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Home Entertainment System

Rolf Otto: Schlichtweg ergreifend

Der erste Lesertest des Lifestyle 535 Series III Home Entertainment Systems kommt von Rolf Otto aus Brombachtal.

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© Rolf Otto

Erster Kontakt mit meinem neuen Freund

Mein neues Bose Lifestyle-System kommt in einer großen, nein, einer sehr großen Kiste an, ergänzt um zwei weitere Pakete, die jeweils ein Paar Lautsprecherstative beinhalten. Schon der erste "Rundgang" um die Kartons macht mich freudig nervös und weckt den Wunsch, sofort mit dem Auspacken loszulegen.

Aber halt, ein paar vorbereitende Handgriffe sind noch erforderlich, nur nichts Unüberlegtes tun.  Meine bisherige 5.1 - Anlage (Philips HTS9800) habe ich bereits vorsorglich abgebaut und sauber verstaut. Nun ist festzulegen, wo die einzelnen Komponenten ihren Platz finden sollen, ob die Satelliten auf den Stativen montiert werden oder doch evtl. im Schrank Platz finden werden. Und dann ist da noch die leidige "Kabel-Verlege-Frage" zu klären, doch dazu später mehr.

Auspacken und Betrachten

Ich entschließe mich zunächst die mitgelieferten Lautsprecherstative zu nutzen und fange daher mit der Montage dieser an. Nachdem der erste Fuß fertig montiert ist, geht die Montage der anderen drei schnell von der Hand. Es fällt auf, dass die Stative trotz filigranem Erscheinungsbild sehr hochwertig verarbeitet sind, das Kabel verschwindet in der dünnen Säule unsichtbar und das eigentliche Haltesystem der Lautsprecher ist pfiffig gelöst (Klick-System).

Jetzt kommen wir zum eigentlichen System, sprich zum großen Karton. Ich hatte mich vorher online bei Bose schon etwas mit der Installationsanleitung vertraut gemacht, sodass ich ungefähr erahnen konnte, was auf mich zukommt. Alle Komponenten sind in mehreren durchnummerierten Kartons verpackt, die Nummern geben die (logische) Reihenfolge des Auspackens vor. Eine kurze, leicht verständliche Beschreibung hilft dabei.

Nachdem alles an seinem Platz steht, ein kurzer Zwischencheck zum Äußeren, sprich Haptik und Verarbeitung. Die vier Satelliten-Lautsprecher sowie der Center-Lautsprecher sind wirklich sehr klein gehalten, schwer und hervorragend verarbeitet. Sie sind auf der Unterseite mit einer Gummischicht versehen, so dass sie mittels ihres recht hohen Gewichts auch stabil und standfest auf jedem Untergrund Platz nehmen.

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© Rolf Otto

Wie eingangs erwähnt habe ich jedoch die Montage auf den Stativen vorgezogen (außer natürlich dem Center), sie sind leicht zu befestigen und sitzen bombenfest. Sie bilden mit dem schmalen Stativ eine harmonische, sehr dezente Einheit. Das eigentliche Steuergerät, das alle Zuspielerkabel aufnimmt, hinterlässt ebenfalls einen sehr hochwertigen und geschmackvollen Eindruck, ist allerdings alles andere als klein. Daher verschwindet diese Einheit bei mir im Regal, denn außer der Möglichkeit, neben der Fernbedienung die Anlage manuell zu steuern (zumindest die Hauptfunktionen) bedarf sie nach Abschluss der Anschlussarbeiten keinerlei Berührungen mehr. Lediglich für ein Systemupdate ist sie noch erforderlich, doch dazu später.

Weiter ist da noch die SoundTouch-Einheit, die ebenfalls recht groß geraten ist. Sie stellt die Verbindung zum Internet her (LAN oder WLAN) und kann bei Bedarf komplett im Schrank verschwinden. Warum Bose die Internetkonnektivität nicht in die zentrale Steuereinheit mit integriert hat, erschließt sich mir nicht. Es entsteht ein wenig der Eindruck, als wenn diese Funktion nachträglich in ein bestehendes Hardware-Layout integriert werden musste. Das ginge eleganter und vor allem wesentlich kompakter.

Kommen wir nun zum Subwoofer und Verstärker, oder besser gesagt zum Acoustimass-Modul, wie es bei Bose bezeichnet wird. Dieses fällt sowohl vom Aussehen, der Verarbeitung als auch von der Haptik weit von den restlichen Komponenten ab. Dass der Korpus nur eine schwarz folierte Box darstellt, ist ja noch verschmerzbar, aber was, liebe Bose-Entwickler, soll diese billig aussehende Plastik-Abdeckung an der Front darstellen? Selbst mein preiswertes Philips-System und noch mehr mein mindestens 13 Jahre alter Pioneer-Bass-Würfel liegen davon Welten entfernt.

Schaut man dann durch die vordere Luftöffnungen in das Innere des Systems will man nicht glauben, hierfür rund 4.000 Euro ausgegeben zu haben: dicke Klebetropfen (oder Tränen?) weinen mir entgegen (siehe Foto), und noch schlimmer: die Befestigung des Subwoofers auf einem Sperrholzträger mittels einer Holzschraube lässt die Trägerplatte splittern. Auch wenn das Modul mehr oder weniger in einer Ecke verschwindet, die Front schaut einen meistens an. Nach ein paar Tagen stellt sich noch zu allem Übel heraus, dass der verwendete Kunststoff magisch jedes Staubkorn anzieht. Liebe Bose-Entwickler: Bitte nachbessern!

Als letzte Komponente fehlt noch die Fernbedienung. Sie scheint für die Ewigkeit gemacht zu sein: groß und schwer, zu schwer. Die Oberfläche bemüht sich im oberen Drittel mit der hochglänzenden Oberfläche sichtlich um Eleganz, sie zieht aber auch jeden Fingerabdruck an. Die restliche Oberfläche ist ein wenig attraktiver Hartkunststoff, aber wenigstens matt und nicht ganz so empfindlich. Die Verarbeitung ist hervorragend, zur Funktionalität komme ich später noch.

Bleibt noch zu erwähnen, dass außer den gut gekennzeichneten Lautsprecherkabeln so ziemlich alles an Anschlusskabeln dabei ist, was man braucht. Einschließlich HDMI-Kabel und optischem Kabel (TOS-Link).

  • +sehr gute Verpackungslogik mit nummerierten Kartons
  • +sehr hochwertige Satellitenlautsprecher, sehr klein
  • +Bedieneinheit sowie Fernbedienung massiv und hochwertig verarbeitet
  • +gute und brauchbare gedruckte Installationsanleitung plus Bedienungsanleitung
  • -Acoustimass-Modul nachlässig verarbeitet und billiges Äußeres
  • -LAN-/WLAN-Modul nicht in Bedieneinheit integriert

Installation

Kommen wir nun zur Installation der einzelnen Bose-Komponenten. Alle Lautsprecher müssen am Acoustimass-Modul angeschlossen werden. Und hier ist für mich schon der größte Nachteil zu erkennen: meine gute alte Philips-Anlage versorgte die hinteren Einheiten via Funk, es war nur eine Steckdose erforderlich. Aber das lästige Verlegen von Kabeln quer durch den Raum entfiel, und es funktionierte über lange Jahre absolut problemlos. Dann kam Bose mit einer "Lifestyle-Anlage" und erwartet nun von mir, wieder Hand- und Kopfstände zu machen, um diese widerspenstigen Kabel möglichst unauffällig durch den Raum zu ziehen.

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© Rolf Otto

Neben der Verarbeitung des Acoustimass-Moduls ist das meine größte Bitte an Bose: Leute, das kann auch anders sein. Viele namhafte Hersteller steuern inzw. die hinteren Lautsprecher über Funk an, und das bei einem wesentlich niedrigeren Preisniveau. Die Kabel an sich sind farblich gut gekennzeichnet, ein Verpolen ausgeschlossen. Das vordere Lautsprecherkabel war für mich allerdings zu kurz, da das Acoustimass-Modul rechts vom TV an der Wand steht und der unsichtbare Weg zum linken Lautsprecher damit zu weit war. Zum Glück fand ich in meiner Kabel-Kiste noch eine alte Cinch-Verlängerung, so konnte ich das System wenigstens in Betrieb nehmen.

Das Anschließen an sich ist eine Sache von Minuten, wenn man das Verstauen der Kabel mal außen vor lässt. Die Steuereinheit wird an den TV anschlossen (HDMI), die Boxen werden positioniert und dann kommt der große Moment: die Anlage wird eingeschaltet. Ein Bildschirmmenu führt wirklich Schritt für Schritt durch die Erstinstallation. Dazu gehört sowohl das Einmessen der Anlage mittels beigelegtem Messmikrofon (wirklich sehr einfach zu handeln) als auch das Anschließen aller Komponenten wie Blu-ray-Player, SAT-Receiver, Nintendo Wii, etc. Die Fernbedienung z.B. des Players wird dabei auf die Bose-FB gespiegelt, und das funktioniert erfrischend einfach und schnell. Bravo Bose, das ist eine Meisterleistung!

  • +einfache Installation der Anlage und ihrer Komponenten
  • +einfaches Anschließen und Einrichten aller externer Geräte
  • +vollautomatisches Einmessen der Anlage in knapp 10 Minuten abgeschlossen
  • +Bose-FB ersetzt nahezu perfekt die Original-FB
  • +sehr viele Anschlussmöglichkeiten vorhanden
  • -vordere Lautsprecherkabel viel zu kurz
  • -hintere Lautsprecher werden nicht drahtlos angesteuert
  • -5-GHz-WLAN wird nicht unterstützt
  • -Eingabe WLAN-Kennwort nicht über Zehnertastatur der FB möglich

Inbetriebnahme und erster Hörtest

Ist nun alles ordnungsgemäß angeschlossen, geht es auf Entdeckungsreise, die Spannung wächst ins Unermessliche. Was können diese kleinen schwarzen Lautsprecher? Holt einen der Bass vom Sofa und wie verhält sich die schwere Fernbedienung?

Nach einem kurzen Kreuz-Und-Quer-Hören durch alle möglichen Medien wird ganz schnell klar, wofür Bose so viel Geld verlangt und wo die jahrzehntelange Kernkompetenz dieses Unternehmens liegt. Alles Gemaule über zu kurz geratende Kabel und deren Einpacken in die unsichtbare Harry-Potter-Decke ist schnell vergessen, denn was hier dem Tester an die Ohren geschickt wird, ist schlichtweg ergreifend. Man fühlt sich sofort mitten in das Geschehen eingebunden, ohne dass es aufdringlich wird. Dialoge waren noch nie so klar und gut verständlich, der Bass ist so, wie er sein soll. Nicht so heftig, dass es einen vom Sofa hebt, aber das gesamte Filmgeschehen wird derart eindrucksvoll im Szene gesetzt, dass in mir der Wunsch aufkeimt, meinen gesamten Jahresurlaub jetzt am Stück zu nehmen und alle meine Filme sowie Konzerte nacheinander zu hören und zu genießen. Das fantastische Bild meines neuen UHD-TVs (55 Zoll von LG) ist jetzt erst komplett geworden, Respekt Bose!

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© Rolf Otto

Die Einmessung scheint tadellos zu funktionieren, denn weder ist einer der Lautsprecher zu sehr im Vordergrund noch ist ein Lautsprecher zu leise.

Die Fernbedienung ist eine Institution für sich: groß, schwer, schwarz. Die Einrichtung geht flott, meinen Panasonic SAT-Receiver mit Blu-ray-Rekorder erkannte sie sofort. Nur eine Taste ist irgendwie falsch belegt: Bei Drücken auf "Titelsprung" werden nur 60 Sek. vorgespult, aber nicht ein ganzes Kapitel. Ob sich das anpassen lässt, vermag ich momentan nicht zu sagen. Ansonsten sind die Druckpunkte perfekt, extrem gut verarbeitet. Der Clou sind aber noch zwei weitere Details: zum einen das im oberen Teil untergebrachte beleuchtete LCD-Display, das neben Statusmeldungen wie Lautstärke, aktuelles Gerät, etc. auch bei Radiobetrieb z.B. den RDS-Radiotext anzeigt und zum anderen die geniale Beleuchtung jeder einzelner Taste. Unter der FB befindet sich ein kleiner Knopf, gut mit dem Zeigefinger zu erreichen. Durch Drücken auf ihn leuchtet für kurze Zeit die Tastenbeleuchtung auf, genial und batteriesparend. Mir ist die FB allerdings viel zu schwer, hält man sie etwas länger in der Hand, z.B. um etwas zu suchen, wird die Hand schwer.

Was ist mir sonst noch aufgefallen? Ich würde mir an der Bedienzentrale ein Display wünschen, das z.B. bei Radiobetrieb den Sendernamen anzeigt.

Als HiFi-Anlage ist die Bose nur bedingt zu gebrauchen. Sowohl das Hören von Radio (UKW) als auch von CDs ist nur durchschnittlich, von einer guten Anlage trennen die Bose hier Welten, schade (aber auch bei andern Herstellern nicht wirklich besser). Ich hätte mir allerdings bei dem Preisniveau etwas mehr erwartet. Auch das Streamen aus dem Internet (Radiosender) ist klanglich ähnlich dünn (trotz 50 MBit/s-Leitung). Noch ein "schade".

Noch eine Anmerkung zum Firmware-Update: Das SoundTouch-Modul findet sofort nach Anschluss ans Internet eine Update-Datei und fragt nach, ob es diese installieren soll. Na klar, soll es, funktioniert schnell und problemlos. Jetzt aber die Frage: warum kann ich die Bedieneinheit nur dann aktualisieren, wenn ich mir vorher mühsam am PC eine Firmware-Datei suche, diese auf den (mitgelieferten) USB-Stick überspiele um sie dann an die Bedieneinheit einzustecken und dann den Prozess manuell starten? Das ist irgendwie inkonsequent, aber wahrscheinlich der Produkthistorie zu verdanken (das (W)LAN-Modul kam erst lange nach der Bedieneinheit auf den Markt).

  • +Filmmodus ist umwerfend genial: klar verständliche Dialoge schon bei Zimmerlautstärke, man ist mittendrin ohne Effekthascherei
  • +saubere Höhen und Bässe (ich habe nach der Einmessung nichts mehr geändert)
  • +Automatische Einmessung funktioniert schnell, einfach und höchst effektiv
  • +FB funktioniert über Funk (somit können Geräte im Schrank verschwinden, Ansteuerung dann über zwei mitgelieferte Infrarot-Augen)
  • +Tolle FB, ersetzt wirklich die Original-FB; schnelle Einrichtung, durchdachtes Tastatur-Layout
  • -FB könnte deutlich leichter sein
  • -FB könnte edlere Haptik (Materialien) gut vertragen
  • -kein Display, z.B. RDS bei Radioempfang, an der Bedieneinheit
  • -Klang bei nicht-TV eher bescheiden, deutlicher Abfall vs. Video-Ton
  • -kein DAB+ verfügbar
  • -Anlage ist nicht UHD-TV (4K) fähig, es wird nur ein HD-Signal durchgeschleust
  • -Verarbeitung/Materialanmutung Acoustimass-Modul nur mittelmäßig

Bose Lifestyle 535 Series III HES: Fazit

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© Rolf Otto

Der Autor des Lesertests: Rolf Otto.

Ein wirklich tolles Gesamtkonzept, was Bose uns hier für nicht ganz wenig Geld anvertraut. Die Lautsprechereinheiten sind sehr zierlich und gut in den Wohnraum zu integrieren. Mittels automatischer Einmessung auf Anhieb eine perfekte Anlage im Raum. Fantastischer Klang beim Betrachten von Filmen, sehr gut verständliche Dialoge, bei reinem Audio (z.B. Radio) fällt der Klang jedoch spürbar ab. Die FB ist gut durchdacht und eine kleine Revolution, könnte nur etwas leichter sein.

Für die nahe Zukunft wird solch eine Anlage aber UHD-TV-kompatibel sein müssen, ebenso gehört DAB+ an Bord. Ließen sich die hinteren Surround-Lautsprecher nun noch mittels Funk ansteuern (und das leidige Kabellegen durch den Raum entfiele) und ließe Bose nochmal den Designer an das Acoustimass-Modul, wäre es die perfekte Anlage. Aber alles in allem: Danke Bose für solch ein fantastisches Stück Technik!

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