Ego-Shooter

Call of Duty: Modern Warfare im Test - so gut ist das Reboot 2019

Kaum ein anderer Shooter versteht es so gut wie Modern Warfare 2019, ein schier überbordendes Effektgewitter auf die Spieler prasseln zu lassen. Der Test.

Modern Warfare 2019 Screenshot

© Activision

Modern Warfare 2019 Screenshot
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Pro

  • Tolles Gunplay
  • Bombastische Inszenierung
  • Hübsche Grafik
  • Gut abgemischter Sound
  • Umfangreicher Multiplayer
  • Kurzweiliger Singleplayer

Contra

  • Story-Kampagne mit Schockern der Schocker willen
  • Spieldmous „Ground War“ verbesserungswürdig

Fazit

Call of Duty: Modern Warfare schrumpft sich gesund und bietet tolle Single- und Multiplayer-Unterhaltung.
Hervorragend

Seit jeher steht die Marke Call of Duty für pure Action und eine bombastische Inszenierung. Diesem Merkmal bleibt auch der neueste Ableger, Call of Duty: Modern Warfare, treu. Der Teil sorgt für einen Reboot der Modern-Warfare-Serie, bringt uns aber auch alte bekannte wie Cpt. Price zurück. Schön: Neben einem schier unendlich umfangreichen Multiplayer-Modus bietet Call of Duty: Modern Warfare, im Gegensatz zu so manchem Shooter-Konkurrenten, auch eine echte Singleplayer-Kampagne inklusive durchgehender Story. Die unterhält zwar nur für rund fünf Stunden, ist aber so gut inszeniert, dass sie viel mehr ist als nur ein Trainingsmodus für den Multiplayer. 

In den 14 Missionen der Story steuern wir Drohnen, erleben einen Terrorangriff auf London aus nächster Nähe, wir infiltrieren Terrorzellen bei Nacht, nehmen wichtige Ziele per Scharfschützengewehr aufs Korn oder nehmen mit Paramilitärs Flugplätze ein. Dabei fetzt es an nahezu jeder Ecke. Egal wo man hinschaut, irgendwo kracht es immer. Oder es fliegen Schrapnels oder Projektile an uns vorbei. Call of Duty eben. 

Modern Warfare 2019 Screenshot

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Call of Duty: Modern Warfare im Test - geplante Empörung

Genauso typisch für die Serie: Die Entwickler wollen polarisieren. Man erinnere sich beispielsweise an die Flughafen-Mission aus Call of Duty: Modern Warfare 2 (2007). Was gab es seinerzeit für einen medialen Aufschrei ... Nun scheinen die Entwickler das auf die Spitze zu treiben. Wir erleben Waterboarding mit, wir sehen Gasangriffe auf Kinder und werden Zeuge von Hinrichtungen. Kriegsverbrechen scheinen an der Tagesordnung. Doch was macht das Spiel daraus? Leider zu wenig! Denn diese Dinge geschehen einfach, ohne reflektiert zu werden, ohne dass sie geschichtlich eingebunden würden.

So sind derlei Szenen nicht viel mehr als ein Marketing-Gag – ein ziemlich geschmackloser. Dennoch sorgt die Kampagne für eine gute Erwachsenen-Unterhaltung und zeigt in Ansätzen, was uns im Mehrspieler-Modus erwartet. Denn bereits im Singleplayer merken wir: Die Entwickler haben mächtig Arbeit ins Gunplay investiert. Jede Waffe fühlt sich unterschiedlich an, jeder Abzug wirkt wuchtig, jedes Nachladen realistisch – das Gunplay sucht seinesgleichen. Selbst Shooter-Spitzenreiter wie Battlefield dürfen sich hier umsehen! Unterstützend wirkt hier außerdem das erstklassige Sounddesign, das Wohnzimmer erbeben lässt – die richtige Ausstattung vorausgesetzt.

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Call of Duty: Modern Warfare im Test: Die Waffe im Mittelpunkt

Wirklich beeindruckend ist, wie sehr die Entwickler die Waffen in den Fokus rücken. Denn neben Animationen und Sound ist es vor allem der Gunsmith im Multiplayer, der Shooter-Herzen höher schlagen lässt. Dabei handelt es sich zwar um nicht viel mehr als ein Menü, das hat es aber in sich. Hier können wir unsere Waffen modifizieren und mit sogenannten Attachments ausstatten. Je nach Waffe sind das bis zu 70 (!) Stück. Schalldämpfer, Magazinerweiterungen, Griffe, Visiere ... Der Gunsmith hat nichts, was es nicht gibt.

Allerdings: je nachdem welche Attachments wir montieren, müssen wir mit den Vor- und Nachteilen umgehen. Wenn wir beispielsweise aus einem kleinen ein großes Magazin machen, müssen wir im Zweifel mit verschlechterter Bedienung umgehen. Bedeutet, wir reißen die Waffe nicht mehr so schnell in den Anschlag um zu zielen. Der Gunsmith sorgt so dafür, dass wir uns genau überlegen, für welchen Einsatz wir welche Waffe modifizieren.  Und auch sonst hat sich im Multiplayer doch einiges getan, denn Modern Warfare wirft so manche "Call of Duty"-Attitüde über den Haufen. Das Loadout würde überarbeitet, Specialist-Klassen fallen weg, es gibt keine Sci-Fi-Waffen mehr und auch Wallruns gehören der Vergangenheit an. Kombiniert man das reduzierte Gameplay nun mit einer kürzeren Time to Kill, so ergibt sich daraus ein sich frisch anfühlender Multiplayer-Shooter.

Modern Warfare 2019 Screenshot

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Dazu trägt auch das überarbeitete Map-Management bei. Frühere Karten waren klar strukturiert und meist gab es bis zu drei Laufwege, das nannte Activision „Three-Lane-Design“. Das hat jetzt ausgedient. Stattdessen setzen uns die Entwickler assymetrische Maps vor, die mit zahlreichen Sichtlinien und Ecken aufwarten. Hinzu kommen außerdem diverse Höhenebenen. So kommt es nicht selten vor, dass wir von oben herab beschossen werden – oder andersherum. Das alles macht das Erlernen der Maps durchaus schwieriger und dürfte gerade Anfänger etwas frustrieren, sorgt aber auf die lange Bahn gesehen für deutlich mehr Abwechslung. 

Einen Haken hat das aber. Das hervorragende Prinzip funktioniert in den klassischen Multiplayer-Modi ganz hervorragend. Aber gerade der neue Modus, Ground War, wirkt etwas chaotisch. Eigentlich wollte man mit diesem Spielmodus Battlefield Konkurrenz machen und bis zu 64 Spieler in die Schlacht schicken, die zudem Fahrzeuge bedienen und Flieger in die Luft steuern können. Das Problem? Frontlinien entstehen ohne erkennbaren Grund, nahezu zufällig. Und: Diese sind aufgrund der Hektik und des Chaos kaum genau auszumachen. Zudem kommt es nahezu unablässig zu ausgelösten Killstreaks wie Luftschlägen oder Raketenbeschuss aus Hubschraubern.

Call of Duty: Modern Warfare im Test: Fazit

Na klar, Call of Duty: Modern Warfare erfindet das Shooter-Genre nicht neu. Auch die Serie wird nicht neu erfunden. Dafür besinnt man sich beim Gameplay aber endlich wieder auf alte Tugenden. Das Gunplay sucht seinesgleichen, die neue Grafik-Engine zaubert wirklich wunderschöne Optik auf die Bildschirme, es kracht und bummst an allen Ecken und neben dem außerordentlich guten Multiplayer-Modus spendiert uns Activison oben drauf eine kurzweilige Story-Kampagne. Die diversen – aus Marketing-Sicht vielleicht sinnvollen – Provokationen in Form von Gasangriffen auf Kinder oder Foltzerszenen hätte man sich indes sparen können. Gerade weil sie einfach nur da sind, ohne reflektiert zu werden.

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