Detailliebe der dritten Generation

Leica M10 Monochrom im Test

Die dritte Generation der Leica M10 Monochrom lässt wieder auf phänomenale Detailwiedergabe hoffen. Wir prüfen die SW-Kamera im Test.

© Leica

Zu Gast im ColorFoto Testlabor: die Leica M10 Monochrom.

Pro

  • Schärfe und Detailzeichnung sind herausragend

Contra

  • Preis von 8200 Euro (UVP)

Fazit

ColorFoto Testurteil: 79 Punkte

Das Konzept der Leica M Monochrom ist einzigartig im Markt: eine Digitalkamera, die ausschließlich Schwarzweißbilder produziert. Das gibt es sonst nur bei Studiokameras mit Digitalrückteilen (Phase One); die nutzen Bildsensoren im Mittelformat (53,4 x 40 mm) mit bis zu 150 Megapixeln und kosten so viel wie ein Mittelklassewagen.

So gesehen, ist die neue Leica M10 Monochrom mit 40-MP-Schwarzweißsensor im Kleinbildformat (36 x 24 mm) gar nicht mal so teuer: 8.200 Euro muss man für das Gehäuse anlegen.

Ist es das Geld wirklich Wert?

Nicht wenige werden sich aber fragen, warum man so viel Geld für eine Kamera ausgeben sollte, die keine Farbe kann. Zumal auch die Leica-Objektive ihren Preis haben: Knapp 4.000 Euro kostet das lichtstarke Summilux-M 1,4/50 Asph., das mit der Testkamera geliefert wurde. Kurioserweise ergibt sich der Qualitätsvorteil von Schwarzweißsensoren durch das Weglassen eines Bauteils, das bei Digitalkameras sonst obligatorisch ist: ein RGB-Filter mit schachbrettartigem Muster (Bayer-Matrix) über dem Bildsensor.

Die Lichtausbeute des Schwarzweißsensors ist ungefähr doppelt so hoch wie die eines Farbsensors, da die Farbfilter viel Licht schlucken. So kann die Monochrome feine kontrastarme Details wesentlich besser erfassen.

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Leica M10 Monochrom Gehäuse

Leica M Monochrom - Gehäuse & Konnektivität

Die neue Leica ist ein Ableger der M10-Modelle mit 24-MP-RGB-Sensor. Das Gehäuse dieser Modellfamilie besteht aus Magnesium-Druckguss, ist abgedichtet gegen Staub und Spritzwasser, äußerst robust und von makellosem Finish. Bodenplatte und Deckkappe werden nicht in Form gepresst oder gegossen, sondern aus massiven Messingblöcken gefräst.

Das Gehäuse liegt satt in der Hand, ist allerdings etwas glatt. Das gilt auch für die metallene Daumenstütze an der Rückseite. Etwas mehr Griffigkeit wünscht man sich auch für die Gehäusebeschichtung, obwohl ihre feine Struktur optimal mit der mattschwarzen Metalloberfläche harmoniert.

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Bedienelemte auf das wesentliche Reduziert

Sucher & Monitor

Alle M-Modelle haben einen Leuchtrahmen-Messsucher mit automatischem Parallaxenausgleich. Die effektive Vergrößerung beträgt 0,73-fach. Das Okular ist auf 0,5 Dptr. abgestimmt, Korrekturlinsen von -3 bis +3 Dptr. sind erhältlich. Der Entfernungsmesser gibt sich durch ein helles rechteckiges Feld im Sucherzentrum zu erkennen und ermöglicht das Fokussieren nach der Misch- oder Schnittbildmethode.

Auf markante Details lässt sich gut scharfstellen, bei kleinteiligen, sich wiederholenden Strukturen wie Blattwerk gibt es eher Probleme.und/oder „Peaking“ (eingefärbte Schärfekanten) arbeitet Für den Live-View-Betrieb steht der fest eingebaute TFT-Monitor mit 3-Zoll-Diagonale und einer Auflösung von 345 000 RGB-Pixeln bereit. Im Live-View wird das Motiv – anders als im optischen Sucher – schwarzweiß angezeigt.

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Räderwerk

M10 Monochrom präsentiert sich überschaubar

An der Kameraoberseite finden sich außer dem Auslöser nur zwei Bedienelemente: Einstellräder für Verschlusszeiten und ISO. Das Verschlusszeitenrad stellt Belichtungszeiten von 1/4.000 bis 8 s bereit und rastet in halben EV-Stufen. Zu den gemeinsamen Merkmalen aller M10-Modelle gehört neben dem besonders leisen Verschluss das ISO-Rad an der linken Gehäuseoberseite. Es ist nur drehbar, wenn man es ein Stück herauszieht, was ein wenig hakelig funktioniert.

Über das Rad sind ISO-Einstellungen zwischen 160 und 12.500 in ganzen Stufen möglich. Für Zwischenstufen und Werte bis ISO 100.000 dreht man das Rad auf die M-Position, um den gewünschten Wert im ISO-Einstellungen- Menü zu wählen.

Das Angebot an Belichtungsmessmethoden variiert im Messsucher- und Live-View-Betrieb. Bei Verwendung des Messsuchers erfasst eine Fotodiode das von den Verschlusslamellen reflektierte Licht; die Messung ist stark mittenbetont.

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Leica mit Bildqualität der Extraklasse

Mit dem 40-MP-CMOS ohne Bayer- und Tiefpassfilter liefert die M10 Monochrom eine unerhört konstante Auflösung um 3.100 LP/BH zwischen ISO 160 und 12.500. Das schafft keine aktuelle KB-Kamera mit RGB-Sensor. Für eine vergleichbar konstante Grenzauflösung muss man schon das Mittelformat bemühen. Die Fujifilm GFX 50R schafft rund 3.000 LP/BH bis ISO 12.800.

Fazit

Die Leica M10 Monochrom hebt das Projekt „Schwarzweißkamera“ auf eine neue Qualitätsstufe. Schärfe und Detailzeichnung sind herausragend, die hohe Material- und Fertigungsqualität eine markentypische Selbstverständlichkeit. Eine ausschließlich manuell fokussierbare Kamera ist natürlich kein Fall für die Action-Fotografie.

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