Ultra-HD-Projektor

LG CineBeam Forte HU810PW im Test

20.5.2021 von Roland Seibt

Mit 3200 Euro ist der innovative Ultra-HD-Projektor „Forte“ das preiswerteste Gerät mit Dual-Laser. Mit ihm will LG die Mittelklasse erobern und hat dabei gute Karten, vor allem aufgrund der brillanten HDR-Technik, wie unser Test zeigt.

ca. 3:35 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
LG CineBeam Forte HU810PW im Test
Für das zurückgesetzte Objektiv gibt es keine Schutzkappe. An der Seite befinden sich die Räder, mit denen sich der sehr großzügige Lensshift einstellen lässt.
© LG
EUR 3182,6
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Pro

  • Dual-Laser ohne Farbrad
  • tolle Smart-TV-Funktionen
  • großer DCI-Farbraum
  • dynamische Lasersteuerung
  • Irisblende
  • Filmmaker Mode
  • Aufstellung heimkino-optimiert

Contra

  • kein 3D
  • 24p im Pulldown
  • Glitzern in Rot

Fazit

Video-Testurteil: sehr gut


81,0%

Laser sind schwer gefragt bei Heimkino-Projektoren. Die Vorteile der effizienten Lichtquelle sind nicht nur die lange Haltbarkeit (LG gibt 20.000 Stunden an), sondern auch das sehr farbreine Licht. Eine klassische Metalldampflampe erzeugt ein breites Spektrum, das alles andere als ideal für die RGB-Grundfarben ist, die unserer Bildtechnik stets zugrunde liegen.

Bei Drei-Chip-Beamern wird das Lampenlicht mit noch relativ geringem Verlust in drei Farbbereiche aufgespalten. Für Ein-Chip-DLP-Geräte wird es durch ein Farbrad geführt, das sofort circa dreiviertel der Lichtenergie frisst und in Wärme umwandelt. Aus weißem Licht wird abwechselnd Rot, Grün und Blau herausgefiltert, was nebenbei den lästigen Regenbogeneffekt erzeugt.

Jetzt steht in den technischen Daten des brandneuen LG HU810PW ganz winzig zu lesen: „Farbrad: nein“. Diese Kleinigkeit macht aber den größten Vorteil sogar gegenüber fast allen anderen Laserbeamern aus. Die beinhalten nämlich in der Regel einen blauen Laser, der wiederum gelbe Leuchtmittel bestrahlt, woraus weißes Licht resultiert – das dann wieder durch das lästige Farbrad geschickt werden muss.

LG CineBeam Forte HU810PW im Test
Bei geöffneter Irisblende wird der HU810 wohnzimmertauglich. Je mehr man sie schließt, desto besser wird Schwarz im Kellerkino.
© LG

LG setzt im HU810PW auf einen Dual-Laser, also separate Dioden für Blau und Rot, deren Schaltgeschwindigkeit so schnell ist, dass die Grundfarben sauber sequenziell dargestellt werden können. Es bleibt die große Frage offen, wie das Grün erzeugt wird.

Hier messen wir im Spektrum sehr breitbandige Farbfrequenzen, und technisch geht dies kaum anders, als dass ein Leuchtstoff durch ein drittes, schnell schaltendes Strahlungsmittel aktiviert wird. Egal, wie es passiert, der LG HU810PW basiert auf hoch effizienten Grundfarben, die so rein sind, dass der erweiterte Farbraum von HDR problemlos dargestellt werden kann.

Bisher waren Beamer froh, HDTV-Farben ordnungsgemäß abzudecken, und mussten für HDR zusätzliche Filter in den Lichtweg schieben, die wieder Energie fraßen. So ist im Normalfall das modernste 4K-HDR dann deutlich dunkler als Normal-TV. Verkehrte Welt.

LG CineBeam Forte HU810PW im Test - Labor-Messung HDR
Bildmessung HDR Ultra-HD BT.2020: Blau und Rot sind durch Laser ultrarein, Grün hingegen sehr breitbandig. LG versteht sich sehr gut auf die Anpassung der HDR-Helligkeitsfunktion, regelt das dynamisch ohne Metadaten.
© Weka Mediapublishing GmbH

LG macht es richtig und gibt dem HU810PW direkt nativ den HDR-Farbumfang mit auf den Weg, der dann für HDTV heruntergerechnet wird. Da der blaue Laser etwas zu kurzwellig und Grün sehr breitbandig ist, werden „nur“ 88 % des DCI-Kinofarbraums erzielt, 78 % BT.2020. Beides sind für Beamer allerdings Spitzenwerte – vor allem, weil sie tatsächlich bei maximaler Brillanzausbeute aus dem Objektiv kommen.

Apropos Objektiv: Hier steckt das nächste Ass im Ärmel von LG, mit dem die Beamer-Mittelklasse umgekrempelt werden soll. In der Regel besitzen DLP-Projektoren eher weitwinklige Linsen, die keinen großartigen Zoom und erst recht kein Lensshift bieten. Für eine präzise Installation in einem richtigen Heimkino gibt es daher kaum geeignete Geräte. Und genau diese Marktlücke füllt LG jetzt mit den Modellen HU810PW und AU810PW.

Letzteren, 500 Euro teureren großen Bruder haben wir auch schon unter die Lupe genommen und waren absolut begeistert (hier unser Test). Laut Datenblatt bestehen die Unterschiede allein in der Autokalibration, Steuerausgängen für 12-V-Leinwandmotoren oder RS-232 und die Einbindung kabelloser WiSA-Funklautsprecher.

LG CineBeam Forte HU810PW im Test - Anschlüsse
Im Vergleich zu seinem 500 Euro teureren Bruder verzichtet der HU810 auf den 12-V-Schaltausgang und die RS232-Steuerung. Entscheidend sind aber Bandbreite und Funktionsumfang der drei HDMI-Anschlüsse.
© LG

Alles Dinge, auf die man bei den Mehrkosten auch verzichten kann. Viel wichtiger ist, dass die gesamte Bildverarbeitung, ja sogar das komplette Smart-TV nebst Bedienkonzept (webOS 5.0) von den TV-Kollegen entliehen wurde – bis auf den Tuner und die Sprachsteuerung.

Drei HDMI-Buchsen verarbeiten 4K in 60Hz, eine bietet den Audiorückkanal – wichtig für den guten Ton der Netzwerkwiedergabe und von Video-on-Demand-Apps. Anders als üblich liefert LG hier das volle Programm.

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Beim großen Bruder monierten wir noch, dass Netflix fehle, jetzt finden wir die App und können uns Filme aussuchen, die auch in HDR laufen sollen. Nur tun sie das noch nicht. Dies wird wohl noch „work-in-progress“ sein, das vielleicht auch dafür verantwortlich ist, dass der HU810PW derzeit auf LGs Internetseite als „nicht verfügbar“ geführt wird.

Für Amazon Prime Video gibt es eine eigene Taste auf der beleuchteten Magic Remote, mit Disney und weiteren ist das Angebot vergleichsweise überragend. Wichtig für Fans des guten Bildes ist die hohe Potenz von LGs Bildverarbeitungschip und den vielen Einstellungen, die zur Bildverbesserung sowie perfektem Abgleich verfügbar sind. Von Farbraumkalibration und 10- wie 22-Punkt Grauabgleich über Bewegungsglättung und Artefaktfilter bis hin zum De-Banding ist alles da, wovon andere Beamer marken nur träumen können.

[Testsiegel] video Magazin Testurteil sehr gut
video Magazin Testurteil: sehr gut
© video Magazin / WEKA Media Publishing GmbH

Auch LGs automatische Anpassung an HDR-Inhalte erweist sich im Praxiseinsatz als äußerst funktionell. Sie arbeitet bestens zusammen mit der Irisblende und der dynamischen Lasersteuerung. Nicht ganz so begeistert waren wir von der Bewegungsdarstellung, die wir uns in filmischem 24p ohne Pulldown gewünscht hätten. Hier schafft nur die Zwischenbildberechnung Abhilfe.

Überrascht waren wir zudem davon, dass unser Muster längst nicht die Brillanz des AU810 schaffte, der ja dieselbe Lichtmaschine nutzen soll. Hier mussten wir bei der Kalibration stärker eingreifen, woraufhin bei normgerechten Farben deutlich weniger Lichtstärke erzielt wurde – allerdings bei gleich hohem Kontrast.

Dies kann durchaus am Vorseriencharakter des Testmusters liegen, das wohl, wie erwähnt, gerade finalisiert wird. Alles in allem ist die Bildqualität wegweisend – endlich ein kompromissloser Beamer, um auf Ultra-HD mit HDR-Farbraum aufzurüsten.

Fazit

Wer einen Projektor fürs Heimkino sucht, der optimal für HDR konzipiert wurde, kommt am neuen LG Forte und seiner Multi-Laser-Technologie kaum vorbei.

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