Digitale Fotografie - Test & Praxis
Testbericht

5D Mark II, 1D Mark IV & 1Ds Mark III - Die Profis

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Die EOS 5D Mark II verblüfft zunächst mit ihrem Preis: Für 1900 Euro gibt es den 21- Megapixel-Vollformatsensor in einem robusten Gehäuse aus Magnesiumlegierung, das rund 400 g weniger wiegt als die beiden anderen aus gleichem Material. Äußerlich wirkt die 5D Mark II kompakter. Der für die Profis typische Batteriehandgriff für Hochkantaufnahmen gehört nicht zur Grundausstattung, ist aber optional montierbar. Prismenknubbel und der fehlende Blitz zeigen indes sehr wohl die Nähe zu den EOS-Profis. Mit zur Ausstattung der neueren 5D/1D-Modelle gehört der verbesserte Digic-4-Prozessor, einzeln bzw. als Dualausgabe in der 1D Mark IV. Die ältere 1Ds muss noch mit einem Doppelpack-Digic-3 auskommen. Üblich für die Klasse ist der Staub- und Spritzwasserschutz.

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Canon 5D Mark II: Die EOS 5D Mark II bietet den günstigsten Einstieg in die Oberklasse mit 36 x 24- mm-Vollformatsensor und 21 Megapixel Auflösung in einem handlichen Gehäuse im Mittelklassenformat.

Alle drei bieten Prismensucher mit austauschbaren Einstellscheiben. Der Sucher der 5D Mark II fällt mit einer Vergrößerung von 0,71 kleiner aus als bei der 1Ds (0,76) aus, ist aber groß genug, um präzise zu arbeiten. Die 1D bietet mit 0,58 wegen des kleineren Sensors deutlich weniger, aber 100 % Bildfeldabdeckung wie die 1Ds. Die 5D muss mit 98 % auskommen. Die Nase vorn haben 5D Mark II und 1D Mark IV beim Monitor: Der helligkeitsadaptiv gesteuerte 3-Zöller löst mit 307000 RGB-Pixeln auf.

Bei der 1Ds ist noch ein 3-Zoll-Monitor mit 76 600 RGB-Bildpunkten verbaut. Alle drei bringen Live-View mit. Während die 1Ds im Live-Bild-Modus nur manuell fokussieren kann, hat der Fotograf bei den neueren Modellen die Wahl zwischen Kontrast-AF mit Gesichtserkennung auf dem Sensor und "Quick-Fokus" per Phasendetektions-AF. Es lassen sich Gitternetz und Histogramm einblenden, bei der 1Ds nur Gitter.

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Canon 1D Mark IV: Ungewöhnlich die Sensorgröße der EOS 1D Mark IV mit 27,9 x 18,6 mm und 16-Megapixeln Auflösung. Im Test ist sie mit knapp 9 B/ s die schnellste Kamera, was sie zum Reportage-Profi klassifiziert.

AufnahmefunktionenHauptunterschied zwischen den drei Schwestern ist die Sensorgröße und damit die Auflösung: Während die kleine Mark II und die große 1Ds volles 36 x 24-mm-Kleinbildformat mit 21 Megapixeln Auflösung bieten, arbeitet die 1D Mark IV mit einem etwas kleineren Sensor: 27,9 x 18,6 mm, Crop-Faktor 1,3. Die APS-C-Sensoren der Amateurmodelle bis zur 7D sind noch etwas kleiner mit Crop-Faktor 1,6.  Das hat Konsequenzen für die Bildqualität: weniger Pixel (16 Megapixel Auflösung), aber höhere Empfindlichkeiten bis ISO 102400, sowie für die Geschwindigkeit.

Einen Vorteil spielt die Mark IV mit ihrem AI-Servo-II-AF-System aus: Sie bietet 45 AF-Sensoren, davon 39 Kreuzsensoren, die über die gesamte Fokusfläche verteilt sind. Ein Fokuspunkt kann in Abhängigkeit von der Kameraausrichtung festgelegt werden, so dass er beim Wechsel vom Hoch- ins Querformat an seiner Stelle, etwa im unteren Drittel, bleibt. Die 1Ds arbeitet mit ebenfalls 45 AF-Sensoren, aber nur 19 Kreuzsensoren.

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© Archiv

Canon 1Ds Mark III: Das Flaggschiff der EOS-Familie, die vollformatige EOS 1Ds Mark III steht mit älterem Digic-3-Prozessor und 76 600 RGB-Pixeln auflösendem Display vor der Ablösung.

Die Mark II muss mit neun AF-Sensoren und einem Kreuzsensor auskommen - soviel wie die EOS-Einstiegsklasse. Dennoch erreicht die 5D Mark II im Verbund mit dem leistungsfähigen Digic-4-Chip die besten AF-Zeiten plus Auslöseverzögerung von 0,28 s/0,32 s (bei 3000/30 Lux) der drei Schwestern. Bei 3000 Lux ist die 1Ds geringfügig besser (0,26 s), lässt aber bis 30 Lux auf lahme 0,54 s nach. An seine Grenzen kommt die Kleine bei der maximalen Serienbildfrequenz von 3,8 B/s, die bei der 1Ds mit 4,8 s besser ausfällt. Top-Ergebnisse erreicht hier die Reportagekamera 1D Mark IV mit 8,7 B/s.

Gekoppelt an das AF-Messsystem hat Canon der 1D Mark IV und 1Ds Mark III ein 63-Zonen-Belichtungsmessystem spendiert, das alle erdenklichen Messmethoden zur Verfügung stellt. Die 1D Mark IV bietet ferner ISO-Werte von 50 bis 102 400, bei der 5D Mark II mit 35-Matrix ist bei 25600 Schluss, die 1Ds schafft 3200. Belichtungsreihen sind bei den Profis mit  + 3 Blenden möglich, bei der 5D Mark II sind nur + 2 LW drin. Blitzbelichtungsreihen bieten nur die beiden Großen. Bei der Blitzsynchronzeit macht die 5D Mark II das Schlusslicht mit 1/200 s, die 1Ds schafft 1/250 s, die 1D 1/300 s.

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Canon 5D Mark II: Das eingebaute Blitzgerät der Mittelklasse und das typische dritte Display der Profis fehlen.

Ungewöhnlich für diese Klasse: 5D Mark II und 1D Mark VI warten mit Features auf, die man eigentlich von den Semiprofessionellen kennt: Auto-ISO erlaubt das Fotografieren mit fest vorgewählter Blende und Belichtungszeit unter wechselnden Lichtbedingungen, und der Auto Lighting Optimizer optimiert selbstständig die Dynamik. Mit zum Paket gehört die automatische Vignettierungskorrektur von bis zu 40 Objektiven. Ein Flüstermodus verringert zudem bei Bedarf das Auslösegeräusch von Einzelaufnahmen.

Nur die beiden jüngeren Modelle beherrschen Videoaufzeichnung in Full-HD mit bis zu 30 B/s und einer maximalen Länge von 30 min beziehungsweise 4-GB-Daten.  Zum Speichern der aufgenommen Daten stehen bei 1D Mark VI und 1Ds je zwei Slots für CF I/II und SD(HC)-Karten zur Verfügung. Die 5D Mark II bietet nur einen CF I/II-Slot. Ein optional erhältlicher WLAN-Adapter zum drahtlosen Versenden der Daten gehört aber typischerweise bei allen zur Ausstattung.

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Canon 1D Mark IV: Der Transmitter WFT-E2 II ermöglicht kabellose wie USB-Verbindungen zu externen Geräte.

BedienkonzeptBei der 1D Mark IV und 1Ds Mark III findet sich über dem hinteren Einstellrad ein Joystick, mit dem man schnell durch die in Reitern angeordneten Menüpunkte navigiert. Ergänzend zum LC-Display auf der Gehäuseoberseite informiert ein zweites  Statusdisplay über Kameraeinstellungen unterhalb des TFT-Monitors. Mit zur Grundausstattung gehört der integrierte Hochformatgriff, der neben dem leistungsstarken Akku und weiteren Bedienelementen  über einen zweiten Auslöser verfügt.

Dass die 5D Mark II eine Sonderstellung einnimmt, ist auch am Bedienkonzept ersichtlich, das eher den Semiprofessionellen ähnelt als den Profis. Der Fotograf muss sich mit einem Monitor und einem Statusdisplay begnügen, das schmale Zusatzdisplay darunter fehlt. Typisch für die Mittelklasse ist auch das Modusrad links oben am Gehäuse: Neben den üblichen manuellen und halbautoma-tischen Einstellungen ist eine Vollautomatik vorhanden. Dazu kommen umfassende Konfigurationsmöglichkeiten, drei Pakete lassen sich intern abspeichern und per Modusrad wieder abrufen. Wichtige Funktionen sind per Direkttasten korrigierbar. Allerdings verfügt die 5D Mark II noch über die Doppelbelegung der Tasten auf der Gehäuseoberseite.

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Canon 1Ds mark III: Die Bedientasten links am Prisma sind teils doppelt belegt, die FEL-Taste zwischen Auslöser und Einstellrad dient zum manuellen Auslösen von Messblitzen.

Bildqualität Bei der Bildqualität trumpft die 5D Mark II ordentlich auf: Mit ihren Auflösungswerten liegt sie zwar hinter der 1Ds. Auffallend ist die hohe Konstanz der Werte über den gesamten ISO-Bereich, während die 1Ds ab ISO 800 deutlich nachlässt. Trotz der sehr hohen Pixeldichte ist es Canon gelungen, ein erstklassiges Rauschverhalten zu realisieren: Mit Werten von 0,5 bzw. 0,9 hat unterm Strich die 1Ds III gegenüber der 5D II das Nachsehen. Gleiches gilt für den Texturverlust bei höheren Empfindlichkeiten. Die 1D Mark IV liefert im Vergleich zur 1Ds bei höheren Empfindlichkeiten ab ISO 800 die besseren, da rauschärmeren und kontrastreicheren Bilder. Bei sehr hohen Empfindlichkeiten spielt sie dann ihre Überlegenheit aus: Bei ISO 12800 beträgt das Rauschen 4,4 und VN 1,9. Das bekommt außer der Nikon D3s keine andere Kamera derzeit so hin.

Einen ausführlichen Test der Canon 5D Mark II finden Sie hier.

Einen ausführlichen Test der Canon 1Ds Mark III finden Sie hier.

Einen ausführlichen Test der Canon 1D Mark IV finden Sie hier.

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