Viel Licht, viel Schatten

Kingdom Come: Deliverance im Test

Kingdom Come: Deliverance schickt sich im Test an, den Rollenspiel-Markt aufzumischen. Doch das Entwicklerstudio leistet sich den ein oder anderen Patzer.

Kingdom Come: Deliverance im Test

© Deep Silver

Kingdom Come: Deliverance im Test
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EUR 44,50

Pro

  • Tolle Spielwelt
  • Prima Kampfsystem
  • Spielzeit von rund 50 Stunden
  • Schönes Fähigkeitensystem

Contra

  • Teils massive technische Fehler
  • Sehr ärgerliche inhaltliche Bugs
  • Fehlerhafte Quests
  • Sehr viele Ladezeiten

Fazit

Kingdom Come: Deliverance leidet unter technischen Fehlern. Schade um das eigentlich gute Spiel.
Vielversprechend

Im Test zu Kingdom Come: Deliverance fanden wir keine Orks. Auch keine Zauberer oder Dunkle Magie. Drachen erst recht nicht. Das tschechische Entwicklerstudio, die Warhorse Studios, wollten ein authentisches Spielgefühl schaffen, das Mittelalter greifbar machen. In Teilen ist ihnen das auch gelungen.

Kingdom Come: Deliverance im Test - der Einstieg

In Kingdom Come: Deliverance spielen wir Heinrich, den Sohn des ortsansässigen Schmiedes. Rüde werden wir von der Mutter geweckt und sodann mit diversen Aufgaben betreut, um ein Schwert für den adligen Herren von Radzig fertigen zu können. So lernen wir ganz seicht, wie sich das umfangreiche Rollenspiel bedienen lässt. Wir lernen Dialogsituationen kennen, erleben ein erstes Handgemenge und erfreuen uns an den zahlreichen Einträgen, die uns die Welt von Kingdom Come: Deliverance näherbringen. Doch der Schein des Friedens trügt. Nach dem Einstieg, der durchaus eine Stunde Zeit in Anspruch nimmt, tauchen am Horizont plötzlich wehende Fahnen und ein stehendes Heer auf.

König Sigismund von Ungarn steht vor den Türen unseres Dorfes und metztelt alles nieder, was nicht bei drei in der Burg Zuflucht gesucht hat. Leider gehören die Eltern Heinrichs zu den Opfern. Was daraus folgt? Fortan ist es unser Ziel, König Sigismund den Garaus zu machen. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn Heinrich ist nicht viel mehr als weiteres Zahnrad im riesigen Getriebe der altertümlichen Gesellschaft. Er ist Analphabet, ungeübt im Kampf und – das war früher wichtig – nicht adligen Geschlechts.

Kingdom Come: Deliverance im Test - die Fähigkeiten

Kingdom Come: Deliverance im Test

© Deep Silver

Und so müssen wir uns daran machen, aus dem kleinen Nichts einen echten Helden zu formen. Wir lernen das ausdauernde Rennen, indem wir eben viel rennen. Wir werden rhetorisch begabter, desto überzeugender wir in Gesprächen agieren. Wir werden trinkfester, je mehr wir saufen. Das hat durchaus authentische, aber auch entschleunigende Züge. Denn eines ist Kingdom Come ganz sicher nicht: hektisch. Wir müssen uns Zeit nehmen, um das Spiel genießen zu können. Schade nur, dass unsere Motivation immer wieder Dämpfer durch fiese Fehler erfährt. Egal ob das sehr spät ladende Texturen oder gar ganze Landschaftsteile sind. Egal ob es KI-Fehler, falsche Dialogzeilen oder der Wechsel der Sprache ins Englische ist. Derlei Fehler, die bis hin zu Abstürzen auf den Konsolen reichen, dürfen einfach nicht passieren. Nicht nach mehr als fünf Jahren Entwicklungszeit und einem mehr als 20 GB großen Day-One-Patch.

Kingdom Come: Deliverance im Test - optische und inhaltliche Mängel

Beispiele gefällig? Gern. Hin und wieder passiert es, dass die Tonabmischung nicht passt. Dann wird das Spiel plötzlich so leise, dass wir ohne Untertitel nichts mehr verstanden. Auch die Grafik lässt teilweise zu Wünschen übrig. Trotz eingesetzter CryEngine kann Kingdom Come: Deliverance nicht mit Optik-Highlights wie Uncharted oder Horizon mithalten. Das könnte man verschmerzen, wenn da nicht noch größere Baustellen wären. Teilweise mussten wir sekundenlang warten, bis sich die Landschaft nach einer Schnellreise wieder aufgebaut hatte.  Oder teilweise poppen Objekte direkt vor der eigenen Nase aus dem Nichts auf, und das auch auf den leistungsfähigeren Konsolen PS4 Pro oder Xbox One X.

Kingdom Come: Deliverance im Test

© Deep Silver

Ja, über technische Mängel kann man vielleicht an der ein oder anderen Stelle hinwegsehen. Richtig schwerwiegend werden die Fehler aber, wenn sie inhaltlicher Natur sind und zu Frust führen. Speicherprobleme, wir mussten teilweise ganze Quests wiederholen weil das Auto-Save-System nicht vernünftig läuft, kommen noch oben drauf. Zurück zu den Inhalten. Was nicht nur bei uns, sondern bei vielen anderen Spielern ebenfalls passiert: Wir schließen eine Quest erfolgreich ab, werden aber beim Questgeber nicht dafür entlohnt, weil dieser die Quest als gescheitert ansieht. So zum Beispiel geschehen als wir drei Möchtegern-Hexen vor Möchtegern-Dämonen retten.

Es ist aber beileibe nicht alles schlecht. Denn es gibt auch Quests, die zum einen sehr gut funktionieren und zum anderen auch noch zu begeistern wissen. Und die müssen wir hin und wieder gar nicht gezielt suchen. Wir finden am Wegesrand beispielsweise eine Leiche. Ein anderer Pendler gesellt sich dazu und bezichtigt uns des Mordes. Was folgt, ist ein toller Wortwechsel mit unterschiedlichen Ausgängen. Wir dürfen eine Predigt mit Multiple-Choice-Antworten führen und bekommen entsprechende Reaktionen der Gläubigen ab, wir lernen das Lesen, finden Schatzkarten ... Das alles ist es, was Kingdom Come: Deliverance auszeichnet. Schade eben, dass sich das Spiel stellenweise wie eine Beta-Version anfühlt.

Kingdom Come: Deliverance im Test - Fazit

Es sind die vielen, vielen Details, die Kindom Come eine gute Wertung verhageln. Ein wenig mehr Sorgfalt bei der Qualitätssicherung hätte dem Rollenspiel sehr gut getan. Denn die grundlegenden Features sind allesamt hervorragend. Da wäre das detailverliebte Kampfsystem, das tatsächlich auf die Ausrüstung der Kontrahenten Rücksicht nimmt und entsprechende Angriffspunkte freilegt. Auch die liebevoll gestaltete Spielwelt begeistert auf Anhieb, auch wenn sie optisch nicht ganz so opulent wie bei anderen Games daherkommt. Der Verzicht auf Fantasy-Elemente begeistert zudem. Schade, aber in dem jetzigen Stadium können wir nicht ohne Einschränkungen zu einem Kauf raten.

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