Keine Revolution

Far Cry 6 Test: Guerilla-Spaß mit Tücken

7.10.2021 von Laura Pippig

Far Cry 6 handelt von einer Revolution, ist aber selbst kein großer Fortschritt gegenüber der vorherigen Teile. Wir verraten im Test, ob Far Cry trotzdem noch Spaß macht.

ca. 6:40 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
Far Cry 6 Test
Antón Castillo hat das Land und und sein Sohn Diego fest im Griff.
© Ubisoft

Pro

  • wunderschöne Spielwelt, die an Far Cry 3 erinnert
  • interessanter Antagonist
  • Mehr Taktik durch Waffen, Outfits, Munition- und Gegnertypen
  • tierische Begleiter
  • spaßiges Gameplay
  • tolle Effekte

Contra

  • durchwachsene Synchro und sinnlose Dialoge
  • blasser Hauptcharakter
  • schlechte Wegfindung der NPCs und schwammige Fahrzeug-Steuerung
  • nervige Neustarts von Missionen (keine eigenen Speicherpunkte)
  • repetitives Missionsdesign

Fazit

Far Cry 6 ist spaßige Shooter-Action, aber wenig überraschend. Ubisoft dürfte sich ruhig mehr bei der Story, den Charakteren und dem Missionsdesign trauen. Insgesamt eine gute Spielerfahrung.


Gut

Die "Far Cry"-Reihe ist seit jeher ein Auf und Ab, was spielerische Qualität angeht. Far Cry 3 gelang 2012 ein echter Glücksgriff, als die Entwickler zusammen mit Schauspieler Michael Mondo in Form von Vaas einen einprägsamen und einzigartigen Bösewicht erschufen. Dies löste einen regelrechten Hype um das Spiel aus, wodurch Far Cry 3 bis heute zum absoluten Favoriten der Reihe zählt.

Mit Pagan Min und Joseph Seed gab es zwar auch ein paar starke Performances - besonders durch die Leistungen von Troy Baker und Greg Bryk - doch selbst diese konnten Fans nicht vom Vaas-Hype abbringen. Das ging schon so weit, dass vielerseits vermutet wurde, dass ein Charakter aus Far Cry 6 eventuell Vaas in jungen Jahren sein könnte. Was natürlich dementiert und widerlegt wurde.

Nun wagt Ubisoft mit ihrem neuen Titel einen weiteren Versuch, an das Erbe ihres besten Bösewichts anzuknüpfen. Nicht umsonst haben sie sich mit Giancarlo Esposito einen bekannten Schauspieler an die Seite geholt, der für die Verkörperung von zwielichtigen Charakteren berüchtigt ist. Wir testen, ob das ausreicht, um Far Cry 6 zur Revolution zur verhelfen oder ob der Titel doch nur ein gescheiterter Putschversuch ist.

Far Cry 6 Yara
Unser selbsterklärtes Ziel: Castillo ausschalten. Yara befreien.
© Screenshot: PC Magazin / Ubisoft

Far Cry 6 im Test: Die Story

Im Vorfeld zur Veröffentlichung von Far Cry 6 wurde Giancarlo Esposito für seine Rolle als Diktator Antón Castillo regelrecht ausgeschlachtet und so oft gezeigt, dass man meinen könnte, er wäre der eigentliche Hauptcharakter. Doch Far Cry 6 ist nicht die "Antón Castillo"-Show, sondern will uns einen waschechten Guerilla-Krieg auftischen. Das fiktive Land Yara ist so zerrüttet, dass dies das letzte Mittel zu sein scheint, um die Menschen dort zu befreien.

Der fiese Machthaber soll dabei einerseits brutal und gefährlich wirken, aber durch seinen beliebten Darsteller sowie die Rolle als strenger, aber irgendwie liebender Vater dennoch nahbar und sympathisch wirken. Das Problem dabei: Je heller der Bösewicht in einer Geschichte scheint, desto blasser wirkt der eigentliche Protagonist. In den Trailern war von Hauptcharakter Dani Rojas kaum etwas zu sehen. Dabei ist der Bezug zum Hauptcharakter schon immer ein großes Problem in der Far Cry Reihe gewesen, da dessen Hintergrund uns ja eigentlich zum Kampf gegen den Antagonisten motivieren soll.

Far Cry 6: Giancarlo zerlegt die Guerilla-Waffen | Ubisoft [DE]

Quelle: Ubisoft
Das Marketing-Team konnte von Schauspieler Giancarlo Esposito nicht genug kriegen.

Nun dreht sich Far Cry 6 vor allem um die Freiheit und eine Revolution, die am Anfang noch recht aussichtslos erscheint. Dani ist aber quasi eine Ein-Mann-Armee und schafft im Alleingang, was andere nicht mal ansatzweise hinkriegen. Dabei will sich unser Charakter dem Widerstand eigentlich gar nicht anschließen. Die persönliche Motivation zu diesem Schritt, die am Rande mal erwähnt wird, spielt leider kaum eine Rolle. Schade, denn Verlust und Trauer könnten gute Mittel sein, um uns Danis Charakter näher zu bringen.

Jedenfalls ist das Hauptthema von Far Cry 6 der Kampf gegen die Diktatur in Yara. Wir müssen die unterschiedlichen Regionen von ihren gefährlichen Herrschern befreien, um Castillo zu schwächen und letztendlich ausschalten zu können. Das gipfelt immer wieder in Guerillakämpfen, Straßenschlachten und anderen halsbrecherischen Aktionen. Dennoch gibt es keine Graustufen zwischen den Parteien, denn wir als Hauptcharakter sind zweifellos gut und die Regierung abgrundtief böse. Das wird uns in Form von Kriegsverbrechen und grausamen Szenen auch immer wieder vor die Nase gehalten.

Far Cry 6 Hauptcharakter
Hautcharakter Dani Rojas kann sowohl männlich als auch weiblich sein.
© Ubisoft

Die einzigen Momente, in denen ein Zwiespalt zwischen den Positionen wirklich spürbar wird, ist dann, wenn es sich um Castillos Sohn Diego dreht. Dieser muss die schwere Entscheidung treffen, ob er sich seinem Vater anschließt oder sich offen gegen die brutale Tradition wehrt, die Castillo über Jahre aufgebaut hat. Gerne hätte dieser Aspekt noch etwas mehr Raum finden können, doch das ganze Thema ist stets zu weit weg, um wirklich greifbar zu sein.

Ob das Ende des Spiels diesen Konflikt zufriedenstellend zu Ende bringen kann, ist sicherlich Ansichtssache. Wir fanden die Story für "Far Cry"-Verhältnisse aber interessant und unterhaltsam genug, um dabei zu bleiben. Auch wenn die Qualität der (deutschen) Synchro teilweise schwankt und viele Dialoge sich in pathetischen Aussagen verlieren. Von Giancarlo Esposito sieht man allgemein recht wenig, was viele Fans enttäuschen dürfte.

Far Cry 6 - Offizieller Story-Trailer - gamescom 2021 | Ubisoft [DE]

Quelle: Ubisoft
Die Story von Far Cry 6 war vielversprechend, schöpft das Potential aber nicht ganz aus.

Far Cry 6 im Test: Gameplay und Spielgefühl

Das Gameplay in Far Cry 6 ist definitiv spaßig und macht Lust auf mehr. Egal ob es darum geht, die Spielwelt zu Fuß, zu Pferd, mit dem Fallschirm, Wingsuit oder Kletterhaken zu erkunden, feindliche Lager zu übernehmen oder der Hauptstory zu folgen. Negativ fallen hier lediglich die schwammige Fahrzeug-Steuerung und die fehlerhafte Wegfindung der NPCs auf, sowohl bei Gegnern als auch bei Verbündeten. Auch das Missionsdesign könnte abwechlungsreicher sein, da wir im Grunde meist das gleiche tun.

Außerdem dauert es meist zu lange, bis Dani ein neues Level erreicht. Das Levelsystem ist nämlich nicht an Abschüsse oder Erkundung gebunden wie in anderen Spielen, sondern an Guerilla-Aktionen. Wir erhalten Levelpunkte also vor allem für den Abschluss von Missionen und Zerstörung von bestimmten Objekten (zum Beispiel Fahrzeugen). Teilweise laufen wir dadurch stundenlang mit dem selben Level herum.

Far Cry 6 Arsenal
Besondere Werte bekommen wir durch unsere angelegte Ausrüstung.
© Screenshot: PC Magazin / Ubisoft

Außerdem dürfen wir beim Levelaufstieg keine Punkte verteilen, was dem Spiel vielleicht ganz gut getan hätte. Denn der Tiefgang fehlt etwas. Zwar gibt es durchaus taktische Möglichkeiten durch die verschiedenen Waffen, Outfits mit besonderen Boni, Gegner- sowie Munitionstypen. Doch das wirkt sich meist nur oberflächlich auf das Gameplay aus. Besonders gefallen haben uns dafür die tierischen Begleiter (Amigos), die wir sogar füttern und streicheln dürfen.

Das Spielgefühl schwankt in Far Cry 6 außerdem erschreckend oft zwischen zu albern und zu ernst: Mal sollen wir Plantagen zerstören, die mit fiesen Pestiziden besprüht werden und bei den Arbeitern Vergiftungen oder Krebs verursachen. Mal machen wir Witze darüber, wie viel Spaß es doch macht, Guerillakrieger zu sein. Mal sehen wir mit an, wie ein Verbündeter vom Regime gefangen genommen, gefoltert und ermordert wird. Mal stürzen wir uns in absurde Hahnenkämpfe als Aktivität in der Spielwelt.

Far Cry 6 Amigo
Ein Krokodil als Begleiter? Warum nicht. Hauptsache, wir können alle Amigos auch streicheln.
© Screenshot: PC Magazin / Ubisoft

So ganz ist sich Far Cry nie sicher gewesen, wie ernst es sich selbst nehmen will. Die spaßigen Momente sind auf keinen Fall schlecht, doch so richtig können wir uns mit dieser Achterbahn der Gefühle nicht anfreunden. Vor allem, da die ernsten Aspekte der Thematik zu viel Potenzial verschenken und einfach für einen Schock-Faktor ausgenutzt werden. Die teils chaotischen Situationen, die rein zufällig in der Spielwelt entstehen (etwa wenn Soldaten und wilde Tiere aufeinander treffen), würden wir hier bewusst ausklammern. Denn das gehört einfach zu Far Cry dazu.

Ärgerlich ist auch, dass uns öfter mal der komplette Missionsfortschritt verloren gegangen ist, weil Bugs im Spiel aufgetreten sind oder eine nahe gelegene Basis viel schwerer war als gedacht. Das Spiel lässt uns uns nämlich nicht frei speichern. Wir sind immer auf Checkpoints angewiesen, die uns teilweise weit zurücksetzen oder ganz von vorne beginnen lassen. Das kann frustrieren und dazu führen, dass man einige Nebenmissionen einfach links liegen lässt.

Far Cry 6 Grafik
In den besten Momenten sieht Far Cry 6 fantastisch aus.
© Screenshot: PC Magazin / Ubisoft

Far Cry 6 im Test: Grafik und Spielwelt

Grafisch ist Far Cry 6 ganz oben mit dabei. Auch wenn es nicht ganz für die Spitze reicht, ist gerade die Spielwelt optisch ein echter Hingucker. Pflanzen, Tiere, Umgebungen und Lichtstimmungen wirken wie aus einem Guss und erwecken die Inselregion Yara wirklich zum Leben. In den besten Momenten erinnert das an Far Cry 3, was zu Release einen ähnlichen Effekt hatte.

Dabei ist die Spielwelt in Far Cry 6 um einiges größer und auch noch ein Stück abwechlungsreicher. Es geht nämlich nicht nur in tropische Dschungel-Regionen, sondern auch in die Städte von Yara sowie in militärische Anlagen. Dadurch wird es eigentlich nie langweilig, die jeweilige Region zu erkunden. Auch die Effekte bei Explosionen oder Giftwolken sind ziemlich beeindruckend.

Far Cry 6 Feuer
Far Cry 6 geizt nicht mit den Effekten. Der Einsatz von Feuer und Gift sind oft Teil der Mission.
© Screenshot: PC Magazin / Ubisoft

Lediglich die Gesichter und Animationen sind nicht ganz so überzeugend. Während Hauptcharakter Dani meist ganz gut wegkommt, sind die anderen Figuren nicht so lebhaft. Echte Emotionen daran abzulesen ist gar nicht so leicht. Dafür sind die Charaktermodelle der wichtigsten Figuren einzigartig genug, um uns im Gedächtnis zu bleiben.

Für die Konsolen PS5 und Xbox Series X sowie den PC gibt es optionale, kostenlose HD-Texturen, die einen rund 26 GB großen Download nötig machen. Mit einem entsprechenden Display und entsprechend hohen Grafikeinstellungen bzw. einem 4K-TV mit HDR sorgen sie für eine echte Aufwertung. Raytracing ist auf dem PC mit dabei, natürlich nur für entsprechend ausgestattete GPUs.

PC Trailer - Far Cry 6 | Ubisoft [DE]

Quelle: Ubisoft
Die Grafik auf dem PC ist dank Raytracing ein echter Hingucker.

Far Cry 6 im Test: Fazit

Ubisoft hätte mit Far Cry 6 ein fantastisches Spiel schaffen können. Im Vorfeld wurde vor allem betont, dass wir als Guerilla-Kämpfer Chaos stiften dürfen und ein abwechlungsreiches Erlebnis bekommen. Das konnte der Titel nur zum Teil erfüllen. Far Cry 6 macht zwar durchaus Spaß, bietet aber nicht genug Abwechslung, um dauerhaft zu fesseln. Bei der Story wurde viel Potenzial verschenkt und in manchen Szenen wurde einfach nicht der richtige Ton getroffen.

Insgesamt würden wir Far Cry 6 vor allem Fans der Reihe empfehlen und eventuell auch interessierten Neueinsteigern, die sich vor allem in der Open World austoben wollen. Wer die eigenen Erwartungen nicht zu hoch steckt, bekommt somit ein gutes Spielerlebnis.

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