Testbericht

Bose Lifestyle V35

23.8.2010 von Stefan Schickedanz

Bose will die Barriere brechen, die viele Flach-TV-Besitzer vom Kauf eines standesgemäßen Surround-Systems abhalten: Dank seines revolutionären Bedienkonzepts soll das V35 eines für alle sein.

ca. 2:40 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
  1. Bose Lifestyle V35
  2. Jewel Cube Arrays
  3. Fazit

Eigentlich verkauft Bose keine Audio-Video-Komponenten, sondern Problemlösungen für einen großen Nutzerkreis. Verfolgt man die Entstehungsgeschichte vieler Bose-Produkte zurück, stößt man auf einen frustrierten Professor Amar G. Bose: Der Firmengründer begann sein Geschäft mit Lautsprechern, weil ihn die Boxen der 60er-Jahre klanglich nicht zufriedenstellten.

Doch diesmal hat Bose den potenziellen Kunden ausgiebig Gelegenheit gegeben, ihrem Frust über bestehende AV-Anlagen Luft zu machen. Der clevere Ansatz dahinter: Kein Segment in diesem Bereich verbucht so hohe Zuwächse wie Flachbildschirme, die für riesige Bilder mit toller Schärfe bekannt, jedoch für mickrigen, unklaren Ton berüchtigt sind.

Daher müssten passende Heimkino-Soundsysteme eigentlich in gleichem Maße mitwachsen, wenn nicht eine unsichtbare Barriere im Weg stünde.

Um diese aufzuspüren und auszumerzen, befragten die erfolgreichen Amerikaner im großen Stil Nutzer nach ihren größten Ärgernissen im Umgang mit dem Thema.

Dass der Kostenaspekt dabei nicht als Hauptgrund genannt wurde, lässt sich bereits am Preis der darauf aufbauenden Problemlösung Lifestyle V35 erkennen: Der 5.1-AV-Receiver mit fünf winzigen Jewel-Cube-Lautsprechern und einem Acoustimass-Bassmodul kommt für rund 5000 Euro in den Handel - zwar ohne Laufwerk, aber mit serienmäßigem iPod-Dock und mit einer ausgeklügelten Universal- Fernbedienung.

Diese Universal-Fernbedienung bildet gemeinsam mit den neu entwickelten On-Screen-Menüs das Rückgrat des eigentlichen Systemkonzepts, für das Bose den recht griffigen Slogan "Unify" erfand: Selbsterklärend, logisch aufgebaut und simpel soll die gesamte Benutzerführung des V35-Systems selbst ausgesprochenen Laien die Furcht vor dem Einstieg ins AV-Vergnügen nehmen.

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Komfortorientiert: Das iPod-Dock liegt für Flexibilität in der Aufstellung an der langen Leine, die ausgeklügelte Fernbedienung ist vorbildlich gestaltet.
© Video Homevision

Simplify durch Unify

Deshalb beginnt die von langer Hand geplante Revolution bereits mit der "Pack-Ordnung", die sich weniger am puren Platzbedarf als an der Reihenfolge der Installation orientiert. Zu diesem Zweck sind die einzelnen Kartons für eine große Umverpackung durchnummeriert. Dadurch lässt sich ein anfängliches Kabel- und Komponenten-Chaos vermeiden.

Zählten die Bose-Produkte ohnehin schon zu den unkompliziertesten Systemen am Markt, ist es nun ein regelrechtes Kinderspiel, das AVSystem in Betrieb zu nehmen. Mit Schritt für Schritt abgestuften Bildschirm- Anweisungen und illustriertem Anschlussschema zu jedem Eingang erleichtert das V 35 den Anschluss aller Komponenten.

Die werden anschließend nicht als anonyme Quellen angezeigt, sondern mit ihrer Gattungsbezeichnung wie Blu-ray-Player oder Spielkonsole.

Das V 35 erkennt zuverlässig, an welcher Buchse ein Gerät hinzugefügt oder entfernt wurde, und führt den Benutzer via OSD durch die nötigen Einstellungen. Bose zieht hier in Sachen intuitive Bedienung weitgehend mit Apple gleich - für die Audio-Welt ein ähnlicher Sprung wie die Einführung von Bildschirmfenstern auf dem bis dato kryptisch anmutenden DOS-Bildschirm.

Als besonderer Lustkiller an einem normalen 5.1-System gilt unzweifelhaft das Setup der Lautsprecher-Parameter, das viele Nutzer überfordert und mitunter sogar Profis stark auf die Nerven geht. Hier hatte Bose schon in der Vergangenheit mit dem ADAPTiQSystem einen Trumpf im Ärmel, den das familienfreundliche Unternehmen auch am neuen V 35 ausspielt.

Diese sehr leistungsfähige Einmess-Automatik gleicht das System über Mikrofon an die Lautsprecher-Standorte an und nimmt eine Raumentzerrung vor. Inzwischen beherrschen auch die meisten Receiver diesen Trick, doch das V 35 besitzt eine besonders praxisgerechte Lösung mit Kopfmikrofon.

Letztlich bezieht das V 35 seine Leistungsfähigkeit nicht aus einzelnen Highlights, sondern aus dem reibungslosen Zus amme n s p i e l sämtlicher Bereiche. Norma le rwe i s e klappt das nirgendwo so schlecht wie bei der Steuerung unterschiedlicher Komponenten, und nirgendwo funktioniert es momentan besser als bei Bose.

Die Universal- Fernbedienung des V 35 erkennt anhand weniger Tastendrücke am Original- Transmitter selbst den Gerätetyp und holt die nötigen Codes aus dem Speicher. Bereits nach einer kurzen Aufbauphase von rund 20 Minuten und nochmals einer Viertelstunde für sämtliche Grundeinstellungen spielte das ganze Ensemble aus Blu-ray-Player, DVD-Spieler und iPod zusammen.

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