OLED Fernseher

Loewe bild i.65 DR+ im Test

15.10.2021 von Roland Seibt

Mit dem bild i bietet Loewe nun OLED-TVs an, die preislich sehr deutlich unter der „v“-Serie liegen, jedoch eine vergleichbare Bildperformance haben und sogar noch viel smarter sein sollen. Wir haben das an der 65-Zoll-Variante ausprobiert.

ca. 4:25 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
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Dank Bespannung aus Stoff und starkem Einsatz von Echtmetall erscheint der bild i.65 hochwertiger und edler als die meisten Mitbewerber. An eine unsichtbare Kabelführung wurde selbstverständlich auch gedacht.
© loewe

Pro

  • tolle Kontraste durch OLED
  • Dolby Vision + Atmos
  • Aufnahmemedium eingebaut
  • schnelle Bedienung
  • Sprachsteuerung und Apps
  • Aufstellung und Sound konfigurierbar
  • guter Bildabgleich

Contra

  • Singletuner
  • altbekannte Loewe-Features fehlen

Fazit

Video-Testurteil: sehr gut


89,0%

Wofür das „i“ bei Loewes neuer TV-Serie steht, dazu gibt es mehrere Theorien, doch keine davon wollte uns der Hersteller offiziell bestätigen. Auf jeden Fall sind die neuen Fernseher die innovativsten Vertreter ihrer Zukunft, die seit Jahren die Fabrik in Kronach verlassen haben. Sie stehen gar für eine ganze Trendwende in der Modellpolitik, denn unter neuer Führung will und muss das deutsche Traditionsunternehmen neue Käuferschichten erobern. Und die könnten in jüngeren und stylisch anspruchsvolleren Zielgruppen zu finden sein, die jedoch besonders smart und modern leben möchten. Hier muss Loewe sein zwar highendiges, aber auch konservatives Image erweitern und entscheidende neue Kaufargumente liefern. Und die befinden sich im integrierten Smart-TV.

In einer perfekten Welt hätte Loewe genügend Entwicklungsingenieure und Programmierer, um absolut alles in Eigenregie und besser als jeder Konkurrent aufziehen zu können, doch in der harten Realität reden Dienste wie Netflix nicht einmal mit kleinen TV-Marken und registrieren Modelle, die sich nicht millionenfach verkaufen. Dieses harte Los spürte Loewe am ansonsten genialen OLED-TV „bild v“, der in unserer positiven Bewertung deutlich verloren hätte, wenn nicht ein Fire-TV-Stick für Smart-TV beigelegen hätte. Auch wenn diese Lösung wunderbar variabel war, so setzte sie doch ein gewisses Zeichen der Abhängigkeit von externer Hardware.

Der bild v, der immer noch den nobelsten OLED-TV von Loewe repräsentiert und nicht durch den „i“ ersetzt wird, basiert auf einer Hardware- Plattform, für die Loewe im Laufe vieler Jahre sensationelle Features entwickelt hatte. Der Doppeltuner kann wie wild auf ein integriertes SSD-Laufwerk aufzeichnen, Programme und Archivmaterial auf andere Loewe-TVs streamen. Und dazu gibt es die komfortabelste Tablet- und Smartphone-App überhaupt.

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Der hier gezeigte Floor- Stand ist zur Aufnahme der 3D-Soundlösung „klang bar5 mr“ gedacht, die Atmos wie DTS:X unterstützt und durch einen Subwoofer ergänzt wird.
© loewe

Das Handling von klassischen Fernsehinhalten versteht keiner besser als Loewe. Jedoch wird die Prozessorbasis vom Chiphersteller nicht mehr lange weiter gepflegt werden, und eine Umstellung, also Neuprogrammierung aller Features bedarf etlicher Mannjahre Entwicklungskompetenz.

Beispielsweise hatte sogar Sony zwei Jahre lang gebraucht, um Aufnahmefunktionen für einen Doppeltuner nachzureichen, als die Firma vom eigenen Betriebssystem auf Android umgestiegen war. Loewe steht vor einer ähnlichen Herausforderung, um ein Maximum an Streaming und Smart-TV anbieten zu können.

Und dass dies überlebenswichtig ist, sieht man an einer aktuellen Marktforschung des Industriebundes Bitkom. Ihr zufolge streamen siebzig Prozent der Deutschen schon regelmäßig TV-Inhalte, 25 % davon sogar beim Essen. 38 % der Streamer haben kostenpflichtige Abos, ein Drittel von ihnen gar drei oder mehr Dienste gleichzeitig. Ein TV-Gerätehersteller sollte also tunlichst eine Plattform bereitstellen, die möglichst viele Optionen offen lässt. Und hier bot sich für Loewe das Vidaa-Betriebssystem an, weil es mit den Kronachern historisch eng verbunden ist. Der bild i ist das erste Loewe-Gerät, das auf dieser Basis aufbaut jetzt genannt:„os7“.

Kennern wird sofort die nahezu deckungsgleiche Oberfläche zu Geräten aus dem Hause Hisense ins Auge fallen. Vor einigen Jahren hatte die angeschlagene Firma Loewe Untersützung vom chinesischen Multi bekommen, offiziell in Form von Einkaufskooperationen für Bauteile – und einem gewissen Technologieaustausch.

Und siehe da: Etwas später taten Hisense-TVs einen immensen Sprung nach vorn, was die in Deutschland so wichtigen Argumente Tunerhandling und Senderorganisation betraf – absolute Spezialitäten von Loewe. Und die Kronacher kamen endlich an OLED-Displays heran, was vorher nicht möglich war. Man könnte also sagen, mit dem Betriebssystem Vidaa gibt es nun eine Art Rückführung der Softwarekomponenten, jedoch erweitert um Smart-TV – und übrigens auch Kalibrierbarkeit der Bildqualität. Andere werden sagen: „Der bild i ist ein umgelabelter Hisense-TV, zusammengebaut in Kronach“.

Das trifft den Kern des Gerätes allerdings überhaupt nicht, denn einen vergleichbar guten Fernseher gibt es von Hisense bisher noch nicht. Loewes Spezialitäten wie Konfigurierbarkeit, guter Sound und edles, hochwertig verarbeitetes Design passen so gar nicht ins Portfolio der Chinesen.

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Das Loewe-Auge vor echtem Akustikstoff, darunter ein schwenkbarer schwerer Vollmetallfuß: So kennen und mögen wir TV-Design à la Loewe.
© loewe

Individual

Der Loewe bild i löst, wie gesagt, nicht den „v“ ab, sondern ergänzt ihn preislich nach unten. Es ist vielmehr der ältere OLED-TV bild.4, den er ersetzt. Der Singletuner lässt sich, wie erwähnt, schön einrichten, zappt schnell und kann auf eine integrierte 1-TB Festplatte aufzeichnen. Die fehlende Kooperation mit alten Loewe-TVs was das Heimnetz betrifft, ist einer der Kompromisse, die man akzeptieren muss. Uns schmerzt mehr der Verzicht auf die Tablet-/Smartphone-App, die TV-Inhalte präsentiert und organisiert wie keine zweite. Laut Loewe ist die Integration derartiger Funktionen in die myLoewe-App geplant, mit der der bild i bereits jetzt zusammenarbeitet.

Der TV ist in 48, 55 und 65 Zoll erhältlich und basiert auf den neuesten OLED-Panels. In unseren Messungen stellten wir fest, dass eine besonders gute Kontrast und Antireflexionsbeschichtung verwendet wird, die den bild i sogar von Mitbewerbern abhebt, aber auch etwas Helligkeit kostet. Mit Dolby Vision wird eine gute HDR-Verarbeitung geboten, eine Anpassung an statische Metadaten findet leider nicht statt.

Dafür begrenzt ein Lichtsensor die Brillanz am Abend. Das 120-Hz-Panel wird mit einer guten Zwischenbildberechnung angesteuert, im deaktivierten Modus die Kadenz von 24p-Filmbildern unverändert dargestellt. Das und der Fakt, dass die Kinomodi eine ausgezeichnete Farbabstimmung besitzen, hätte gereicht, um einen „Filmmaker-Modus“ zu beantragen.

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Es ist wichtig, einen guten Überblick über das laufende und kommende TV-Programm zu haben. Dazu dient der EPG (Electronic Program Guide = Programmführer), den Loewe gut sortiert, farblich akzentuiert und schön lesbar anzeigt.
© loewe

Darauf hat Loewe aber verzichtet, denn „Kino-Nacht“ ist genauso gut. Besser als die meisten Mitbewerber stimmt Loewe die Standard- und Sportmodi ab. Hier wird nicht allzu sehr maximiert und das etwas frischere Bild bleibt erträglich im positiven Sinne. Die vier HDMI-Eingänge bieten 120-Hz-Gaming nur in Full-HD-Auflösung und begrenzen VRR auf 60 Hz. Zudem stört Spieler die vergleichsweise hohe Latenz.

Das alles wird Filmfans wenig tangieren, auch Nutzer von gängiger TV-Kost bekommen sehr schön aufbereitete Bilder zu sehen. Audiotechnisch überzeugt die optionale „klang bar i“ durch saubere Dialoge und unaufdringliche Höhen. Für mehr Wumms bräuchte es den Woofer. Exzellent am neuen Betriebssystem und Prozessor sind die ungemein schnell reagierenden Einstellungs- und Arbeitsmenüs. Hier könnten sich andere A-Marken eine Scheibe abschneiden.

[Testsiegel] video Magazin Testurteil sehr gut
Der Bild i.65 dr+ OLED-Fernseher von Loewe erhält in unserem Test die Note "sehr gut".
© video Magazin / WEKA Media Publishing GmbH

Fazit

Der günstigste Loewe OLED aller Zeiten setzt auf eine neue Hardwarebasis, die Streaming und Sprachsteuerung viel besser kann als je zuvor. Tolle Verarbeitungsqualität und die Individualisierung von Zubehör und Soundlösungen bleiben Loewes Alleinstellungsmerkmale, ältere Zöpfe, zum Beispiel die Tunerintegration, mussten dafür erst einmal abgeschnitten werden, könnten aber nachwachsen.

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