Postapokalyptisches Open-World-RPG

Biomutant im Test: Nur frischer Wind reicht nicht

25.5.2021 von Alana Friedrichs

Biomutant bringt frischen Wind in das Genre der Open-World-RPGs. Was das Spiel besonders macht und warum es sich dabei ordentlich übernimmt, erfahren Sie bei uns im Test.

ca. 4:05 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
Spielcharakter aus Biomutant vor malerischer Landschaft
Biomutant ist seit dem 25. Mai 2021 für PC, PS4 und Xbox One verfügbar.
© Experiment 101 / THQ Nordic
EUR 35,99
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Pro

  • unverbrauchtes Setting
  • malerische Landschaft
  • kindischer, aber passender Humor
  • Kampfsystem kann sehr unterhaltsam sein
  • gute Ansätze beim Crafting

Contra

  • belanglose Story
  • Spielwelt wirkt oft leer
  • langatmige und pseudo-weise Dialoge
  • Missionsdesign wiederholt sich
  • unübersichtliche Menüs

Fazit

Biomutant bietet ein unverbrauchtes Setting und kann gerade bei den Kämpfen viel Spaß bieten. Allerdings schaffen es die positiven Eigenschaften von Biomutant nicht, über die Schwachstellen der langatmigen Geschichte und des sich wiederholenden Missionsdesigns hinwegzutäuschen.


Vielversprechend

Biomutant: Unverbrauchtes Setting trifft auf Story-Stangenware

Ein Held, der nach langer Abwesenheit in seine Heimat zurückkehrt, die Welt durch das Besiegen der riesigen Weltenfresser rettet und die gespaltenen Stämme wieder vereint: Die Story von Biomutant könnte man wohlwollend als "klassisch" beschreiben, böse Zungen würden das Wort "uninspiriert" verwenden. Und auch die persönliche Rachegeschichte, die Biomutant als drittes Story-Standbein ins Feld führt, bleibt unausgegoren. Damit steht die Geschichte im krassen Gegensatz zum Setting, mit dem Biomutant bereits seit einigen Jahren hohe Erwartungen geweckt hat.

Denn in Biomutant kämpfen wir uns als mutiertes Nagetier mit Kung-Fu-Künsten durch eine postapokalyptische, von verschiedenen asiatischen Kulturen inspirierte Welt. Nachdem die Menschheit den Planeten an den Rand des Ruins brachte und sich selbst auslöschte, nahmen allerhand Tierwesen deren Platz ein und schufen neue Zivilisationen inmitten von Ölfeldern, Atomreaktor-Ruinen und verseuchtem Ödland.

Die kreativen Ansätze, die Biomutant damit bietet, bringen ohne jeden Zweifel frischen Wind in das Genre der Open-World-RPGs. Leider übernimmt sich das Spiel jedoch an vielen Stellen.

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Biomutant: Die Leere nach der Post-Apokalypse

So ist beispielsweise die Landschaft des Spiels malerisch gestaltet und bietet uns immer wieder Momente, die zum Innehalten und Genießen anregen. Etwa, wenn nach einem nassen Schauer ein wunderschöner Regenbogen über den brennenden Überresten eines zerstörten Tanklasters aufgeht.

Bei aller Schönheit merken wir jedoch spätestens nach ein paar Spielstunden, dass die Welt von Biomutant meist nicht mehr als eine Kulisse ist. Mit der Lebendigkeit eines Assassin's Creed kann das Spiel nicht mithalten. Gerade die Außenposten der verschiedenen Stämme wirken leer und steril.

Auch das Zurückgreifen auf einen einzelnen Erzähler, der alle Dialoge des Spiels vertont, gelingt nicht wirklich. Die oft langen und mit Kalenderweisheiten gefüllten Gespräche stets von derselben Stimme vorgetragen zu bekommen, stört spätestens nach ein paar Spielstunden.

Punkten kann Biomutant dafür beim Humor. Dieser ist, wir geben es offen zu, nur als kindisch zu beschreiben. So markieren wir Schnellreisepunkte, indem wir gegen sie pinkeln. Und von einem der Weltenfresser verschluckt kann es durchaus passieren, dass wir eine unerwünschte Reise durch den Darm des Monsters antreten. Kultiviert ist das alles sicher nicht. Dafür passt es wie die Faust aufs Auge in die abgedrehte Welt von Biomutant.

Der erste der Weltenfresser, das Jumboknäuel
Die vier Weltenfresser in Biomutant sind kurz davor, erneut alles Leben zu zerstören. Wir sollen sie aufhalten.
© Experiment 101 / THQ Nordic

Biomutant: Finde 5 Kloschüsseln

Bei den Missionen erwartet uns altbekannter Open-World-Einheitsbrei. Viele der Aufgaben gestalten sich zudem zu ähnlich, um über die vollen 15 bis 20 Spielstunden zu unterhalten.

So müssen wir unter anderem die vier gefährlichen Weltenfresser besiegen, um die Welt von Biomutant zu retten. Jedes der Monster bekämpfen wir jedoch auf die exakt gleiche Weise: Wir erhalten zuerst ein Fahrzeug, etwa einen Kampfroboter oder ein Jetski-ähnliches Gefährt, und rüsten dieses auf, indem wir in der Welt verstreute Kisten mit Maschinenteilen und eine Spezialmunition finden. Danach treten wir dem Bossmonster gegenüber und besiegen es in drei Phasen.

Der zweite Teil der Hauptgeschichte gestaltet sich ähnlich abwechslungsreich. Um die Völker erneut zu vereinen, erobern wir nacheinander alle uns feindlich gesinnten Stämme. Jeder der Stämme besitzt dabei drei Außenposten, die wir einnehmen. Zwar dürfen wir dabei manchmal auch mit Tücke oder Diplomatie vorgehen, besondere Wendungen oder Abwechslung können wir aber nicht erwarten. Haben wir die Posten erobert, belagern wir zuletzt das Hauptquartier des Stammes. Und dann machen wir das selbe beim nächsten Volk noch einmal.

Qualitätsmäßig breiter aufgestellt sind die Nebenmissionen von Biomutant. Zwar besteht ein großer Teil auch hier aus Aufgaben wie "Befreie 12 Pilger" oder "Finde 5 Kloschüsseln". Doch immer wieder finden sich zumindest kreative Nebenhandlungen, in die die Quest verpackt wird.

Der Hauptcharakter aus Biomutant auf einem Jetski-ähnlichen Gefährt
In Biomutant sind wir auf allerlei Gefährten unterwegs.
© Experiment 101 / THQ Nordic

Biomutant: Kung-Fu, Psi-Kraft und Pistolen

Eine willkommene Unterbrechung stellen glücklicherweise die Kämpfe von Biomutant dar. Nicht nur erlaubt uns das Spiel, nach Belieben mit Schwert, Kampfstab, Psi-Kräften, tödlichen Mutationen oder Schusswaffen auf unsere Gegner loszugehen. Durch geschicktes Verzahnen der verschiedenen Angriffsarten kommen wir gerade im späteren Spielverlauf in einen echten Flow und wirbeln uns durch die Gegnermassen, während wir verschiedene Kombo-Angriffe aneinanderreihen.

Zumindest theoretisch machen die Kämpfe in Biomutant damit richtig Spaß und könnten als Highlight des Spiels angesehen werden. Jedoch verlangt das Spiel aufgrund seines leichten Schwierigkeitsgrades auch auf schwereren Einstellungen nie ein solches Vorgehen. Wer mag, kann den gesamten Kampf über die Schusstaste gedrückt halten und die Kämpfe damit wie im Auto-Modus spielen. Damit sinkt der Spielspaß allerdings gewaltig.

Biomutant - Explanation Trailer

Quelle: Sony

Biomutant: Nager und Sammler

Ein ähnlich zweischneidiger und nicht ganz zu Ende gedachter Aspekt ist das Crafting-System von Biomutant. Überall in der Open World verstreut finden wir Teile, mit denen wir Waffen und Ausrüstung bauen oder verbessern. Beim Untersuchen alter Bunkeranlagen oder verlassener Stadtruinen kommt damit tatsächlich ein gewisses Survival-Feeling auf. Auch das zusammengewürfelte Design der Objekte trägt zum stimmigen Gesamtbild bei.

Wollen wir uns dann aber ans Werk machen und tatsächlich eine erste eigene Waffe bauen, erschlägt uns das Spiel förmlich mit der Unzugänglichkeit seiner Menüs. Das Zusammenstellen der einzelnen Teile wird zur Wissenschaft. Erst nach ein paar Versuchen finden wir uns einigermaßen zurecht, müssen aber auch dann noch auf Komfortfunktionen wie Sortiermöglichkeiten verzichten.

Biomutant: Fazit

Biomutant bietet ein unverbrauchtes Setting und hebt sich damit von anderen Open-World-RPGs ab. Gerade bei den Kämpfen können Spielende viel Spaß haben, wenn sie sich aktiv gegen einen "effizienten" Spielstil entscheiden. Auch das Crafting-System passt trotz unübersichtlicher Menüs gut in die Spielwelt.

Allerdings können die positiven Eigenschaften von Biomutant nicht über die Schwachstellen hinwegtäuschen. Insbesondere die uninspirierte und langatmige Geschichte und das sich häufig wiederholende Missionsdesign engen den Spielspaß nach den ersten Stunden stark ein.

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