High-End Körperwelten

Audio Physic Avanti 5

25.4.2007 von Redaktion pcmagazin und Knut Isberner

Die Audio Physic Avanti schrieb Musikgeschichte. Die fünfte Generation ergänzt diese mit ihrer körperhaften Wiedergabe um das spannendste Kapitel.

ca. 3:30 Min
Testbericht
Begnadeter Klangkörper: Audio Physic Avanti
Begnadeter Klangkörper: Audio Physic Avanti
© Knut Isberner

Pro

  • holografische Abbildung
  • sehr körperhafte Stimmwiedergabe
  • exzellente Verarbeitung
  • in vielen Furnieren erhältlich

Contra

Ersetzen Sie den Begriff "Reproduktion" durch "Auferstehung", und schon sind Sie dem Wesen der Audio Physic Avanti ganz nah. Diese Lautsprecher reproduzieren Musik nicht einfach - was Schallwandler ohnehin vor ungeheure und oft unlösbare Herausforderungen stellt --, sie hauchen Musik den Atem des Lebens ein, schenken Interpreten und Instrumenten Körper und Raum. Sind die Avantis die besten Boxen der Welt? Nein, auch sie besitzen verzeihliche - Schwächen, doch beherrschen sie das Existenzielle, das wahrhaft Wichtige wie kein zweiter Schallwandler in ihrer Klasse. Was hebt sie so von anderen ab? Ein einzelnes Element zu nennen wäre so vermessen, wie Michelangelo auf die Fresken der Sixtinischen Kapelle zu reduzieren.

Sie werden als stinklangweilig abgelegte und seit Jahren ins Regal verbannte CDs hervorkramen und neu erleben. Erleben - nicht nur anspielen. Erwarten Sie kein "Aah", kein "Ooh", keine von Kurzlebigkeit geprägten Ausrufe des Staunens. Vor wahrhaft Großem kehrt Stille ein. Musiziert die Avanti, vergessen Sie die Welt um sich herum.

Begnadeter Klangkörper: Audio Physic Avanti
© Knut Isberner

Stimmte Reinhard Mey in der -- höchst gelungenen - Live-Aufnahme "Das Konzert" (Pläne) den "51er Kapitän" an, dann kehrte ebenfalls Ruhe in das Auditorium, eine emotional gespannte, spürbare Ruhe. Das Publikum las dem Barden von den Lippen, lauschte und hinterfragte in Gedanken. Andere Speaker machen da eben "nur" Musik. Die Avanti allerdings füllte den Hörraum mit Leben, je nach den Worten Meys mit Schwermut, dann mit Hoffnung. Sie vermittelte die Botschaft des Künstlers.

Dabei war es gerade Mey, welcher eine winzige Schwäche der Avanti offenbarte: Je nach Tonlage blähte sie seine Knödelstimme in einem schmalbandigen Bereich minimal auf. Hier zappte die Jury zwischen der ultraneutralen Focal Electra 1027 Be und der Audio Physic hin und her. Und trotz der leichten Färbung, auf die sich Testerohren einschießen wie Scharfschützen, bot die Avanti die realistischere Darstellung, blieb näher an Publikum und Interpret. Natürlichkeit drückt sich eben nicht nur in einem glatten Frequenzschrieb aus. Die Focal vermittelte nicht die atmosphärische Dichte, nicht diese atmende, stoffliche Wahrnehmung.

Rotierte Griegs unvergleichliche "Peer-Gynt-Suite" und "In the Hall of the Mountain King" (Philips) im Meridian CD-Player G 08, tönten die Basswogen wie ein gewaltiger Orkan, eine wild schäumende Brandung. Keine Contenance - auch nicht mit "I Will Remember" der Altrocker von Toto ("Tambu"/BMG) oder dem vielleicht bemerkenswertesten Drumstück der Musikgeschichte: "A brief case" von Saga ("In Transit"/Universal). Die Avanti rockte, ihre Bässe drückten, zogen, pressten, ja peitschten körperlich, dabei absolut konturiert. Zu dieser kontrollierten Basswiedergabe tragen vier 17-Zentimeter- Töner, von denen je zwei sich in den Seitenwangen exakt gegenübersitzen, ihr Schärflein bei. Die Anordnung kompensiert die auf das Gehäuse wirkenden Druck- und Zugkräfte weitgehend.

Begnadeter Klangkörper: Audio Physic Avanti
Tiefschläger: Zu beiden Seiten der Avanti strahlen je zwei 17-Zentimeter-Chassis die Bässe ab.
© Knut Isberner

Aber die Avanti konnte auch anders: Eben noch brutal und dominant, erweckte sie Edith Piaf ("Best of"/Zounds) vor der gebannten Jury zum Leben. Wie verführerisch sanft, wie sinnlich zugleich zelebrierte der Spatz von Paris "Je ne regrette rien". Wenige Augenblicke später war die Avanti dann griffig und giftig wie eine gereizte Katze - lauschen Sie Shirley Bassey mit "Big Spender" (EMI), es wird Sie umhauen. Eben noch die zierliche Gestalt, die spröde Stimme der Piaf, dann Bassey mit voller Brust, kraftvoll und nicht minder verführerisch.

Die Lautsprecher schufen kein Abbild der Künstler. Sie projizierten diese so körperhaft und authentisch, dass man versucht war, um die Interpreten herumzugehen. Die Avanti ist ein Chamäleon - mal die Schöne, mal das Biest.

Die ungewöhnlichen Wege sind oft die effektiveren

Wie kommt das? Es ist die Summe unzähliger Details - in einem komplexen System wie einem Lautsprecher wiegt jedes Element. Sei es benannte Anordnung der Tieftöner, sei es die Tatsache, dass Manfred Diestertich, Chefentwickler von Audio Physic, alle Chassis über Kunststoffpuffer vom Leib der Avanti entkoppelt oder diesem ein - von außen nicht sichtbares - Schlitzkleid (Abbildung unten rechts) verpasste. Das erhöht die Steifigkeit des Korpus und hat gegenüber konventionellen Stabilisierungsmaßnahmen den Vorteil, dass wenig an Gehäusevolumen (wichtig für fundamentalen Bass) verloren geht. Geht Diestertich hier schon andere Wege als seine Mitbewerber, so wählte er für den Hochton der Avanti gar einen fast skurril anmutenden Weg: Dort schuftet ab 3 kHz ein Tweeter mit einer Konusmembran aus eloxiertem Aluminium (Abbildung rechts). Konusse sind in den Höhen eher verpönt, doch scheren den Entwickler keine Mehrheiten. Er ist von der mechnischen Überlegenheit seines modernen Konus gegenüber Kalotten überzeugt. Der Erfolg gibt ihm Recht. Selten hat HomeVision eine so natürliche, so entspannte Hochtonwiedergabe gehört.

Fazit

Die Audio Physic Avanti geht technisch ungewöhnliche Wege. Vielleicht zaubert sie gerade deswegen Klangbilder von begnadeter Anmut, faszinierender Plastizität und bleibt doch so unauffällig - der staunende Hörer wird still, hält inne, besinnt sich auf die Intentionen des Interpreten, des Komponisten. Die Avanti ist nur ein Lautsprecher - aberMichelangelo war ja auch nur ein Maler.

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