Rennsimulation

F1 22 im Test: Neue Regeln, alter Spielspaß

8.7.2022 von Jusuf Hatic

Mit F1 22 bringt Codemasters den zweiten Ableger der Rennserie seit der Übernahme durch EA Sports. Ob die virtuellen Boliden überzeugen können, erfahren Sie in unserem Test.

ca. 4:40 Min
Testbericht
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Kann F1 22 am Erfolg des Vorgängers anknüpfen? Die Antwort lesen Sie in unserem Test.
Kann F1 22 am Erfolg des Vorgängers anknüpfen? Die Antwort lesen Sie in unserem Test.
© EA
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Pro

  • Aktuelle F1-Lizenzen
  • Realistische Physik
  • Detaillierte Anpassungsmöglichkeiten
  • Dynamisches Wetter mit starker Grafik

Contra

  • "F1 Life" bietet keinerlei Mehrwert
  • Story-Modus fehlt
  • Teils zu aggressive KI

Fazit

Mit der starken Umsetzung des Racing-Gefühls für Neulinge und Profis sowie der Präsentation auf hohem Niveau hinterlässt F1 22 immer noch einen "guten" Eindruck.


Gut

Im Jahr 2022 hat die Formel 1 mit vielen Änderungen im Regelwerk überrascht und sorgte so in der laufenden Saison für eine der bisher spannendsten Spielzeiten der jüngeren Vergangenheiten. Die generalüberholten Boliden stellen aber nicht nur eine Herausforderung für die Teams auf den echten Rennstrecken dar, sondern auch für Codemasters als Entwickler des virtuellen F1-Ablegers.

Nach der Übernahme durch EA Sports im vergangenen Jahr konnte der direkte Vorgänger F1 2021 in unserem Test mit der Note "hervorragend" überzeugen – ob der zweite EA-Ableger es schafft, an den Erfolg anzuknüpfen und das neue Renngefühl der realen Formel 1 zu erfassen oder F1 22 zum Totalschaden wird, lesen Sie in unserem Testbericht.

F1 22 im Test: Undurchdachte Änderungen

Mit einigen Neuerungen will F1 22 auf sich aufmerksam machen – darunter befindet sich das "F1 Life" genannte Hub, dass es dem Spieler ermöglicht, seinen Rennfahrer mit Accessoires zu individualisieren oder die neu hinzugefügten Supercars zur Schau zu stellen. Warum dieses Feature im Game zu finden ist, erschließt sich uns zumindest im Hinblick auf das Gameplay nicht: F1 Life agiert quasi vollkommen losgelöst vom restlichen Spiel und bringt bis auf die eine neue Optik überhaupt keinen Mehrwert im Spiel.

Für Publisher Electronic Arts hingegen ist die Zugabe des Lifestyle-Hubs sicherlich als weitere Einnahmequelle gedacht, schließlich lassen sich hier einige der Anpassungsmöglichkeiten via Mikrotransaktion erwerben. Kosmetische Änderungen per Kauf anzubieten, ist für sich genommen kein schlechtes Konzept – Multiplayer-Spiele wie zum Beispiel "League of Legends" bauen ihr gesamtes Geschäftsmodell darauf auf –, doch die lieblose Umsetzung von F1 Life ohne jeglichen Mehrwert lässt die Neuerung bestenfalls als fragwürdig erscheinen. Dass hierfür wohl der gut umgesetzte und für Spielspaß sorgende Story-Modus aus dem Vorgänger ersatzlos gestrichen wurde, sorgt auch im Hinblick auf zukünftige Teile für Stirnrunzeln.

Immerhin sind die durch reines Fahren freischaltbaren Supercars, von denen es insgesamt zehn Modelle zur Auswahl gibt, eine gute, wenn auch unausgereifte Gameplay-Ergänzung. Mit einem Mercedes-AMG GT mit 300 und mehr Kilometern pro Stunde über eine der insgesamt 22 F1-Rennstrecken zu düsen, macht richtig Spaß – allerdings sind die Supersportwagen auf einen reinen Zeitrennen-Modus beschränkt, echte Rennen lassen sich mit den Autos nicht fahren. Hier lässt F1 22 eine Möglichkeit für noch mehr Abwechslung komplett ungenutzt, zumal die Aufgaben sich schnell wiederholen.

Die Super-Cars sind eine interessante Idee, der es aber (noch) an Durchführung mangelt.
Die Super-Cars sind eine interessante Idee, der es aber (noch) an Durchführung mangelt.
© EA

Sowohl der MyTeam- als auch der Karriere-Modus bleiben von solchen Verschlimmbesserungen gänzlich verschont. So bleiben beide Modi in einer gewohnt starken Präsentation, die mit einzelnen Änderungen im Detail auffallen. So ist etwa der Überblick über die Trainingsmöglichkeiten deutlich schlanker geworden und macht es insbesondere Einsteigern der F1-Serie leichter, sich an Rennstrecken zu gewöhnen. Auch die Möglichkeit, wahlweise als Newcomer-, Mittelfeld- oder Spitzenteam durchzustarten, ist neu hinzugekommen und bietet extra Wiederspielwert. Noch bleibt die Gefahr an Stagnation aus, für die EA Sports in Sportspielen wie FIFA mittlerweile berüchtigt ist, doch spätestens im nächsten Jahr sollten tiefergehende Änderungen in den Einzelspieler-Modi vorgenommen werden, will der Publisher nicht auch hier für eintönige Wiederholung sorgen.

F1 22 im Test: Gewohntes Gameplay-Flair

Der Mix aus aktuellen F1-Lizenzen und dem neuen Regelwerk bringt wie auch im realen Vorbild frischen Wind in F1 22. So werden die Regeländerungen detailgetreu ins Videospiel übernommen und bieten auch fachkundigen Racing-Fans eine neue Herausforderung. Mit seinem Mix aus Arcade und Simulation kann F1 22 aber auch Einsteiger der Reihe bestens abholen und kann mit optionalen Fahrhilfen und unzähligen Einstellungen für ein individuelles Gameplay-Erlebnis eine breite Masse an Spielern zufriedenstellen.

Gerade das Fahrverhalten und die entsprechend zugehörige Physik der Formel-1-Boliden ist auf gewohnt starkem und realistischem Niveau. Auf Seiten der KI, die für die Steuerung der computergesteuerten Gegner zuständig ist, sind jedoch leichte Rückschritte im Vergleich zum Vorgänger zu beobachten. So sind die konkurrierenden Fahrer in F1 22 teils deutlich zu aggressiv, was sich mitunter in regelmäßig in Unfällen endenden Überholmanövern zeigt. Zwei-, Drei- oder gar Vierkämpfe in einer einzelnen Kurve sind eher Regel statt Ausnahme und nehmen den taktischen Gefechten nahezu vollständig den Raum weg. Auch bei regnerischen Wetterverhältnissen scheint die KI gerade bei Qualifikationsrennen mit unfairen, weil für den Spieler nicht auswählbaren Vorteilen ausgestattet zu sein, was auf höheren Schwierigkeitsgraden für unmöglich zu bezwingende Herausforderungen führt.

Auch wenn die F1-22-KI im neuen Jahr einen Rückschritt zur durchweg gelungenen Version in der 2021er-Version darstellt: Im Großen und Ganzen kommt immer noch Spielfreude und Rennspaß auf. Gerade für Einsteiger ist mit der adaptiven KI eine vernünftige Neuerung enthalten, die das gegnerische Fahrverhalten klug an die eigene Performance anpasst. Ist die Funktion aktiviert, wird bei Fahrfehlern beispielsweise das Tempo der Konkurrenz angepasst, bis der Spieler wieder mittendrin im Rennen ist und nicht die Hälfte der Zeit hinterherhängt. Entwickler Codemasters beweist hiermit wie in den letzten Jahren sein Gespür für Neulinge, ohne langjährige Fans der Serie mit fehlenden Herausforderungen zu vergraulen.

Die aggressive KI in F1 22 sorgt manchmal für Irritationen, tut dem Spielspaß generell aber keinen Abbruch.
Die aggressive KI in F1 22 sorgt manchmal für Irritationen, tut dem Spielspaß generell aber keinen Abbruch.
© EA

In Sachen Präsentation gibt es nur wenige Titel, die mit F1 22 konkurrieren können. Die bis aufs tiefste Detail nachgebauten Rennstrecken sind ebenso wie die lizenzierten F1-Boliden ein Hauptgrund für den Erfolg der Serie; schließlich können Fans der Formel 1 nirgends ein so immersives Spielerlebnis finden wie in den Codemasters-Spielen. Mit den kräftigen Motorgeräuschen fühlt sich F1 22 bereits auf Sound-Ebene an, als wären wir mittendrin im Cockpit. Außerdem gibt es dieses Jahr einen VR-Modus, den sich u.a. mixed.de genauer angesehen hat. Die Immersion sei Spitze, wenn alles läuft. Die VR-Menüführung und andere Punkte geben aber Anlass für Kritik.

Gerade grafisch weiß F1 22 zu überzeugen: Mit technischen Fortschritten wie Raytracing sind Lichteffekte insbesondere bei Nachtrennen eine optische Augenweide. Auch klassische Rennen sind auf Seiten der Grafik mit seinem Detailreichtum bei Fahrzeugen und Rennstrecken ein Hingucker, wenngleich abseits der Strecke seit gefühlten Jahrzehnten wieder kein optischer Sprung zu verzeichnen ist.

F1 22 im Test: Fazit

Chance ungenutzt: Anstelle auf der brillanten Arbeit des Vorgängers aufzubauen, ändert F1 22 zu viel, um als neuer Meilenstein der Rennsimulationen zu gelten. Gerade der aus finanziellen Gründen hingeklatscht wirkende F1-Life-Modus und die aggressivere KI sorgen für Irritationen.

Den Fehlern zum Trotz zeigt Codemasters aber auch im neuen Ableger weiterhin, warum es seit Jahren als König der F1-Simulationen gilt: Mit der starken Umsetzung des Racing-Gefühls für Neulinge und Profis sowie der Präsentation auf hohem Niveau hinterlässt F1 22 immer noch einen "guten" Eindruck.

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