Type C an. Als Einsatzzweck ist etwa eine hochauflösende Video-Demo in einem Schaufenster denkbar.

Drei 4K-Bildschirme gleichzeitig, aber nur HDMI 1.4

Stark ist, dass bis zu drei Bildschirme gleichzeitig unterstützt werden, die jeweils eine 4K-Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixel wiedergegeben können. Mit 60 Hertz klappt das aber leider nur via Displayport und USB Type C. Der HDMI-Ausgang liegt nur als Version 1.4 statt 2.0 vor. 4K-Auflösungen werden zwar unterstützt, bei 30 Hz ist mit HDMI 1.4 allerdings Schluss. Das ist für die meisten Filme und Serien zwar ausreichend. Bei manchen Youtube-Videos oder Streams in 4K können jedoch auch höhere Bildwiederholraten nötig sein, die der N42C-4 einfach ganz konventionell abspielt.

Fälle, in denen diese Einschränkung besonders stören kann, wären interaktive Streams. Beispielsweise von einer Spielkonsole oder Diensten wie Geforce Now oder Playstation Now. Umgehen lässt sich die 30-Hz-Grenze bei HDMI an modernen TVs, die meist nur HDMI anbieten, mit einem Adapterkabel. Dann nutzen Sie statt HDMI am Ende des Gerätes entweder USB Type oder Displayport und auf der anderen Seite liegt HDMI für den TV an. Hier empfehlen wir aktive Adapter von Displayport zu HDMI (unbedingt mit Support für 4K bei 60Hz!).

  • Hinweis: Nehmen Sie „USB Type C zu HDMI“-Adapter, kann es sein, dass der Ton über HDMI nicht wiedergegeben wird. Dann gäbe es für Toninformationen zwar Klinke und auch Toslink – auf HD-Soundformate oder gar Dolby Atmos, DTS:X und Auro 3D müssen Sie so aber verzichten.

So können Sie zwar einem Fernseher mit HDMI-Anschluss ein 4K-Signal mit 60Hz geben. Eine echte Ausgabe an drei Monitoren funktioniert ohne Splitter jedoch nicht: nervig! Ebenso nervig wie das Gepfriemel mit Adaptern, wenn Sie ein 4K-fähiges Gerät per HDMI anschließen wollen, ist die Tatsache, dass die Intel-Grafikausgabe (noch) kein HDR unterstützt. Das Windows 10 Pro auf dem N42C-4 lag zum Testbeginn auf dem Versionsstand 1703 (Creators Update) vor. Ein Update auf 1709 hat problemlos funktioniert. Neu hinzugekommene Anzeigeoptionen für HDR-Videos blieben mit aktuellem Intel-Treiber jedoch ausgegraut. Wir halten fest: Der Mini-PC decodiert so gut wie alle gängigen Codecs einwandfrei (dazu später mehr), hat aber Einschränkungen mit modernen HDMI-Geräten und zeigt keine HDR-Inhalte an – sehr schade!

Minix N42C-4 fürs Wohnzimmer: Lieber nicht!

Nutzer, die daran dachten, den Minix N42C-4 für das Wohnzimmer anzuschaffen, werden enttäuscht. Zum einen fehlt eine Fernbedienung, wie Sie beim Minix Neo U9-H vorhanden ist. Zur Bedienung eignen sich optionale USB-Eingabegeräte wie (kabellose) Maus und Tastatur. Zum anderen kommt der N42C-4 mit einem Gehäuselüfter daher, der unter Last ein zwar leichtes, aber gut vernehmbares und für einige Nutzer somit störendes Betriebsgeräusch produziert. Das ist bei jedem Bootvorgang für wenige Sekunden zu hören. Im Windows-Betrieb setzt der Lüfter bei schon mittleren Lasten regelmäßig ein. Für empfindliche Ohren eignet sich der Minix N42C-4 also eher nicht.

Minix N42C-4 im Test

© Minix

An Anschlüssen mangelt es dem Minix N42C-4 nicht.

Wenn wir uns auf das Abspielen von Medien beschränken, lässt der Minix N42C-4 in Sachen Leistung kaum Wünsche offen. Die Hardware deckt die offiziellen 4K-Formate HEVC / H.265 ab. VP9 fehlt jedoch. Fehlen Decoder, setzt die Software-Rechenleistung des Apollo Lake N4200 ein. Und hier konnten wir bei bestehenden Verbindungen mit WLAN und Kabel keine Einbußen feststellen. Sogar Streams im alten VC1-Codec liefen einwandfrei. Ältere Chips vergleichbarer Leistungsklassen (etwa Intel Atom) brechen bei derart aufwändigen Codecs gerne ein.

Nichts fürs Heimkino, aber einfach lösbare Speicherprobleme

Auf der einen Seite haben wir also eine kleine Speicherausstattung im Basiszustand und auf der anderen Seite potenzielle Probleme beim Einsatz als 4K-Player. Für anspruchsvolle Nutzer dürfte sich der Heimkino-Einsatz wegen Letzterem erledigt haben – sofern ihnen die Nutzung von HDMI sowie vollwertiges 4K, HDR, Dolby True HD / DTS HDMA und die 3D-Formate nicht so wichtig sind. Als leicht zu versteckender Office- und Web-Rechner ist die Leistung an sich zwar mehr als ausreichend. Allerdings sollten Sie zur Speicherung Ihrer Daten gleich einen externen (USB-)Datenträger mitbestellen oder Cloud-Diensten wie Google Sheets künftig mehr Beachtung schenken. Wer will, kann natürlich auch einfach eine M.2-SSD nutzen. Im Gegensatz zu günstigeren Mini-PCs wie Chuwi Hibox oder Acepc AK1 werden Sie mit dem Minix N42C-4 deutlich schneller arbeiten können. Der mehr als doppelt so hohe Preis ist jedoch eine Hürde, die nicht jeder Nutzer gerne nimmt. 

Der Minix N42C-4 reagiert durch den Einsatz des eMMC-Flashspeichers mit aktueller Intel-Hardware sehr flink. Das Surfen und Arbeiten gestaltete sich sehr angenehm, auch das Bedienen von Windows-Apps, beispielsweise Netflix, lief problemlos. Unter Windows waren bei der Einrichtung und auch im gesamten Verlauf des Tests kaum unnötige Ladezeiten oder Hänger zu vernehmen. Bedient haben wir den Minix N42C-4 mit einer kabellosen Maus-Tastatur-Kombi. Kompatibel ist der Rechner auch mit der Minix Air Mouse, die wie unsere Kombination ihren eigenen USB-Empfänger mitbringt. Die Erkennung unter Windows klappte auf Anhieb, genau wie das Umstellen der Systemsprache auf Deutsch.

Fazit

Mit Windows 10 Pro und Ausgängen für drei Bildschirme eignet sich der Minix N42C-4 eigentlich sehr gut für den geschäftlichen Einsatz – wenn die Anforderungen an die Hardware nicht zu hoch sind. Der knapp bemessene Speicher erschwert zwar das Dasein als Produktivmaschine, Erweiterungsmöglichkeiten gibt es jedoch ausreichend. Alltägliche Online-Dienste könnten für manche Nutzer eine Lösung sein, wenn Sie sich mit dem kleinen Primärspeicher anfreunden können. Für die just genannten Anwendungen reicht die Hardware locker aus. Das gilt an sich auch für den Einsatz als 4K-Media-Player oder Wohnzimmer-PC. Hier sorgen jedoch der veraltete HDMI-Anschluss, fehlender HDR-Treibersupport und auch der Lüfter für große Dämpfer.

Es scheint, als plante Minix mit dem N42C-4 einen Spagat: Den Business-Bereich soll der Mini-PC beglücken, aber genauso den Heimanwender und Filmfan. Uneingeschränkt glücklich wird aber niemand. Der Heimanwender hätte gerne mehr Speicher und braucht womöglich nicht die gesamte Ausstattung mit Windows 10 Pro und drei Bildschirmausgängen. Und über fehlendes HDR sowie bei HDMI fehlendes 4K mit 60 Hertz beschweren sich nicht nur Heimkino-Fans. Können Demo-Inhalte oder Showreels später nur in eingeschränkter Qualität wiedergegeben werden, ist der professionelle Nutzer schnell zu einem Upgrade gezwungen.

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