LCD Fernseher

Hisense 55A7GQ im Test

7.10.2021 von Roland Seibt

In der Mittelklasse beschränken sich Hersteller gern auf LCD-Displays mit 60Hz Bildrate. Hisense zeigt hier im 55A7GQ, wie man das richtig macht. Der Test.

ca. 3:55 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
Hisense-55A7GQ-Fernseher
Für seine Preisklasse wirkt der A7 mehr als anständig verarbeitet.
© Hisense

Pro

  • sehr guter Blickwinkel
  • Dolby Vision/Atmos und HDR10+
  • vQuantum Dot Farbbooster
  • Alexa und Google Assistant

Contra

  • flaues Schwarz
  • zu wenig HDR-Leuchtkraft

Fazit

Video-Testurteil: sehr gut; Siegel: Kauftipp


82,0%

Normalerweise schweben wir Testredakteure in Sphären allerhöchster Qualitätsansprüche. Ab und zu ist es da gar nicht schlecht, mal auf den Boden der Tatsachen zurückzufinden. Und die bestehen eben darin, dass die öffentlich-rechtlichen Sender über Satellit nicht einmal Full-HD nutzen und viele Menschen die Privatsender sogar nur in SD schauen. Ultra-HD mit HDR in perfekter Qualität findet nur über teure Blurays statt, die betreffenden Filmenthusiasten gönnen sich hier gerne passendes High-End-Eqipment.

Video-on-demand gilt als Heilsbringer, doch bei Amazon Prime Video gibt es längst nicht jeden Film in perfektem 4K. Und offizielle Zahlen dazu, welcher Anteil der Netflix-Nutzer die teuerste Abovariante mit Ultra-HD-Option abgeschlossen hat, gibt es nicht. So ist bei normalen TV-Inhalten der Vorteil eines hypermodernen HDR-TVs kaum nachvollziehbar, da selbst HDTV auf Farbmodellen basiert, die vor über 50 Jahren für Bildröhren-TVs entwickelt wurden – kontrastarm und in Full-HD sogar noch mit Interlace-Flimmern.

Die besten TV-Geräte brillieren hier durch Kontrastoptimierungen, Rauschfilter und Artefaktreduktion sowie Entruckeln von Kinofilmen mittels intelligenter Zwischenbildberechnung. Und all das bietet der Videoprozessor des hier vorgestellten Hisense 55A7GQ auch. Er ist eng verwandt mit dem in getesteten TV-Highlight U8GQ, nur fehlen hier die beiden Attribute „lokales Dimmen“ und „120-Hz-Panel“, die für bestes HDR nötig sind.

Hisense-55A7GQ Fernseher
Hisense hat das smarte Hauptmenü an gelernte Strukturen angepasst. Die beiden Marktführer im Video-on-Demand sind an Bord, weitere sollen in Kürze folgen.
© Hisense

Bildeindruck des Hisense 55A7GQ

Die guten Nachrichten sind, dass das Panel zwar nur 60 Hz unterstützt, es aber auch auf der ADS-Technik basiert – laut Displayhersteller einer Weiterentwicklung von IPS-LCD. Dass es beim Hisense dadurch unter seitlichem Blickwinkel zu keinerlei spürbaren Verfärbungen vom Mischtönen kommt, die den Bildeindruck anderer Fernseher schnell verleiden, davon kann sich jeder schnell selbst überzeugen – unsere Messungen stellen das aber nochmals klar.

Und warum soll man überhaupt zu einem 120-Hz-Panel greifen, wenn ganz Hollywood der Bewegungsglättung entsagt und im „Filmmaker-Mode“ das Material so sehen will, wie es der Regisseur geschaffen hat: mit 24 Bildern pro Sekunde? Die Antwort hierauf ist schnell gefunden: „Weil 120 durch 24 teilbar ist, 60 jedoch nicht“. Auf einem 120-Hz-Panel kann ein Filmbild einfach fünfmal hintereinander gezeigt werden und behält sein perfektes Timing. Auf einem 60-Hz-Panel wird das erste Filmbild hingegen drei Zyklen lang gezeigt, das nächste zwei Zyklen, dann wieder drei, zwei, usw. Das unsymmetrisch ruckelnde Verfahren nennt sich „2:3-Pulldown“ und wird seit Einführung von NTSC zur Darstellung von Kinofilmen im TV verwendet.

Hisense-App und Fernsteuerung
TV-Apps lassen sich vom Smartphone aus starten und mit der Smartphone- App „Remote Now“ kann das Handy als Fernsteuerung fungieren.
© Hisense / Screenshot: PC Magazin

Ein Hersteller kann es nur umgehen, wenn er per intelligenter Zwischenbildberechnung echte 60 Bilder aus 24 Quellframes errechnet oder man das Panel nativ mit zum Beispiel 48 Hz ansteuern kann. Beim Hisense 55A7GQ kommen beide Lösungen in Betracht. Schaltet man die Bewegungskompensation aus, stottert es im Pulldown. Auf „Stark“ kommt jede sechzigstel Sekunde eine verflüssigte Bewegungsphase, bei „Film“ gibt es jedoch glasklare 24 Bilder pro Sekunde im unveränderten Kinolook. Das wäre locker gut genug für einen Filmmaker-Modus, doch den besitzt das Gerät nicht.

Allerdings wirken die Varianten „Kino Tag“ und „Kino Nacht“ auch super, sind sie doch ab Werk schon mit einer Farbgestaltung ausgestattet, die den Anforderungen Hollywoods gerecht wird. Auch für Gamer ist die Sache mit den Filmbildern pro Sekunde wichtig. Je nach Leistung des Zuspielers kommt es zu Tearing und die Bildrate müsste verringert werden.

Das ist wiederum nur mit der HDMI- 2.1-Technik „VRR“ also variabler Refresh Rate möglich, die Hisense nun unterstützt. Wegen des Panels muss die Bildrate sich allerdings zwischen 48 und 60 Hertz bewegen – immerhin. Kurios ist dann, dass der TV bei Full-HDZuspielung sogar 120 fps erlaubt, dann aber jedes zweite Bild logischerweise nicht anzeigen kann.

[Testsiegel] video Magazin Kauftipp
Der Hisense 55A7GQ überzeugt in unserem Test und erhält daher den video "Kauftipp".
© video Magazin / Weka Media Publishing GmbH

Raumlichteinfluss - Hisense A7GQ Fernseher

Bei einem so preiswerten TV-Gerät, das zudem teure Features wie Dolby Vision/Atmos, Sprachassistenten und viel Smart-TV bietet, muss es irgendwo einen Pferdefuß geben. Der liegt hier in der Kontrastleistung des Panels. Im sonnendurchfluteten Wohnzimmer hätte man nachmittags einfach gerne mehr als 350 Nits Maximalbrillanz, und abends nimmt man den mauen Schwarzwert dann voll wahr. An sich ist das LCD-Panel technisch sogar recht gut, aber ohne lokales Dimmen des Backlights kann man nicht mehr erwarten.

Um Längen besser verhält sich hier der große Bruder U8GQ, auf den der geneigte HDR-Fan ausweichen sollte. Immerhin mildert Hisense auch im A7GQ das Ergrauen von Schwarz durch einen Raumlichtsensor, der in seiner Wirkungsweise sogar abstimmbar ist. So kann automatisch nachmittags mit hoher Lichtstärke geschaut werden, und abends fahren sich Leistung und Schwarzwert auf gutes Bildröhrenniveau herunter, das für HDTV immer noch als eigentliche Studioreferenz gilt.

So wirkt der A7GQ im Kinomodus insgesamt fast schon langweilig, so akkurat, sauber und ohne Ecken und Kanten verarbeitet er die Bildquellen. Der Standardmodus erscheint wie üblich deutlich frischer und polarisiert stärker: die Farben knackiger, Kontraste dynamisiert, Gesichter wirken arg künstlich. „So eine Bildverbesserung will der Kunde draußen“, bekommen wir immer wieder zu hören. Jedenfalls gibt es an der gesamten Bildaufbereitung nichts Entscheidendes auszusetzen – bis auf den lahmen Kontrast. Erst recht passt alles, wenn man die Preisklasse bedenkt.

Sound des A7GQ

Ebenfalls schwerfällig in puncto Dynamik offenbaren sich die klanglichen Fähigkeiten des A7GQ. Tiefbass und feinste Höhen vermissen wir, immerhin wirken Stimmen nicht näselnd oder gar gequält. Das Gerät profitiert von Dolbys Atmos-Algorithmen, die das gesamte Klangbild etwas ausgleichen und Räume öffnen. Es gilt aber wieder: Man findet in dieser Preisklasse kaum Besseres.

Fazit

Bei normalen Fernsehsignalen ist der Hisense 55A7GQ näher an den Qualitätsmaximen der Filmemacher dran als so manch teureres Modell. Dazu überzeugt das jetzt smartere Gesamtpaket.

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