Open-World-Adventure der "The Evil Within"-Macher

Ghostwire: Tokyo im Test: Atmosphäre schlägt Welt-Design

30.3.2022 von Alana Friedrichs

Mystery im verregneten Tokio: Wir haben uns Tango Gameworks neues Action-Adventure "Ghostwire: Tokyo" angeschaut. Was das Spiel kann, lesen Sie im Test.

ca. 4:40 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
Aufmacherbild für Ghostwire Tokyo zeigt Aktio, im Hintergrund Bösewicht Hannya
Was Bösewicht Hannya (im Hintergrund) mit unserer Schwester vorhat, wird erst im Spielverlauf klar.
© Bethesda Softworks / Tango Gameworks
EUR 47,84
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Pro

  • tolle Atmosphäre
  • liebevolle Darstellung von Tokio und der Shinto-Sagenwelt
  • sympathische Hauptcharaktere
  • abwechslungsreiche und oft humorvolle Nebenmissionen

Contra

  • Open-World-Einheitsbrei
  • Story ist nur zweckdienlich
  • Hauptgeschichte besteht aus vielen uninspirierten Aufgaben

Fazit

"Ghostwire: Tokyo" übernimmt viel Bekanntes und setzt manches davon überraschend lieblos um. Mechanisch kann das Spiel so auf dem Papier weder beim Welt-Design noch bei der Handlung begeistern. Dennoch hat uns das Spiel bis zum Ende Spaß gemacht. Dafür sorgt vor allem die liebevolle Gestaltung Tokios, die dichte Atmosphäre und die beiden Protagonisten.


Gut

Wer Tango Gameworks sagte, musste bisher auch Horror sagen. Nicht nur steht hinter dem Spielestudio mit Shinji Mikami einer der führenden Köpfe der Resident Evil-Reihe. Auch das Studio selbst fokussierte sich lange auf Horror-Spiele. Nun traut sich das Studio mit "Ghostwire: Tokyo" auch, kleinere Schritte in neuen Gefilden zu gehen.

Denn wirklicher Horror ist "Ghostwire: Tokyo" nicht. Geister und Untote gibt es hier zwar genug. Dennoch versprüht das Spiel viel eher eine Mystery-Atmosphäre beim Erkunden des verlassenen Tokios.

Aber der Reihe nach...

Ghostwire: Tokyo im Test: Worum geht's

"Ghostwire: Tokyo" beginnt mitten in Shibuya, einem Stadtbezirk von Tokio. Dort sucht der Geist KK verzweifelt nach einem toten Körper, den er übernehmen kann. Dank eines Motorradunfalls findet er den auch rechtzeitig - nur dass die Person in dem Körper gerade noch lebt.

Fortan müssen also KK und der Student Akito - besagte Person und unsere Spielfigur - sich einen Körper teilen. Gleichzeitig haben sich die Einwohner Tokios durch einen mysteriösen Nebel in Luft aufgelöst. Als wäre das nicht schlimm genug, entführt daraufhin ein Maskierter namens Hannya die Schwester von Akito für seine düsteren Zwecke.

Um die Probleme zu lösen, müssen Akito und KK fortan zusammenarbeiten.

Ghostwire: Tokyo im Test: AAA-Einheitsbrei und Story von der Stange

Wie in dieser kurzen Einleitung klar werden dürfte, ist die Geschichte von "Ghostwire: Tokyo" mehr Mittel zum Zweck als eigenständiges Highlight des Spiels. Nicht nur klingt sie bereits nach den ersten Spielminuten recht abgedroschen. Auch der Aufbau der Handlung macht uns direkt klar, dass die Story hauptsächlich dazu dient, uns von Punkt A zu Punkt B zu bringen und uns dabei die Spielwelt von "Ghostwire: Tokyo" erkunden zu lassen.

Bei dieser handelt es sich prinzipiell um eine Open World, allerdings sind große Teile der Spielwelt zu Beginn in den tödlichen Nebel getaucht, der die Einwohner Tokios auf dem Gewissen zu haben scheint. Um mehr von der Welt freizuschalten, gilt es, Torii-Schreine in ganz Tokio zu reinigen.

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Wer meint, dieses Spielprinzip so oder so ähnlich bereits in Titeln wie Far Cry, Assassin's Creed oder Horizon gesehen zu haben, liegt richtig. Insgesamt bedient sich "Ghostwire: Tokyo" seht stark am vorherrschenden Open-World-Einheitsbrei bestehend aus Gegner-Basen, Sammel-Quests und Mini-Events am Wegesrand. Den Vogel schießen dabei die rund 240.000 Seelen ab, die es auf Straßen, Seitengassen und Hausdächern in Gruppen von ca. 100 Stück einzusammeln gilt.

Alle, die bereits nach diesen drei Absätzen keine Lust mehr auf "Ghostwire: Tokyo" haben, kann ich gut verstehen. Beim Design macht das Spiel wenig neu, kopiert dafür vieles halbgar und streckenweise fühlte sich "Ghostwire: Tokyo" so mehr nach Arbeit als nach Unterhaltung an. Wer sich davon jedoch nicht abschrecken lässt, bekommt auch die guten Seiten von "Ghostwire: Tokyo" zu sehen. Denn wir hatten beim Testen trotz aller Kritik ordentlich Spaß an dem Mystery-Adventure.

Spielszene aus Ghostwire Tokyo: Aktio bekämpft feindliche Geister
Dank KKs Zauberkräften knöpfen wir uns die gegnerischen Geisterhorden problemlos vor.
© Bethesda Softworks / Tango Gameworks

Ghostwire: Tokyo im Test: Trotzdem gut unterhalten

Dass "Ghostwire: Tokyo" trotz seiner Schwächen für ordentlich gute Laune sorgen kann, liegt vor allem an der Liebe der Entwickler*Innen zur Stadt selbst. Auch abseits der großen Landmarken ist Tokio liebevoll und detailliert gestaltet und wie im echten Vorbild geben sich Moderne und Tradition in der Spielwelt die Hand. Auch die Verbindungen zum in Japan weit verbreiteten Shintoismus, auf dem das Spiel einen großen Teil seines Worldbuildings aufbaut, sind fantastisch umgesetzt.

Die Nebenmissionen, die wir von Geistern überall in der Welt zugeschoben bekommen, sind uns ebenfalls positiv im Gedächtnis geblieben. Anders als die Hauptstory nehmen sich die meist recht kurzen Geschichten nicht zu ernst, sind deutlich abwechslungsreicher und erlauben einen tieferen Einblick in die Shinto-Sagenwelt.

Außerdem schafft es "Ghostwire: Tokyo" mit seiner verlassenen Kulisse, dem ewig andauernden Regen und dem wabernden Nebel am Horizont genau die richtige Atmosphäre für das mysteriöse Setting zu schaffen. Die vereinzelt herumstreunenden Katzen und Hunde, die neben Geistern die einzigen NPCs des Spiels darstellen, tun dazu ihr übriges.

Positiv hervorzuheben sind auch die beiden Protagonisten der Geschichte. Akito und KK brauchen als Buddy-Gespann im gemeinsamen Körper etwas Zeit, um miteinander warm zu werden. Nach und nach lernen die beiden jedoch, einander zu vertrauen. Beide sind sympathisch geschrieben und werfen sich im Verlauf des Spiels auch den ein oder anderen Spruch an den Kopf. Trotz der eindimensionalen Handlung sind uns die beiden so ans Herz gewachsen.

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Ghostwire: Tokyo im Test: Wohin nur mit dem Kampfsystem?

Bisher ließen sich alle angesprochenen Punkte betreffend "Ghostwire: Tokyo" klar einteilen. Flop: Open-World-Design und Handlung; Top: Atmosphäre, Setting und Protagonisten.

Schwerer fällt die Zuordnung des Kampfsystems. Dank KKs Geisterkräften kämpfen wir uns hauptsächlich mit Zauberkräften durch die Geisterwelt, die durch traditionelle Kuji-kiri-Handzeichen ausgelöst werden.

Dabei verfügen wir über drei Elementar-Zauber bestehend aus Wind, Wasser und Feuer. Ersterer ist schwach, aber schnell, zweiterer trifft mehrere Gegner auf kurze Entfernung und letzterer macht ordentlich Schaden, steht uns aber nur eingeschränkt zur Verfügung. Jeden der Zauber können wir zusätzlich aufladen. Komplettiert wird unser Kit mit Pfeil und Bogen, einem Nahkampfangriff, einer magischen Barriere und Talismanen.

Das wirkt alles erst einmal frisch und sieht auch cool aus. Nach kurzer Zeit wird aber klar, dass es sich größtenteils um Standard-Shooter-Mechaniken handelt, die auf das mysteriöse Setting umgemünzt wurden. Was prinzipiell nichts Schlechtes ist und im Rahmen des Spiels auch funktioniert. Trotzdem geht nach dieser Erkenntnis die Epik der Kämpfe gegen die Geisterhorden ein wenig verloren.

Ghostwire: Tokyo im Test: Fazit

"Ghostwire: Tokyo" übernimmt viel Bekanntes und setzt manches davon überraschend lieblos um. Mechanisch kann das Spiel so auf dem Papier weder beim Welt-Design noch bei der Handlung begeistern. Dennoch hat uns das Spiel bis zum Ende Spaß gemacht. Dafür sorgt vor allem die liebevolle Gestaltung Tokios, die dichte Atmosphäre und die beiden Protagonisten.

Wer gerne auf der Jagd nach Geistern durch die verlassene und veregnete Hauptstadt Japans ziehen möchte, darf dem Spiel gerne eine Chance geben. Genauso alle, die immer noch Freude an Standard-Open-Worlds finden können. Wer auf der Suche nach einem innovativen AAA-Titel oder einer mitreißenden Story ist, sollte von "Ghostwire: Tokyo" hingegen eher die Finger lassen.

Tipp: Sie möchten unsere Spieletests direkt bei Steam lesen? Dann folgen Sie unserer Steam-Kurator-Seite.

Ghostwire: Tokyo – Offizieller Gameplay-Trailer "Hannya"

Quelle: Sony

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