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Smartphone-Kamera

Huawei P20 Kamera im Test

Ein bisschen steht das Huawei P20 im Schatten seines großen Bruders P20 Pro. Dabei kann sich sowohl die Ausstattung als auch die Bildqualität des „einfachen“ P20 durchaus sehen lassen, wie unser Kamera-Test zeigt.

Huawei P20 Kamera Test

© Huawei

Das Huawei P20 ist mit einem 5,8 Zoll großen IPS-Display ausgestattet, das mit 1.080 x 2.244 Pixeln auflöst.

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EUR 350,18

Pro

  • Gute Bildqualität
  • Gute Verarbeitung
  • Gute Kamera-App
  • Blickwinkelstabiles Display

Contra

  • Ausgeprägte Vignettierung
  • Keine IP67-Zertifizierung
  • Keine Monochrome-DNGs

Fazit

ColorFoto Testurteil: 55,5 Punkte

Im Vergleich zur Drei-Kamera-Maschine Huawei P20 Pro kommt das Huawei P20 mit zwei Kameras fast schon traditionell daher. Dennoch haben es auch diese beiden Kameramodule in sich: eine 12-MP-Farbkamera mit f1,8/3,9-mm-Objektiv und eine 20-MP-SW-Kamera mit einem f1,6/3,9-mm-Objektiv. Beide Brennweiten entsprechen einer 27 mm-KB-Brennweite.

Gehäuse und Ausstattung

Beim Design setzt Huawei beim P20 auf zwei Glasplatten an Vorder- und Rückseite, die ein Alurahmen zusammenhält. Das sieht cool aus, fühlt sich cool an, ist allerdings etwas rutschig. Verwunderlich fanden wir, dass das P20 – im Gegensatz zur Pro-Version – nicht wasserfest nach IP67 ist. Zum Preis von 550 Euro würden wir das erwarten. Sonst aber ist die Verarbeitung auf höchstem Niveau. Das P20 misst 149 x 71 x 8 mm und wiegt 165 g. Erhältlich ist es in den Farben Schwarz, Blau und Pink.

Geliefert wurde das P20 mit Android 8.1.0. Als Prozessor dient wieder das hauseigene Spitzenmodell Kirin 970, der Arbeitsspeicher fasst 4 GB. Der Chipsatz enthält zudem einen für maschinelles Lernen optimierten Rechenkern namens Neural Processing Unit (NPU). Er ist speziell für Aufgaben wie die Objekterkennung in Bildern optimiert.

In der Praxis bedeutet dies: Das Huawei P20 erkennt beispielsweise Gras und versucht, es noch etwas grüner abzubilden. Im Menü kann man die dort „AI“ genannte Funktion auch abschalten und erhält dann weniger plakative, dafür jedoch realistischere Bilder.

Huawei P20 Dual Kamera

© Huawei

Huawei P20 Dual Kamera

Das 5,8 Zoll große Display im 18:9-Format ist mehr als ausreichend groß und praktisch randlos. Seine Auflösung beträgt 2.240 x 1.080 Pixel. Auch wenn kein OLED verbaut ist wie im Pro-Modell, sind Helligkeit, Farbintensität und Blickwinkelstabilität sehr gut. Speziell bei der Bildbeurteilung hinterlässt das Display einen ausgezeichneten Eindruck. Die Farben sind lebendig, aber nicht übertrieben.

Die Doppelkamera hat bei Huawei Tradition. Durch die fehlenden Farbfilter ist die SW-Kamera wesentlich lichtempfindlicher, was die Detailzeichnung auch bei guten Lichtverhältnissen verbessert. Das Linsensystem stammt von Kooperationspartner Leica. Das P20 verrechnet die beiden Bilder zu einem maximal 20 MP auflösenden Farbfoto im JPEG-Format. RAW-Bilder basieren alleine auf dem Farbsensor und haben entsprechend maximal 12 MP. Reine SW-Bilder sind ebenfalls möglich, dann kommt der SW-Sensor solo zum Einsatz und lieferte ebenfalls ein 20-MP-Bild. Die Frontkamera arbeitet mit einer Auflösung von 24 MP.

Bedienung

Huawei hat die Kamera-App moderat überarbeitet. Zu den wenigen Einstellmöglichkeiten der Schnellmenüleiste gehören Bildstil (Standard, Kräftige Farben, Weiche Farben), Blitzmodus und Einstellungen. Dazu kann man eine „Momente“-Funktion an- und ausschalten: Ähnlich der Live-Bild-Funktion schießt sie mehrere Bilder in sehr schneller Reihenfolge.

huawei p20 kamera monochrome modus

© Reinhard Merz / ColorFoto

Für Liebhaber: Der Schwarzweißsensor macht es auch solo – als nettes Werkzeug für gestandene Schwarzweiß-Liebhaber.

Die Funktionen Porträt und Blende, die beim Huawei P10 noch an dieser Position standen, sind jetzt ins untere Menü gewandert. Weiterhin gibt es dort Foto, Video, Pro und „mehr“. Unter „mehr“ findet sich auch die Option „Monochrom“ für SW-Bilder mit 20 MP. Dazu gibt es hier unter anderem einen HDR-Modus, Modi für Zeitraffer- und Zeitlupenvideos, Panorama und Nachtaufnahmen, Audionotizen und für die „Lichtmalerei“. Mit diesem Namen bezeichnet Huawei verschiedene Arten von Langzeitbelichtungen wie Rücklichtspuren, Lichtgraffiti, Sternspuren und seidiges Wasser. Sie erfordern ein bisschen Übung, lassen sich mit Stativ aber durchaus sinnvoll einsetzen.

Der Pro-Modus

Wer die Belichtungssteuerung gezielt beeinflussen will, sollte beim Fotografieren in den Pro-Modus wechseln. Bei den Messmethoden können Sie zwischen Matrix, Mitte und Spot, wählen, bei den AF-Modi zwischen AF-S, AF-C und komplett manueller Fokussierung. Hier findet man auch die manuelle Belichtungssteuerung für ISO (50-3200), Belichtungszeit (1/4000 – 30 s), Belichtungskorrektur (±4 Blenden) und den Weißabgleich. Vor allem der stufenlose WB leistet bei diffizilen Motiven gute Dienste.

huawei p20 kamera pro modus

© Reinhard Merz / ColorFoto

Nicht nur für Professionals: Wer die beste Bildqualität möchte, wechselt in den Pro-Modus. Hier hat man die Kontrolle über fast alle relevanten Belichtungsparameter.

Nur bei der Pro-Funktion ist der RAW-Modus verfügbar. Es gibt zwar eine Zeit-Automatik zu vorgewählten ISO-Werten, doch eine ISO-Automatik zu vorgewählten Belichtungszeiten fehlt. Insgesamt hat uns die Benutzerführung von Huawei aber gut gefallen. 

Bildqualität

Auch bei der Bildqualität kann das Huawei P20 überzeugen. Egal, ob Out-door mit rennenden Kindern oder In-door bei hohem Kontrast zwischen draußen und drinnen: Das Huawei P20 gibt sich kaum eine Blöße. Schon die JPEGs erzielen einen für Smartphone-Verhältnisse gleichmäßigen Eindruck – solange man im Pro-Modus fotografiert

 Die aktivierte AI-Funktion im Auto-Modus kann dagegen zu Überraschungen führen, da sie teils kräftig eingreift. Die AI-Technik analysiert Motive in Echtzeit. Die Kamera soll dadurch schneller erkennen, was der Fotograf in den Fokus nimmt und die Bildeinstellungen im Automatik-Modus je nach Motiv entsprechend anpassen. Die Ergebnisse wirken aber häufig etwas unnatürlich, sodass wir AI meist ausgeschaltet haben. Alternativ kann man auch gleich den Pro-Modus ohne AI wählen.

Wenn der Monochrom-Modus aktiviert ist, erstellt das Huawei mit seinem 20-MP-Sensor ein Schwarzweißbild, das im Test mit guter Schärfe zu gefallen wusste. Allerdings sind die Bilder zugleich recht hart abgestimmt, was schade ist. DNGs liefert der Monchrome-Sensor nicht.

Unsere Messergebnisse basieren deswegen auf den 12-MP-Farbfotos des Farbsensors im RAW-Modus. Die Resultate sind gut was Schärfe, Detailzeichnung und Rauschen angeht, und können mit denen von anderen 12-MP-Kameras absolut mithalten. Allerdings stört die ausgeprägte Vignettierung.

Lesetipp: Huawei P20 im Test bei connect

Fazit

Gute Verarbeitung, gute Kamera-App, gute Bildqualität plus Schwarzweiß-Sensor für die besonderen Bilder: Mit dem P20 hat Huawei ein überzeugendes Fotopaket geschnürt. Das Problem ist die Huawei P20 Pro. Für 200 Euro Aufpreis packt das Pro-Modell auf das P20-Paket echten Mehrwert drauf: ein 3-fach-Tele (wenn auch nur mit JPEG-Daten) und RAW-Bilder mit 40 MP. Unsere Empfehlung lautet deswegen: Nicht die rundum gute P20 kaufen, sondern die noch bessere Huawei P20 Pro!

Huawei P20 Kamera: Testergebnisse

  • Punkte Bildqualität 1.000/250/63 Lx/Tele 1.000 Lx: 50/42/30,5/0
  • Punkte Bedienung / Performance: 14,5
  • Gesamtpunktzahl: 55,5 Punkte

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